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Reifen, ein Thema mit Variationen:


Das Thema Reifen ist für viele Diskussionen gut. Ebenso für viel Lehrgeld! Das musste ich - nolens volens - in die Hand nehmen, um Reifenverschleiss und Treibstoffverbrauch zumindest halbwegs zu optimieren.

Lady Grey bei der Abholung vom Vorbesitzer mit Reifen 335/80 R 20 Angefangen hat's mit den Sandreifen des Vorbesitzers: Michelin MPT Reifen in der Größe 335/80 R 20 (analog 12,5 R 20). "Die sind aber winzig" fällt mir schon bei der ersten Besichtigung auf. Der neue größere Aufbau lässt sie Jahre später auch nicht passender wirken! Außerdem liegt der Spritverbrauch mit 18 bis 20 l auf 100 Kilometer etwas zu hoch - das kann man sicher noch optimieren!

"Nimmst Du Reifen mit größerem Abrollumfang, dreht der Motor bei gleicher Geschwindigkeit weniger und Du brauchst weniger Sprit! ", so meine Annahme, die durch Kommentare mehrerer Mitglieder in diversen Foren prompt bestätigt wurde. Gesagt - getan.

Große Hoffnung liegt auf den neuen Reifen 365/80 R 20. Also im März 2011 umrüsten auf 365/80 R 20 (analog 14,5 R 20), ebenfalls Sandreifen, diesmal DUNLOP MPT 81. Wenigstens stimmt nun die Optik! Doch beim Verbrauch hatte ich die Rechnung offenbar ohne die Reifen gemacht: der Durchschnittsverbrauch steigt um zirka 15 Prozent anstatt zu fallen und liegt nun selten unter 22 l/100km. Im Mittel auf 15.000km komme ich auf 23,15l/100km. "Klar", sagt mir ein erfahrener Fahrzeugbauer, "der Walkwiderstand der großen Reifen ist deutlich höher, daher der höhere Spritverbrauch." Hätte ich doch gleich jemand gefragt, der sich auskennt! (Soviel zum Thema 'Schlaumachen in Intenet-Foren'!)

Dazu kommt ein mächtiges Dröhnen im Fahrzeug. Das kenne ich ja schon aus den Sandfloh-Tagen und schiebe es wie selbstverständlich auf das grobstollige Profil der MPT-Reifen.

Und dann der Reifenverschleiss!!! Auf der Strecke München - Finnland - Island hatte ich das erste Paar Reifen auf der Vorderachse 'runter. Nach nicht einmal 10.000km!!! Dabei war ich überwiegend gute Straßen und Autobahnen, vielleicht 15% Piste gefahren! Der Reifentausch Vorderachse gegen Hinterachse bessert das Bild ein wenig, Abrollgeräusche und das Dröhnen aber bleiben.

Schlampig eingelegtes und verknotetes Wulstband. Der Plattfuss an der Dades-Schlucht bringt dann - ganz zufällig - Licht in die Reifen-Malaise: an dem früheren Vorderrad war augenscheinlich das Wulstband fehlerhaft, d.h. mit einem 'Knoten' montiert worden war (Das Wulstband war vermutlich mit viel Gewalt hineingestopft worden, ohne dass es glatt auf Felge und Schlauch aufliegen konnte.) Der Werkstatt in Weilheim sei ganz herzlicher Dank!!!

Eine Unwucht der Räder war dabei natürlich vorprogrammiert! Unglücklicherweise wurde dieses Rad auch noch auf der Vorderachse montiert, die ja von Haus aus eher zum Schwingen neigt als die Hinterachse!

Überprüfen, wie viele der anderen Räder ebenfallso so unfachmännisch montiert worden waren, verkneife ich mir auf Grund des hohen Aufwands. Mein Entschluss aber steht fest: vor der Verschiffung nach Canada müssen in jedem Fall neue Reifen her - und ordentlich montiert werden! Dazu kommen noch eine Reihe Hinwiese, dass in Nord- noch in Südamerika Ersatzräder in 20-Zoll nur äußerst schwierig zu bekommen sind. Na prima!

Ein zufälliges Treffen mit Manfred - einem erfahrenen Hasen auf MAN 10.225 - gibt den Ausschlag: 80.000km ist er schon auf dem ersten Satz werksseitiger 22,5-er, CONTI HTC 385/65 R 22,5 unterwegs. Und die Walzen schau'n aus wie neu! "Nimm Michelin XZY 3, die sind noch besser und haben neuerdings (Bezeichnung 3) einen verbesserten Flankenschutz!" rät mir Manfred: er hatte sich schon eine ganze Weile intensiv mit diesem Thema beschäftigt!

Ein belgisches Pärchen in Moulay Bousselham (Marokko) unterstreicht Manfred's Einschätzung mit praktischen Erfahrungen: "Du fährst wie auf Wolken! Und in den Staaten bekommst Du problemlos Ersatz!" Sie hatten eine ähnliche Malaise erlebt wie ich.

Die neuen 22,5-er Schlappen in der NABHOLZ Werkstatt Mein Entschluss steht: statt neuer Reifen auf die alten 20-Zoll Felgen werde ich komplett neue Räder in 22,5-er Abmessung montieren lassen.

"Auf dem Weg zur Verschiffung 'schnell mal' im Vorbeifahren die Räder tauschen!" Dank der hervorragenden Unterstützung durch MAN in Karlsfeld und dem Nabholz Reifendienst klappt das wie am Schnürchen. Trotz Faschingsdienstag bekomme ich morgens die neuen Räder, mittags die notwendige Tachojustage und in einer nächtlichen Sonderschicht sogar noch den Segen des TÜV. Die Eintragung in den KFZ-Schein am nächsten Morgen ist nur noch Formsache.

Die Rechnung allerdings wiegt fast so schwer wie die ganzen Räder!

Item Lieferant Preis (Euro)
Felgen (22,5 x 11,75, ET 120mm, 8-Loch, mittenzentriert, neu) MAN 302,40 pro Stück
Reifen (Michelin XZY3, 385/65 R 22,5, 160K, schlauchlos) NABHOLZ 528,90 pro Stück
Freigabe der neuen Räder MAN 99,00
Ventile, Wuchten, Montage NABHOLZ 183,00
Anpassung Tachograf MAN 278,00
TÜV Überprüfung (Gutachten) TÜV 71,00

Trotz arg gerupfter Reisekasse bin ich froh, die neuen Räder drauf zu haben: Auf geteerten Straßen fährt man wirklich wie auf Wolken. Die Belgier hatten nicht zu viel versprochen! Wie er sich allerdings im Gelände schlagen wird, werde ich die nächsten Monate antesten können.

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Chile, August 2016 Foto Chile Inzwischen haben die Michelin Walzen ihre erste Bewährungsprobe bestanden, spricht sie sind (fast) abgefahren. 70.000 Kilometer haben sie auf der Karkasse und sehen eigentlich noch ganz gut aus. Im direkten Vergleich zu den Vorgängerwalzen mit MPT-Profil ein gewaltiger Fortschritt! Auf der Vorderachse hat sich allerdings ein deutlich sichtbares Sägezahnprofil auf der Reifenaußenseite ausgebildet. Ob das nun am Reifenaufbau, am Profil oder am Aufbau der Vorderachse des MAN liegt, kann ich als Laie nicht beurteilen. Fest steht nur, dass die Reifen der Vorderachse an der Außen­seite deutlich mehr abgefahren sind als auf der Innenseite. Kannst du machen nix!

Kannst du machen nur Tauschen der Reifen auf der Vorderachse. Sprich links und rechts vertauschen, aber die Laufrichtung beibehalten. Sprich linken Reifen rechts montieren (lassen) und rechten Reifen links. Die Brummifahrer hier tun das regelmäßig (so alle 20.000 km, rät mir ein alter Hase). In Antofagasta, keine 500km von hier hatte ich das noch machen lassen und tatsächlich eine gewisse Verbesserung gepürt (VA läuft ruhiger, das Brummen auf guter Straße ist merklich weniger!) Ob das auf lange Frist etwas bringt, kann ich aber nicht wirklich beurteilen.

Unterm Strich bin ich mit den Michelin XZY3 hoch zufrieden. Für die Straßen und Pisten in Nord-, Mittel- und Südamerika definitiv eine gute Wahl! Dass sie im Gelände, bei Sand und vor allem im Schlamm ihre Nachteile haben, war von vornherein klar - und liegt klar auf der Hand: ein 'feines' Profil setzt sich eben schneller zu als ein grobstolliges. Wirkliche Traktion verspricht in solchen Fällen nur das Ackerschlepper-V-Profil. Das aber ist auf der Straße völlig unbrauchbar! Und die MPT's? Na gut, die bringen zwar im Sand etwas bessere Traktion, in Schlamm und Matsch aber sind sie ebenso schnell zugesetzt (mit Resultat Traktion = Null) wie andere 'fahrbaren' Profile! Die 'eierlegende Wollmilchsau' wurde leider auch von den Reifenherstellern noch nicht erfunden! Und die Auswahl an passenden Reifen in diesen Dimensionen ist doch eher beschränkt!

Festzuhalten bleibt eine gewisse Tendenz der XZY-Profile zum Steinesammeln. Durch die relativ steilen Flanken der Profilklötze sammeln sich zwischen den Gummiklötzchen gerne und häufig kleine bis mittelgroße Steinchen an. Das hat zwar keinen großen Einfluss auf Traktion oder Reifenverschleiß, erzeugt aber irritierende Schleif- und Kratzgeräusche im Rhythmus der Reifenumdrehungen. Dann, wenn die Steinchen über den Teer schleifen. Gerade bei nagelneuen Reifen muss man sich daran erst gewöhnen! Mit nachlassender Profiltiefe nimmt diese Eigenart etwas ab.

Foto Chile Die neuen Reifen in der Dimension 385/65 R 22,5 sind in Chile problemlos zu bekommen. Der Supermercado de Neumaticos mit Niederlassungen in Antofagasta, Santiago, San Bernardo (Zentrale) und Puerto Montt ist eine prima Anlaufstelle. Die Herrschaften haben alles auf Lager, was irgendwie nach Reifen aussieht, ihre Preise sind fair (um nicht zu sagen günstig) und ihr Service ist einfach Spitze (freundlich, schnell und effizient)! In nicht einmal zwei Stunden sind die neuen Walzen aufgezogen, gewuchtet und montiert. Das ganze zu durchaus fairen Preisen: mit 1652 EUR (incl. Montage und Wuchten aller vier Reifen) schon fast ein Schnäppchen! Die Lady Grey fährt wieder wie auf Samptpfötchen!

Die neuen Reifen tragen das Siegel der Marke Toyo, der Reifentyp lautet M320. Das Profil ist beim Michelin XZY3 abgeschaut (oder Lizenz?), auch sonst sehen sie den Michelins zum Verwechseln ähnlich emoticon02. Wie sich die neuen Walzen in der Praxis bewähren, wird die Zukunft zeigen. Bis zur Rückverschiffung nach 'Good Old Europe' werden sie hoffentlich halten. Und in Europa gibt's ja wieder Original-Michelins - Marktführer und "bester Reifen der Welt" wie mir hier sämtliche Händler einstimmig bestätigen. Egal, ob Made in France oder Made in Brasil!

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Einen sehr guten Erfahrungsbericht mitsamt Vergleich PRO und CONTRA Stollenreifen findet ihr bei abseitsreisen.de. Die Erfahrungen von Sabine und Thomas decken sich - reifentechnisch - voll und ganz mit den meinen!