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Fahrtroute Mittelamerika Fotoalbum Zentralamerika Teil 1 (von Belize nach Nicaragua)

Zwischen Karibik und Pazifik

GTM HND NIC CRI


Aug 14 2015

Lago Arenal (Volcano Arenal, Costa Rica) (GPS: 10°32,229#39;N; 084°53,575'W)

Feuerspektakel am Vulkan Arenal (copyright www.walldesk.net) Die Campingwiese am See ist frisch gemäht und sattgrün. Moose und Epiphyten an den Bäumen ringsum erzählen ihre Geschichte: eine, in der Regen kein Fremdwort ist. Pfützen und tiefe Schlammkuhlen erzählen eine andere: von Abenteuern übermütiger Camper, die einen ganz besonders schönen Platz am See ergattern wollten. Vielleicht um einen Blick auf den Berg zu erhaschen. Auf den Volcano Arenal, den aktivsten und attraktivsten Vulkan des Landes. Nachts muss das Feuerspiel der glühenden Lava ein echter Augenschmaus sein. Doch derzeit verhängen finstere Regenwolken jede Aussicht auf das aufregende Schauspiel. Wenigstens ist das Wasser des Sees erfrischend kühl und ich kann morgens zwei, drei Runden schwimmen, um die Kalorien gleich drauf bei Tom in Form von Cappucino und frischem Apfelstrudel wieder draufzufuttern.

Seine "German Bakery" ist das highlight des kleinen Orts Nuevo Arenal. Hierher mussten die Menschen aus dem alten Dorf Arenal umsiedeln, als 1973 der malerische Stausee zu Füßen des Vulkans angelegt wurde. 25 Jahre später zog auch Tom mit seiner Backstube hierher. Seither kann er neben dem warmem Apfelstudel nicht weniger als ein Dutzend Sorten deutschen Brots anbieten: Schwarzbrot und Pumpernickel, Leinsamen- und Vollkornbrot und als echte Spezialität ein selbst kreiertes Müslibrot - nach einem Jahr lappigen US-Weißbrots sind sie allesamt wahre Gaumenfreuden! Dazu Bratwürste mit Sauerkraut, Leberkäs und Gulasch, Schweinsbraten und Knödel: Dinge, ohne die ein deutscher Tourist in der Ferne kaum überlebensfähig ist.

Entsprechend oft machen die Touribusse vor seiner Tür halt und sichern Tom ein gütliches Auskommen fernab von Waltenhofen, seiner Allgäuer Heimat. Zwischen den Busladungen finde ich an einem gemütlichen Tisch sogar Platz und Ruhe, um wieder ein paar Sätze über die Erlebnisse der letzten Wochen zu tippen.

Lago de Atitlán

Die Häuser von San Pedro schmiegen sich an den Hang des gleichnamigen Vulkans. Zurück zu einem anderen Bergsee inmitten von Vulkanen: malerisch eingebettet zwischen drei ebenmäßigen Kegeln ist der Lago de Atitlán selbst die Caldera eines erloschenen Vulkans. Wir befinden uns auf 1530m Seehöhe und direkt über der Subduktionszone, an der die pazifische Platte unter die karibisch-atlantische abtaucht. Fast senkrecht fallen die Wände der umliegenden Berge in den See ab. Ortschaften wie Santa Cruz, Santa Catarina Palopó oder San Jorge hängen an den Felsen wie überdimensionale Vogelnester. Exotische, ganz offensichtlich teure Villen und exclusive Wellness-Resorts verstecken sich in einsamen Buchten.

In engen Serpentinen schlängelt sich die schmale Straße von der 1000m höher gelegene Provinzhauptstadt Sololá zum See hinunter. Nur wenige Busse verkehren. Die meisten Dörfer sind eh nur mit dem Boot erreichbar. Dutzende von Lanchas verbinden die Nester. Brausen mit ihren 150PS-Motoren über den See. Nur wenn nachmittags der Xocomil scheinbar von überall her gleichzeitig von den Bergen bläst, lassen sie es etwas langsamer angehen. Dann schlagen die Wellen schon mal über die Bordwand und hüllen die Passagiere in gischtiges Nass.

Die Kirche von Panayachel stammt noch aus dem Jahr 1569. Renovierung tut dringend not. Einfach nur lustig ... (Wandmalerei an einem Internetcafe) Panajachel an sich, der touristische Hauptort des Sees hat wenig zu bieten. Außer einer betagten Kirche (aus dem Jahr 1569), einer belebten Einkaufsmeile voller Restaurants, Comidas , Souvenirshops und Tourveranstaltern. Und einer unvergleichlichen Aussicht auf den See mit den Vulkanen San Pedro, Toliman und Atitlan. Die hat natürlich ihren Preis! Für ein wenig Grün, einen leeren Swimmingpool, eine verfallene Bar vorm Fenster, lebensgefährliche Duschen und schmutzige WCs des Hotels Tzanjuyu (⇓) muss ich 15 Euro pro Nacht berappen. Doch der Platz liegt direkt am Wasser und zum Bootssteg nach San Pedro sind es nur fünf Minuten; das ist es mir wert.

Eines der Nester am Nordwestufer des See heißt San Pedro. Außer einer schmalen, haarnadelgespickten und bei Regen arg rutschigen Erdstraße führt nur der Wasserweg dorthin. Ist es diese Abgeschiedenheit, die so viele Traveller, Aussteiger und Hippies hierher lockt? Oder die steilen Gassen, die hinauf zum Marktplatz und zur Iglesia Bautista führen? Oder der leckere Kaffee, der um den See herum angebaut - und ausgeschenkt - wird? Oder das Dutzend Outdoor-Schulen, in denen man unterm Sonnenschirm Spanisch lernen und einen Blick in die Kultur der modernen Maya werfen kann? Einen Ausflug - auch einen längeren - ist San Pedro allemal wert!

Alltägliches Miteinander am Markt von San Pedro de la Laguna. Die (einzige katholische) Kirche von San Pedro de la Laguna macht von innen weit mehr her als von außen. Unerwarteter Komfort: Internetcafe in San Pedro de la Laguna. Trotz unterschiedlichem Geschmack in Modesachen: frau versteht sich.

Um meine noch immer arg mickrigen Spanischkenntnisse wenigstens ein wenig zu ergänzen schreibe ich mich an der kleinen Community Spanish School ein. Und was soll ich sagen: in einer Woche mit Francisco, meinem Privatlehrer (der Unterricht findet hier durchwegs 1 : 1 statt und kostet ca. 170 EUR pro Woche) bleibt mehr hängen als in drei Wochen 10-Leute-Kurs in Cádiz für 250 EUR. Campus der Community Spanischschule in San Pedro de la Laguna. Zwei weitere Wochen hätten gut in den Kram gepasst - und wären auch recht nötig gewesen -, aber die tägliche Fahrerei mit den Lanchas quer über den See ist am Ende doch arg nervig: die Fahrt selber dauert zwar keine halbe Stunde, dafür darf man vorher zwischen fünf Minuten (mit viel Glück) und über einer ganzen Stunde (mit weniger Glück) warten, bis das Boot voll ist. Denn gefahren wird erst, wenn dreizehn Passagiere an Bord sind! Keine Minute früher. Und wenn es die Passagiere noch so eilig haben. Soll nochmal jemand sagen, die Maya seien abergläubisch!

Auch an Lago Atitlan gibt's schlechtes Wetter. Selten genug ... Nicht, dass ich keine Zeit hätte. Aber Warten? Ich kann mir Schöneres vorstellen! Selbst Vokabeln pauken auf dem Bootssteg ist wenig erbaulich! So packe ich nach einer Woche Wörterbuch und Grammatik wieder zusammen, sage Francisco und der Schule Hasta luegeo bzw. Adios und rolle am Samstag die paar Kilometer nach Antigua, wo ich einen weiteren Versuch starten will.

Am Abend zuvor darf ich noch einige Gewitterwolken bestaunen, die sich zusammenbrauen und den See in ein unwirkliches, gespenstisches, von Dutzenden Blitzen durchzucktes Licht tauchen.

Antigua, die älteste Stadt Zentralamerikas

Die Lage von Antigua zu Füßen des (aktiven) Vulcano del Aqua (3776m) ist schon preisverdächtig. "Die älteste und schönste Stadt Zentralamerikas". So bezeichnet sich Antigua Guatemala in den Werbeprospekten gerne selbst. Mit 'alt' mögen die Verfasser ja durchaus Recht haben. Schließlich erhielt Antigua schon 1566 von König Philipp II von Spanien den Ehrentitel Muy Noble Y Muy Leal Ciudad de Santiago de Los Caballeros de Goathemala und wurde Hauptstadt des Generalkapitanats, das neben dem heutigen Guatemala auch Honduras, El Salvador, Costa Rica und Nicaragua umfasste. Eine 'schöne' Stadt stelle ich mir persönlich allerdings ein wenig anders vor!

Seit der Zeit der Conquistadores hat sich hieran nichts geändert: Kopfsteinpflaster in Antigua. Das fängt schon bei den Straßen an, die augenscheinlich noch viel älter als die Stadt selber sind. Kopfsteinpflaster vom Feinsten, das nicht nur beim Fahren ausgesprochen unangenehm ist. Sogar das Laufen wird zur Tortur: trotz guter Stiefel tun auf dem unebenen Calles und Avenidas schon nach Hundert Metern die Füße weh! Dabei gibt es zwischen den rechtwinklig angelegten Straßen doch so einiges zu sehen - wenn auch nicht immer zur Freude des Auges.

Von den mehr als zwei Dutzend Kirchen in Antigua sind einige arg renovierungsbedürftig! Allem voran stolpert der Besucher an jeder Straßenecke über Kirchen. Respektive ihre Überreste. Kirchen, Klöster, Konvente und Kapellen prägen das Stadtbild wie nirgendwo sonst. Über fünfzig solcher Bauwerke soll Antigua aufweisen, die meisten allerdings in höchst bedauer­lichem Zustand. Seit dem verheerenden Erdbeben vom 29. Juli 1773 - angeblich die Rache Gottes für das von Sünden geprägte Leben in dieser Stadt - ist Antigua nicht mehr Hauptstadt. Die Kirche wird enteignet und die Hauptstadt wandert auf ein Hochplateau: das heutige Guatemla City - La Capital. Das nenne ich doch mal 'konsequent'! Auch wenn die Spanier vier (!) Anläufe brauchten, um einen passablen (und erdbebensicheren) Ort für die Haupt­stadt einer Region zu finden, die immer wieder von Vulkanausbrüchen und heftigen Erdstößen heimgesucht wird.

Seitdem Kirchen, Klöster und Konvente verstaatlicht wurden, gammeln viele vor sich hin. Andere wurden hübsch restauriert und ein wenig fühlt man sich wie in Rom, in einer 'Stadt voller Kirchen'. Auch viele Stadthäuser wurden wieder aufgebaut und beherbergen heute vornehmlich Hotels, Restaurants und Ateliers. Von deren Schönheit allerdings ist von außen wenig zu erahnen; ihre wahre Pracht verbirgt sich hinter schmucklosen Mauern - in den farbenprächtigen, blumenübersäten und von schattigen Arkaden gesäumten Innenhöfen.

Die Kathedrale von Antigua. Kirchen und Klöster findet man in Antigua an jeder Straßenecke. Ungewohnter Kirchenschmuck in der Iglesia San Francisco. Kirchen und Klöster findet man in Antigua an jeder Straßenecke.

Überhaupt fühle ich mich hier mächtig zurückversetzt nach San Miguel de Allende, der Künstlerstadt in Mexiko: die roten, gelben und blauen Hausfassaden, die ruhigen, von der Außenwelt abgeschirmten Innenhöfe, die zahlreichen Hotels und Restaurants, die Künstlerateliers an jeder Straßenecke. Selbst das Straßenpflaster weckt Erinnerungen an San Miguel!

Morgendlicher Schwatz der fliegenden Händlerinnen im Parque Central in Antigua. Vieles in Antigua findet man nur hinter Gittern und hohen Mauern. Frisch gepressten Orangensaft (garantiert ohne Konservierungsmittel) gibt's von Händler auf drei Rädern. Könnte in jeder spanischen Stadt stehen: Gebäude der Stadtverwaltung von Antigua.

Mit dem Spanisch lernen soll es allerdings wieder nichts werden. Mist! Der inoffizielle, aber von allen Autoreisenden hochgelobte Stellplatz bei der Policia Turisticá - strategisch günstig, nämlich mitten in der Stadt gelegen - wird angeblich nicht mehr betrieben und die als ach soooo freundlich beschriebenen Polizisten verwehren mir die Zufahrt. Auf drei anderen Parkplätzen darf ich zwar parken und bezahlen, nicht aber über Nacht bleiben. Ohne passables Nachtquartier aber macht auch die beste Schule keinen Sinn! Jeden Tag zum nächsten sicheren Stellplatz (30km entfernt) pendeln, mag ich nun auch nicht!

Irgendwo werde ich schon noch eine Möglichkeit finden, die restlichen Spanischvokabeln und Grammatikregeln zu pauken. Südamerika ist groß - und die kolumbinischen Lehrerinnen sollen so übel auch nicht sein!

Eingang zu einer der wenigen prächtigen Stadthäuser in Antigua. Könnte auch in jeder spanischen Stadt stehen: Gebäude an der postkartenträchtigen Calle del Arco. Postkartenmotiv an der Calle del Arco: bunte Häuser vor der Iglesia de Merced. Häuser in Rot, Gelb, Blau und Weiß säumen die holprigen Straßen von Antigua.

Dicke Luft

Kurzer Stau auf der Hauptstraße von Chimaltenango, kurz vor Guatemala City. An Antigua führt kein Weg vorbei (man muss es einfach gesehen haben!), an der neuen Hauptstadt La Capital leider auch nicht! Waren die bisherigen Städte und Städtchen für den Durchreisenden schon eine Herausforderung, so setzt die Hauptstadt noch einen drauf, auch wenn die Ein- und Ausfallstraßen weitgehend vierspurig sind. Heisst aber nur, dass sich vier Reihen Autos und LKWs nebeneinander her durch die Stadt stauen, während sich Tuk-Tuks, Mopeds und vorwitzige Kleinbusse todesmutig dazwischen hindurch schlängeln. Dazu Wegweiser, die schlicht nicht existieren, von Werbetafeln verstellt oder mit Parteipostern überklebt sind. Nur der Kompass und viel Intuition führen mich aus dem unübersichtlichen Gewirr der Hauptstadtstraßen heraus nach Süden, in Richtung Pazifikküste.

Die herrlich ausgebaute und fast neue Autobahn (2 EUR Gebühr) entschädigt für die Kurverei in der Stadt. Innerhalb von sechzig Kilometern fällt der Höhenmesser von 2600m (Passhöhe kurz vor Mixco) auf Null. Mit jedem Kilometer wird es heißer, draußen rasen die Vegetationszonen im Eilzugtempo vorbei und als ich das Fenster runterkurble, um etwas frische Luft hereinzulassen, schlägt mir tropische Schwüle mit 35 Grad und 98% Luftfeuchte entgegen. Wahrlich 'dicke Luft' im Vergleich zu der angenehmen Kühle im Hochland!

Schwarze Wolken über schwarzem Sand: Pazikikküste bei Monterrico. Der Strand des Pazifik ist mindestens so malerisch wie der oben in Mexiko - und genauso (Wochenend-)Domizil der betuchten Einheimischen. Hier wie dort ist das Bad im Meer wenig erfrischend. Hier wie dort wandert der Blick über die endlosen Weiten des Ozeans zu fernen, bislang unerreichten Horizonten: Hawaii, Fidji, Polynesien ... Was wird wohl werden, wenn ich eines Tages auch diese Horizonte erkundet habe ...
Halt, eines ist anders! Anderswo mag der Sand in einladendem Weiß leuchten. Hier ist er dunkelgrau bis schwarz - den Vulkanen sei Dank, deren Tuff und Asche die Flüsse über Jahrtausende ins Meer gespült haben. Und heute dem Strand schon fast etwas Beklemmendes, Bedrohliches geben. Ist es Sympathie dem Sand gegenüber? Oder warum ziehen just in dem Moment, als ich mich häuslich eingerichtet habe dunkle Gewitterwolken auf, deren Schwarz dem des Sandes in Nichts nachsteht?

Zwischen 500m und 2000m Seehöhe reiht sich am Südabhang der Kordilliere eine Kaffeeplantage an die andere Der Blick vom Mirador Maria Mendez Montenegro auf den Lago Atitlan (links unten San Lukas Tolimán) ist umwerfend. Nach viel Rangiererei (und einer abgerissenen, viel zu tief hängenden Stromleitung smile) rolle ich schon am nächsten Morgen zurück in die Berge, diesmal ohne Umweg über die Hauptstadt. Zurück zum Lago Atitlan. Von Null auf 2600m am Scheitelpunkt der Straße. Dabei kann ich noch einmal die Vegetationszonen bestaunen, die sich am südwestlichen Abhang der Kordillieren wie im Bilderbuch aneinanderreihen. Von den endlosen Zuckerrohr- und Ölpalmplantagen in der Küstenebene über den breiten Gürtel (zwischen 500m und 2000m), den sich Kaffee- und Bananenplantagen teilen - bis zu den Berghängen oberhalb, an denen nur noch Mais, Kartoffeln und Zwiebeln wachsen.

Schildkröten im winzigen Zoo der Finca Los Laureles. Die letzten Tage in Guatemala verbringe ich auf einer phantastischen Pferde- und Rinderfinka (Los Laureles) nahe Chiquimula. Jetzt in der Nebensaison herrscht im Hotel ziemliche Flaute. Trotzdem wird der Pool pieksauber gehalten, die Tiere im hauseigenen Zoo regelmäßig gefüttert und das kleine Restaurant offeriert lokale Spezialitäten. Hmmmmmh...... lecker! Der Camping mitten auf der herrlich grünen Wiese ist kostenlos, der Pool fürs tägliche Schwimmen schlägt nur mit zwei Euro zu Buche und die Leckerlies sind allesamt erschwinglich ... ein wahrer Garten Eden, den ich gar nicht wieder verlassen mag.

Am Donnerstag sind schließlich doch Grenzformalitäten angesagt - und eine neue Flagge in meiner Sammlung: Honduras. Die Grenzabfertigung ist zwar zeit- und papierintensiv (alle Formulare müssen - trotz Computer - in dreifacher Ausfertigung ausgefüllt werden), aber 'ordentlich' und durchaus freundlich. Ich fühle mich gleich willkommen. Gerade mal zehn Kilometer hinter der Grenze gibt es dann auch gleich eines der highlights in Honduras zu bestaunen:

Die Mayastadt Copán

Stadtplan von Copán. Copán ist die letzte der großen Maya-Stätten, die ich besuchen will. Unerwartet auch der Höhepunkt, das Tüpfelchen auf's i. Keine der bisherigen Stätten weckt so viel Faszination und Bewunderung beim Besucher wie Copán. Sie ist eine - höchst sehenswerte - Mischung aus Palenque, Tikal und Quiriguá. Von allem etwas: ein großer Versammlungsplatz wie in Palenque, eine verschachtelte Akropolis wie in Tikal, steile Pyramiden und Tempel wie in Edzná, dazu reich verzierte Stelen und Altäre wie in Quiriguá. Obendrein eine Vielzahl noch nicht ausgegrabener Häuser im Umland. Alles in allem haben die Archäologen mehr als 3450 Bauwerke gezählt!

An Hand der entzifferten Glyphen in dem Dutzend Stelen konnte sogar die Geschichte der Stadt und ihrer Herrscher nahezu vollständig rekonstruiert werden. Die Blütezeit Copáns deckt sich weitgehend mit der 'klassischen Epoche' (grobe Zeittafel), das erste 'Bauwerk' (Stele '35') wurde ca. 400AD errichtet, das letzte (Altar 'L') um 822 AD. Dass es danach mit der Stadt schlagartig bergab ging, auch das kann man am Altar 'L' ablesen: die Steinmetzarbeiten wurden mittendrin, offenbar von einem Tag auf den anderen eingestellt.

Einige der sehenswerten Stelen von Copán sind arg verwittert, dennoch legen sie Zeugnis der hohen Maya-Kultur ab (hier Stele 'A' (A.D.731)). Detailreichtum und Ausdruckskraft der alten Figuren ziehen den Besucher auch heute in ihren Bann (hier Stele 'B', errichtet 731 AD mit dem 13.Herrscher von Copán). Einige der sehenswerten Stelen von Copán sind arg verwittert, dennoch legen sie Zeugnis der hohen Maya-Kultur ab (hier Stele 'F'). Die seitlichen Glyphen erzählen die Geschichte des auf der Vorderseite dargestellten Herrschers (hier Stele 'A', errichtet 731 AD)).

Die Gran Plaza war wohl so etwas wie die Festwiese, obwohl der Boden unterhalb der heutigen Grasnabe vollständig gepflastert ist. Eher so etwas wie ein Festplatz. Bis zu 6000 Menschen könnten sich hier rund um eine kleinere Pyramide versammelt haben, vermutlich um den Zeremonien der Herrscher und Priester zu lauschen. Oder ließen sich die Herrscher hier huldigen? Das Dutzend Stelen mit unterschiedlichen Herrschern mitsamt den Glyphen, die ihren Werdegang und ihre Wohltaten schildern zählt zu den am reichsten verzierten Statuen der ganzen Mayaregion. Die Ähnlichkeiten zu den Stelen von Qiriguá (gerade einmal 100km entfernt) sind verblüffend. Ob da wohl die gleichen Künstler am Werk waren? Die Unterschiede zu den vergleichsweise 'einfachen' Steinen und Altären, die zeitgleich in anderen Mayastätten entstanden, weisen die hiesigen Künster jedenfalls als absolute Weltklasse aus.

Viele der dargestellten Herrscher konnten an Hand der Glyphen identifiziert werden (hier Kák Uti Chan auf Stele 'P', errichtet 623 AD)). Die Namen der achtzehn bekannten Herrscher, die unter anderem an Hand der Glyphen der hiesigen Stelen rekonstruiert werden konnten, darf ich euch ersparen. Einer der fleißigsten unter ihnen war offenbar Nummer '13', Waxaklajun Ub'ah K'awil (18 Hasen), der immerhin 43 Jahre lang regierte, acht Stelen und ein halbes Dutzend weiterer Bauten errichten sowie die untersten Stufen der einzigartigen Treppe der Hieroglyphen schaffen ließ.

In ganz Copán scheint es keine einzige Stufe ohne detailreiche Verzierungen zu geben. Die Treppe der Hieroglypen ist - neben den reich verzierten Stelen - das highlight in Copán. Heute verliert sie durch einen wenig sehenswerten Wetterschutz zwar arg an Faszination, aber was sich unter der verschlissenen Zeltplane verbirgt, ist einmalig in der Maya-Geschichte: 63 Stufen führen hinauf zu einem Heiligtum. Neben den Stelen das imposanteste Relikt aus Maya-Tagen: die Hieroglyphen-Treppe mit Tausenden von Glyphen, kleinen und größeren Statuen. Jede einzelne Stufe reich verziert mit Glyphen, die eine lebendige Geschichte der hiesigen Herrscher erzählen: alles in allem 1250 individuell geschnitzte Steine. Dazwischen eingestreut die fünf symbolischen Statuen seiner Vorgänger. Zu Füßen der Treppe eine überlebensgroße Statue des Herrschers, der die Treppe 743 schließlich vollenden ließ (No '15' oder Humo Caracol), früher vermutlich eine Statua von 'Nummer 13'.

Der obligate rituelle Ballspielplatz Juego de Pelota ist in Copán ein paar Nummern kleiner als in Chitzén Itzá ausgefallen, auch scheinen die Verliererzeremonien nicht so blutrünstig gewesen sein wie anderswo. Hier hielt man es offenbar eher mit der Kunst als mit der Demonstration von Macht!

Der heilige Vogel El Guacamayo wacht über den obligaten Ballspielplatz Juego de Pelota. Die einzige 'richtige' Pyramide erhebt sich auf dem Platz des Ostens oberhalb der Akropolis. Am Rande der Great Plaza erhebt sich ein unbenannter Tempel und der rituelle Ballspielplatz Juego de Pelota. Nicht nur die Treppenstufen waren aufs reichste verziert, selbst einfache Wände erzählen aufregende Geschichte ...

Im Anschluss an den Spielplatz erhebt sich die Akropolis mit einer breiten, heute windschiefen und überwucherten Treppe vom großen Platz getrennt. Getrennt wurden wohl auch die Besucher der damaligen Zeit: auf der Grand Plaza war das gemeine Volk willkommen, auf der Akropolis hatte es Nichts verloren! Die war einzig dem Herrscherhaus (und vermutlich ein paar Priestern) vorbehalten! Oben scharen sich ein Dutzend Gebäude um drei kleinere Plätze, dazwischen auch wieder Stelen und Altäre. Im Anschluss daran finden sich auch die offensichtlichen Wohnquartiere der Herrscher und ihrer Familien, heute etwas anzüglich als Cemetario (Friedhof) bezeichnet. Herrschers durften dort auch den weiten Ausblick ins Tal genießen, fällt das Areal doch steil zum Fluss Rio Copan ab. Der wurde einem Teil der Akropolis allerdings zum Verhängnis, als der Fluss das Steilufer unterspüle und ein Teil der Bauten abrutschen ließ.

Copán muss - wie andere Maya-Stätten auch - eine Dauerbaustelle gewesen sein. Eine Besonderheit in Copán sind die Tunnel. Mehr als drei Kilometer Tunnelgänge buddelten die Archäologen unterhalb der heute sichtbaren Bauwerke. Und trafen dort auf weitere Pyramiden und Bauwerke. Eines davon, eine Grabpyramide namens Rosalila kann heute im Museum bestaunt werden. Nicht nur das Bauwerk selbst, sogar seine Ornamente, Friese, ja sogar die leuchtenden Farben waren unter dem darüber errichteten Tempel '11' außergewöhlich gut erhalten geblieben. Kernstück des sehenswerten Museums von Copán ist die Nachbildung eines Tempels, den man komplett und offenbar prächtig erhalten unterhalb der Akropolis gefunden hat ... Da auch die übrigen Pyramiden und Großbauten der Maya selten auf den Ruinen, sondern vielmehr über den intakten Bauten der Vorgänger errichtet wurden, kann man sich etwa vorstellen, welche unentdeckten Schätze vermutlich in den anderen Stätten noch schlummern. Die größeren der Tunnel wurden auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu erkunden gibt es da aber vorwiegend Grabkammern und einzelne Statuen, die man im Museum einfacher und billiger bewundern kann. Rosalila in echt zu sehen, hätte mich allerdings schon gereizt, der Tunnel hierzu ist aber angeblich zu niedrig für Besucher.

Eine weitere Besonderheit Copáns sind die Bauernhäuser (siehe Karte oben). Einige von Ihnen wurden ausgegraben und die Archäologen versuchten, die Zahl und Lebensweise der Bauern zu rekonstruieren. An die 28.000 Menschen sollen hier auf vergleichsweise kleinem Raum gelebt und die umliegenden - äußerst fruchtbaren - Felder bewirschaftet haben. Herrscherfamilie, Priester und Steinmetze wollten schließlich verköstigt werden! Und vermutlich haben die nicht gerade gehungert!

Auf der Gran Plaza mit über einem Dutzend Stelen, Altären und Steinsetzungen ließen sich die Herrscher gebührend feiern. Filigrane Steinarbeiten finden sich heute vorwiegend im sehenswerten Museum (hier ein Wasservogel, der ein altes Fries zierte). Die vollständige Reihe der ersten sechzehn Herrscher von Copán kann man am Altar 'Q' verfolgen: vier Seiten á vier dargestellte Herrscher. Die überaus reich verzierte Graplatte von Herrscher K'inich Yax K'uk'Mo) war einst wohl so etwas wie ein Grenzstein der Stadt Copán.

Die hohe Bevölkerungsdichte in den späteren Jahren soll auch das 'Aus' der Stadt besiegelt haben - glaubt man den Führern. Viele Menschen auf kleinem Raum - intensiver Ackerbau - Bodenerosion - Waldrodung und Klimawandel sollen ihrer Meinung nach die Menschen aus der Stadt und dem Tal vertrieben haben. Ob das allerdings so schnell ging, dass die Steinmetze mitten in der Arbeit zum Altar 'L' Hammer und Meißel fallen lassen mussten? Und ob das auch das nahezu zeitgleiche Verlassen der anderen Mayastätten erklärt? Ich hege da meine Zweifel. Und wo sind sie alle hingegangen? Auch in der letzten Stätte meiner Reise durchs Land der Maya kann ich also keine verlässliche Antwort auf die Frage nach dem aprupten Ende dieser Hochkultur finden. Vermutlich bleibt sie noch lange von Rätseln und Mysterien umhüllt.

Gleich neben dem Tempel 11 liegt der Kopf des alten Mannes Pauahtun. Die Parallelen zur zunehmenden Verstädterung der heutigen Tage sind allerdings nicht von der Hand zu weisen! Wie werden in 1200 Jahren unsere Nachkommen die Ruinen von New York, Tokio oder München einordnen? Gibt es dann überhaupt Nachkommen, die in irgendwelchen Ruinen nach dem Ende irgendeiner Kultur fanden könnten? Jedenfalls gehen mir die Worte des Führers lange nicht aus dem Sinn, die er uns zum Abschied mitgibt: "Denkt an das Ende von Copán! Schützt die Natur und achtet Mutter Erde! Wir haben nur die eine!"

Zwischen den Ozeanen

Zu Maya-Zeiten ein heiliger Vogel (El Guacamayo) und zwischenzeitlich ausgerottet, soll der Papagay nun im Tal von Copán wieder heimisch gemacht werden. Der Weg hinaus aus dem Tal von Copán ist ein wenig holprig. Je weiter ich aber ins Landesinnere vordringe, desto besser werden die Straßen. Selbst Stadtdurchfahrten verlieren ihren Schrecken: zwar nerven die Tumulos weiterhin und zwingen zum Runterbremsen, aber die Straßen sind breit, auf beiden Seiten ist viel Platz für Fussgänger, Radfahrer, Mopeds, Tuk-Tuks und Minibusse. Haben wir das etwa dem Wirbelsturm Mitch zu verdanken? Der wütete hier im November 1998 mit unglaublicher Vehemenz, war sogar in der 400km entfernten Hauptstadt Tecucigalpa zu spüren und legte praktisch die gesamte Infrastruktur von Honduras flach. Darf ich nun etwa die Vorteile des Wiederaufbaus kosten? Aber auch die Autofahrer sind verkehrsbewußter, überholen nicht bei jeder unmöglichen Gelegenheit, ja halten sogar bei roten Ampeln! Das kann wohl kaum am Wirbelsturm liegen! Jedenfalls sind die Unterschiede auf der Straße zwischen Guatemala und Honduras deutlich spürbar und das Fahren macht wieder richtig Spass. Nicht dass es in Guatemala genervt hätte, aber hier ist's eben doch noch einen Tick angenehmer!

So gönne ich mir auf halbwegs passablen Straßen einen kleinen Umweg über die Nordküste, bleibe wieder ein paar Tage am weißen Strand der Karibik mit seinen Palmen hängen ...

Leckeren Kaffee aus garantiert lokalem Anbau und eine nette Blumenwiese gibt's bei der Fahrt von Copán nach Norden. Die herrliche Gebirgslandschaft Honduras' entschädigt für den einen oder anderen holprigen Kilometer Straße. Die Palmen am Strand von Tela sind auch beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen ... Die Mole von Tela hat unter dem Wirbelsturm Mitch (November 1998) arg gelitten. Kreuzfahrtschiffe laufen den kleinen Hafen in der Karibik trotzdem gerne an.

... bevor es am Montag hinauf in die Berge geht, um mich dort von den Strapazen des Strandlebens zu erholen. Gott sei Dank sind die Entfernungen nicht so riesig wie oben in Canada. Ja, man könnte sich fast überlegen, tagsüber zum Baden und Relaxen an den Strand zu fahren, um abends zum erholsamen Schlaf in die Kühle der Berge zu fliehen...

Der Wasserfall von Puhalpancak (43m hoch) ist auch ein beliebtes Ausflugsziel und Baderevier der Einheimischen. Der Minipark Cascades Puhalpancak auf halbem Weg zwischen Nordküste und Hauptstadt liegt zwar nur auf 300m Seehöhe, aber nachts ist es merklich kühler als unten. Tagsüber findet man dann im angenehm temperierten Wasser des Flusses erfrischende Abkühlung. Dabei sollte man sich aber nicht zu sehr treiben lassen, sonst purzelt man den 42m hohen Wasserfall hinunter ... wobei die Aussicht dort gar nicht so übel sein soll!

Am nächsten Tag ist schon wieder die Pazifikküste erreicht. Auch hier ist es heiß und schwül. Zur Abwechslung weht mal gar kein laues Lüftchen vom Meer her. So weit kann ich die Fenster gar nicht aufreißen, dass es im Innern der Lady Grey auch nur halbwegs erträglich wird. Abends zeigt das Thermometer nur noch Overflow an (der Messbereich geht bis 40°) und morgens steht die Außentemperatur noch immer bei 32°. Hübscher, aber extrem heißer Platz auf der Halbinsel bei San Lorenzo.
    					Da schafft selbst ein Sprung in die Fluten keine Abkühlung. Zum ersten Mal würde ich ein Königreich für eine Klimaanlage geben! Aber wo bekomme ich so schnell ein Königreich her? Auch hätte ich dann schnell eine handfeste Erkältung oder Schlimmeres am Hals. Doch Not macht bekanntermaßen erfinderisch: tagsüber versuche ich, die Körpertemperatur in Werner's schattiger Bar La Playa (in San Lorenzo gleich neben der Panamericana gelegen) mit ein paar eisgekühlten Tucher Hefeweizen zu senken. Und abends wandert die Isomatte auf's Dach und dort kann ich - nur mit dem allernötigsten (der Armbanduhr) bekleidet - nicht nur die Sterne zählen, sondern sogar passabel schlafen. Wie nett, dass es offenbar auch den Moskitos zu heiß ist und sie mich dort oben nicht in Scharen auffressen!

In Werner's Bar und Restaurant La Playa in San Lorenzo treffen sich nicht nur die Panamerikana-Reisenden ... Als sich Werners Tucher-Vorräte dem Ende zuneigen, rolle ich die paar Kilometer zur Grenze nach Nicaragua. Wieder einmal hatte ich mir einen Übergang abseits der Panamericana ausgesucht, um den größten Trubel zu entgehen. Doch hier hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht: es ist Sonntag und an dem kleinen Grenzposten bei Guasauke (CA-3) drängen sich die Ausflügler aus Nicaragua am einzigen (!) Schalter der Migración. Der Papierkrieg für die Lady ist später schnell erledigt, trotzdem kosten die hundert Meter zwischen beiden Ländern eineinhalb Stunden 'kostbare Zeit'. Interessant dabei, dass auf keiner Seite irgend jemand auch nur im Entferntesten Interesse am Inhalt der Lady Grey zeigt: ich könnte eine ganze Fussballmannschaft oder den Jahresedarf der Junkies von San Francisco über die Grenze schmuggeln ...

Die Landschaft Nicaraguas ist über weite Strecken von Vulkanen jeglicher Größe geprägt. Was in Nicaragua zuerst auffällt? Die Sauberkeit! War Honduras schon ein ganzes Stück 'ordentlicher' und sauberer als Guatemala, so ist's hier noch einen Tick besser. Nicht dass man von der Straße essen könnte, aber die leeren Plastikflaschen und Tüten liegen nicht wahllos verstreut entlang der Straßen, sondern finden sich auf kleinen (und größeren) Haufen versteckt hinter irgendwelchen Büschen am Rande der kleineren Ortschaften. Ach ja, und die Straßen sind in deutlich besserem Zustand als 'drüben'. Viele neu geteerte Abschnitte erfreuen die Lady Grey genauso wie ihren Fahrer. Ab und an klettert der Tacho sogar mal über die 80km/h. Schneller als erwartet ist so die Hauptstadt erreicht, die ich gleich noch - am Sonntag nachmittag und bei wenig Verkehr - durchquere.

Auch wenn ich wenig mehr von Managua gesehen habe als die Hauptstraße, macht die Kapitale einen ausgesprochen sauberen Eindruck, auf dem Mittelstreifen stehen bunte Kunstwerke und das Parlamentsgebäude (an dem ich durch Zufall vorbeikomme, als ich mich verfahren habe) könnte schon fast als 'schön' durchgehen.

Straße ins Ungewisse

Trotz diverser Bemühungen der Politiker in Managua bleibt Nicaragua ein Land der Landwirtschaft. Ausnahmsweise rolle ich auf der Panamericana aus der Stadt hinaus. Am roten Faden. Allerdings Richtung Norden! Und was soll ich sagen: hier reiht sich - trotz Sonntag - ein Brummi an den anderen ... und auf der Straße ein Schlagloch an's andere. Zeit, gleich hinter der Stadtgrenze wieder den Blinker zu setzen, auf die NIC-7 zu wechseln und auf ihr ins Ungewisse zu rollen. Alle Karten nämlich verzeichnen eine gelbe Straße am Nordufer des Lake Nicaragua entlang und neuere Blog-Einträge rühmen den neuen Abschnitt von Acojapa nach San Carlos. Ob es dort aber auch irgendwie weitergeht - über die Grenze nach Costa Rica - ist fraglich. Sehr fraglich! Der Grenzfluß Rio San Juan ist ein riesiges Naturreservat und bei der 'Grenzstadt' San Carlos mehrere Kilometer breit. Ob dort jemand eine Fähre zwischen den Ländern betreibt? Selbst die Einheimischen können mir nichts Verlässliches sagen. Also bleibt Nichts als Hinfahren und Nachschauen.

Hier ist erst einmal Schluss mit Lustig: Grenze von Nicaragua am Rio San Juan. Gedacht. Getan! Die Straße (ab Acojapa) ist wirklich in sehr gutem Zustand ... und allenthalben lobpreisen riesige Schilder die Hilfsbereitschaft der EU zur Finanzierung dieser 'Entwicklungsstraße in den Nordosten'. San Carlos ist darauf schnell erreicht. Aber genauso schnell ist klar, dass es hier allenfalls eine Personenfähre gibt. Fahrzeuge - oder gar LKWs - über die Grenze zu bringen: no way! Also die Lady wenden und knapp 300km zurückrollen, um dann doch - wie alle anderen auch - der Panamericana nach Süden zu folgen. Es hat eben nicht sollen sein!

Wenigstens will ich mir hier in der Abgeschiedenheit einen hübschen, ruhigen Nachtplatz suchen ... und morgen - frisch ausgeruht - zurückrollen. Also an der ersten Seitenstraße den Blinker setzen ... irgendwo wird sich schon ein ruhiger Feldweg fürs Nachtquartier finden! Feldwege gibt's wenige, dafür eine unerwartet gute und breite Straße (diesmal mit US-Fähnchen geziert) - nach wenigen Kilometern gefolgt von einer nagelneuen Brücke über den Grenzfluss. Noch stehen die japanischen Baumaschinen im Camp und die Hinweistafel rühmt die Freundschaft zum Land der aufgehenden Sonne. Ich traue meinen Augen kaum, aber kurz darauf stehe ich tatsächlich vor einer niegel-nagel-neuen Grenzstation. Noch sind die Handwerker zu Gange und vieles ist improvisiert. Aber die Grenze ist geöffnet und ich darf als erster Tourist auf diesem neuen Übergang nach Costa Rica rollen. Wie früher schon mal erwähnt: zum Reisen braucht man auch eine gewaltige Portion Glück!

NIC CRI Zwar sind die Polizisten auf Nicaragua-Seite (!) ausgesprochen neugierig und filzen jedes Fach und jeden Schrank - vermutlich eher aus Langeweile als zum Schutz ihres Vaterlands. Mit Fussballmannschaft oder anderem an Bord wäre es mir hier sicher übel ergangen .... Die costaricanischen Beamten hingegen müssen noch den Stempel für die Zusatzversicherung suchen. Aber unter'm Strich läuft alles 'ordentlich' und freundlich ab! Nach zweieinhalb Stunden ist's geschafft und die Herren wünschen mir - und sich - einen schönen Abend.

Willkommen in Costa Rica

War die Straße auf Nicaragua-Seite vergleichsweise einsam, reiht sich in Costa Rica eine Hütte an die andere. Gleich nach dem ersten Dorf (Los Chiles) explodiert der Verkehr, dabei sind die Straßen plötzlich nur noch halb so breit: die Seitenstreifen fehlen, sodass sich nun auch Fußgänger, Radfahrer, Hunde und Kühe auf der 'Hauptstraße' tummeln! Auch springen die Fußgänger nicht sofort beiseite, wenn sich ein Fahrzeug nähert!

Keine Frage: dies ist ein anderes Land!

Aber auch hier sind die Entfernungen überschaubar! Schon nach zwei Stunden ist die erste Attraktion erreicht: der Vulkan Arenal. Einer der aktivsten und attraktivsten, wenn man den Prospekten glauben darf. Attraktiv möglicherweise, wenn man etwas von ihm sehen könnte. Wenn er sich nicht dauernd hinter dicken, schwarzen Regenwolken verstecken würde! Ok, ok, es herrscht Regenzeit, das geht ohne ein paar Wolken nicht ab. Aber so dicht und hartnäckig wie hier hab ich sie lange nicht erlebt. Vermutlich hatten die Indianer doch mal wieder Recht, als sie den benachbarten Verwaltungsort Tilarán nannten, was nichts anderes heißt als "Ort des vielen Regens"!

Darf ich vorstellen: mein Name ist Arenal. Nein, nicht das Pferd, sondern der Vulkan, der sich g'schamig hinter den Wolken versteckt. Vermutlich sind es die Berge und das arg heimische Wetter, das so viele Alpenländler hierher zieht ... Selbst bei miesem Wetter sind die farbenfrohen Blumenrabatten in La Fortuna (Arenal) eindrucksvoller als die moderne Kirche gleich daneben. Eine Institution in Nuevo Arenal: 'Tom's Pan', besser bekannt unter 'German Bakery'.

Darum kann ich euch auch noch nicht viel über dieses andere Land berichten. Über die 'Schweiz Lateinamerikas', wie es von Vielen bezeichnet wird. Das mit dem Wetter hat schon mal arge Ähnlichkeit mit der Alpenrepublik. Das mit der Größe des Landes auch. Und auch das mit den Preisen, zumindest hier am Ort. Aber sonst? Ich weiß nicht recht. Also werde ich hier am Lago Arenal erst einmal etwas besseres Wetter abwarten, bevor ich den Rest erkunde. Schließlich will ich ja etwas sehen vom Land. Nicht nur schwarze Regenwolken und überflutete Campingwiesen!