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Testfahrt mit einem MAN von Action Mobil

Ende Oktober 2003 hatte ich Gelegenheit, für eine Woche eines meiner "Traumfahrzeuge" zur Probe zu fahren: das ACTION MOBIL eines Reisekollegen.

Action Mobil Logo Action Mobil ist seit vielen Jahren einer der großen und ein Pionier in Sachen Fernreisefahrzeuge. Aus erster Hand konnte ich mir also einen Eindruck von der Qualität und Praktikabilität eines Fahrzeugs aus dem bekannten Haus verschaffen. Hier findet Ihr meine subjektive Zusammenstellung von Vor- und Nachteilen.

Jedes ACTION MOBIL wird - wie jedes andere  individuell gefertigte Fernreisemobil - exclusiv auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten. Was der Kunde bestellt, das bekommt er: schließlich ist hier der Kunde noch König.

So kommt's aber auch, dass Dinge, die der eine als unbedingt notwendig empfindet, dem anderen eher überflüssig erscheinen. Jeder hat auf Grund von Erfahrungen und persönlichen Präferenzen seine ganz eigene Idee von Traumfahrzeug. Das ist ja das interessante daran: es gibt keine zwei identischen Fahrzeuge! Wenn ich hier also Dinge als nicht so praktisch oder "schlecht" einstufe, heisst das nicht, dass sie von Grund auf schlecht sind. Mir jedoch erscheinen sie als nicht optimal gelöst. Meine Einschätzung ist - wie die jedes anderen - subjektiv!

Trotzdem habe ich einige Punkte zusammengetragen, die mir bei der Testtour aufgefallen sind, und die ich bei der Planung von "meinem" Sandfloh 3 bzw. der Lady Grey berücksichtigen möchte.

Wadi Rhumm (Jordanien)

Leider ging es nicht in diese schöne Ecke Jordaniens, sonden zu einem aufregenden beruflichen Einsatz in einem Wasserkraftwerk in Ingolstadt (Bayern). Folglich kann ich wenig über die Wüstentauglichkeit des Gefährts sagen, bin aber überzeugt, dass es sich dort tapfer schlagen wird. Was die Geländegängigkeit angeht ist es mit einem Unimog nicht zu vergleichen, aber durch seinen Allradantrieb, die Differentialsperren, die gewaltigen 14.5R20-er Reifen und die passable Bodenfreiheit wird er im Vergleich jedoch nicht allzu weit zurückstehen.

Die Tatsache hingegen, dass man nach einem langen Tag hinterm Steuer wesentlich ausgeruhter aussteigt als das bei einem Unimog der Fall ist, kann eine Menge wert sein! Der Unimog ist ja von Haus aus - und wie der Name schon sagt - als Arbeitsgerät konzipiert. Der Komfort, den man sich für ein Fernreisefahrzeug wünscht, stand bei der Entwicklung nicht gerade im Vordergrund.

Fahrzeug:
plus großer Fahrkomfort; Schwingsitze federn die harten Schläge; gute Beschleunigung, auch im unteren Drehzahlbereich; Höchstgeschwindigkeit bei ca. 120 km/h (auf freier Strecke auch noch beherrschbar)
plus Fahrgestell und Fahrerkabine sind für Langstreckeneinsatz ausgelegt
plus Das Fahrzeug ist - trotz 2300mm Breite - übersichtlich und auch auf schmalen Straßen gut zu manovrieren
minus Einen praktischen Parkplatz im Einkaufszentrum kann man sich mit 2300mm Breite und 7200mm Länge nicht erhoffen - damit wird ein zweites (kleines) Fahrzeug an Bord fast zwingend notwendig (Fahrrad, DiBlasi-Moped, Quad o.ä.).
minus Das Rückwärtsfahren bedarf großer Übung; eine Rückfahrkamera bringt hier viele Vorteile und erspart wiederholtes Aussteigen (wie viel Platz ist denn noch bis zum Baum am Heck?)
Aufbau und Innenraum:
plus Die Höhe des Innenraums (1840mm) ist gut gewählt, 50mm mehr würden großwüchsige Zeitgenossen sicher freuen.
plus Der schmale Stauraum für Anoraks, Schuhe etc. direkt nebem der Eingangstür ist super praktisch
minus Die voluminösen Staukästen unterhalb des Betts sind gut angeordnet: gut zugänglich, gut unterteilt und vorn (Schwerpunkt)
plus Die unverkleidete Decke (glatt weiss, GfK Oberfläche) ist sehr pflegeleicht und neutral. Beim Möbelbau muss aber darauf geachtet werden, dass keine Kleberreste übrig bleiben.
minus Die Eingangstür ist zweigeteilt. Bei jedem "ordentlichen" Ausstieg müssen beide Türteile geöffnet werden (doppelte Arbeit). Soll's mal schnell gehen, ist eine Kopfbeule vorprogrammiert. Der Nutzen einer geteilten Tür ist mir nicht recht erkennbar (Lüftung?).
minus Rölladenkästen (Seitz Rollos) tragen weit auf und stören die farbliche Harmonie im Innenraum (graue Rollos in einem holzfarbenen Interieur). Bedienung der Rollos ist hakelig (Plastik); aber schnelle und verlässliche Verdunkelung, guter Mückenschutz
minus Die Verschlüsse für die massiven Fenster ragen weit in den Raum hinein und sind echte "Hängenbleiber". Bedingt dadurch müssen auch die Rollos weiter auftragen als notwendig.
minus Die Anordnung der Fenster im Aufbau erscheint nicht optimal:
- Sitzecke: wenn man normal sitzt, schaut man zwangsläufig auf die gegenüber liegende fensterlose Wand.
- Bettbereich: es gibt nur ein Fenster, wodurch der größte Teil des Fahrzeugs nachts nicht eingesehen werden kann
- Küche: Fensteranordnung ist OK mit gleichzeitiger guter Lüfungsmöglichkeit
- Wand gegenüber der Küche: Fenster erscheint mir nicht notwendig, da man auf dieser Seite einfach zur Türluke hinaussehen kann.
Ich favorisiere eine Rundumaussicht - nicht nur wegen des schöneren Ausblicks, sondern zur Überwachung des Fahrzeugs (kleiner toter Winkel!)
minus Der Platz gegenüber der Küche ist mit einem 1110 cm hohen Schrank mit darüber liegendem Fenster bebaut. Dies erscheint mir als Platzverschwendung, vor allem an diesem schwerpunktmäßig günstigen Platz. Vorteil: der Innenraum wirkt größer und offener als er im Grunde ist.
plus Die Fenster sind absolut dicht (zweistufige Lippendichtungen) und wie Fenster aus dem Haus aufgebaut (Holzrahmen, 2-Scheiben-Isolierglas)
minus Beleuchtung (Halogenlampen in Schwenkfassungen; meist in der Decke platziert) ist viel zu grell und blendet z.B. beim Lesen. Besser: dimmbare Leuchten oder zweistufige Neonleuchten mit Streuschirm
plus Der Möbelbau erfolgte mit handelsüblichen Holzplatten (16 mm stark) und normalen Topfscharnieren. Das Innere der Schränke ist freundlich weiß (auch gut sauber zu halten), die Zwischenböden können über seitliche Stiftreihen gut an die Erfordernisse angepasst werden.
minus Die Möbelverschlüsse sind Druckknöpfe (wie im "Wohnmobil") und etwas umständlich zu bedienen
plus Der schräge Übergang vom Wand- in den Deckenbereich unter 45 Grad ist sehr gut und optisch ansprechend gelöst. Daneben können hinter der Holzblende auch gut elektrische Kabel verlegt werden.
minus Die Bespannung der Seitenwände mit Sisalgeflecht erscheint - vor allem im Bettbereich - nicht optimal (Sisal kratzt gehörig auf der Haut)
Küche:
plus Küchenanordnung und -größe sind gut gelöst (Breite 1280 mm); Die Arbeitshöhe (920 mm über Boden) ist nicht zu niedrig. Die hintere und rechte Schmutzabdeckung sind mit Alu-Riffelblech ausgeführt; links (zur Sitzecke hin) hätte sich das auch angeboten.
plus Kocher, Spüle und Kühlschrank sind gut platziert, der Arbeitsplatz (freie Fläche) ist dagegen etwas klein geraten; der Platz rechts von der Spüle ist zu schmal (ca 10 cm)
minus Der Kühlschrank (Eigenbau von A.M.) ist gut isoliert, die Innenaufteilung ist spartanisch. Insbesondere an die unteren Fächer kommt man schlecht ran. Der Kompressor schaltet sich oft für kurze Zeit ein (und arbeitet damit ineffizient). Besser wäre ein Kältespeicher, um längere Kompressorlaufzeiten zu erreichen. Ferner kann der Kühlschrank von außen nicht zu- oder abgeschaltet werden.
plus Der Besteckkasten ist sehr groß geraten und bietet damit neben dem Besteck Platz für ein paar der Tausend kleinen Dinge, die sonst immer irgendwo rumkugeln.
minus Die 230 Vac-Steckdosen in der hinteren Verkleidung (oberhalb der Arbeitsfläche) sind nicht optimal platziert (Kabel auf der Arbeitsfläche, Schmutz, Spritzwasser), besser in die vordere Küchenverkleidung integrieren
Sitzgruppe:
plus Die Maße der Sitzgruppe sind auch für 3 bis 4 Personen ausreichend: Breite 1950 mm, Länge 1200 mm, Tischbreite und Sitzbankbreite je 650 mm
minus Die Hinterlüftung der Rückenpolster ist gut und einfach gelöst; die gewünschte Heizleistung kann mit den verlegten Plattenheizkörpern (Plastik) jedoch nicht erreicht werden.
plus Der direkte Zugriff aus der Sitzecke zum Küchenblock ist vorteilhaft, wenn mal ein Löffel fehlt - oder das Salz für die Eier.
minus Die seitlichen Staufächer (1,20 m lang, 8 cm breit) sind zwar gut gemeint, verkommen aber m.E. schnell zu "Kruschfallen", in denen man nichts findet. Besser erscheint mir eine Nutzung des Raums für einen breiteren Tisch (Kartenablage; Arbeiten etc.)
Bett:
minus Das Bett ist (für zwei Personen) deutlich zu klein geraten. Es kann durch die Verjüngung im "Fußbereich" (bei zwei Personen) nur in einer Richtung benutzt werden. Die Breite von 140 cm im Schulterbereich ist OK, die Breite von 110 cm im Fußbereich aber birgt "Konfliktpotential".
Wie soll man sich betten, wenn das Bett durch den gefundenen Parkplatz zur "Fußseite" hin ansteigt? Dann sind Kopfschmerzen durch einen Schlaf mit Kopfebene unterhalb Herzbenene vorprogramnniert.
Die Länge von 180 cm (minus der Dicke der Verdunklungsrollos) ist zu kurz. Selbst ich (178 cm kurz) bin dauernd oben oder unten abgestoßen.
Die Ausstiegsmöglichkeiten sind sehr schmal: bei 2-Personenbelegung muss der eine über den anderen hinüberkriechen (im Oberkörperbereich), um aus dem Bett zu kommen.
Die Höhe der Liegefläche (1050 mm über Boden) ist OK. Der Freiraum über der Liegefläche (820 mm über Matratze) ist etwas knapp bemessen zum vollen Aufsetzen im Bett.
plus Der Lattenrost und die Unterlüftung des gesamten Bettbereich ergibt ein angenehmes Schlafklima und gehobenen Schlafkomfort. Warum der Lattenrost bei jeder Wendung knarrzt und ächtzt, konnte ich aber nicht in Erfahrung bringen.
minus Die "Matratze mit Knick" erfordert spezielles Bettzeug (Auflage, Betttuch) und ist nicht gut in Schuss zu halten
Nasszelle/Toilette:
plus Die Masse der Nasszelle sind OK (1200 mm lang auf Fensterseite, 900 mm lang auf Türseite, 960 mm breit auf Beckenseite, 700 mm breit auf Toilettenseite)
minus Der Nassbereich hat - mit Ausnahme des Fensters - keine Entlüftung. Luftfeuchtigkeit, z.B. nach dem Duschen kann nicht entweichen, außer man öffnet das Fenster (nicht jedermanns Sache, wenn's draußen stürmt und schneit)
plus Die Innenauskleidung der Nasszelle ist gut: glatt, d.h. leicht sauber zu halten und ohne Wasserfallen; wie eine so glatte Oberfläche auch an den Nahtbereichen erreicht werden kann, möchte ich noch klären (evtl. wurde überlaminiert)
minus Ein fehlender Duschvorhang hat zur Folge, dass nach jeder Körperwäsche der gesamte Nassbereich geputzt werden muss (ihr wisst ja, ich bin ein Mensch, der derartige, immer wiederkehrende Arbeiten hasst :-))
plus Die Abflussrinne rund um den erhöhten Standplatz ist gut gelöst, so dass man nicht im eigenen Seifenwasser steht (Rutschgefahr). Bei leichter Schrägstellung in der falschen Richtung bleibt das Abflusswasser aber in der Rinne stehen und kann nicht abfließen.
minus Die eingebauten Casettenpotti arbeitete nicht einwandfrei: der Schliessschieber (Plastik) war sehr schwergängig, der Schalter der eingebauten Spülung hakte und liess die Pumpe dauernd laufen; Das Fassungsvermögen der Casette ist sehr klein, nach 3-4 Tagen ist bei 1-Personen-Nutzung eine Entsorgung nötig.
Elektrik (da bin ich von Berufs wegen besonders interessiert):
plus Die Stromversorgung der meisten Verbraucher erfolgt mit 24 Vdc, daher entfallen dicke Stromkabel; allerdingst ist ein Umsetzer 24V auf 12V für Verbraucher erforderlich, die nur mit 12V laufen (z.B. Radio)
plus Die installierte Batteriekapazität von 220 Ah erscheint sehr reichlich dimensioniert. Die Berechnung der Batteriegröße erfolgte an Hand von Sommer-Verbrauchswerten und sollte für Wintebetrieb nachgerechnet werden.
plus Das Controlpanel sitzt zentral und ist im Normalfall gut zu erreichen und einzusehen. Die angezeigten Werte erscheinen mir (Technikfreak!) aber sehr spartanisch. Das Batteriekapazitätzsmessgerät (Ah's) zeugt nur Hausnummern an (ist auch bei anderen Anzeigen ein wirklicher Schwachpunkt)
minus Das Radio ist weder von der Sitzecke noch vom Bett aus zu bedienen, d.h. bei jeder Lautstärkeänderung muss man aufstehen; morgens zum Einschalten der Morgenmusik muss man erst aus dem Bett kriechen.
minus Gleiches gilt für die Bedienung der Heizung, was besonders morgens zum Einschalten der Heizung ein Handicap ist (erst aus dem warmen Bett kriechen, um im kalten Aufenthaltsraum die Heizung anzustellen. Besser: entweder die Hzg. über ein Uhrenthermostat automatisch zu starten (Nachtabsenkung) oder Bedienschalter vom Bett aus erreichbar montieren.
minus Die beiden genannten Schwachpunkte werden sich generell bei einer getrennten Anordnung Bett/Sitzecke einstellen. Daher sollte evtl. - wenn ihr Wert darauf legt - ein zweites Radio im Bettbereich montiert werden. Aber es gibt ja auch Radios mit kabelloser Fernbedienung (aber wo liegt die denn nun schon wieder 'rum?)
Heizung:
minus Die Auslegung der Heizung wurde auf wärmere Regionen hin optimiert. Im Bad - dort hängt ein prima Heizkörper - wird es schnell warm (ca. 30 min nach Start der Heizung). Im sehr viel größeren Wohn- und Aufenthaltsraum - dort hängen drei fast gänzlich verkleidete kleine Plastik-Plattenheizkörper - wird es auch nach zwei Stunden nur lauwarm. Die als Hauptwärmespender gedachte Fußbodenheizung - sicher eine gute Idee wegen der warmen Füße und dem kühlen Kopf - ist wie im Hausbau auch äußerst träge.
plus Die Heizung - eine Webasto Wasser-Standheizung mit Brennstoff Diesel - arbeitet sauber und zuverlässig.
Wasserver-/entsorgung:
plus Die Größe des Frischwassertanks ist sehr gut (200 l); der Abwassertank (50 l) erscheint mir etwas klein (Entsorgung nach ca. einer Woche im 1-Personenbetrieb notwendig)


Hier gibt's noch ein paar Bilder des MAN:

MAN von Action Mobil Chemietoilette MAN von Action Mobil Ersatzradhalter Heizkörper im Bad Sitzecke Nasszelle Verkleidung Heizkörper am Eingang Wassertechnik Heizkörper in der Sitzecke Standheizung Heizkörper hinter den Sitzen Abwassertechnik Seitenfach Lüftung Bettunterbau Kontrolltafel Elektrik Dachluke Kontrolltafel Elektrik Kruschfach Küche Kruschfach Seite Kühlschrank Innen Schrank unter dem Bett