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Fahrtroute Mittelamerika Fotoalbum Mexiko Teil 1 (Mexicali bis Palenque) Fotoalbum Mexiko Teil 2 (von Palenque zur Karibikküste)

Im Land der Maya (1)

MEX


April 26 2015 updated

Tulum Beach Club (Mexico, Quintana Roo) (GPS: 20°12,461'N; 087°25,893'W)

Als Wiedergutmachung für die Menschenmassen in Tulum gibt's nebenan einen netten Campingplatz mit weißem Sand ... Schneeweißer Sand, fein wie Mehl rinnt durch die Zehen. Kokospalmen wiegen sich in der sanften Brise des Meers. Winzige Wellen des türkisgrünen Wassers laufen auf den gleißenden Strand. Ein Händler verkauft frische Kokosnüsse mit Eis. Lecker! Erfrischend! Andere preisen Bootstouren an. Zum Schnorcheln im kristallklaren Wasser. Zum Tauchen am zweitgrößten Riff der Welt. Zum Sightseeing vom Wasser aus - Tulum, die alte Maya-Stadt am Wasser liegt gleich um die Ecke.

Nur ungern richte ich mich im Schatten ein. Unter den Palmen ist es halbwegs auszuhalten. Laptop auf dem Tisch, Kokosnuß daneben. Landkarte und Fototagebuch griffbereit. Bevor ich mich dem süßen Leben der Karibik ergebe, müssen die Impressionen der letzten Wochen zu PC gebracht werden! Zu viel gesehen. Zu viel erlebt. Zu viele unverdaute Eindrücke! Bevor alles zu Erinnerungsbrei wird, muss es sortiert und verarbeitet werden! Also Augen zu, Blick zurück, zwei Wochen Mayawelt beschreiben!

Die Maya

Bevor wir die einzelnen - sicher nicht alle - Stätten der alten Maya besuchen, lasst uns kurz einen Blick auf die Wurzeln dieser hochentwickelten Kultur und auf die Zeittafel werfen, damit wir Ihre Meisterwerke auch gehörig würdigen können. Für Details empfehle ich die informative und gut belegte Seite von Wikipedia.

Verbreitungsgebiet der Maya Wer waren die Maya überhaupt? Übersetzt heißt Maya soviel wie Menschen des Mais, da sie sich vorwiegend von den gelben, nahrhaften Körnern ernährten. Ursprünglich bestanden die Maya aus mehreren, ganz verschiedenen Volksgruppen, die eine gemeinsame geschichtliche Tradition verband. Ihre historischen Wurzeln waren zwar ähnlich, wiesen jedoch deutliche lokale Unterschiede auf. Sie hatten ähnliche körperliche Merkmale und verständigten sich in Sprachen einer gemeinsamen Familie. Studien ergaben, dass die ersten Maya (sog. Proto-Maya) schon um 2.500 BC bei Huehuetenango (heute Guatemala) lebten und Acherbau betrieben. Von dort verbreiteten sich nach und nach mehrere Stämme in die heute als Mayagebiet bezeichneten Regionen, insbesondere die Halbinsel Yucatan, Tabasco und das südliche Vercruz (alle Mexiko), Belize, sowie Teile von Guatelama, Honduras und Nicaragua. Andere Quellen sagen, die Maya wären zunächst im östlichen Tabasco heimisch gewesen und hätten von dort aus die restlichen Gebiete besiedelt.

So darf man sich die Herrscher der Maya vorstellen: immer mit Zepter und prächtigem Kopf- und Brustschmuck. Insbesondere in den mexikanischen Regionen fand ein reger Austausch mit den Olmeken statt, deren Zivilisation als Mutterkultur aller mesoamerikanischen Zivilisationen angesehen wird. So wurden etwa architektonische Elemente, aber auch das dezimale Zählsystem, die Null (!) und ein Kalender übernommen, aus dem später der berühmte Atztekenkalender hervorgehen sollte.

Zudem wurde ein Schriftsystem (Glyphen) auf Basis von Silbenzeichen entwickelt (übernommen?). Insbesondere an Hand der Zeit-Glyphen, konnte - nach Ihrer Entschlüsselung - eine genaue Datierung von Bauwerken und die Einstufung der wenigen namentlich bekannten Herrscher erfolgen.

So wird heute die Mayaepoche - immerhin eine Zeitspanne von über 2000 Jahren - in mehrere Abschnitte gegliedert:

  • Pre-Classic (500 BC bis 325 AD): Die Mayakultur nimmt Form an, insbesondere in Tonfiguren mit den besonderen Körpermerkmalen der damaligen Menschen;
  • Early Classic (325 AD bis 625 AD): Äußere Einflüsse hören auf; typische Maya-Features entwickeln sich, wie Kragsteinbögen und Zeitangaben mithilfe der Zeitglyphen;
  • Flowering (625 AD bis 800 AD): kulturelle Blütezeit mit Mathematik, Astronomie, Hieroglyphen-Schreibung, Töpferei, Steinhauerei und Architektur auf sehr hohem Niveau;
  • Collapse (800 AD bis 925 AD): Niedergang der Kultur und Verlassen der zeremoniellen Zentren; Ursachen für den plötzlichen Verfall unbekannt;
  • Interregnum (925 AD bis 975 AD): Verfall der Kultur auf das Niveau des Pre-Classic;
  • Maya-Toltek oder Mexicana (975 AD bis 1200 AD): Kulturelle Einflussnahme der Nahua-sprachigen Tolteken aus Zentralmexiko. Kult des Quetzacóatl. Bündnisse zwischen Maya- und Nahua-Familien;
  • Mexica Absoption (1200 AD bis 1540 AD): Rivalitäten zwischen den Stämmen und weiterer Verfall der Kultur.

Als die Spanier um 1520 AD die Maya-Regionen erreichten, waren die meisten zeremoniellen Stätten verlassen und ihre hoch entwickelte Kultur weitestgegend vergesssen. Das blieb so bis Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Friese aller wichtigen Gebäude in Palenque waren mit tollen Verzierungen versehen. Die zeremoniellen Stätten - und Städte - der Maya sind über ganz Zentralamerika verstreut (davon ca. 39 in Mexiko, 28 in Guatemala, 8 in Belize, um nur die größten zu nennen). Was mich dabei interessiert, wäre die Art, wie die Maya die riesigen Entfernungen überbrückten. Ganz offensichtlich reisten sie zwischen den Städten hin und her, trieben Handel, heirateten untereinander - und führten Kriege. Ging das schon mit Fernbus oder mussten die Armen das alles laufen? Pferde kamen ja erst mit den Spaniern ins Land. Detaillierte Karte der Maya Bauwerke In den vielen bildlichen Darstellungen - oder auch den Glyphen findet sich kein Wort über Handel, Kriege oder Reisende. Auch so etwas wie Straßen wurden bislang - abgesehen von Cobá - nicht entdeckt (zumindest keine steingeplasterten, die die Jahrhunderte hätten überdauern können). Dabei war der Handel eine ihrer wichtigsten Unternehmungen. Die Routen reichten bis nach Mittelamerika und gehandelt wurde alles, was Profit versprach: Vanille, Gummi, Federn (!), Jaguarfelle, Tabak und Honig, Muscheln, getrockneter Fisch und Perlen. Dabei herrschte zunächst der Tauschhandel vor, erst später wurde entwickelte sich die Kakao-Bohne zu einer Art Zahlungsmittel.

Unbekannter Maya König trägt Juwelen und einen prächtigen Kopfputz. (Tonfigur von der Insel Jaina, Campeche, Mexiko). Die soziale Organisation der Maya-Gruppen war weitgehend identisch, strikt männerdominiert und vertikal wenig durchlässig. Ursprünglich bestand die Gesellschaft aus Familiengruppen, die die gleiche Sprache sprachen. Als sich die Landwirtschaft weiter entwickelte, als Bewässerungssysteme angelegt und unterschiedliche Maissorten kultiviert wurden, wuchs die Bevölkerung sprunghaft an und man begann mit dem Bau der großen Zeremonien-Zentren. In deren Umfeld siedelten sich auch die meisten Menschen an und man vermutet, dass sich die sozialen Klasssen vorwiegend aus der Arbeitsteilung ergaben.

In den zeremoniellen Zentren selbst lebte die Oberschicht, die herrschende Klasse, die Priester und Magier, Krieger und Kaufleute ebenso wie die Architekten, die die Tempel, Plätze und öffentlichen Gebäude planten und bauten. Daneben Astronomen, die die Bewegung der Himmelskörper (mit frappierender Genauigkeit) beobachteten und die Einheit des Universums zu entschlüsseln suchten. Ferner die Schreiber, die wichtige geschichtliche Ereignisse, mythische und religiöse Glaubenssätze sowie die Stammbäume der Herrscher dokumentieren mussten, Karte der Maya Götterwelt wobei sie ein komplexes System aus hieroglyphischen Zeichen verwendeten. Die Mittelschicht stellten die Bauleute, die Diener der herrschenden Klasse, Töpfer sowie andere Künstler (kein Wunder bei deren Können). Die Unterschicht schließlich bildeten die Fischer, Jäger und Bauern, die im Umland der Stätten wohnten und den herrschenden Schichten tributpflichtig, de facto aber Leibeigene waren. Daneben gab es Sklaven (Pentacoob), meist Kriegsgefangene, Kinder von Unfreien oder Waisen.

Die Götterwelt der Maya ist für den Betrachter zunächst verwirrend und nicht leicht zu überblicken. Ihre Zahl im Pantheon lässt sich auch heute noch nicht mit Sicherheit angeben. Die fünf wichtigsten Mitglieder in der Götterwelt der Maya kennt aber auch heute noch jedes Kind.

Dezimalsystem der Maya. Das größte Mysterium sind und bleiben jedoch die Gründe für das urplötzliche Versinken ihrer Kultur nach 800 AD. Praktisch alle Städte erleben kurz vorher eine glanzvolle Blütezeit. Und hinterher? Vergessen. Verfallen. Verschollen. Von heute auf morgen? Hat etwa auch hier die gesellschaftliche Entwicklung just die Kräfte hervorgebracht, die ihren Untergang bedeuteten, wie Ian Morris in seinem lesenswerten Buch Wer regiert die Welt schreibt? Hält man sich die zeitlichen Zusammenhänge vor Augen - insbesondere die Zuwanderung des tolteken-beeinflussten Stamms der Itzá nach Chichén - könnte man zu einer einfachen, dabei arg gruseligen Annahme gelangen (siehe dort). Klimatische Veränderungen (Nachlassen der Niederschläge) könnten Ihren Teil dazu beigetragen haben.

So, mit den paar Randinformationen im Hinterkopf können wir uns nun auf den Weg machen. Ein ziemlich steiniger Weg liegt vor uns! Alte Steine. Neue Steine. Restaurierte Steine. Viele Steine!

Palenque

Palenque bzw. Lakamha (Big Water) war und ist heute noch eine der sehenswertesten Stätten der Maya. Um 100 BC gegründet, erlebte es wie die meisten Maya-Stätten seine Blütezeit zwischen 630 AD und 740 AD. Einzig hier konnte man die Namen des Dutzends Regenten herausfinden, die die Stadt über diesen Zeitraum führten - und großartige Bauwerke schufen. Schaffen ließen, muss man besser sagen, denn die Arbeit verrichteten natürlich die einfachen Leute. Es war Teil ihrer Arbeitsleistung, die sie im Rahmen der Leibeigenschaft erbringen mussten. Trotzdem toll, welche Werke sie damals geschaffen haben, insbesondere unter U Pakal K'Inich Janaab Pakal   bzw. Pakal II  bzw. Pakal dem Großen, dem bedeutendsten Herrscher sowie seines Sohns, Kan B'alam III. Später musste sich Palenque seinem Erzrivalen Toniná (65km weiter südlich) beugen. Dennoch entstanden weiterhin prächtige Bauwerke bevor die Stadt um 900 AD schlagartig aufgegeben wurde.

Graf von Waldeck, ein etwas exzentrischer deutscher Aristokrat veröffentlichte 1833 ein viel gelesenes Werk über Palenque. Nach zwei Jahren Vor-Ort-Exploration betitelte er die Stadt als das wiedergefundene Atlantis und seine detaillierten (phantasievollen?) Zeichnungen malten das Bild einer untergegangenen Mittelmeer-Kultur.

Wohl einzigartig in der männerdominierten Maya-Welt: das Grab einer Königin, der "Red Queen" Das wichtigste und eindrucksvollste Bauwerk in Palenque: der Palast mit dem einzigartigen 4-stöckigen Turm. Hier ließen sich die Maya-Herrscher von Palenque bestatten: der Temple of the Inscriptions (links). Im Tempel des Kreuzes finden sich noch originale, sehenswerte Steinskulpturen.

Methodisch erforscht wurde Palenque erst ab 1952 durch einen mexikanischen Archäologen. Selbst heute finden die Forscher noch den einen oder anderen (archäologischen) Schatz, wie jüngst ein gut erhaltenes Fresco unterhalb der Acrópolis. Dazu muss man wissen, dass die heute sichtbaren Bauwerke nicht in einem Rutsch, sondern nach und nach - zum Teil über viele Jahrhunderte hinweg - auf und über bereits bestehenden Bauwerken entstanden sind. Kein Wunder, dass da in tieferen Schichten noch Schätze schlummern können!

Der Temple of the Cross in Palenque: in der dritten Etage wurden viele Gräber von Adeligen gefunden. Der Temple of the Sun in Palenque wird als der am besten erhaltene bezeichnet. Der östliche Aufgang zum prächtigen Palast. Der riesige und verzierte Steinsarkopharg des größten Königs (Pakal II) wurde erst 1952 im Temple of the Inscriptions gefunden.

Jedes der zwei Dutzend Bauwerke zu beschreiben, das spare ich mir. Wenn's Euch wirklich interessiert, solltet ihr Palenque selber besuchen! Nicht zu Unrecht ist es der am meisten besuchte Steinhaufen in Chiapas. Falls Ihr also selber mal vorbeischauen wollt, kann ich den Camp Maya Bell - gleich nach dem Eingang zum Nationalpark - empfehlen. Wärmstens empfehlen - sinkt das Quecksilber doch kaum unter die 25°C-Marke. Und vorausgesetzt, die Äffchen lassen euch in Ruhe schlafen ...

Edzná

Ist Palenque eine (arg) bekannte Touristenattraktion und entsprechend gern (von Einheimischen wie Touris gleichermaßen) besucht, so würde ich Edzná eher als Geheimtipp einstufen. Obwohl verkehrsmäßig günstiger gelegen als Palenque, wird es von den meisten links liegen gelassen. Oder rechts. Auf dem Weg von Campeche nach Uxmal oder Kabáh nämlich. Vielleicht liegt's auch nur daran, dass auf dem netten Parkplatz mit Bänken und schattigen Palmhütten einfach kein Platz für die großen Touri-Busse ist? Vielleicht liegt's auch daran, dass das angebotene Light-and-Sound-Spektakel nur Samstags stattfindet? Wie dem auch sei, einen Ausflug lohnen diese Steinhaufen allemal!

Der Plaza Principal nicht eben der größte Platz... Auch das Edificio des Cinco Pisos hat eine nicht unansehnliche, wenn auch nur bruchstückhaft restaurierte Kehrseite. In Edzná - wie in anderen Maya-Städten - wurden nur fünf bis zehn Prozent der Strukturen freigelegt. Noch weniger restauriert. Der Rest gibt einen vagen Eindruck davon, wie es vor der Wiederentdeckung hier aussah. Gerade in Edzná akzentuiert deas Grün der Natur die alten Steinsetzungen auf's Trefflichste.

Edzná war eine der am längsten bewohnten Siedlungen der Maya. Schon 600 BC wurden seine Grundsteine gelegt und die letzten Bewohner verließen die Stadt erst nach der Eroberung durch die Spanier. Eher untypisch! Auch hier waren Künstler und Baumeister zwischen 550 AD und 810 AD an eifrigsten am Werk. Die Namen der Herrscher, für die sie arbeiteten, konnten allerdings noch nicht gefunden werden. Sicher liegen auch hier noch ein paar Schätze verborgen! Unter ihnen vielleicht ein Tontäfelchen mit all den Namen der Regenten? Noch ist nicht jeder Stein des 17 Quadratkilometer umfassenden Areals umgedreht!

Das Edificio des Cinco Pisos weist deutliche Zeichen des Puuk-Baustils auf. Die größten Attraktionen sind die Acrópolis und der Plaza Principal (Hauptplatz), mit 160 Metern Länge und 100 Metern Breite zwar gewaltig, aber im Schatten der umliegenden Tempel nimmt er sich eher winzig aus.

Alles überragt das Edificio de los Cinco Pisos (Bauwerk mit fünf Stockwerken), ein wahrer Wolkenkratzer aus Maya-Tagen. Mit seiner gestuften Architektur, den runden Säulen und zahlreichen, zum Hauptplatz hin geöffneten Räumen weist er drei wichtige Merkmale der sogenannten Puuk-Architektur auf, die weiter im Norden dann (insbesondere Uxmal und Kabáh) tonangebend wird.

Nicht nur der Templo des Mascarones (Tempel der Masken) war über und über mit unzähligen Masken und Ornamenten aus Stuck verziert. Eine gute Vorstellungskraft ist allerdings beim Templo des Mascarones (Tempel der Masken) von Nöten. Namensgeber sind die ganz passabel erhaltenen Masken von Herrschern und Göttern. Stellt man sich ihre ursprüngliche Bemalung - vor allem in blutigen Rottönen - vor, gewinnen sie schnell etwas furchteinflößendes! Sicher zu viel für das einfache Volk von damals! Schon deshalb durften nur Priester hier herauf, um den Göttern zu huldigen! Leider wurden all die hübschen Masken nur aus Stuck gefertigt (nicht aus dauerhafterem Gestein) und vielen von ihnen hat der Zahn der Zeit arg zugesetzt!

Was Edzná noch von Palenque unterscheidet? Einmal das Grün, das allenhalben zwischen den Steinhaufen sprießt. Und der Grad der Restaurierung! In Palenque wurden die alten Strukturen - zumindest im Kernbereich - weitesgehend restauriert. Schon etwas zu viel für meinen Geschmack. Neue Steine. Neue Mauern. Neuer Mörtel. Allenfalls beim Blick hinter die Kulissen spürt man etwas vom Zauber des uralten Gemäuers. Nicht so in Edzná! Da wurden weit weniger Paläste und Pyramiden so vollständig restauriert. An jeder Ecke ist der stete Kampf zwischen Urwald und menschengeschaffenen Bauwerken mit Händen greifbar. Wie lange wird es wohl dauen, bis Edzná mangels Besuchern wieder aufgelassen wird und der Urwald das idyllische Plätzchen zurückerobert?

Im Edificio des Cinco Pisos wurden zahlreiche Friese mit farbenprächtigen Ornamenten gefunden. Auf der Pequeña Acropolis (kleine Akropolis) stehen die Tempel dicht an dicht. Die alten Steine sind ein beliebter Spielplatz für kammbewehrte, aber ungefährliche Leguane. Die Pequeña Acropolis (Kleine Akropolis) ist eine der ältesten Strukturen in Edzná (um 300AD).

Uxmal

Das Schokoladenmuseum in Uxmal zeichnet ein viel anschaulicheres Bild der Maya als das benachbarte Museum der Archäologen.. Was in Uxmal (gesprochen Oosch-mahl) den Besucher zuerst erschüttert, ist der Eintrittspreis: In Palenque, ja selbst in Teohihuacán, diesen beiden absoluten Touristenhochburgen fiel bei 3,50 Euronen Eintritt die Entscheidung leicht, ob man reingehen will oder nicht. In Uxmal (und anderswo in Yucatan) will ganz offensichtlich auch die lokale Regierung ein Stück von Kuchen abhaben und schlägt unverschämte 240% obendrauf! Da kostet der Zutritt plötzlich 12 Euronen und ich überlege lange, ob es mir das wert ist. Auch gibt's plötzlich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Einheimische zahlen nur die Hälfte. Als mir abends auch noch der klipp und klar aufgezeigte reduzierte Zutritt für "ältere Mitmenschen" verwehrt wird, werde ich endgültig sauer und beschwere mich lautstark. Nicht, dass es irgendwas helfen würde. Aber die Wut muss irgendwohin! Das Lichtspektakel (€ 4,90) will ich mir trotzdem nicht entgehen lassen.

Abgesehen davon ist Uxmal durchaus einen Abstecher wert! Von den zwei Nächten, die ich auf dem ruhigen Parkplatz stehe, um das WiFi des Restaurants zu nutzen, ganz zu schweigen.

	Die 32 Meter hohe Gran Pirámide (Große Pyramide) sollte noch viel höher werden, wurde aber nie vollendet. 	El Palomar trägt seinen Namen nach den Taubenverschlägen Südspaniens. 	Bei den vielen und stets steilen Treppen mussten die Maya (zumindest ihre Priester) gut zu Fuss sein. 	Das imposanteste - wenn auch nicht das schönste - Bauwerk in Uxmal ist die ovale, 39 Meter hohe Casa del Adivino (Haus der Magier).

Uxmal liegt nur 70 Kilometer nördlich von Etzná, dennoch ist seine Architektur merklich anders. Einzelne Elemente konnten wir schon in Etzná bewundern: runde Säulen, Zimmertüren auf den offenen Platz hinaus - und die stufige Bauart der Pyramiden. Hier gibt es alles in Vollendung - und einen weiteren Baustil obendrauf: Chenes mit den luftig leicht wirkenden Ornamenten, den Schlangen und Köpfen des wichtigen Regengotts Chak (Uxmal liegt in einer der trockensten Regionen von Yucatan).

Die Geschichte Uxmals birgt wenig Neues: Besiedlung zwischen 600 AD und 900 AD. Dass man innnerhalb 300 Jahren eine derart große und sehenswerte Stadt errichten kann, ist aber durchaus beachtlich! Offenbar haben da die Nachbarstädte, Sayil, Kabáh, Xlapak und Labná, die allesamt tributpflichtig waren, ihren Teil dazu beigetragen! Allerdings gilt auch hier: Namen der Herrschenden? Fehlanzeige! Entweder blieb in der allgemeinen Bautätigkeit keine Zeit zum Meißeln von ein paar Namensplättchen - oder die Forscher haben sie noch nicht gefunden.

Das Quadrángulo de los Monjas (Platz der Nonnen) zeigt die am reichsten verzierten Friese in Uxmal. Das Quadrángulo de los Monjas (Platz der Nonnen) zeigt die am reichsten verzierten Friese in Uxmal. Das Quadrángulo de los Monjas (Platz der Nonnen) zeigt die am reichsten verzierten Friese. Das Quadrángulo de los Monjas (Platz der Nonnen) zeigt die am reichsten verzierten Friese in Uxmal.

Auch fand man wenig Hinweise auf die Nutzung der verschiedenen Areale. Für viele Plätze und Anlagen kursieren daher nur Fantasienamen, wie Quadrángulo de los Monjas (Platz der Nonnen), der mit Nonnen nichts, aber auch gar nichts zu tun hatte. Vielmehr eine Kaserne, eine Schule für Adelige oder auch ein Verwaltungsgebäude gewesen sein könnte. Sehenswert und durchaus beeindruckend ist es trotzdem!

Die Gebäude in Uxmal weisen eine Vielzahl von Baustilen auf, darunter auch Säulen aus der späten Maya-Zeit (Postclassic). Auch der Palacio del Gobernador (Palast des Gouverneurs) trägt seinen Namen mehr durch Zufall. 	Auch in der Grupo del Cementerio (Häuser der Toten) finden sich prachtvolle Friese über'm Eingang. 	Schmarotzen - das können hier in Yucatan nicht nur die Pflanzen.

Oder der Palacio del Gobernador (Palast des Gouverneurs), ein hundert Meter langes, mit reich verzierten Friesen geschmücktes Bauwerk. Der seinen Namen nur erhielt, um ausländischen Geldgebern der Ausgrabungen einen Gefallen zu tun. Wir sehen, dass die Archäologie eine durchaus präzise Wissenschaft ist!

Der Juego de Pelota (Ballspielplatz) ist auch hier der zentrale Punkt der Anlage: Bei den rituellen Ballspielen ging es stets um Leben oder Tod. Auffällig ist der Spielplatz. Haben sich andere Städte schon mal ein oder zwei Dutzend Plätze für die rituellen Ballspiele gegönnt, gibt's in Uxmal nur einen. Einen winzig kleinen obendrein. Dennoch geht von ihm eine unbeschreibliche Faszination aus: das Ballspiel war schon etwas besonderes. Als Spiel im modernen Sinn darf man es sich allerdings nicht vorstellen, wohl eher als eine Art Gottesurteil, das durchaus mit der Opferung der Verlierer (oder Sieger?) enden konnte. Das ganze Ritual ist noch weitgegend unerforscht, obwohl moderne Maya in Guatemala und Belize noch immer dem Spiel frönen. Es wurde mit einem dreißig-Zentimeter-Ball aus Gummi gekickt, zwischen drei und fünf Kilogramm schwer und offenbar hatte jeder Spieler seinen eigenen Ball. Gespielt werden durfte er nur mit der Hüfte, mit Ellenbogen oder Knien. Dort trugen die Spieler Protectoren und sicher war der Ball nicht gerade weich. Folgt man der populären Legende Pupul Vuh konnte es Mann gegen Mann, in Zweiergruppen oder auch in größeren Teams gespielt werden.

Das Tor des Juego de Pelota (Ballspielplatz). Gespielt wurde mit einem 30 cm großen Vollgummiball der nur mit Hüfte, Knie oder Ellbogen berührt werden durfte. Da war viel Geschick - oder Gnade der Götter - erforderlich, um den Ball durch die kleinen Steinringe zu bugsieren.

Das größte Kunststück muss ganz offensichtlich darin bestanden haben, das Stück Gummi durch einen der seitlichen Ringe zu bugsieren. Was dann wohl als Punkt zählte. Einen 30-Zentimeter-Ball durch ein 50-Zentimeter-Loch zu kicken, nur mit Hüfte, Knie oder Ellbogen: dazu gehörte gewiss viel Kunstfertigkeit - oder Beistand von den Göttern. Dergestaltiger Beistand wird wohl auch dringend notwendig gewesen sein, um die Spieler vor der blutigen Machete zu retten.

Quasi als Krönung des Tage, der zunächst etwas unerfreulich begonnen hatte, gönne ich mir abends die lautstark gepriesene Lightshow. Eine Stunde lang werden die schon tagsüber sehenswerten Ruinen mit farbigem Licht angestrahlt, während in kurzen Episoden Geschichtsfetzen Uxmal's nachgestellt werden. Durchaus ein Fest für Augen und Ohren. Vorausgesetzt man hat Ohropax dabei (Musik und Sprache sind mexikanisch laut) - und vorausgesetzt, man versteht das einheimische Spanisch (in Englisch gibt's die Show leider nicht). Ein paar nette Fotos bleiben allemal im Kasten.

In der allabendlichen Light- and Sound-Show werden die markanten Gebäude in ganz neue Farben getaucht.... In der allabendlichen Light- and Sound-Show werden die markanten Gebäude in ganz neue Farben getaucht.... In der allabendlichen Light- and Sound-Show werden die markanten Gebäude in ganz neue Farben getaucht.... In der allabendlichen Light- and Sound-Show werden die markanten Gebäude in ganz neue Farben getaucht....

Chichén Itzá

'Stadt der weisen Männer des Wassers' heißt Chichén Itzá übersetzt. Demnach haben hier wirklich wichtige Menschen gelebt. Man muss wissen, dass die von niedrigem Dschungel überwucherte Halbinsel Yucatan flach und im Grunde ausgesprochen trocken ist. Der Karstboden ist zwar fruchtbar, Wasser jedoch versickert sofort, Flüsse und Seen sind eine Seltenheit. Statt dessen sammelt sich das Wasser in Höhlen, sogenannten Cenotes. In der langen Trockenzeit die einzige Quelle des kostbaren Nass. Diese Wasserreservoirs der Unterwelt anzuzapfen war offenbar die Spezialität der Chitzén Itzáer. So wurde die Stadt zu einer der wichtigsten und einflussreichsten Städte im Mayaland.

Köpfe und Körper der heiligen Schlange zieren zahlreiche Bauten in Chichén Itzá. Erst relativ spät wurde Old Chichén gegründet, nämlich um 435 AD. Die ältesten erhaltenen Gebäude stammen aus der Zeit von 495 AD und 625 AD und sind ganz im Stil des Puuk gehalten, wie er im Uxmal und seinen Nachbarstädten perfektioniert wurde. Gegen 900 AD wanderte dann der Itzá-Stamm zu und brachte einen neuen Baustil mit, der heute Maya-Toltek genannt wird, wobei die Einflüsse der Tolteken deutlich erkennbar sind: strenge Linien, Ornamentverzierungen und die Darstellung des Schlangengotts Kukulkan. Von da an hieß die Stadt Chichén Itzá. Ob mit dem neuen Stamm und dem Kukulcan-Kult auch ein neues, äußerst blutrünstiges Zeitalter Einzug hielt?

Das Highlight von Chichén Itzá schlechthin: die zentrale Pyramida del Kukulcán oder El Castillo. Das mit Abstand bedeutendste Gebäude ist - wie könnte es anders sein - die Pyramida de Kukulkan oder Castillo. Alles überragend beherrscht sie den Weg zwischen der Heiligen Cenote und der Xtoloc Cenote, den beiden nie versiegenden Wasserquellen. Als einzige Pyramide wurde sie vollständig, d.h. mitsamt des Tempels auf seiner obersten Plattform restauriert. Künstlerische Reproduktion der Pyramide von Kukulkan in Chichén Itzá. Die an anderen Stätten so reich verzierten 'Seitenwände' zeigen sich tatsächlich weitgehend schmucklos und vermutlich gab ihnen erst die meist blutrote Farbe ein wahrlich imposantes Aussehen (wie auf der Reproduktion rechts). Auch heute entlockt die Pyramide dem Besucher so manches 'Ah' und 'Oh, auch wenn sie mit 24 Metern Höhe weder die höchste, größte noch schwerste der zahlreichen Maya-Pyramiden ist. Vor allem ihre Schlichtheit, ihre Proportionen und die perfekte Symmetrie beeindrucken.

Auch die Symbolik des schlichten Baus zieht den Besucher in seinen Bann. Ja, man könnte sich die Pyramide als riesigen Kalender denken. Erinnern wir uns an den Atztekenkalender und die hochgenauen astronomischen Beobachtungen der Maya:

  • Die neun Etagen der Pyramide werden durch die Treppen zweigeteilt, macht 18 Terrassen entsprechend den 18 Monaten des Maya-Kalenders (je 20 Tage lang);
  • Die vier Treppen haben jeweils 91 Stufen; zusammen mit der Plattform gibt das 365 Stufen, die Anzahl der Tage pro Jahr;
  • Jede Fassade der Pyramide weist 52 flache Paneele auf, entsprechend den 52 Jahren einer Kalenderepoche der Maya;
  • Obendrein zaubert genau zur Frühjahrs- und Herbstsonnwende die untergehende Sonne sieben magische Dreiecke zu beiden Seiten der Haupttreppe und erweckt den Eindruck, die heiligen Schlangen würden sich bewegen.

Auch die Stufen der Pyramida del Kukulcán oder El Castillo werden von den magischen Schlangen bewacht. Alles in allem ein beeindruckendes Gebäude, das die Kunstfertigkeit der Maya in so vielen Disziplinen attestiert. Zudem steht sie über den Resten einer noch älteren Pyramide, in der ein leuchtend roter Jaguar-Thron mit Augen aus Jade sowie eine reich verzierte Figur des Regengotts Chaak entdeckt wurde. Offenbar der Vorgänger des Tempels aus den Tagen vor Ankunft der Itzáen.

Weder dem Jaguar-Thron noch der alten noch der neuen Pyramide kann man irgendwie näherkommen. Alles ist weiträumig mit Gattern, Stricken und unzähligen Schildern abgesperrt, was das Erlebnis um einiges schmälert.

Die Plataforma de las Áquias y los Jaguares (Plattform der Adler und Jaguare) glänzt im detailreichen Puuk-Baustil. Natürlich hat auch Chichén Itzá seinen rituellen Ballspielplatz. Einen ganz großen, mit siebzehn Metern Länge und sieben Metern Breite, dazu noch eine ganze Handvoll kleiner Trainingsplätze. Der große wird vom herrlich mit Friesen verzierten Tempel des Jaguars begrenzt, an dem vermutlich auch die Menschenopfer stattfanden. Denn die Götter waren immer durstig und insbesondere der Sonnengott musste gut genährt werden, um die Sonne am nächsten Tag wieder aufgehen zu lassen.

Die Plataforma des los Cráneos (Plattform der Schädel) erhielt ihren Namen - nicht ganz zu Unrecht - von den Hunderten gemeißelter Schädel ... Einen möglicherweise treffenden Eindruck von etwas makaberen Verhältnis der Maya zum Tod bzw. zu Menschenopfern findet man am Tzompantli. Die unteren Seitenwände des Plateaus sind mit vier Reihen voller Totenschädel geschmückt und hinterlassen ein etwas beängstigendes Bild. Nicht umsonst lautet die Übersezung von Tzompantli auch Plattform der Schädel. Ob das tatsächlich (symbolische) Abbildungen geopferter Menschen darstellt oder nur eine Art Abwehrmystik darstellen soll, ist unklar. Den Durst der Maya-Priester (respektive der Götter, denen sie dienten) nach Menschenblut darf jedoch nicht unterschätzt werden. Wenige der reich verzierten Friese in Chichén Itzá sind so gut erhalten wie dieser am Juego de Pelota. Ohne wirklich Belastbares sagen zu können, habe ich den Eindruck, dass die Gier nach menschlichem Blut und Menschenopfern erst in späteren Jahren - mit dem Zuzug der von den Tolteken beeinflussten Itzá und dem Kult des Kukulkan (gefiederte Schlange) - so ausartete. Könnte dies etwa eine Ursache sein, warum viele andere Maya-Städte just in diesem Zeitraum so plötzlich und unerklärlich verlassen wurden? Die Ballustraden der Treppe tragen - wie die Ecken der Plataforma de Venus - Symbole der heiligen Schlange. Wurden ihre Bewohner etwa gekidnapt und den Göttern geopfert? Gab es nach einiger Zeit einfach nicht mehr genügend Menschen, um die Städte zu besiedeln? Waren sie alle geopfert worden? Eine makabre Vorstellung!

Trotz der blutigen Hintergründe kann man in Chichén Itzá über zwei Dutzend herrlicher Gebäude bestaunen, die obendrein in ganz unterschiedlichen Baustilen gehalten sind und aus völlig unterschiedlichen Epochen der Entwicklung stammen.

Das bekannteste Bauwerk von Chichén Itzá - neben der zentralen Pyramide - ist das Observatorium (El Caracol). Künstlerische Reproduktion des Observatoriums in Chichén Itzá. Das nach der Kukulkan-Pyramide bekannteste Bauwerk ist das Observatorium El Caracol. Obwohl der heutige Steinhaufen schnell an die Kuppel eines modernen Observatoriums denken lässt, bestand der obere Tempel "nur" aus drei kreisrunden Etagen, die über eine Art Wendeltreppe verbunden waren. Öffnungen in den Außenmauern markierten möglicherweise wichtige Positionen der Sonne am Firmament. Beobachtet wurden in der weit entwickelten Astronomie der Maya vor allem die Sonne, der Mond und die Venus. Die Genauigkeit der astronomischen Berechnungen verblüfft selbst moderne Wissenschaftler. Dabei wurde jeder Himmelskörper als ein eigenständiger Gott verehrt, sogar die Zeit an sich war ein Gott. Dabei glaubten die Maya, dass auch Götter vergänglich sind, einen Lebenszyklus durchlaufen und nach ihrem Tod neu geboren werden, um einen neuerlichen Zyklus zu durchlaufen.

Der beeindruckendste Baustil in Chichén Itzá ist der Puuk Stil, ursprünglich in Uxmal und den umliegenden Hügeln geprägt. Detail des im Puuk Stil errichteten Edificio de las Monjas, das mit Nonnen ebenso wenig zu tun hat wie sein Namensvetter in Uxmal. Detail des im Puuk Stil errichteten Edificio de las Monjas, das mit Nonnen ebenso wenig zu tun hat wie sein Namensvetter in Uxmal. Auch im Puuk Stil errichtet und viel bestaunt: Die Iglesia, die Kirche neben dem Nonnenkloster.

Eine dritte Gruppe interessanter Bauten stammt aus der Zeit der Puuk-Epoche, die wir schon aus Uxmal kennen, von dessen Umgebung (Puuk = Hügel) der Baustil seinen Namen hat. In Chichén Itzá gehören das Edificio de las Monyas (Nonnenkloster) und die Kirche La Iglesia dazu. Wobei die Namen so gar nichts mit der früheren Verwendung zu tun haben und im Grunde frei erfunden wurden. Die reich verzierten Fassaden und der detailreiche Baustil beeindrucken trotzdem immer wieder.

Spielten die Maya etwa schon Tic Tac Toe? (Steinfries am Templo de los Tableros Esculpidos in Chichén Itzá). Vermutlich waren früher alle Säulen am Plaza de las Mil Columnas in Chichén Itzá so reich verziert wie die in der Mitte .... Verzierungen an einem Eck des Osuariums (Tumba del Gran Sacerdote). Insgesamt gab es sechzehn solcher Ecksteine ... und viel Gelegenheit, die Wäscheleine festzumachen ... Der Unterbau der Plataforma de las Tumbas in Chichén Itzá war ebenso reich verziert wie die Gräber, die hier gefunden wurden.

Die Pyramida del Kukulcán gibt schon ein tolles Motiv ab ... Die Souvenirhändler haben ein sehr ähnliches Angebot: Masken, Masken, Masken. Ob die alle handgeschnitzt sind? Dass man in Chichén Itzá an keines der alten Bauwerke wirklich nahe 'ran darf, hatte ich schon gesagt. Das ist schade, denn so findet man kaum eine Beziehung zu dem alten Gemäuer. Von interessanten, nicht alltäglichen Fotos mal ganz zu schweigen! Bei Tausend Besuchern (an schlechten Tagen) bis zu fünf Tausend Besuchern (an guten Tagen) wird sich das leider auch nicht anders handhaben lassen! Obendrein schallt einem das immer und überall zu hörende "Cheap, cheap, Mister. Only one Dollar!" der Souvenirverkäufer ins Ohr. Will man dann tatsächlich eine der schön geschnitzen Masken für einen Dollar erstehen, macht er einen Rückzieher und sagt plötzlich etwas von "One Hundred Dollar, Cheap, Cheap!". Nun ja, das kennen wir ja schon! Und ob die teilweise wirklich hübschen Masken alle handgeschnitzt sind, wie er stolz erzählt, darf man auch in Frage stellen. Obwohl ich das den Nachfahren der Maya mit ihrer Kunstfertigkeit, die sie auch im täglichen Leben unter Beweis stellen, und ihren niedrigen Stundenlöhnen durchaus zutraue. Dennoch schauen einige der Masken recht ähnlich aus!

Höhle von Balankanché

Fleißige Biene bei der Arbeit ... Keine fünf Kilometer östlich von Chichén Itzá liegt die Höhle von Balankanché. Die Schatzkiste der Maya. Hierher trugen die Priester der großen Stadt offenbar ihre Wertsachen. Ihre jadeverzierten Kelche. Ihre Obsidianmessser. Ihre Räucherfiguren. Ihre rituellen Maissteine. Ihre Kultgegenstände. Irgendwann vergaßen sie, die Pretiosen zurückzutragen. Vielleicht nach einer Belagerung der Stadt? Jedenfalls wurden erst 1959 die Höhle und ihr unschätzbarer Inhalt ganz zufällig entdeckt und Jahre später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zugänglich, sofern man in einer Gruppe von mindestens sechs Personen kommt. Von den Hunderttausenden aber, die gerade Chichén Itzá besuchen, verirrt sich nicht mal eine Handvoll an die sehenswerte Höhle. Keine Chance, mal eben die Höhle zu besichtigen, denn für einen Besucher allein - und sei er noch so interessiert - bequemt sich der Führer nicht aus seiner Hängematte! Nach drei Anläufen muss ich unverrichteter Dinge wieder abziehen!

Cobá

Auch in Cobá darf der Besucher längst nicht überall hin ... Obwohl Cobá direkt an der Touri-Rennstrecke von Tulum nach Chichén Itzá liegt, wird es von vielen links liegen gelassen. Dabei ist es die malerischste der alten Maya-Stätten, bildhübsch zwischen zwei dunkelgrünen Seen gelegen. Oder sind es die langen Wege zwischen den Pyramiden, die die Touris abschrecken? Die Fahrräder, die am Eingang für wenig Geld zu mieten sind, sind jedenfalls das passende Verkehrsmittel für die insgesamt über 70 Kilometer Pfade, die über das riesige Areal verlaufen! Dabei erkunden die meisten Besucher eh nur die drei bis vier Kilometer, die zwischen dem obligaten Ballspielplatz (Juego des Pelotas) am Eingang, der Grupo Macanxoc mit Dutzenden verzierter Stelen und der großen Pyramide von Nohoch Mul verlaufen.

Neben den Steinstelen, deren Reliefs mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind, hängen Zeichnungen, wie das Bild vermutlich ausgesehen hat. Cobá ist um vieles älter als das benachbarte Chichén Itzá, doch auch Cobá erlebte seine Blütezeit zwischen 800 AD und 1100 AD, bevor es aus unbekannten Gründen verlassen wurde. An die 50.000 Maya sollen hier gelebt haben - auf einer Fläche von 50 Quadratkilometern! Die Architektur weist viele Merkmale von Tikal auf, der größten und einflussreichsten aller Maya-Städte (im heutigen Guatemala), die jedoch viel weiter entfernt lag als das benachbarte Chichén Itzá (50km). Daneben punktet Cobá mit einem ungeheuren Netzwerk von Straßen, sogenannten Sacbé, die sich wie lange Tentakeln bis zu Hundert Kilometer weit ins Umland erstreckten. An die vierzig (!) Straßen sollen sich hier gekreuzt haben - der Stachus wäre ein müder Abklatsch dagegen! War Cobá vielleicht so etwas wie ein Handelsknoten? Ein Venedig der Maya?

Neben den Steinstelen, deren Reliefs mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind, hängen Zeichnungen, wie das Bild vermutlich ausgesehen hat. Zwei Drittel der Steinhaufen liegen noch immer unangetastet im Urwald. Welche Schätze hier wohl noch schlummern mögen? Das, was ausgegraben bzw. restauriert wurde, würde dem Besucher dennoch wenig Ah's und Oh's entlocken, wären da nicht detailreiche Tafeln. Vor allem neben den Stelen, deren filigrane Steinmeißelungen auch mit sehr viel Phantasie nicht mehr zu entziffern sind, zeigen Zeichnungen der Restauratoren, was auf dem verwitterten Stein wohl mal dargestellt war. Nur mit ihnen kann man sich ein halbwegs verständliches Bild von der Kunstfertigkeit der damaligen Bildhauer machen!

Der Aufstieg auf die Nohoch Mul oder Große Pyramide in Cobá wird mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt. Den schweißtreibenden Abschluss der Cobá-Runde bildet der Nohoch Mul oder die Große Pyramide. Mit 42 Metern Höhe soll sie das höchste Maya-Bauwerk auf der Halbinsel Yucatan sein. Gescheit wie die Maya nun mal waren, bauten sie die Pyramide über einem vorhandenen, natürlichen Hügel. Sicher konnten sie schon damals von dort die Aussicht über das Blätterdach des Urwalds genießen. Hinunter bis zur Küste (Tulum), hinüber bis zur Nachbarstadt Chichén Itzá. Der steile Auf- und Abstieg auf die Nohoch Mul oder Große Pyramide in Cobá ist nichts für jedermann/-frau. Vielleicht auch frühzeitig die Ankunft Ihre Handelszüge auf den Sacbeob (Plural von Sacbé) beobachten. Wie die Handelsherren von Cádiz ein paar Hundert Jahre später ihre Schiffe? Der fitness-fördernde Aufstieg zur Spitze ist allemal ein paar Tropfen Schweiß wert! Auch wenn sich manche Zeitgenossen mit dem Abstieg über die schmalen Stufen erstaunlich schwer tun.

Tulum

Busse stehen in Reih und Glied auf dem riesigen Parkplatz von Tulum. Dass Chichén Itzá arg von Touris überlaufen ist, davor warnt jeder Reiseführer. Dass ihm Tulum an der Ostküste bei weitem den Rang abläuft, steht nirgenwo geschrieben. Vielleicht locken auch schneeweißer Sandstrand, das türkisblaue Wasser der Karibik und wie zufällig eingestreute Mayaruinen erst in den letzten Jahren die Touristenscharen aus Cancún hierher? Wie dem auch sei, auf dem Parkplatz stehen Hunderte von Bussen brav in Reih und Glied. Dahinter eine wahre Einkaufsstadt mit einem Souvenirladen neben dem anderen. So etwas wie das PEZ  nur für Souvenirs! Ja, hier gibt es sogar einen Hipermercado für Souvenirs. Falls zu Hause die Hundert Freunde und Verwandten mit just der gleichen Schnitzerei oder dem gleichen Tonteller beglückt werden sollen. Die Verkäufer spüren meine Abneigung - oder interpretieren meinen säuerlichen Gesichtsausdruck richtig - jedenfalls lassen sie mich weitgehend in Ruhe, währen die Busladungen voller Touris ausgiebig mit Werbesprüchen bedacht werden.

Es ist zwei Uhr nachmittags, die Sonne brennt vom Himmel. Nicht gerade die optimale Zeit, das Gemüt bei einem gemütlichen Bummel durch alte Ruinen zu besänftigen. Also inmitten der Touristenzone einen Standplatz für die Nacht finden! Nach langer, langer Sucherei stelle ich mich am Beach Club Santa Fé mitten in den schneeweißen Stand - und hoffe, dass die Beachparty nicht bis spät in die Nacht dauert. Kaum aber neigt sich die Sonne dem Horizont zu, werden Teller und Becher eingesammelt, das Feuer in der Küche gelöscht und die Bar hochgeklappt. Als Wiedergutmachung für die Menschenmassen in Tulum gibt's nebenan einen netten Campingplatz mit weißem Sand ... Es herrscht himmlische Ruhe. Nur die Vögel in den Palmen veranstalten ihr Abendkonzert, während ich versuche, das aufgeheizte Gemüt - und die glühende Lady Grey auf erträgliche Temperaturen zu kühlen. Noch immer herrschen 34 Grad, der leise Hauch von Meer lindert die Hitze nur wenig und trotz sperrangelweit geöffneter Fenster liege ich lange wach und wische mir die Schweißperlen von der Stirn.

Ein Tag Pause nach so viel interessanten Besichtigungen kann nicht schaden! Also lasse ich Xaman Ek, (Maya-Gott der Händler und Reisenden) einen guten Mann sein und versuche, mir am Strand einen Weg durch die Menge zu bahnen. Ohne auf nackte Rücken, Beine, Arme oder Brüste zu steigen. Gar nicht so einfach!

Der Beach Club liegt ideal, um gleich frühmorgens zu den Ruinen zu tappen (keine 500 Meter entfernt). Vielleicht kann ich ja so den Besuchermassen ein Schnippchen schlagen? Doch kaum wird das erste Ticket verkauft und die Absperrkette ausgehakt, strömt die erste Besuchergruppe auf's Gelände. Obendrein arg bekannte, heimische Laute! Nur ein Zwischenspurt an die erste Ruinengruppe bringt die Rettung.

Der Templo del Dios del Viento (Tempel der Windgötter) in Tulum steht ganz prominent über einer Felsklippe. Tulum gehört zu den späten Maya-Stätten. Erst in der sogenannten Post-Classic-Periode (1200 AD bis 1521 AD), als andere Maya-Stätten längst verlassen waren, erlebte es seine Blütezeit. Die Maya betrieben regen Handel innerhalb ihres riesigen Siedlungsgebietes. Wovon ein guter Teil über's Meer, entlang der karibischen Küste bis hinunter ins heutige Belize und nach Guatemala erfolgte. Tulum war offenbar eine von wenigen Hafenstädten: lange Kanus konnten in der geschützten Bucht anlegen, auf dem von einer drei Meter dicken Umfassungsmauer gesicherten Areal konnten die Waren gelagert werden und die Reisenden auf die nächste Passage warten.

Der Templo del Dios Descendente (Tempel der herabgestiegenen Götter) in Tulum ist das wohl meist fotografierte Bauwerk an der Ostküste Yucatans. Gleichzeitig war die Stadt auf der Klippe ein idealer Platz, um den Göttern des Meeres und des Windes zu huldigen! Zwei der größten Tempel zeugen davon: der Templo del Dios del Viento und das zentrale Castillo. Fresken, Steinmeißelungen, Friese oder Stelen allerdings sucht man hier vergeblich. Nur an wenigen Stellen finden sich klägliche Reste. Vielleicht war in den späten Jahren die Kunstfertigkeit der Maya eingeschlafen? Die Künster ausgerottet? Vielleicht war Tulum auch einfach nur eine Handelsstadt, in der wenig Wert auf übermäßigen Prunk gelegt wurde? Überreste heutiger Hafenanlagen werden in fünfhundert Jahren vermutlich auch keinen Schönheitspreis gewinnen...

Schade trotzdem, dass man bisher - trotz zahlreicher schriftlicher Überlieferungen - so wenig über die Städte der Maya, über ihre Bewohner, Priester und Adelige und ihre genauere Geschichte in Erfahrung bringen konnte. So sind schon nach eineinhalb Stunden die letzten Bilder im Kasten, die Anlage füllt sich mit Tourigruppen und ich bin froh, den Heimweg anzutreten, solange die Sonne noch nicht so hoch am Himmel steht.

Fächerpalmen soweit das Auge reicht lassen keinen Zweifel, Tulum liegt in der Karibik. So etwa darf man sich die Bemalung der vielen Dutzend Friese in Tulum und anderswo vorstellen. Vor lauter Steinen von den meisten Besuchern übersehen: Leguan am Palacio. Das mit meterdicken Mauen umfriedete Plateau von Tulum war wohl eine Garnison und/oder ein Handelszentrum.

Muyil

Die Westseite des Castillo von Muyil (Struktur 8I-13) mit seiner breiten Treppe zeigt auch seine Höhe von über 17 Metern. Ein kleiner Leckerbissen der besonderen Art ist Muyil. Keine dreißig Kilometer südlich des überlaufenen Tulum gelegen, ist es fast so etwas wie eine einsame Oase.

Muyil gehört wiederum zu den ganz alten - und am längsten bewohnten Mayastätten - besiedelt seit zirka 300 BC. Bis die Spanier kamen. Darüber hinaus ist wenig bekannt, mit 38 Hektar zählte sie sicher nicht zu den "Großstädten", lag aber verkehrsgünstig an einer Lagune und könnte in späten Jahren so etwas wie ein Außenposten der Hafenstadt Tulum gewesen sein.

Umgeben von dichtem Urwald warten die Ruinen von Muyil (hier Struktur 9K-1 oder Temple 8) auf ihre weitere Erkundung. Heute sind viele der Ruinen, ja auch ein paar der restaurierten Bauwerke von dichten Grün des Urwalds überwuchert. Liegt Muyil doch direkt neben dem Biosphärenreservat Sian Ka'An, aus dem der eine oder andere Baum seine Wurzeln und Zweige herüberstreckt.

In den Ruinen von Muyil schlummern noch zahlreiche Geheimnisse. Die höchste Pyramide hier misst gerade mal siebzehn Meter in der Höhe, heißt El Castillo und soll das höchste Gebäude an der zentralen Nordküste von Quintana Roo sein. Auch ein Kieselstein kann die höchste Erhebung der umliegenden zwei Quadratmeter Strand sein! Alles eine Frage des Maßstabs. Trotzdem ist die Pyramide inmitten des Urwalds recht beeindruckend und das Spazieren unter dem grünen Blätterdach ist erfrischend und abwechslungsreich. An jedem Wurzelstock stolpert man über Steine, die ein unsichtbares Schild "Ich bin ein Maya-Stein und möchte ausgegraben werden" tragen. Hier gäbe es noch richtig viel zu entdecken!

Nach so viel Kultur habe ich mir ein paar Tage Strandurlaub verdient, nicht wahr? Ich hoffe nur, dass ich zwischen hier und Cancun ein Fleckchen Strand finde, auf dem noch kein Touri sein Handtuch ausgebreitet und das noch kein US-Amerikaner mit seiner Traumvilla verziert hat.

Nach den paar Tagen Strandurlaub ist - nach fast zwei Jahren auf Achse - ein erstes, kurzes 'Intermediate' angesagt (siehe unten)! 'Heimaturlaub' heißt das im herkömmlichen Sprachgebrauch. Von Urlaub allerdings wird nur sehr bedingt die Rede sein: dreizehn größere Termine, daneben hundertvierzig 'Kleinigkeiten' stehen auf der To-Do-Liste...

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Mai 26 2015

Tulum Beach Club (Mexico, Quintana Roo), zum zweiten (GPS: 20°12,461'N; 087°25,893'W)

Bei dem Sturm ist der leckere Saft der Kokosnüsse bald geschüttelt und nicht gerührt ... Schneeweißer Sand, fein wie Mehl weht durch die Luft. Die Kokospalmen ächzen im Sturm, der über's Meer braust. Gischtgekröte Wogen des tiefgrünen Wassers donnern gegen den Strand. Kein Händler verkauft frische Kokosnüsse mit Eis. Der Strand ist leergefegt. Wenige Hartnäckige trotzen dem Sturm. Die anderen sitzen im trockenen Hotel und nippen an ihrer Pinacolada. Zwei Minuten später öffnet der pechschwarze Himmel seine Schleusen. Ein tropischer Regenguss mit Tropfen groß wie Erdbeeren prasselt auf die Lady Grey nieder und befreit sie vom Staub der letzten Wochen.

Welch einem Willkommensgruß hat sich da Tulum einfallen lassen, um mir nach zwei Wochen Bayern auch Mexiko und die Karibik wieder ans Herz zu legen?! "Das wäre doch gar nicht nötig gewesen!" liegt es mir auf der Zunge. Doch ändern kann ich herzlich wenig!

Sobald sich das finstere Schwarz am Himmel gelichtet hat - und die Straßen wieder abgetrocknet sind - werde ich auch weiterhin durch Maya-Gebiet kreuzen: die westlichen Teile Guatemalas und Honduras zählen ja ebenso dazu wie Belize. Ihre faszinierende Kultur wird uns also noch ein paar Kapitel begleiten!