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Fahrtroute Mittelamerika Fotoalbum Mexiko Teil 2 (von Palenque zur Karibikküste)

Im Land der Maya (2)

MEX BLZ GTM


Juni 29 2015

Panajachel (Lake Atitlán, Guatemala) (GPS: 14°44,535'N; 091°09,804'W)

Vom Camping Tzanjuyú Bay schweift der Blick über den Lago de Atitlán zum Vulkan Tolimán. Der Motor brummt im dumpfen Bariton. Die Motorbremse steht auf Anschlag. Im zweiten Gang kriecht die Lady die steilen Haarnadelkurven abwärts. Innerhalb weniger Minuten fällt der Höhenmesser um satte 1000 Meter. Schon die Anfahrt zum größten, bekanntesten und schönst gelegenen See des Landes ist ein Leckerbissen! Und erst der See selber: der Lago de Atitlán, eingebettet in einen Ring aktiver Vulkane, deren Gipfel an der 4000m-Marke kratzen, leuchtet im tiefen Blau. Darauf einzelne Nussschalen mit Außenbordmotor. Eine Handvoll Paddler in ihren Kayaks. Einzelne Schwimmer. Darüber azurblauer Himmel mit weißen Schönwetterwölkchen. Was will der Reisende mehr?

Tja, vielleicht einen hübschen Campingplatz? Grüne Wiesen? Mit Ausblick auf den See? Auf die Vulkane? Mit einem netten Pool? Einem Restaurant, in dem es nicht nur Burritos gibt? Mit WiFi und Internet? Ja, mehr braucht der Reisende wirklich nicht! Man wird bescheiden!

Ach ja, ein wenig Zeit wäre noch nett. Doch die muss sich auch der Reisende nehmen. Zum Beispiel, um die Erlebnisse der letzten Wochen zu HD zu bringen. Welch angenehmeren Platz gäbe es dazu als eine sattgrüne Wiese am Seeufer mit Blick auf ebenmäßige Vulkane? Also frisch ans Werk! - Nachdem die letzten Anmerkungen zum Heimaturlaub arg persönlich geraten sind, geht's hier nun voll sachlich weiter. Versprochen!

Murphy's Tage

Murphy's Gesetz (besser Murphy's Axiome) kennt ihr alle? Oder wart ihr in Mathe etwa krank? Seit meiner Rückkehr aus Deutschland hat dieser Murphy allenthalben seine Finger drin! Nichts ist vor ihm sicher.

Schon die erste Arbeit nach dem Leeren des Rucksacks erweist sich als voll ätzend: 'ganz einfach' wird in einschlägigen Artikeln die Migration von Windows XP auf Windows 8.x beschrieben. Richtig, es geht um den Laptop, auf dem ich Euch diese spannenden Berichte tippe und die unzähligen Fotos verwalte. Aber alles geht schief. Einen Tag hatte ich für das Upgrade vorgesehen, am Schluss werden es vier! Zunächst muss ich feststellen, dass die falsche CD geliefert wurde (64-bit anstelle der 32-bit-Version), womit ein Update nun überhaupt nicht möglich ist. So will ich wenigstens die neue, größere SSD-Festplatte einbauen. Also nur alte Festplatte klonen, einbauen, fertig. Aber auch hier mischt Mr. Murphy mit: erst raucht der Adapter der externen Festplatte ab (im wahrsten Sinne des Wortes) und nimmt noch zwei USB-Anschlüsse des Rechners mit in den Tod. Ab heute muss eben ein USB-Port genügen!

Abendrot ist auch in den Tropen ein Zeichen für unbeständiges Wetter. Wohlweislich hatte ich zuvor zwei Images (Kopien) der alten Platte (mit unterschiedlichen Programmen) erstellt. Doch bei jedem Versuch, eines davon auf die neue Platte aufzuspielen läuft irgend etwas schief: mal ein fehlender Boot-Sektor, mal ein unlesbares Image, mal eine umplausible Partitionstabelle. Also zum x-ten Mal die Windows-CD einlegen, Betriebssystem installieren, Treiber laden, Images aufspielen und hoffen. Jedesmal ein Aufriss von zwei bis drei Stunden! Nach dem gefühlten fünfundzwanzigsten Versuch keimt erste Hoffnung auf: der Rechner läuft hoch, alle Daten da, die meisten Treiber funktionieren. Ich bin genausoweit wie zuvor, habe allerdings 200GB mehr Speicherplatz. Kein Erfolg, auf den man stolz sein könnte!

Mit einem zweiten Rechner versuche ich derweil, Bilder (600MB) und ein paar dringende Updates aus dem weltumspannenden Netz herunterzuladen. Dank 'riesiger' Bandbreite bricht die Verbindung regelmäßig, tagsüber nach spätestens fünf Minuten, abends und nachts spätestens nach dem Runterladen von 598MB zusammen. Es ist schon arg, wie sehr man inzwischen auch auf Reisen auf dieses Medium angewiesen ist. Angewiesen zu sein glaubt. Doch was geht heute noch ohne Internet? In Mexiko ist das nicht anders als in Europa oder USA. Nur sind hier die Voraussetzungen einen Tick schlechter. Ich könnte mir die Haare raufen - wenn sie ein wenig länger wären!

Zerzauste Palmen und finstere Wolken künden den nächsten tropischen Schauer an. Während ich drinnen missmutig vor mich hin installiere, passt sich draußen das Wetter meiner Stimmung an. Sonntag komme ich noch trockenen Fußes vom Abendspaziergang zurück, will am Montag ein paar Besorgungen erledigen und dann gleich nach Süden weiterrollen. Belize und Guatemala sind nicht mehr weit und rufen schon deutlich hörbar durch den Urwald! In der Nacht aber schüttet es wieder einmal wie aus Kübeln (wenigstens wird die Lady Grey dabei wieder hübsch sauber) und morgens steht der ganze Camp unter Wasser. Was mich bei einem Meter Wattiefe nicht weiter stört ... auf dem Weg zum Supermarkt aber kann ich drei Beinahe-Unfällen nur mit Not entgehen: die Straßen sind wie mit Schmierseife überzogen! Bei diesen Straßenverhältnissen weiterfahren? Nein danke! Also shoppen und warten, bis der Schlamassel vorüber ist. Auch Wasser muss ich dringend bunkern. Trinkwasser. Kein Regenwasser! Da bräuchte ich nur den Trichter 'raushalten ...

Der einsame Tropenstrand an einem Regentag hat auch seinen Reiz! Zwischen zwei schwarzen Wolken kann ich die Tanks füllen und rolle gerade noch auf meinen Stammplatz, bevor sich die nächste Himmelsschleuse öffnet. Erst Dienstag mittag lassen die Regengüsse ein wenig nach. Die Zeit vertreibe ich mir mit der weiteren Optimierung des Logbuch-Programms, das mir inzwischen viel Arbeit abnimmt. Morgen früh aber soll es auf jeden Fall weitergehen! Hier fällt mir schon seit einer Woche der Himmel auf den Kopf! Also all den Campingkram zusammenpacken und die Lady startklar machen. "Aber wo kommt plötzlich all das Wasser her?", aus einer Seitenklappe schwappt es mir entgegen. Im Stauraum steht es gar fünf Zentimeter hoch! "So ein Mist!"

Brauchwassertanks beim Einbau ... Noch in der Dunkelheit wird der Stauraum ausgeräumt und der Boden notdürftig trockengelegt. Immer wieder rinnt neues Nass nach. Wasser das sich unter dem Anti-Rutsch-Belag gesammelt hat. Auch die Ursache ist inzwischen halbwegs klar: das ist kein Regenwasser, das irgendwo eingesickert ist, das ist Trinkwasser, das ich gestern für teures Geld gebunkert hatte! Was ist passiert? Nun, routinemäßig hatte ich die Wasserfilter gewechselt und zwei der großen, roten Tankdeckel geöffnet, die Dichtungen gesäubert und wieder fest verschlossen. Offenbar nicht fest genug, denn von einem windet sich nun ein winziges, aber stetes Rinnsal gen Boden. Laut Anzeiger fehlen inzwischen an die dreißig Liter kostbares Nass. Die sich nun - verteilt über den ganzen Stauraum - auf und im Boden wiederfinden. "Hoffentlich ist nicht zu viel in die hölzerne Bodenplatte gewandert, die sich ja gerne mal aufzieht!" Schadensbegrenzung ist angesagt: trockenwischen, so gut es geht - und auf die Sonne bauen, die am nächsten Tag hoffentlich alles trocknen wird! (Klar hatte ich nach dem Wasserbunkern kontrolliert, ob die Verschraubungen dicht waren - und sie waren es alle vier!")

Auch die Nachfahren der Maya haben ein Händchen für Kunst: originelle Malerei an einer Verkaufsstelle für Trinkwasser. Tatsächlich hat Petrus kurzzeitig Einsehen mit uns: ein ganzer Tag Sonnenschein lässt auch die letzten Wasserlachen vertrocknen. Seither macht sich die heiße Scheibe am Himmel allerdings unerwartet rar.

Zumindest findet die Lady am Donnerstag tatsächlich Asphalt unter ihren Reifen. 200 Kilometer davon tragen uns nach Süden. Doch das Lenkrad zieht ganz eigentümlich nach links, nach Osten, zur Küste hin. Ich kann mir das gar nicht erklären smile. So landen wir im nächsten Touristenörtchen, in Majahual (auch Mahahual), durch (zu) zahlreiche Kreuzfahrtschiffe und ihre Insassen ein wenig in Verruf geraten. Die Küste bei Majahual (wenig nördlich von Chetumal) ist ein beschauliches Fleckchen Erde. Doch die Regenzeit hat auch ihre Vorteile: die Tourimassen sind alle auf Urlaub: anderswo. In der Stadt sind sämtliche Bürgersteige hochgeklappt und nur die Notbesetzung harrt vor Ort aus. Flugs habe ich wieder einen (wirklich) ruhigen Platz am Strand erspäht, wo noch einmal zwei Tage 'Seelenbaumelei' fällig sind: Reiseführer wälzen und Routenplanung für Mittelamerika ist angesagt. Zwar gießt es nicht den ganzen Tag aus Kübeln, aber schönes Wetter schaut doch anders aus! So bleibt auch die geplante Tauchtour zur Banco Chichorro, eines der angesagtesten Tauchreviere weltweit eben nur geplant. Bei dem Seegang und den Niederschlägen der letzten Tage hätte man dort sowieso nicht viel gesehen!

Das malerische Fort in Bacalar bewacht seit den Zeiten der Spanier die türkisfarbenen Wasser der gleichnamigen Laguna Zwei Tage später wiederholt sich das Spielchen von Neuem. Zurück auf der Hauptstraße gen Süden geht's immerhin sechzig Kilometer vorwärts - bis wieder dieses Ziehen und Rucken im Lenkrad zu spüren ist. Welch ein Mist, dass es hier unten so viele schöne Plätzchen gibt. Eines einladender als das andere. Und alle habe ich sie für mich allein. Diesmal verschlägts's mich auf den EcoCamp von Bacalar, direkt an der gleichnamigen Lagune. Offensichtlich kann nicht nur ich mich von der Küste nicht recht losreißen. Schon vor Jahrhunderten war Bacalar ein berüchtigtes Piraten­nest. Auch die Herren mit der Augenklappe wussten offenbar, wo's schön ist! Wo man angenehm (und billig) leben kann. Bis die Spanier wenig später just hier ihr winziges Fort errichteten, die Piraten sich einen anderen Unterschlupf suchten ... und die Spanier selbst die Reize dieser wunderschönen Region aus Hunderten von Inseln, Lagunen, Seen und unterirdischen Höhlen ("Cenotes") genießen konnten.

Willkommen in Belize

Auch die modernen Piraten lassen es sich an der malerischen, türkisfarbenen Laguna de Bacalar gut gehen. Am Mittwoch (10.06.2015) ist dann zumindest Abschied von Mexiko angesagt! Nach über fünf Monaten. Zwei waren allenfalls eingeplant gewesen! Aber zwei Dinge lernt man eben auf Reisen: 'Sich Zeit nehmen!' und 'Schön locker bleiben!' Also, was soll's!

Als ob mir die Karibikküste so etwas wie "Verlass mich nicht!" nachrufen will, knicke ich beim Entleeren der Abwassertanks ganz unglücklich um. Mein rechter Knöchel hat plötzlich den Umfang eines Oberschenkels und ist allenfalls noch zum Gasgeben zu gebrauchen ... mit Sicherheit nicht dafür, interessante Städte oder Mayaruinen zu erkunden, die auf der Route direkt vor mir liegen! Welch ein Pech aber auch!

Hinkenderweise bringe ich wenigstens die Grenze zu Belize hinter mich, wo mir ein 1-Monats-Visum für die Lady und mich schon fast aufgezwungen wird. Zeit genug, in dem winzigen Land weiterhin die Seele baumeln zu lassen - und den Haxen zu kurieren. Die Karibikküste ist auch hier nirgends weit!

Tropische Vegetation aus dem Bilderbuch heißt mich in Belize willkommen. Zunächst aber rolle ich auf deutlich schmäleren, wenn auch sehr viel saubereren Straßen als in Mexiko durch den Norden des Landes. Um die 350 Tausend Menschen leben hier. Und das Völkergemisch, das ich auf den Straßen treffe, ist vielfältig: Maya natürlich als älteste und zahlenstärkste Volksgruppe. Daneben Schwarze jeder Schattierung (Nachkommen der Sklaven aus Afrika, die die Engländer auf ihre Plantagen brachten), Weiße aus vielen Teilen Europas, ja sogar solche von der Insel (Großbritannien). Zuckerrohr ist im Norden von Belize eine der Haupteinnahmequellen der Bauern. Daneben Kreolen von anderen Karibikinseln, am ehesten an Ihrer Lockenpracht und ihren bunten Mützen zu erkennen. Ein buntes Völkergemisch im wahrsten Sinn des Wortes, das hier - offensichtlich weitgehend friedlich - zusammenlebt. Am meisten aber fällt eine Volksgruppe auf, die fehlt: die Polizei nämlich in ihren schwarzen Uniformen, ihren rot-blauen Blinklichtern und den MG's auf ihren Pickups. In Mexiko waren sie aus dem Straßenbild nicht wegzudenken!

Die paar Kilometer bis Belice City sind bald geschafft und notgedrungen muss der Stadtspaziergang einer Stadtrundfahrt weichen. Mit der Lady natürlich. Obwohl sie für die schmalen, von Fußgängern, Radfahrern, Pickups und Mopeds überfüllten Straßen denkbar ungeeignet ist. Prompt übersehe ich eines der wichtigsten Verkehrszeichen - ja, auch so etwas gibt es hier! Gewichtsbeschränkung für die einzige Brücke weit und breit: 5000 lbs, knappe 2 Tonnen. Auf der First Street, einer der Einkaufsstraßen in Belize City. Kaum rolle ich ansatzweise auf die Brücke, ertönt ringsum ein Pfeifkonzert, das dem Konzert der Fans beim Abstieg der Stuttgarter Kickers um nichts nachsteht. War erst gar kein Polizist zu sehen, bin ich nun regelrecht von ihnen umzingelt. Fragende Gesichter reihum. Ob ich das Schild nicht gesehen habe? Welches Schild? Dort an der Ecke! Tatsächlich steht dort ein winziges Schildlein, kaum größer als ein halber Aktendeckel. Im Wust der bunten Werbeschilder und meterhohen Reklametafeln beim besten Willen nicht zu erkennen!

Ein Schulterzucken, ein "So sorry" meinerseits und ein Lächeln der Bobbies lösen das Problem.

Die Gesetzeshüter räumen - so schnell kann ich gar nicht schauen - die Straße hinter mir, ich kann zurücksetzen und in eine andere, viel zu schmale Straße abbiegen. Der Bobby auf dem Moped setzt sich freudestrahlend vor mich, räumt die Straße vor mir leer und weist den Weg nach Belmopan, wo ich hinwill - allerdings erst am nächsten Morgen. Zum Abschied wünscht er mir gute Fahrt und "See you soon!". Hoffentlich nicht!

Das ist doch mal ein angemessener Regierungssitz: das (frühere) Parlament von Belize. Kaum hab ich ihn im Rückspiegel aus den Augen verloren, mache ich kehrt und suche mir einen ruhigen Platz am Wasser. Fast schon im Wasser. Kaum habe ich nämlich die müden Beine hochgelegt, bricht ein tropisches Gewitter los, das sich die nächsten Stunden direkt über uns austobt. Blendende Blitze zucken durch die Nacht, dumpfer Donner lässt mich zusammenzucken. Kübelweise fällt der Regen auf die pitschnasse Lady Grey. Die Fenster kann ich gerade mal einen winzigen Spalt öffen (sonst regnet es rein) und bald schmore ich drinnen bei 35°C und 100% Luftfeuchte. Könnt ihr in der finnischen Sauna eigentlich an Schlaf denken?

Irgendwie geht die Nacht doch vorbei. Ich weiß nicht einmal, wann der Regen aufgehört hat. Nach den Seen um mich herum zu urteilen, muss noch gewaltig was vom Himmel gekommen sein! Fast habe ich den Eindruck, der Wasserspiegel des Meers ist ein paar Zentimeter gestiegen. Kann aber irgendwie nicht sein, oder? Der Segler liegt schon seit dem letzten wirklichen Unwetter im September auf dem Trockenen. Im Vergleich zum letzten wirklichen Unwetter im September 2014 muss das heute nacht allenfalls ein zartes Getröpfel gewesen sein. Überall im Stadtbild von Belice City sieht man beschädigte Häuser, baufällige Villen, weggespülte Brücken und Stege, an Land geworfene Jachten und umgestürzte Palmen - Bäume, die so leicht nichts umhaut! Daneben weisen Schilder 'Evacuation Route' den Weg zu höher gelegenem, hoffentlich trockenem Boden. So verlockend bei schönem Wetter die Lage der Stadt auf einer an allen Seiten vom tiefgrünen Meer umspülten Halbinsel auch sein mag, während der Hurricane-Saison hat sie definitiv einige Nachteile! Von September bis Dezember sollte man Haus und Jacht besser anderswo parken!

In Belmopan beispielsweise. Der Hauptstadt von Belize. Richtig, Belize City ist zwar die größte und bekannteste Stadt des Landes, aber die neue Hauptstadt heißt seit ein paar Jahren Belmopan. Just, weil Belize City eben sehr exponiert liegt und von jedem besseren Sturm beschädigt wird, zog die Regierung einfach fünfzig Kilometer ins Landesinnere. Dort steppt auch landschaftlich eher der Bär als im brettebenen Umland von Belize City, das allenfalls ein paar ausgedehnte Mangrovensümpfe bieten kann.

Auf dem Weg in den Süden Belizes erwächst beim Blue Hole N.P. plötzlich eine weitere Dimension: Berge. Ja, der Weg von Belice City zur Grenze nach Guatemala hat es schon in sich! Auf unserem langen Weg kreuz und quer über die Halbinsel Yucatan und den Norden von Belize zeigte der Höhenmesser allenfalls mal zwanzig Meter über dem Meer. Die Gipfel der Maya-Pyramiden mal nicht mitgerechnet. Westlich von Belmopan aber, auf dem Weg ins südliche Belize klettert er rasant auf über zweihundert Meter. Hügel, sogar richtige Berge! Welch eine Abwechslung! Auf einmal hat das Land eine ganze Dimension mehr! Mit einem Schlag macht die Fahrerei doppelt Spass! Drehen am Lenkrad, Kuppeln, Schalten, Gas geben. Fast schon verlernte Tätigkeiten! smile

Tikal

Der letzte schwere Regen hat auch im Nordosten Guatemalas viele Felder überflutet. Von der Grenze Belize/Guatemala ist es nur ein Katzensprung bis in die Hauptstadt. Nicht nach Guatemala City (dahin sind es noch 600 Kilometer), sondern nach Tikal, der Hauptstadt des Maya-Reiches. Eine der Hauptstädte muss man korrekterweise sagen, denn die Maya hatten viele Haupstädte. Je nachdem, welcher der zahlreichen Clans gerade das Sagen hatte, wurde mal Chitchén Itzá, mal Mayapán, mal Tikal als Hauptstadt betrachtet und als Residenz des Königs und der Hohen Priester weiter ausgebaut.

Rein nach der Anzahl der Ruinen stellt Tikal jedenfalls alles bislang gesehene in den Schatten. Reste von 3000 (!) Bauwerken fanden die Forscher verstreut auf einer Fläche von 16km2. Dabei ist das nur der Bereich der Inneren Pyramiden. Von den 151 Stelen - hochkant gestellten Steinen, die man nur hier in so großer Anzahl findet - tragen 32 hieroglyphische Inschriften. Von denen heute leider kaum noch etwas zu entziffern ist - trotz Palmdächern, die die wertvollen Artefakte vor den Unbilden der Witterung und kritzelfreudigen Touristen schützen sollen.

Auch zu den großen Pyramiden von Tikal kann man von den restlichen Mayastätten nur ehrfürchtig emporschauen. Der höchste (Tempel No.4) misst stattliche 65 Meter bis zum Dach seines obersten Heiligtums. Der Tempel des großen Jaguar (No.1) bringt es immer noch auf stolze 47 Meter. Was Bauvolumen, Kunstfertigkeit und Ausgestaltung der Tempel angeht, kann man Tikal durchaus auf eine Stufe mit Teotihuacan stellen, das zur Blütezeit der Hochlandkultur die dortige Hauptstadt stellte.

Mit ihren steil aufragenden Tempelpyramiden ist Tikal die wohl monumentalste Stätte der gesamten Mayawelt. Durch die langen Jahrhunderte, die Tikal inmitten des Dschungels aber Dornröschenschlaf hielt (es wurde erst 1840 entdeckt und 1950 begannen die groß angelegten Ausgrabungen), hat sie viel von Ihrer einstigen Pracht eingebüßt. Heute braucht der Besucher etwas mehr Fantasie als beispielweise in Palenque, um sich ein Bild der imposanten Bauwerke, seiner reich verzierten Architektur und seiner früheren Pracht zu machen. Vielleicht gerade deshalb ist Tikal einen Besuch wert!

Die Ruinen von Tikal liegen inmitten eines ausgedehnten Urwaldgebietes. Der Tempel No. 2 ist nicht der höchste und schönste in Tikal, durch seine Lage am Ostende der Gran Plaza dennoch sehr beeindruckend. Tropische Bäume, imposante Pyramiden und (teil-)restaurierte Gebäude ergeben in Tikal eine höchst sehenswertes Mischung. Die Gran Plaza von Tikal ist eine der Hauptattraktionen der größten und ältesten Stätte im Maya-Reich.

Die ersten Menschen ließen sich hier zwischen 800BC und 600BC nieder. Schon in der Frühzeit der klassischen Periode (um 250AD) gewann Tikal an Macht und Einfluss. Ihre strategische Lage auf einem Hügelrücken und die Möglichkeit, sie auch auf dem Wasserweg zu erreichen trugen viel dazu bei. Seine Blütezeit erlebte das größte Zeremonialzentrum der Maya dann - wie ihre kleineren Städte auch - zwischen 600AD und 900AD. Bevor es innerhalb kürzester Zeit sang- und klanglos unterging.

Übersicht über die inneren Ruinen von Tikal. Im Unterschied zu den Mayastätten in Mexiko tragen Tempel und Pyramiden hier kaum sprechende Namen. Vom Tempel der großen Jaguars (Tempel No.1) mal abgesehen. Auch die Texte der Infotafeln beschränken sich ganz sachlich auf die 'Technischen Daten', während in Mexiko häufig etwas zur (mutmaßlichen) kulturellen Bedeutung geschrieben stand. So tragen die Tempel-/Pyramidenkomplexe hier so einfallsreiche Namen wie "Komplex B, Komplex R, Tempel No.4" und ähnliches.

Einer der zentralen Plätze ist der Plaza Mayor (großer Platz), um den sich drei der höchsten Pyramiden (No. 1, 2 und 3) sowie eine nördliche und eine südliche Akropolis scharen. Das direkte Gegenüber der Tempel No.1 und 2, die Ausrichtung Angesicht zu Angesicht von zwei bedeutenden Tempeln/Pyramiden findet sich nur hier in Tikal, hier allerdings gleich sieben Mal. War das etwas, das sich nur die Baumeister in einer Hauptstadt leisten konnten?

An manchen Stellen sind selbst die höchsten Bauwerke in Tikal zwischen den Urwaldriesen kaum zu erkennen (hier der südliche Tempel des Mundo Perdido). Die Steinverzierungen von Tikal sind schon etwas in die Jahre gekommen. Als Besonderheit in Tikal sind vor fast jedem Tempel reich verzierte Stelen und kreisförmige Altäre zu finden. Ein wenig versteckt und vorwiegend von Einheimischen frequentiert liegt die Plaza de los Siete Templos (Platz der sieben Tempel).

Die Gebäude der Zentral-Akropolis unterscheiden sich merklich von den Tempeln und Pyramiden ringsum. Oft werden sie als 'Paläste' bezeichnet: hier residierte der König mit seiner Familie und anderen Adeligen. Die rechtwinkligen, oft mehrstöckigen Gebäude sind durch verwinkelte Gänge, Treppen und Patios untereinander verbunden. Auch hatten Königs direkt neben ihren Palästen direkten Zugang zu Wasser, offenbar ein Privileg, das nicht jedem zustand.

Der erste große Zeremonienplatz Tikals, der Mundo Perdido (verlorene Welt) stammt aus der Zeit zwischen 200BC und 100BC und ist damit viele Jahrhunderte älter als die imposanten Pyramiden, die wir heute bestaunen. Das Zentrum der verlorenen Welt bildet die Große Pyramide, zu deren Spitze - recht ungewöhnlich - Treppen an allen vier Seiten hinaufführen. Sie soll den Maya als erste große Sternwarte gedient haben.

Völlig überraschend taucht zwischen den Urwaldriesen der Templo No. 5 auf, mit 57 Metern einer der höchsten in Tikal. Auf dem bequemen Fussweg zur Gran Plaza kommt man zwischen der Acrópolis Central (links) und dem Templo Gran Jaguar (Templo 1) hindurch. Von der Acrópolis Norte schweift der Blick über die Gran Plaza zur Acrópolis Central. Vor jedem der zahlreichen Tempel findet man - früher reich verzierte - Stelen (Steinplatten) sowie kreisrunde Altäre.

Beim Umherspazieren auf den schattigen Wegen, die durch den gelichteten Urwald führen, erblickt man ganz überraschend den Tempel No.5. Wie von Geisterhand dorthin gezaubert erhebt er sich zwischen den grünen Urwaldriesen. Er ist die bisher letzte der restaurierten Tempelpyramiden - und mit 57 Metern Höhe einer der eindrucksvollsten. Trotz der zahlreichen Sünden, die wohl bei seiner Restauration begangen wurden. Erwähnenswert auch, dass er nicht wie das Grós der anderen Tempel auf den Resten älterer Gebäude errichtet wurde: er soll in einem Aufwasch hochgezogen worden sein - ein Meisterwerk an Ingenieursleistung und Logistik. Erinnern wir uns, dass die Maya weder Rad noch Pferde kannten!

Alles in allem wird Tikal durchaus dem Ruf gerecht, der ihm vorauseilt: Hauptstadt der großen Mayakultur zu sein. Auch nach dem knappen Dutzend Mayastätten, die ich besuchen konnte, ist klar, dies hier war ihre Hauptstadt. Von der Ornamentik her, von den kunstvoll verzierten Friesen her, von den gefundenen Grabbeigaben her, von der Aufmachung für Touristen her, liegt Tikal zwar nicht an vorderster Stelle (Chichén Itzá und Palénque laufen ihm da locker den Rang ab), aber die Größe, die Anzahl und die Ansammlung so vieler Bauwerke auf so engem Raum lassen keinen Zweifel aufkommen: Tikal war und bleibt die größte! (Link zur Götterwelt der Maya)

Blick über die Dächer von Flores auf die Insel Santa Barbara. Von der Hauptstadt aus führt die recht gute Straße nach Süden durch den scheinbar undurchdringlichen Urwald des gleichnamigen Nationalparks (incl. 15EUR Eintritts­gebühr). Dann am malerisch gelegenen Petén-Itzá-See entlang nach Westen in die heutige Provinzhauptstadt Flores. Das Städtchen - benannt nach Cirio Flores, einem frühen Vizepräsident Guatemalas - liegt recht malerisch auf einer winzigen Insel, die schon seit Urzeiten den Maya als heiliger Platz gilt. In einer halben Stunde kann man das Inselchen bequem zu Fuß umrunden, wobei der Blick zu einem guten Dutzend weiterer, kleiner und größerer Inselchen wandert, die ebenfalls seit Urzeiten von Maya besiedelt waren und heute schmucke kleine Hotels oder Museeen beherbergen. Ein Eldorado für Rucksack- und andere Touristen, die dem großen Rummel entgehen wollen und eher die Ruhe suchen.

Schlammschlacht

Adrette Gäste-Bungalows mit unerwartet viel Komfort inmitten von viel Grün findet ihr auf der Finca Ixobel. Die Finca Ixobel (www.fincaixobel.com) vor den Toren von Poptún wird in Travellerkreisen als der Tipp schlechthin gehandelt. Ein netter und sauberer Campingplatz (wahlweise auch urige Hütten oder Bungalows mit 3-Sterne Komfort), leckeres Essen und zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten in die malerische Karstlandschaft, zu Höhlen, Wasserfällen und idyllischen Maya-Dörfern locken nicht nur Reisende, sondern an den Wochenenden auch viele Einheimische hierher. Dazu bildet sie mit ihrer Lage auf 400m über dem Meer eine erfrischend kühle Klimainsel im sonst tropisch heißen und feuchten Petén, dem riesigen Flachland, das den gesamten Norden Guatemalas einnimmt. Dort, wo jeder Anflug von Schaffensdurst von Schweißperlen ertränkt wird.

Keine Frage: hier will ich ein paar Tage bleiben! Schon, um bei den heftigen Regengüssen nicht dauernd fahren zu müssen. Noch nicht ganz angekommen, öffnen sich - wieder einmal - die Himmelspforten, dass man keine zwanzig Meter weit schauen kann. In einer halben Stunde fällt soviel Regen wie in Bayern in einem verregneten August. Ringsum nur tropisches Grün, Epiphyten, exotische Pflanzen, undurchdringliches Buschwerk, ein paar endemische Pinien: all das will natürlich gegossen werden!

Manch eine Hütte auf der Finca Ixobel ist zwischen dem tropischen Grün kaum zu finden. Hibiskusblüten findet man allenthalben zwischen dem tropischen Grün. Epithyten fühlen sich mit viel Nass von oben pudelwohl ... Daraus werden mit viel Glück einmal Bananen ...

Die einladenden, sattgrünen Wiesen des Camps der Finca bekommen auch Ihr Schärflein Regen ab ... und verwandeln sich in einladende, sattgrüne ... Schlammflächen.

Ihr wisst, was jetzt kommt ...

Falsche Reifen am falschen Ort. Im nassen Morast des Camps sind die Straßenreifen im Nu 'dicht'. Die Reifen der Lady Grey sind für Schlamm das denkbar schlechteste Schuhwerk. Im Nu sind die schmalen Riefen versetzt und die Traktion sinkt gewaltig. Auf Null, um genau zu sein. Keinen Millimeter rührt sich die werte Dame. Nicht vorwärts, nicht rückwärts. Die Versuche mit dem 5-Tonnen-Greifzug scheitern genauso kläglich wie das Unterlegen von Sandblechen oder Steinen vom nahen Sträßlein. Das einzige, was wirklich helfen könnte - Schnee- beziehungsweise Schlammketten - sind natürlich nicht an Bord. Nach drei Stunden sieht nicht nur die Lady, sondern auch ich selber aus wie das sprichwörtliche Schwein, das sich im Schlamm suhlt. Der nächste, nicht minder heftige Regenguss verbessert die Situation nur unwesentlich.

Erst am nächsten Morgen lässt die Wasserzufuhr von oben nach, die Lady steht nun inmitten eines stattlichen kleinen Sees. Ich gebe mich geschlagen. Manchmal muss man eben auch seine Grenzen kennen! Die Eigentümer der Finca haben natürlich einen Traktor. Betagt, aber einsatzbereit. Horche, der Fahrer ist schnell ausfindig gemacht und am Nachmittag zieht er die Lady mit einem einzigen, kurzen Ruck aus ihrem Schlammloch. Gut, der See war inzwischen abgelaufen und die mittäglichen Sonnenstrahlen hatten die Wiese wieder in etwas verwandelt, was man so bezeichnen konnte.

Nach Ende der 'Schlammschlacht' ist die schöne Wiese kaum wiederzuerkennen. Große Erleichterung: nach fünzig Metern hat die Lady wieder sicheres, steiniges Terrain unter den Latschen. Zwei Stunden später sind auch Sandbleche, Schaufeln und andere Erdbewegungsgeräte wieder halbwegs vom Schlamm befreit und verstaut. Der Blick auf das Schlachtfeld aber ist ernüchternd. Knöcheltiefe, schwarze, morastige Spuren ziehen sich durch die vormals grüne Wiese, das Wasser darin steht zentimeterhoch. Der Anblick gibt dem Namen 'Schlammschlacht' eine völlig neue Note! Natürlich beichte ich das Malheur den Eigentümern. Carol und Petra nehmen es gelassen, meinen nur "Das Gras wird schon nachwachsen" und "Vielleicht sind deine Spuren den anderen Leuten eine Lehre ..." Der Hamburgeso con Queso nach getaner Arbeit schmeckt doppelt gut ... und die extragroße Piñacolada lässt die Schweissperlen schnell vergessen. Es wird noch ein netter Abend mit den beiden Damen, die viel zu erzählen haben ...

Ich hoffe nur, dass damit die Murphy-Tage endlich mal ein Ende haben ...

Quiriguá

Die große Ost-West-Verkehrsachse des Landes, die Guatemala City mit dem Hafen Puerto Barrios an der Karibikküste verbindet, führt durch das wenig abwechslungsreiche Flusstal des Rio Montagua. Der Vekehr ist kolonnenträchtig (vor allem LKW), die Straße zwar geteert, aber wellig und mit Schlaglöchern gespickt. Höchste Zeit für einen kleinen Abstecher.

Quiriguá punktet beim Besucher mit den schönsten und am besten erhaltenen Stelen in ganz Mittelamerika. Nach Quiriguá. Die dritte Maya-Stätte in Guatemala unter UNESCO-Schutz kann zwar nicht mit riesigen Pyramiden oder Tempeln punkten. Dafür mit bildschönen und ausgesprochen gut erhaltenen Stelen. Steinblöcke, reich verziert mit Darstellungen von Gottkönigen und Herrschern. Der höchste Steinbrocken misst satte 10,60 Meter in der Höhe und bringt 65 Tonnen auf die Waage.

War gerade kein Steinblock, den man aufrecht stellen konnte, zur Hand, meißelte man eben in Zoomorphen. Erst um 426AD gegründet, war Quiriguá zunächst ein Handelsposten und Satellitenstadt des viel größeren und mächtigeren Cobán (heute in Honduras). Um 738AD hatten die Quiriguáner wohl genug von ihrer Zweitklassigkeit und lehrten die Herren aus Cobán das Fürchten: ein König namens K'ak'Tiliw Chan Yoaat (Krieger, der wie ein Blitz aus dem Himmel fährt) hatte da wohl seine Hände gewaltig im Spiel. Jedenfalls mauserte sich Quiriguá zu einem Ruhmesplatz, in dem sich jeder Maya-König, der auf sich hielt eine Statue aufstellen ließ, die ihn und seine Ruhmestaten lobpreisten. Eine 'Walhalla der Tropen'. Der bedeutendste Handelsplatz im südlichen Maya-Reich blieb Quiriguá weiterhin. Bis es um 810AD das Schicksal der restlichen Mayastätten teilte ... nämlich sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand.

Die größe und wichtigste Stele trägt die Bezeichnung 'E'. Mit 10,6m Höhe und einem Gewicht von 65 Tonnen An Hand dieser Glyphen genannten Vierecke konnte jede Stele und jeder Herrscher in der Walhalla von Quiriguá datiert und benannt werden. Ein der schönsten in Quirugua: Stele 'C' mit dem Gottkönig K'ak'Tiliw Chan Yoaat. Künstlerisch und historisch mindestens so wertvoll wie die Darstellung der Gottkönige selbst sind die Glyphen. Der Schiefe Turm von Quiriguá: Stele 'F'. Sie erinnert an die Eroberung von Coban

An die fünfzehn Stelen und Zoomorphen kann man heute auf dem weiträumigen Platz (300m x 150m) bewundern. Alle hübsch geschützt vor Sonne und tropischen Regengüssen durch landestypische Palmdächer. Eine reicher verziert als die andere. Dank der vielen Glyphen können die Stelen nicht nur auf den Tag genau datiert werden (meist ist der Tag der Aufstellung eingemeißelt). Mit ihnen können auch die dargestellten Herrscher und Gottkönige beim Namen benannt werden. Ein unschätzbares Nachschlagewerk für die Historiker.

Die halbreifen, an die 50kg schweren Bananenstauden der Chiquita-Plantagen werden auf langen Seilbahnen zum Waschen und Weitertransport gerollt. Die alte Mayastadt Quiriguá liegt inmitten endloser Chiquita-Plantagen. Von den Maya-Händlern in Quiriguá sicher noch nicht feilgeboten, heute die wichtigste Einnahmequelle dieser Provinz ist die Banane. Auf endlos scheinenden Plantagen wird die krumme und süße Frucht angebaut, geerntet wird das ganze Jahr über. Von wegen süß! Wenn die Stauden von den Heerscharen der Pflücker geerntet und mit einer eigens installierten Seilbahn zum Waschen und Abtransport gebracht werden sind sie grün, bitter und steinhart. Jedenfalls keine Chiquita! Zu essbaren Bananen werden sie erst Wochen später, wenn sie in den Lagerschuppen der United Fruit Company in den USA oder ihren Partnern in Europa und anderswo nachreifen, bevor sie just in time und mit wenig mehr Geschmck als beim Pflücken ins Supermarktregal kommen.

Bananen, die man hier alle hundert Meter am Straßenrand erstehen kann, sind nicht nur billiger als bei ALDI, Edeka und Co. Sondern auch richtig gelb. Und schmecken! Lecker. Süß. Voller Vitamine. Wie richtige Bananen eben. Nicht wie Chiquita!

In den Bergen der Chutumatanes

Während im Flachland des Petén die Regenzeit 'tobt', ist es in den Bergen der Chuchumatanes unerwartet trocken. "Wenn es schon im Flachland des Petén tagein tagaus regnet wie aus Kübeln, wie soll das erst im Wolkenstau der guatemalischen Berge werden?" frage ich mich ein ums andere Mal. Die Provinzen Verapaz sollen sogar '13 Monate pro Jahr' vom Regen 'verwöhnt' werden, verspricht der Reiseführer. Doch was passiert, wenn Engel reisen? Klar, die Sonne lacht von blauen Himmel!

Nicht direkt blauer Himmel wölbt sich über uns, eher heimatlicher weiß-blauer, manchmal auch schwarz-blauer. Aber kein Tropfen Regen! Die Fahrt aus dem breiten Tal des Rio Montagua hinauf in die Berge der Sierra des las Minas und die Sierre de las Chuchumatanes wird zu einem echten Erlebnis. Links und rechts der kurvigen, aber gut ausgebauten Straße geht's wahlweise 500 Meter hinauf oder hinunter. Die Ausblicke sind grandios. Nach jedem kleinen Pass tut sich ein neues Tal mit grünen Feldern, Wiesen und Wäldern auf. Die Landschaft hier ist extrem zerklüftet, den ganzen Tag geht's kaum mal Hundert Meter eben dahin. Der Höhenmesser klettert auf satte 2000m. Hinauf auf einen namenlosen Pass, hinunter ins nächste Tal. Bergauf, bergab. Danach das Spielchen von vorn.

Die Bergkette der Chuchumatanes zieht sich als Parallelgebirge zur vulkanisch geprägten Sierra Madre von Nordwesten nach Südosten durchs Land. Sie ist eines der ältesten Gebirge des Kontinents und bildet so etwas wie das Rückgrat Mittelamerikas. Abgesehen von den Vulkanen ragen hier die höchten Gipfel Mittelamerikas (bis 3800m) in den Himmel.

Die Hochtäler der Chuchumatanes erinnern an Schweizer Almwiesen mit glücklichen Kühen. Ein neuer Pass, ein neues Tal. In jedem wird ein anderer Dialekt gesprochen (weiß der Führer) und die Röcke und Huilpas der Maya-Frauen leuchten in neuen Farbkombinationen (sieht man in den winzigen Dörfern). Allenthalben aber blickt man in die hübschen, wenn auch etwas zurückhaltenden Gesichter der Indigenas. Hispanische Ladinos oder gar Weiße sind hier oben Fehlanzeige. Genauso wie Touristen. Itzamná sei Dank! Im 18. Jahrhundert sollen sich dagegen zahlreiche deutsche Familien hier niedergelassen haben. Angeblich fühlten sie sich in den Bergen der Provinzen des Verapaz wie zu Hause. Zu sehen ist davon wenig - zumindest in den Bergen.

Landwirtschaft an den steilen Berghängen der Chuchumatanes ist nach wie vor harte Handarbeit. Dort ist die Landwirtschaft noch ausschließlich Handarbeit. Kein Unimog, kein Trecker helfen bei der Feldarbeit. Allenfalls eine magere Mähre oder ein Buckelrind, das den hölzernen Pflug zieht. Zu klein sind die Felder, zu steil obendrein. Das meiste ist reine Handarbeit mit der typischen, abgewinkelten Schaufel. Bis über 3000 Meter Höhe erstrecken sich die kleinen, steilen Parzellen, auf denen die Bauern dem steinigen Boden eine karge Ernte abringen. Hauptsächlich Mais (davon gibt's 115 Sorten), das Hauptnahrungsmittel und Kartoffeln. Unten im Tal wird jeder Quadratmeter des fruchtbaren Bodens genutzt: Mais und Bananen, Kohl und Tomaten, (angeblich die besten des ganzen Landes), Zwiebeln und Knoblauch. Mehr gibt das Klima nicht her. Aber auch hier große Unterschiede zwischen benachbarten Tälern! Für Kaffee (eines der Hauptexportgüter des Landes) ist es wohl zu trocken.

Erwähnenswert sind die Schulen. Jedes größere Dorf hat zumindest eine Art Grundschule. Dort steht allerdings kein Lehrer an der Tafel sondern ein Fernseher an der Wand. TV-Escuela heißt das Zauberwort, wobei der Erfolg in meinen Augen eher zweifelhaft ist. Die Kinder von hier oben werden wohl auch in der nächsten und übernächsten Generation kaum Chancengleichheit genießen. Wenn die denn - gerade für Indigenas - gewünscht wäre (obwohl sie hier über 90 Prozent der Bevölkerung stellen). Die Provinz besitzt die höchste Analphabetenrate des Landes. Änlich schwarz sieht es mit der Gesundheitsversorgung aus. Einen einzigen Pueste de Salud (Gesundheitsposten) habe ich entdeckt: eine winziges Gebäude mit zwei Zimmern und fünf Stühlen an der Straße! Statistisch teilen sich hier 15.000 Menschen einen Arzt!

Das Lokalbüro der LIDER-Partei in Aquacatán. Farbe in den Alltag der Hochlandbauern, Farbe an ihre lehmbraunen Adobe-Hütten und Farbe an den Straßenrand bringen ... die Parteien. Oft leuchten ganze Dörfer im einheitlichem Farbton: vorneweg das Büro des Bürgermeisters, die Hütten der Bauern, die Schule, Straßenlaternen, Strommasten, Telefonmasten, Leitplanken, Rinnsteine: alles mit viel bunter Farbe bepinselt - Ton in Ton. Natürlich mit dem Logo der Partei mittendrauf. Mal im leuchtenden Rot der LIDER-Partei, mal im hellen Grün der UNE, mal im neumodischen Violett der TODOS. Gerade die bunten Rinnsteine begleiten die Straße auf viele Hundert Kilometer. Die könnten schon fast als 'Kunst' durchgehen!

Die Gründe, warum viele Bauern so eifrig Wahlwerbung an Ihrer Hauswand betreiben, dürften - im wahrsten Sinn des Wortes - auf der Hand liegen ...

Gut, im Herbst ist hier Präsidentenwahl, da will sich jede Gruppierung im besten Licht darstellen. Ist in Europa nicht anders. Hinterher finden die bunten Plakate mit den großen Köpfen wenigstens als Anschürpapier eine sinnvolle Verwendung. Die bemalten Fassaden, Strommasten und Rinnsteine bleiben aber Jahrzehnte erhalten. Vielleicht überleben sie ja so manche Partei ... sicher aber jeden Kandidaten! Und schließlich kann man nach der Stimmauszählung seinen Nachbarn ja trefflich necken, wenn er die 'falsche' Farbe an seiner Wand hat ...

Zacaleu

Die Mayaruinen von Zaculeu haben unter der übertriebenen Restaurierung arg eingebüßt. Die Mayaruinen von Zacaleu landen in der Rangliste der gesehenen Mayastätten mit Abstand auf dem letzten Platz. Von zehn möglichen Punkten gibt's maximal minus zwei! Selbst das winzige Muyil südlich von Tulum konnte mehr Punkte einheimsen. Warum? Die Anzahl der ausgegrabenen Bauwerke kann sich zwar durchaus sehen lassen, aber die Restaurierung versetzt jeglichem Zauber der alten Bauten den Todesstoß! Beton, wohin man blickt: Fassaden, Decksteine, Treppen, Altäre, alles verschwindet in triestem Grau. Wie zum Ausgleich darf man auf all die Bauten hinaufsteigen - viel kann der Besucher ja nicht mehr kaputtmachen! Einen Eindruck von den alten Palästen und Tempeln (sie stammen durchweg aus dem dritten Jahrhundert) bekommt man so aber nicht! Vielleicht sollte ich erwähnen, dass die Restaurierung (1946 bis 1950) von der US-amerikanischen Bananenfirma United Fruit Company durchgeführt wurde (angeblich, um ihren Ruf als Ausbeuter in Mittelamerika aufzupolieren).

Welch Wunder, dass der Park inzwischen zum Ausflugsziel der Einheimischen mutiert, die zwischen dem alten Gemäuer ihre Picknickdecken ausbreiten, Fussball spielen oder die Betonhaufen als Hintergrund für Familienfotos nutzen. Allerdings gibt's auch ein gutes Dutzend Ruinen, die noch unter der Grasnarbe schlummern, denen man noch nicht mit Presslufthammer und Betonmaschine zu Leibe gerückt ist. Vielleicht findet sich ja irgendwann mal ein Budget, um diese dann 'fachgerecht' zu rekonstruieren. Es wäre zu wünschen ...

Bei Orts- und Stadtdurchfahrten ist höchste Konzentration angesagt (hier in Huehuetenango)! Der Weg zu den Ruinen allerdings ist Herausforderung pur. Keinen Steinwurf liegen sie von den Stadttoren Huehuetenengos mit seinen 100.000 Einwohnern entfernt. Die winzige Straße - noch aus den Zeiten der spanischen Conquistadores - führt mitten durchs Herz der Stadt, quer über den Parque Central. Wie in jedem Dorf ist sie gleichzeitig Verkehrsweg, Bazar, Warenlager, Marktplatz und Zubringer zum Busparkplatz. Donnerstag ist obendrein Markttag und in der ganzen Stadt bieten die Indigenas aus den umliegenden Bergen ihre Waren feil! Gut dass die Fussgänger nur zu gut wissen, dass sie von Fahrern motorisierter, zwei-, drei- oder vierrädriger Gefährte keinerlei Pardon zu erwarten haben ...

Die Ausblicke von den Pässen der Panamericana im Hochland Guatemalas sind immer wieder prächtig. Kurz hinter Huehuetenengo finde ich schließlich auch meinen Faden wieder. Den roten. Eine der Traumstraßen dieser Welt, die Panamericana sollte mich ja von Alaska nach Feuerland führen. Tatsächlich gefolgt bin ich ihr bislang allenfalls ein paar Dutzend Kilometer. Zu verlockend waren die Dinge links und rechts, die Sehenswürdigkeiten abseits dieser großen Nord-Süd-Route. Nun aber wird sie selber zur Attraktion. Als CA-1 windet sie sich von der mexikanischen Grenze malerisch und aussichtsreich auf die Pässe des Hochlands Guatemalas hinauf, durch die Hauptstadt und weiter bis nach San Christobal an der Grenze zu El Salvador. Über weite Strecken verläuft sie auf über 2000 Metern, einzelne Pässe knacken die 3000-Meter-Marke. Oben ist es nicht nur abwechslungreich, aussichtsreich und kurvig, sondern auch angenehm kühl. Nach dem tropischen Petén schon fast frühwinterliche Temperaturen! Trotzdem zählt gerade das Hochland zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Mittelamerikas! Entsprechend dicht ist der Verkehr. Gut dass die Straße streckenweise vierspurig ausgebaut ist - und die guatemaltekischen Fahrer auch sonst wenig Hemmungen beim Überholen kennen.

Die Dankesworte des Geburtstagskinds gehen wenig später in Schluchzen und Tränen über ... Selbst die Kleinen sind zur Feier des Tages prächtig herausgeputzt ... und dürfen trotzdem lachen und herumtollen. Illustre Geburtstagsgesellschaft im Naturschutzgebiet Corazón del Bosque ... Selbst die Kleinen sind zur Feier des Tages prächtig herausgeputzt ... und dürfen trotzdem lachen und herumtollen.

Nach einen netten Wochenende in den Wäldern eines Naturschutzgebiets (Corazón del Bosque) an dem ich auch Zeuge einer großen Geburtstagsfeier werden darf (Maria Alexandra wird 16), gehts am Montag früh herunter an den Lago de Atitlán, den andere Traveller schon in den höchsten Tönen gepriesen haben. Und tatsächlich ist er ein echtes Juwel inmitten dieser mächtigen Vulkane.

In der Kühle und Schönheit dieser Berge - so habe ich mir vorgenommen - sollte ich auch noch ein wenig Spanisch büffeln!