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Auf dem Neuen Kontinent

CDN NS


April 10 2014 Icon

Halifax (Canada, Nova Scotia)  (GPS: 44°39,006'N; 63°34,525'W)

Foto Canada "Welcome to Canada, Bienvenue au Canada" steht in großen Leuchtbuchstaben über dem Ankunftsterminal in Montreal. Wirklich gelesen hat das der Immigration-Officer aber offenbar nicht! Gefühlte zwei Stunden befragt er mich nach dem Grund der Reise (Tourismus), warum ich so lange bleiben möchte (sechs Monate), ob ich tatsächlich ein Rückflugticket (ja) und genügend Bares in der Tasche (auch JA!) habe. Ob ich vorhabe zu arbeiten (NEIN!). Ob ich Verwandte habe in Canada (nein). Und vieles mehr.

Das ganze nach fast zwanzig Stunden Flug und Warterei, als meine innere Uhr seit Stunden auf "Schlafen" tickt. "Cool bleiben! Wenn du dich jetzt aufregst, kommst du gar nicht rein!" flüstert meine innere Stimme. Nach endlosem Hin und Her drückt der Officer doch seinen heiligen Stempel in meinen Pass! So wirklich Willkommen fühle ich mich trotzdem nicht! Noch nicht!

Kaum drei Stunden später setzt der Anschlussflieger in Halifax auf, das Taxi bringt mich gegen Mitternacht Ortszeit ins Hotel und nach 26 Stunden auf den Beinen falle ich totmüde ins Bett.

Foto Canada Am nächsten Morgen sieht alles schon wieder ganz anders aus! Das reichhaltige Frühstück im alterwürdigen Halliburton Inn weckt die Lebensgeister wieder. In drei Tagen, am Sonntag oder Montag soll die 'Atlantic Concert' ankommen, das Schiff, das die Lady Grey an Bord hat. Zeit genug also, die Stadt erst 'mal zu Fuß erkunden. Dick eingepackt, denn der leichte Schneefall von gestern hat aufgehört und einem stürmischen Wind aus Nordwesten Platz gemacht, der offenbar direkt aus der Arktis kommt.

Foto Canada Trotz Minus-Temperaturen kommen mir an der malerischen Waterfront Dutzende Jogger in T-Shirt und kurzen Hosen entgegen. Sind die Canadier tatsächlich so tough oder wollen sie nur den Frühling hervorlocken? Andere wandern wie ich dick eingemummt am Wasser entlang und rücken mein Weltbild wieder zurecht. Ein netter Laden reiht sich an den anderen, lauschige Eckchen mit netten Tischen, anheimelnde Cafes, lustige Bistros, billige Pizzabuden, aufgereiht wie Perlen auf der Schnur. Nur leider: alle geschlossen! Ich frage mich, ob zu dieser Jahreszeit mehr Canadier erfrieren oder verhungern.

Foto Canada Foto Canada Die Stadt selber ist eine bunte Mixtur aus netten Häusern des 18./19. Jahrhunderts - viele davon hübsch renoviert oder zumindest frisch gestrichen - und architektonisch weniger anspruchsvollen Betonkästen und Glasfassaden. Dazwischen riesige Baugruben, Parkplätze und nicht zu vergessen: mannshohe Schneehaufen! Der letzte Winter soll der längste und kälteste der Geschichte Canadas gewesen sein. Den ersten Schnee gab's schon im November und der hoffentlich letzte fiel noch am letzten Freitag - wir schreiben den 04. April! Halifax liegt zwar auf dem gleichen Breitengrad wie Mailand, mangels Golfstrom und schützenden Berge gen Norden ist aber von frühlingshaften Temperaturen noch nicht viel zu spüren.

Sicher fragt ihr Euch "Warum fährt er gerade jetzt dort hin, wo's noch so kalt ist? Er ist doch sonst eher ein Freund der heißen Temperaturen?" Schon richtig, aber die wirklichen Highlights Canadas liegen ja drüben in British Columbia und Alberta. Schlappe 9000 Kilometer entfernt. Und dort möchte ich dann wirklich in der optimalen Jahreszeit reisen, so ab Anfang Juli. Und Kilometer schrubben möchte ich bis dahin ja auch nicht nur. Also heißt's "früh aufstehen!" Außerdem ist's ganz erholsam, mal nicht - wie in Marokko - in einem Pulk weißer Wohnschachteln fahren zu müssen!

Foto Canada An dem langen - und hoffentlich letzten - Wochenende ohne die Lady Grey standen zwei interessante Museen auf meinem Terminplan: das Museum of Natural History und das Maritime Museum of the Atlantic. Leider hatte ich den Terminplan ohne die Museumswärter gemacht: sie sind bis Mai bzw. Juni in Urlaub! Bleibt viel Zeit, nach meinem in Spanien gestohlenen Rad'l zu suchen und mir anzusehen, wie es den Tausenden anderer Neuankömmlinge lange vor mir ergangen ist.

Foto Canada 'Pier 21', direkt an der Waterfront war ab 1920 ziemlich genau fünfzig Jahre lang die erste Anlaufstelle für Einwanderer nach Canada. Ihre Geschichten und die Ausstellung, die unter die Haut geht bewegen mich sehr: auch die 1,5 Millionen Einwanderer von damals hatten ihre Freunde, ihre vertraute Umgebung, ihre Heimat aufgegeben, um in einem völlig unbekannten Land ein neues Leben zu beginnen.

So ähnlich fühle ich mich im Moment auch!

Foto Canada Interessant, wie Canada mit diesen Menschen umgeht: Das Land ist stolz auf die neuen Mitbürger - auch heute noch - und gewährt ihnen Rechte, von denen z.B. Türken in der dritten Generation in Deutschland nur träumen können. So sieht man auf den Straßen ein Völkergemisch aus aller Herren Ländern und alle schauen - auf den ersten Blick - recht zufrieden aus.

Foto Canada Oder liegt das eher an der Bevölkerungsdichte? Teilen sich in Deutschland statistisch 224 Menschen jeden Quadratkilometer Land, so sind es hier nur dreikommavier. Wobei die meisten letztlich doch im äußersten Süden des Landes geblieben sind und das Bild damit merklich verzerren. Das überwiegende Gros des zweitgrößten Landes auf Erden (knapp 10 Mio km2, fast 30-mal so groß wie Deutschland!) ist menschenleer und eher Heimat von Bären und Karribous.

Foto Canada Traurige Berühmtheit erlangte Halifax im Jahr 1917, als sich hier kurz vor Weihnachten die größte Explosion vor Erfindung der Atombombe ereignete. Was war passiert? Mitten im 1. Weltkrieg stießen mitten im Hafen das belgische Versorgungsschiff 'Imo' und das französische Munitionsschiff 'Mont Blanc' zusammen. Die 'Mont Blanc' fing Feuer und explodierte eine halbe Stunde später, just als sich zahlreiche Schaulustige am Ufer versammelt hatten. Der gesamte Norden der Stadt wurde dem Erdboden gleichgemacht, 1600 Menschen kamen ums Leben, darunter viele Kinder. Tausende wurden verletzt oder obdachlos. Heute erinnern mehrere Schautafeln an den Ort dieses tragischen Ereignisses.

Juhuuuu, die 'Atlantic Concert' ist da!

Foto Canada Montag Morgen: neue Woche, neues Glück!

Seit Tagen verfolge ich minutiös das Vorwärtskommen meines Schiffs: der 'Atlantic Concert', die die Lady Grey an Bord hat. Just mit den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne läuft sie nach zwei Wochen endlich im Hafen ein. Wer will da noch an Zufälle glauben? Noch ist die Warterei nicht ganz ausgestanden, aber wenigstens ist das Schiff nicht gesunken. Und die ersten Sonnenstrahlen an diesem ersten Frühlingstag seit Monaten deute ich einfach als gutes Omen für die nächste Etappe!

Foto Canada Foto Canada Nach einem langen Spaziergang darf ich Stunden später - ausnahmsweise !!! - auf's Hafengelände, ja sogar auf's Schiff, um die Lady Grey beim Ausladen zu beobachten. Sie hat wieder festen Boden unter den Reifen und schaut halbwegs unversehrt aus. Der Felsbrocken, der mir vom Herzen fällt, verursacht ein Erdbeben der Stärke 4,2. Mindestens!

Bevor ich die werte Lady aber vom Hof fahren darf, werden noch ein paar Tage vergehen, die Officer von Zoll wollen sie noch genau inspizieren. Hoffentlich sind die nicht so penibel wie der am Flughafen!

Foto Canada Am Dienstag ist allerdings wieder strömender Regen angesagt und ich bin gar nicht böse, dass es heute mit dem Abholen nicht klappt. Mittwoch früh stehe ich allerdings - gemeinsam mit einem Schweizer Pärchen - pünktlich im Büro des Zollagenten. Und heute geht alles wie am Schnürchen. Gebühren bezahlen, mit den Papieren zum Zollbüro in der Stadt, ein paar lapidare Fragen beantworten und mit dem Stempel auf den Papieren wieder zum Hafengelände: das ganze dauert keine halbe Stunde! Jeder ist freundlich und tut sein/ihr bestes, damit wir schnell an unsere Fahrzeuge kommen. Noch die Unterschrift, dass aus unserer Sicht alles in Ordnung ist und wir können vor Freude strahlend vom Terminal rollen.

Foto Canada Auch die Sonne stiehlt sich wieder hinter den Wolken hervor und es wird ein wirklich grandioser Tag. Seit über vier Wochen fühle ich mich wieder 'komplett', so als ob ein lange vermisster Teil von mir wieder da ist. Der Nachmittag vergeht mit Räumerei auf dem Hotelparkplatz. Nach Tanken, Wasser bunkern und Gas auffüllen geht's anderntags noch zum Einkaufen, dann steht dem Abenteuer Canada nichts mehr im Wege!

Foto Canada Noch fünfzig Kilometer schaffe ich an diesem Tag, bevor ich auf einem Parklatz zwischen See und Meer mein erstes Nachtlager aufschlage. Noch sind ja sämtliche Campingplätze geschlossen, was mir nicht unrecht ist, da ich sie sowieso umgehen wollte und auf diese Weise ein gutes Argument habe, sollte mich jemand vom Parkplatz vertreiben wollen. Aber nichts passiert. Überall bin ich willkommen, muss lediglich mehr als ein Dutzend mal erzählen, was denn das für ein Auto ist, wo ich herkomme und wo ich hinfahre und überhaupt ist "the Rig" ganz schön "awesome"! Ich kann nur hoffen, dass die Leute hier keinen Unfall bauen, wenn es ihnen wieder mal den Kopf verreißt, wenn sie der Lady Grey hinterherschauen!

Jeder wünscht uns Gute Fahrt und viele schöne Eindrücke!

Kosten Verschiffung nach Canada [CAN]

Noch ein kurzes Wort zu den Kosten ...

Bevor es nun in die endlosen Weiten Canadas geht, noch ein kurzer Blick auf den letzten Monat:
die Zeit zwischen der Rückkehr aus Marokko und der Weiterfahrt in Canada ist einer der kostenintensivsten Abschnitte der bisherigen Reise. Was ist nicht alles zu bezahlen, wenn man sein Zuhause von einem Kontinent auf den nächsten bugsieren will:

  • Frachtkosten (EUR 3808)
  • Seefrachtversicherung (EUR 633 + EUR 70)
  • Hafengebühren in Hamburg (EUR 326)
  • Unterkunft und Verpflegung in Hamburg bis zum Auslaufen des Schiffes (EUR 450)
  • Bahnticket nach München (EUR 70)
  • Unterkunft und Verpflegung in München bis zum Flug nach Kanada (EUR 780)
  • Flugticket (Hin- und Rückflug) nach Kanada (EUR 805 + EUR 269)
  • Unterkunft und Verpflegung in Halifax bis zur Ankunft des Schiffes (EUR 680)
  • Hafengebühren in Halifax (EUR 186 + CAD 150)
  • KFZ-Haftpflichtversicherung für USA und Kanada (EUR 830)
  • Aufstocken der Krankenversicherung bzw. Auslandskrankenversicherung für USA und Kanada (1 Jahr: EUR 2442)
  • Kartenmaterial (SW und Papier) (EUR 167)
  • Reiseführer USA und Kanada (EUR 75)
  • Ach ja, einen Satz neuer Reifen nicht zu vergessen (EUR 4388)

Die Zahlen sind natürlich abhängig vom Was und Wie, von Abmessungen, Dauer und Ansprüchen. Sie sollten euch aber einen kleinen Einblick geben, dass es mit der Verschiffung allein eben nicht getan ist!

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei den Damen von Seabridge bedanken, dass die Verschiffung so problemlos geklappt hat, hüben wie drüben. Ich habe ja schon ein paar Verschiffungen auf eigene Faust durchgezogen und weiss, was an Papierkrieg und Lauferei da dranhängt. Also nochmals "Vielen Dank!"

P.S. Anstatt der EUR 830 für die KFZ-Versicherung könnt ihr übrigens auch gerne an die USD 7200 (!) bezahlen, falls ihr eine Kaskoversicherung möchtet, bei der so gut wie alle Sonderfälle (4WD, Gravelraods u.ä.) ausgeschlossen sind! (Beide Policen gelten 1 Jahr in USA und Canada!) Ein Vergleich und das Lesen des Kleingedruckten lohnt sich hier allemal!

So, jetzt geht's aber aufi ...