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Von Highlight zu Highlight

USA


Nov 20 2014

Glass Creek (USA, California) (GPS: 37°45,161'N; 118°59,531'W)

Foto USA Schneeweißer Sandstrand, tiefblaues Meer, muskelbepackte Jungs mit dem Surfbrett, vollbusige Mädels in knappen Bikinis, Caipirinhas an der Bar, Ferien ohne Ende, Leben wie Gott in Frankreich. So oder so ähnlich wird uns vollmundig Kalifornien verkauft!

Ein zugefrorener Bach, welkes Laub am schmalen Ufer, Samen der Pinienzapfen werden von fleißigen Streifenhörnchen ins Winterversteck geschleppt, das Thermometer zeigt zweistellige Minus-Grade, gelbe Schneewolken schieben sich über den Kamm der weiß bezuckerten Berge, die wichtigsten Pässe sind gesperrt. Auch das ist Kalifornien. Hier am Fuss der Sierra Nevada, im Windschatten des großen Küstengebirge auf 2300 Metern Seehöhe.

Trotzdem ist der herrlich zwischen hohen Pinien gelegene - und seit Wochen menschenleere - NF-Campground ein einladender Ort. Ein ruhiger Ort nach dem Trubel und den Eindrücken der letzten Tage. Der rechte Ort, um Tagebuch zu schreiben, auch wenn die Finger ein wenig zittern!

Foto USA Foto USA Der Travel Blues, der mich am Lake Powell erwischt hatte, ist schnell vergessen, als es am Dienstag wieder auf die Straße geht. Besser gesagt: auf die Piste. Seit einem Jahr nämlich versperrt ein Erdrutsch die wichtige Straße No.#89 südlich von Page. "Die Straßenbauer sind noch nicht dazu gekommen." lautet die lapidare Erklärung der Verwaltung. Also: entweder hundert Kilometer Umweg durch eine eintönige Gegend fahren - oder gleich einen ganz großen Haken schlagen und eine der größten Attraktionen im Herzen des Westens mitnehmen.: den Bryce Canyon. Der Weg dorthin führt zudem durch ein malerisches Tal - ohne Straße, dafür auf einer abenteuerlichen Piste, der Cottonwood Road. Genau das richtige zur Aufbesserung der Laune!

Foto USA Am Ende der Piste wartet ein zusätzlicher Leckerbissen: der Grosvenor Arch. Arches habe ich ja nun schon eine ganze Menge gesehen, aber dieser hier ist doch wieder etwas ganz besonderes und einmaliges, vor allem wenn er im Licht der Morgensonne schimmert.

Bryce Canyon

Ein 'Canyon', das ist eine tief eingeschnittene, meist von einem Fluss geschaffene Schlucht - so steht's zumindest im Lexikon. Der Bryce Canyon ist auf den ersten Blick nichts von alledem! Kein Fluss, keine Schlucht, nichts. Nur bunte Hoodoos an einem fast senkrechten Hang. Der Bryce Canyon bildet hier den spektakulären Übergang von einem Stockwerk des Colorado Plateas zum nächsten. An die vierhundert Meter Höhenunterschied zwischen den Etagen. Kein Lift, keine Rolltreppe, nur viele, viele Stufen mitten durch bunten Sandstein. Das perfekte Material für den einfallsreichsten, begabtesten Baumeister der Natur: die Erosion.

Foto USA Foto USA Beim ersten Anblick sollte man das Luftholen nicht vergessen. "Das Schönste, was ich bislang gesehen habe" schießt es mir durch den Kopf, als ich vom Sunrise Viewpoint das erste Mal die Ansammlung von Hoodoos, den bizarr geformten Sandsteinnadeln sehe, die sich auf fast vierzig Kilometer an der Abbruchkante des Plateaus entlangziehen. Der meist rote Stein leuchtet hell in der Sonne, einzelne weiße Streifen durchziehen ihn als waagerechte Linien. Das ganze in Millionen unbeschreiblichen Formen: Nadeln, Spitzen, Säulen, Kugeln, Streifen, Finger. Eine derartige Formenvielfalt habe ich mein Lebtag nicht an einem Fleck gesehen!

Foto USA Ist es von oben außergewöhnlich anzusehen, so richtig pittoresk wird es erst beim Fussmarsch mitten hindurch. Queens Garden, Peek a Boo, Navajo Loop oder Wall Street heißen die verschlungenen Wege durch das sich ständig verändernde Labyrinth der Sandsteinformationen. Einer aufregender als der andere. Einer fotogener als der andere. Der Verschluss der Kamera muss heute wahrlich Schwerstarbeit leisten!

Fotostrecke Ob sich die Überstunden gelohnt haben, seht ihr rechts ...

Hat man sich bei der Namensgebung des Bryce Canyon etwa vertan? Der Canyon ist doch gar kein Canyon! Oder doch?

Foto USA Betrachtet man sich das Gebiet des riesigen Colorado Plateaus etwas weitläufiger, so trägt der Bryce Canyon seinen Namen doch zu Recht. Ja, mit einiger Berechtigung kann man sogar sagen, dass er Teil eines viel bekannteren Canyons ist: ein Ausläufer des Grand Canyon nämlich, fünfzig Kilometer weiter südlich. Wie wir sehen werden, fehlen am Grand Canyon geologisch betrachtet ein paar Millionen Jahre Erdgeschichte, genauer die letzten 270 Millionen. Die jüngsten Gesteinsschichten wurden dort im Verlauf der Zeit einfach wegerodiert. Und wo findet man sie? Richtig! Hier, in den 'oberen Stockwerken' des Colorado Plateaus, am Bryce Canyon und in seiner Umgebung.

Foto USA Angefangen im Norden des Plateaus, im Arches Nationalpark (dort liegen die allerjüngsten Gesteine) über den Bryce Canyon (hier sind die Gesteine ein paar Millionen Jahre älter als bei den Arches) und die Vermilion Cliffs (dort sind die Gesteine wiederum ein paar Millionen Jahre älter als am Bryce Canyon) schreiten wir wie auf einer gigantischen Treppe zurück in der Zeit, um am Grand Canyon (in den unteren Etagen) fast bis zur Entstehung der Erde zu gelangen. Mit ein bißchen Vereinfachung könnte man sagen, dass die Vermilion Cliffs, der Bryce Canyon, ja sogar die Arches im Norden eine Fortsetzung des Grand Canyon hin zu neueren Äonen darstellen. Daher trägt der Bryce seinen Namen dann doch wieder zu Recht! Das ganze Gebiet heißt ja treffender Weise auch Grand Staircase Escalante (Großes Treppenhaus), wobei Escalante der Name seines Entdeckers ist.

Grand Canyon

Foto USA Die mit Abstand bekannteste Sehenswürdigkeit in den USA ist der Grand Canyon. Zu Recht, wie ich finde. Die anderen Nationalparks haben auch eine Menge zu bieten, aber 'der Canyon' ist einfach phantastisch! Fünf Millionen Besucher aus aller Herren Länder finden jedes Jahr den Weg hierher, die meisten im Sommer, wenn es hier angenehm warm ist, um nicht zu sagen "bannich heiß". Trotz der 2200 Meter, die der Canyonrand über dem Meer liegt, klettert das Quecksilber zwischen Mai und September gern über die 30°-Marke. Und unten im Tals ist's noch um viele Grad heißer.

Jetzt im Spätherbst, wenn erste Schneeflocken und morgendlicher Reif die rote Hochebene zieren, hält sich der Besucheransturm in Grenzen. Jetzt kann man das gute Dutzend Aussichtspunkte tatsächlich genießen, ohne Angst haben zu müssen, von der Menschenmenge gleich in den Abgrund gedrängt zu werden. Und die Aussichten sind wirklich grandios. Im ersten Moment lassen sie einen in der Tat den Atem anhalten: nicht aus Angst, wenn die Beine frei über dem zwei Kilometer tiefen Abgrund baumeln, sondern vor Staunen und Begeisterung!

Und dieser Canyon trägt seinen Namen völlig zu Recht - von wegen Fluss und Schlucht. Auch wenn der braune Fluss in der Tiefe kaum auszumachen ist. Auch seinen Beinamen 'Grand' hat er sich wahrlich verdient. Vielleicht ist er nicht der tiefste, vielleicht nicht der längste, vielleicht nicht der breiteste Canyon der Welt, trotzdem sprengen seine Ausmaße jede Vorstellungskraft:

  • Länge: 446 Kilometer (277 Meilen)
  • Mittlere Breite: 16 Kilometer (10 Meilen)
  • Mittlere Tiefe: 1,6 Kilometer (1 Meile).

Für den Besucher zugänglich sind dabei allenfalls ein paar wenige Kilometer östlich und westlich der Hotels und des sehr informativen Vistor Center, die auf der Nord- und Südseite der Schlucht gebaut wurden. Der riesige Rest des Canyons ist und bleibt menschenleer, ist völlig unzugänglich und kann allenfalls von ein paar Geologen oder Wildwasserfahrern beäugt werden.

Foto USA Noch weit beeindruckender als die Dimensionen ist das Alter der Schlucht! An wenigen anderen Stellen der Erde liegt ihre Geschichte so offen vor den Geologen. Wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch. Dessen Buchstaben man zwar kennt, dessen Sprache allerdings noch so manches Rätsel aufgibt. So gibt es - trotz jahrzehntelanger Forschung - nur recht widersprüchliche Theorien zur Entstehung des wohl am besten untersuchten Tals der Welt. Über eines allerdings sind sich alle Fachleute einig: beim Blick in die Tiefe schauen wir auf zirka 1800 Millionen Jahre Erdgeschichte zurück! Die Hälfte des gesamten Erdalalters!

Die Felsen des 'Inner Canyon', durch die der Colorado River heute gurgelt ('Vishnu Basement Rocks'), stammen aus einer Epoche, als selbst der frühe Superkontinent Pangäa noch reine Zukunftsmusik war. Als sich die gesamte Landmasse der Erde in einem sogenannten Paläokontinent ('Rodinia') ballte und von Kontinenten wie Amerika, Asien oder Afrika noch für Jahrmillionen keine Rede war.

Foto USA In den folgenden Äonen stapelt sich dann eine Gesteinsschicht auf die andere. Da prallen frühe tektonische Platten aufeinander, werden gehoben und gesenkt. Bilden Verwerfungen, Bergketten und Meere. Riesige Binnenseen und Vulkane. Und jede Epoche hinterlässt ihre Spuren als Gestein bzw. im Gestein: Sandstein zeugt von früheren Wüsten, Kalkstein von früherem Meeresboden und Lehmgestein von früheren Feuchtgebieten. Jede Schicht liefert ein Abbild der damaligen Gegebenheiten, konserviert für die Ewigkeit.

Konserviert zumindest für ein paar Jahrmillionen. Denn die heute zuoberst liegende Gesteinsschicht ('Kaibab Formation'), die, auf der wir herumklettern, ist auch schon 270 Millionen Jahre alt! Die jüngeren Schichten dagegen hat die Erosion soweit abgetragen, dass davon nur noch die bekannte, endlos scheinende Ebene des Colorado Plateaus übrig geblieben ist. Der Rest des Gesteins liegt heute - kleingemahlen - irgendwo im Golf von Kalifonien, fortgetragen vom Wind und von den Wassern früherer Flüsse. Ohne diese frühe Oberflächenerosion wäre der Canyon heute vermutlich doppelt so tief!

Foto USA Lag das ganze Gebiet früher so etwa auf Meereshöhe (wo sich Gesteinsschichten wie z.B. Kalkstein bilden konnten) setzte vor ca. 70 Millionen Jahren die 'Große Hebung' ein, als sich die gesamte nord­amerikanische Platte über die pazifische Platte schob. Dabei wurden nicht nur die Rocky Mountains aufgefaltet, auch das Colorado Plateau wurde um einige Tausend Meter gehoben. Erstaunlicherweise ganz ohne große Brüche oder Verwerfungen davonzutragen. Es entstand die riesige Hochebene.

Und in diese Hochebene konnte sich der Colorado River nun sein hübsches kleines Tal fräsen. Wann und wie genau das passierte, darüber sind sich die Fachleute noch uneins. Unstrittig ist, dass er sich seit ungefähr fünf Millionen Jahren hier entlangschlängelt und sich seinen Canyon gegraben hat. Dabei hat er vermutlich sogar seine Fließrichtung umgekehrt und das Tal eines zweiten Flusses einfach vereinnahmt. Und je tiefer sich der Colorado in's Gestein gefressen hat, desto mehr fraßen sich auch seine Nebenflüsse in die Tiefe. Sodaß wir heute die verzweigte, wild zerklüftete Schluchtlandschaft des Grand Canyon bestaunen können, die sich ohne jede Vorwarnung nach einer stundenlangen Fahrt durch völlig ebenes Terrain auftut. Allein dieser aprupte Übergang macht einen gewaltigen Reiz des Canyon aus.

Eine gut lesbare Zusammenfassung der geologischen Geschichte (und der Geschichte der Erforschung durch Geologen) liefert das Buch "Carving Grand Canyon: Evidence, Theories and Mysteries" von Wayne Ranney (ISBN 978-1-934656-36-5).

Foto USA Der erste, der am Rand des Canyons stand und staunte, war ein gewisser Don Garcia López de Cárdenaz, ein spanischer Eroberer auf der Suche nach den legendären Goldstädten. In der trockenen Wüste Arizonas fand er Nichts. Nur den Canyon. Und staunte. 1540 war das.

1860 kamen dann die Amerikaner und sahen im Colorado River und seinem unwegsamen Tal nur ein lästiges Verkehrshindernis auf dem Weg gen Westen:
"The region is, of course, altogether valueless. ... It seems intended by Nature that the Colorado River along the greater portion of its lonely and majestic way, shall be forever unvisited and undisturbed." schrieb da ein Lt. Christmas Ives in seinem Bericht über die Erforschung des Mittleren Westens. Welch gewaltiger Irrtum!

Es musste erst ein John Wesley Powell, ein fähiger Geologe im Auftrag der amerikanischen Regierung kommen, um fünfzehn Jahre später den wahren Wert des Canyons zu entdecken. Als erster befuhr er - mit einer kleinen Gruppe Abenteurer - den Colorado River - und hätte seinen Forscherdrang um ein Haar mit dem Leben bezahlt. Heute ist der Fluss wohl die bekannteste und gefragteste Wildwassser-Destination weltweit. Die Wassermassen sind zwar vom Glen Canyon Dam geregelt, den wir ja schon kennen. Geregelt, aber nach wie vor wild, mächtig und reißend, dort wo sie sich durch das Jahrmillionen alte Gestein zwängen.

Auch heute kommt man aus dem Staunen nicht heraus, wandert man an der Abbruchkante, dem 'Rim' entlang, wie es die meisten Besucher tun. An jedem Aussichtspunkt öffnen sich da neue Blicke in die Tiefe. Mal nur ein paar Hundert Meter bis zu einem Felsabsatz. Mal kann man den Fluß als winzigen grünen und braunen Streifen am Grund der Schlucht mehr erahnen als wirklich sehen. 1600 Meter unter uns!

Foto USA Kommt man schon oben aus dem Aaaaaah und Oooooh kaum heraus, erschließt sich die wahre Faszination erst bei einer Wanderung hinunter ins Tal. Einer anstrengenden Wanderung! 1600 Höhenmeter hinab und das gleiche wieder hinauf: das ist an einem Tag allenfalls für gut trainierte Bergsteiger zu schaffen. Sehr eindringlich warnt daher die Parkverwaltung davor! Also an einem Tag hinunter, am nächsten Tag wieder herauf. Dazu braucht's allerdings ein Quartier unten am Fluss, doch das ist über Monate hinweg ausgebucht. Alle Welt will schließlich dort hinunter!

Foto USA Also doch nur den kleinen Spaziergang! Auf dem South Kaibab Trail, einem steilen und ausgesetzten Pfad, der aber - im Vergleich zum flacheren und öfters begangenen Bright Angel Trail - die besseren Ausblicke bieten soll. Die Beschreibung hat nicht zu viel versprochen: auf den sechshundertzwanzig Höhenmetern hinunter zum Skeleton Point tun sich hinter jeder Biegung neue atemberaubende Ausblicke auf. Senkrechte rote Felswände, bizarre Formationen aus weichem Sandstein, Abraumhalden, ab und an fast waagerechte Plateaus, auf denen sogar ein wenig Grün zu finden ist: knorrige Pinyon-Junipers oder stachelige Kakteen.

Foto USA Sechshundertzwanzig Meter hinunter: das heißt auch sechshundertzwanzig Meter wieder hinauf. Schweißtreibend, aber gut machbar. Am Schluß waren sogar die Mulis der Reiseveranstalter langsamer. Nun, sie mussten auch nicht nur einen Rucksack mit leerer Wasserflasche und ein paar Müsliriegeln nach oben schleppen, sondern zweihundert Pfund schwere Touristinnen, die wohl die Übernachtung und das All-You-Can-Eat-Buffet in der Phantom Ranch unten am Ufer des Colorado River ausgiebig genossen hatten. Hoffentlich bekommen die Mulis dafür eine Portion Hafer: all they can eat!

Fotostrecke Natürlich gibt's auch vom Canyon eine kleine ...

Das Colorado Plateau fällt am Westende jäh ab und setzt dem Grand Canyon ein apruptes Ende. Foto USA Ist der östliche Abschnitt des Grand Canyon - rund um Tusayan und Grand Canyon Village - sowie seine umliegenden Plateaus definitiv einen Besuch wert, so kann man das für den westlichen Teil - bei Meadview und dem neugebauten Skywalk - nur bedingt sagen. Zumindest braucht man einen äußerst gut gefüllten Geldbeutel, um das Programm, das die Hualapai-Indianer anbieten (das Gebiet liegt in ihrem Reservat), genießen zu können: Hubschrauberrundflüge sind nicht unter 350 Dollar, Rundfahrten mit dem Bus oder im Planwagen (jedoch ohne Aussteigemöglichkeit) nicht unter 200 Dollar zu haben! Erkundung zu Fuß? Strengstens Verboten! Angeblich wegen Sicherheitsaspekten, in Wahrheit wohl eher, um das lukrative Geschäft mit den willenlosen Touris aus Las Vegas nicht zu stören.

Foto USA Dabei wäre doch gerade der Westabhang des Coloradeu Plateau von hohem Interesse. Das Plateau findet ja ein jähes Ende und wie die Quelle aus der Felswand, schießt der Fluss aus dem engen Canyon in eine völlig andersartige Landschaft. Schluss mit Ebene links und rechts, nun ist Faltengebirge angesagt: das Range and Basin Gebiet, das sich bis hinüber zur Westküste zieht, Foto USA Höhen von über viertausend Metern aufweist und ein einziges Auf und Ab darstellt, wie sich bald herausstellt.

Vorbei sind die endlosen schnurgeraden Straßen, nun windet sich selbst die breite Interstate-Autobahn I-515 in unzähligen Kurven und Kehren über die (verkehrstechnisch) abweisenden Berge. Und über eine weitere Schlucht: über den Black Canyon, an dessen Fuß wieder der - wie könnte es anders sein - Colorado River gurgelt. Besser bekannt ist der Canyon allerdings durch seinen Staudamm, den Hoover Dam.

Foto USA Der Stausee hinter dem Damm, der Lake Mead soll angeblich das größte, je von Menschen geschaffene Gewässer in Nordamerika sein (35 Milliarden m3). Obendrein das tiefste (151m) - und das schwerste (es soll nach der Füllung des Sees eine ganze Reihe kleinerer Erdbeben gegeben haben!). Und überhaupt das beste - für den Wasserhaushalt!

Der Wasserspiegel des weit verzweigten Stausees sinkt allerdings in den letzten Jahren rapide. "Das liegt nicht am hohen Stromverbrauch von Las Vegas" verteidigen sich die PR-Leute des Visitor Center "das Wasser versickert im umliegenden Gestein und bereichert unser Grundwasser!" Ob das nun der Wahrheit entspricht, kann ich natürlich nicht sagen, aber ein bißchen Strom sparen könnte Las Vegas ganz sicher nicht schaden! Auch hier liegt der Hauptzweck des Staudamms in der Sicherstellung von ausreichend Wasser für die Bewässerung der Kornkammer Kaliforniens und die Vermeidung von verheerenden Hochwässer. Der Strom aus neunzehn Turbinen (Gesamtkapazität 2080MW!) ist dabei wieder nur Nebenprodukt. Ein einträgliches Nebenprodukt, hat der Stromverkauf doch den Dammbau innerhalb von zwanzig Jahren amortisiert.

Foto USA Der 1931 bis 1935 gebaute Damm ist mit 221 Metern Höhe und 380 Metern Breite sicher eine tolle Ingenieurleistung. Ja, er wurde sogar zwei Jahre vor den geplanten Termin und weit unter dem veranschlagten Budget fertiggestellt (kann man sich so etwas heute überhaupt noch vorstellen?). Dass im Besucherzentrum aber eine derartige Lobhudelei und Selbstbeweihräucherung stattfindet finde ich doch etwas befremdlich. Außer einem dünnen Faltblättchen haben die PR-Leute allerdings wenig Fakten zu bieten und viele meiner Fragen bleiben unbeantwortet!

Trotzdem bleibt der Hoover Dam das meistbesuchte Ausflugsziel für die Besucher von Las Vegas, das ja gerade mal eine halbe Autostunde entfernt liegt. Trotz des Katzensprungs kommen zahlreiche Besucher - höchst umweltbewußt - mit dem Helikopter - was in Vegas auch an jeder Straßenecke angepriesen wird. Ist das der neue American Way of Sightseeing?

Las Vegas

Ja, ja, Las Vegas: "Eine Stadt für sich. Eine Stadt des Spiels, des Vergnügens, des Theaters, des Scheins. Des Alles-versprechens und Nichts-haltens. Eine Stadt voller Lug und Trug. Eine Stadt, um sein Geld loszuwerden. Eine Stadt zum Abgewöhnen!" (Was im Grunde auf jede bisherige Stadt der USA zutrifft.) Mag sein, dass die Charakterisierung etwas einseitig ist, aber ihr kennt ja meine Vorliebe für Städte! Und Vegas ist da ohne jeden Zweifel das berühmte Tüpfelchen auf dem berühmten I.

Foto USA Den besten Überblick über dieses Retortenstadt bekommt man vom Stratosphere Tower. Dort oben kann man den Blick in alle Himmelsrichtungen schweifen lassen. Und überall sieht man das gleiche: trostlose Einöde. Sei es die Wüste am fernen Horizont (die hat noch am meisten zu bieten) oder die nicht enden wollenden Wohn- und Trabentenstädte voller einstöckiger, farbloser, ewig gleicher Häuschen und Einkaufs­zentren rings um den eigentlichen Kern, den wohlbekannten Strip von Las Vegas .

Foto USA Der 'Strip' ist im Grunde ein fünf Kilometer langer Straßenzug im Zentrum der Stadt, an dem sich die mächtigen Casinos, die schillernden Hotels und Vergnügungshallen aufreihen wie Perlen auf der Schnur. Eines größer als das andere, eines schreiender in der Aufmachung als das andere, eines näher an der Pleite als das andere. Denn das fällt zu allererst ins Auge: riesige Baulücken mit halbfertigen oder angefangenen Beton- und Stahlgiganten, die einmal Hotel oder Casino werden sollten. Welche Milliardenbeträge hier buchstäblich in den Sand gesetzt wurden, kann wohl niemand erahnen. Und wie man täglich - jahrein, jahraus - 300.000 Besucher anlocken will, um die jetzt schon 150.000 Hotelzimmer zu füllen, oder mehrere Hunderttausend Daddelautomaten zu beschäftigen, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Wirklich attraktiv ist hier: Nichts! Außer vielleicht die Wüste außenherum! Ohne Stadt wäre die aber noch viel schöner!

Foto USA Der Blick vom Stratosphere Tower ist offenbar auch für andere so ernüchternd, dass man auf dem Dach zusätzliche Attraktionen schaffen musste, um überhaupt Besucher hinauf zu locken, die sich fünfzehn Euro Liftgeld leisten wollen. Da kann man sich nun für teures Geld in Zeitlupe über den Abgrund katapultieren lassen oder einfach nur minutenlang über dem Abgrund schweben: nur zusätzlicher Nervenkitel kann hier noch irgend jemand anlocken.

Foto USA Für mich völlig neue Eindrücke bringen allenfalls die riesigen Casinos, in denen auf fussballfeldgroßen Arealen ein einarmiger Bandit neben dem anderen steht. Dazwischen grüne Pokertische, lange Rouletttische oder das allgegenwärtige Bingo (eine Wette auf Zahlen), das die Amerikaner offenbar über alles lieben. Zwischen den Gästen - meist fortgeschrittenen Alters - flanieren artig geschürzte Bedienungen, bringen Drinks auf Kosten des Hauses (wenn der Gast genug Umsatz macht) oder kassieren fünf Dollar für eine kleine Cola (wenn dem nicht so ist).

Foto USA Die Gewinnmargen bei den einzelnen Spielen müssen für die Betrieber exorbitant sein. Sonst könnten sich Casinos, in denen gerade einmal fünf bis zehn Prozent der Automaten bzw. Spieltische besetzt sind (das sind die meisten, die ich gesehen habe), kaum rentieren. Angesehen davon, dass die Spielhöllen auch die Zimmer in den angegliederten Hotels subventionieren müssen, um überhaupt Gäste anzulocken. Ein einziger, riesiger Apparat, um den Amerikanern - und den Touristen aus aller Welt - die Dollars aus der Tasche zu ziehen. Trotzdem sind es überwiegend Einheimische, die hier anzutreffen sind. Wie gesagt, oft Pensionäre beiderlei Geschlechts, die nicht wissen wohin mit der Rente. Ausländische Gäste lassen sich allenfalls zu einem kleinen Spielchen hinreißen und verbringen kaum ganze Tage und Nächte in den Casinos. Für mich ist die ganze Spielerei und die sogenannten Attraktionen mindestens so einladend wie ein Besuch beim Zahnarzt!

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Damit euer Eindruck von Las Vegas nicht gar so niederschmetternd ist, zum Schluß noch etwas positives: In der Fashion Show Mall, einem riesigen Schoppingkomplex direkt am Strip gibt's einen ganz tollen Teeladen. Während in keinem Supermarkt der USA etwas anders als Teebeutel zu finden sind, gibt's hier richtigen Tee aus der Dose. Der auch wie Tee schmeckt, nicht wie Abwaschwasser. Den Laden (Teavana, www.teavana.com) kann ich echt empfehlen!

Death Valley

Ein leckeres Abendessen ist das einzige, was ich mir in Las Vegas leiste - das Casino liegt gleich neben dem erschwinglichen Campground. Dann muss ich wirklich weiter - hier hält mich Nichts! Und kaum liegt die Staatsgrenze zwischen Nevada und California hinter mir, ist die Welt auch gleich wieder in Ordnung. Und ich in meinem Element: in der Wüste! Krasser als zwischen diesen beiden Orten könnte der Gegensatz kaum sein, dabei liegt gerade mal eine halbe Tagesreise dazwischen.

Foto USA Als Besuchzeit für den 'heißesten Ort Nordamerikas' habe ich mir natürlich nicht die Sommermonate ausgesucht - da kann das Quecksilber schon mal über die 60°C-Marke klettern. Was zwar nicht tödlich ist, aber den Getränkekonsum im höchsten Grade steigert - und im gleichen Maß die Freude an der Erkundung von Neuem drückt. Mitte November ist da eine viel bessere Zeit, auch wenn die Nächte empfindlich kühl sind. Auch die Campgrounds sind um diese Jahreszeit erfreulich leer - wenn auch nicht weniger trostlos als im Sommer!

Foto USA Das Tal des Todes ist ein weiterer Teil des oben schon erwähnten Range and Basin Gebiets, in dem sich ein Bergzug an den nächsten reiht, unterbrochen von tief eingeschnittenen Tälern. Daher ja auch der Name: 'Berge und Becken'. Liegt der tiefste Punkt des Death Valley 87 Meter unter dem Meeresspiegel - und bildet den tiefsten Punkt Amerikas, liegt der mit 4417 Metern über dem Meeresspiegel höchste Punkt Nordamerikas (ohne Alaska), der Mount Whitney gerade mal zwei Bergrücken oder zweihundert Kilometer entfernt. Gegensätze, die krasser kaum sein könnten!

Gerade in den Sommermonaten ist daher das Hineinkommen ins Death Valley weniger das Problem als das Herauskommen. Beim Herausklettern nämlich geht es über Dutzende Kilometer mächtig steil bergauf, was in Vergangenheit schon so manchem Motor den Garaus gemacht haben soll. Zumal die tatsächliche Steigung der Straße in dieser Landschaft gar nicht wahrgenommen wird, die die ganz gleiche Steigung aufweist. Man wundert sich nur, warum der Motor plötzlich kocht. Natürlich nicht der der Lady Grey, wo denkt ihr hin?

Foto USA Kurz nach der letzten Eiszeit hätte man hier unten prima Angeln, Schwimmen oder Bootfahren können. Da bedeckte der Lake Manly das große, weite Tal und muss eine ideale Sommerfrische geboten haben! Der Nachschub an Wasser blieb allerdings aus, während Temperaturen und die Mengen verdunsteten Wassers rapide anstiegen: der See wurde zu einem Tümpel mit meterdicker Salzkruste, die lage Jahre abgebaut wurde - wie das an manchen Seen in der Nachbarschaft noch heute der Fall ist. Allenfalls nach - extrem seltenen - Starkregenfällen finden sich heute ein paar Pfützen Frischwasser hier herunten. Foto USA Und die sichern einer seltenen und gut angepassten Fischart das Überleben: dem Pupfish, gerade mal zwei bis drei Zentimeter lang. Nicht die rechte Größe allerdings, um heute noch in der Pfanne zu landen!

Vielleicht kommen deshalb die meisten Amerikaner nicht mit der Angelrute, sondern dem 4WD-Gefährt hierher. An den Hängen des Tals laden eine Reihe von Pisten zur abenteuerlichen Erkundung ein, sei es der kleine Mosaic Canyon im Zentrum, der abenteuerlich schmale Titus Canyon - durch den die Lady Grey nur mit einigem Bugsieren durchpasst - oder der Artist Drive, an dem die Felsformationen an den Malkasten eines Rembrand oder Rennoir erinnern.

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Die umliegenden Berge sind - wie schon der Artist Drive belegt - reich an Bodenschätzen, die - natürlich - früher oder später ausgebeutet werden wollen. Anfang des letzten Jahrhunderts entstanden in den Randbezirken des Tals mindestens ein halbes Dutzend Minenstädte. Oder Minendörfer? Oder nur ein paar Hütten? Die erhofften Bodenschätze, egal ob Eisen, Aluminium, Magnesium, Blei, Gold oder Titan gingen allerdings genauso schnell zur Neige, wie man sie gefunden hatte. Die Städte sind heute allesamt nur noch Ghosttowns, die aber von den Besuchern in wahren Heerscharen aufgesucht werden, obwohl meist kaum mehr als ein paar Steinfundamente oder verrostete Wellblechtafeln geblieben sind.

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Wohin die Liebe für die Wüste führen kann, zeigt uns das Ehepaar 'Albert und Bessie Johnson' schon um 1920. Ihr Freund Scotty, ein notorischer Betrüger und Aufschneider lockt sie als Teilhaber einer wenig ertragreichen Mine hierher. Zu Hause geben sie alles auf und bauen sich im Norden des Tals eine kleine Ranch - nachdem sie den Ort nur einmal ganz flüchtig besucht hatten. Sie hatten sich eben in die grandiose Landschaft, die Abgeschiedenheit und die Ruhe der Wüste verliebt. Kann ja passieren! EMOTICON

Foto USA Foto USA Ihre Ranch wird allerdings ein wenig größer als geplant, völlig autark, mit eigener Wasser- und Stromversorgung -und ganz an die Architektur der Mexikaner angelehnt. Der Zwist mit Scotty ist schnell vergessen, sie bauen ihm sogar noch ein eigenes Haus. Die Ranch trägt den schönen Namen Scotty's Castle und ist einer der Besuchermagneten des Death Valley.

Ja, mir könnte es hier auch ganz gut gefallen: abends, wenn die Touribusse wieder abgezogen sind!

Foto USA Foto USA Inzwischen wird's sogar unten im - ach so heißen - Tal des Todes empfindlich kühl. Tagsüber klettert das Quecksilber nur mit Ach und Krach über die 20°-Marke und nachts ist der warme Schlafsack oberste Bürgerpflicht. Obendrein habe ich erfahren müssen, dass die nächsten Ziele, der Yosemite-Nationalpark und der Sequoia-Nationalpark von Osten her nicht mehr erreicht werden können: die Pässe sind gesperrt, obwohl noch gar kein richtiger Schnee liegt.

Also werde ich versuchen, möglichst lange im relativ trockenen Windschatten der Sierra Nevada zu kreuzen, um danach auf kürzestem Weg San Francisco anzusteuern. Denn auch California kennt einen Winter. Und der scheint nun wirklich vor der Türe zu stehen!

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Fussnote 1: Andere Quellen meinen, 'Escalante' sei der spanisch-mexikanische Ausdruck für's Treppenhaus. Schließlich gehörte Arizona früher mal zu Mexiko!

Fussnote 2: Die Region ist, natürlich, völlig wertlos. Es scheint Absicht der Natur zu sein, dass der Colorado auf weiten Abschnitten seines einsamen und majestätischen Verlaufs für immer ungesehen und ungestört fließen kann.