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Fahrtroute Mittelamerika Fotoalbum Mittelamerika Teil 1 (von Belize nach Nicaragua)

Die letzten Meter in Nordamerika

CRI PAN ANT


Sep 24 2015

MV Caroline Russ (Karibik, Atlantik) (GPS: 09°36,316'N; 079°45,751'W)

Wie ein kleiner Flugzeugträger nimmt sich die M/V Caroline Russ aus, wenn sie wenig beladen ist. Geschwindigkeit 12 Knoten, Kurs 43 Grad. Die Nordküste Panamas gleitet achternaus. Die Sonne strahlt vom tiefblauen karibischen Himmel, seitdem wir den Hafen von Colon verlassen haben. Ist das wieder so ein vielversprechendes Vorzeichen wie in Halifax? Kapitän Krzysztof Dolata manövriert die wendige Caroline Russ gekonnt an einem hölzernen Urwaldriesen vorbei, der gefährlich nah im Wasser dümpelt. Die schwimmende Insel bietet Dutzenden Seemöwen und Fregattvögeln einen Landeplatz. Seine Heimat, der undurchdringliche Dschungel des Darien Gap liegt querab an Steuerbord.

Der Urwald ist es auch, der mich zu dieser kleinen Schiffsreise zwingt. Auf der Panamericana, der großen Route von Alaska nach Feuerland klafft eine Lücke von über achtzig Kilometern. Unüberwindlich. Genau in der Mitte. Da, wo Nord- und Südamerika aneinanderstoßen. Wo der Dschungel am dichtesten und abenteuerlichsten ist. Wo man allenfalls zu Fuß und mit Machete über den Darien Treck ins Nachbarland kommt. Zwischen Panama und Kolumbien. Und keiner ist interessiert, die offene Lücke zu schließen!

Bleibt nur der Umweg über's Wasser! Eine Art Fähre verkehrt nur sporadisch - und wäre für die Lady auch zu klein gewesen (Gewichtsgrenze wegen der Ein-/Ausladerei sind wohl 5,5t). Aber SC Lines bietet seit drei Monaten als einzige Reederei an, auch Passagiere an Bord eines RoRo-Schiffs mitzunehmen. Ein Service, der sich offensichtlich noch nicht herumgesprochen hat ... und rein preislich auch nicht wirklich attraktiv ist. So sitze ich als einziger Passagier in der Offiziersmesse der MV Caroline Russ und lasse mir das leckere Frühstück schmecken!

Catagena in Kolumbien werden wir voraussichtlich erst morgen früh erreichen. So kann ich gemütlich den Blick achternaus wenden und die letzten Kilometer auf nordamerikanischen Boden Revue passieren lassen ...

Golf von Nicoya

Mit ein wenig Abstand eröffnet sich die Pracht des tropischen Inselparadieses um die Halbinsel Nicoya. Zurück nach Costa Rica: den wahren Reiz des Golfs von Nicoya erfährt man am Besten auf der Fähre von Paquete nach Puntarenas. Mitten durch eine bunte Ansammlung tropischer Inseln tuckert die Fähre gemächlich von der Halbinsel zum Festland. Die ansonsten herrlichen Strände der Halbinsel Nicoya werde oft vom Müll aus dem zentralen Hochland verschönt. Weißen Sandstrand darf man allerdings nicht überall erwarten. Dichte, grüne Mangrovenwälder bestimmen das Ufer. Wenn es doch mal eine sandige Bucht gibt, ist sie häufig mit wenig idyllischem Unrat verziert - Natur­reservat hin, Naturreservat her! Müll im Meer stellt hier ein echtes Problem dar, da die Flüsse aus dem Hochland (allen voran der Rio Grande de Tárcoles) viel Unrat aus dem dicht besiedelten Valle Central direkt ins Meer spülen und die Meeresströmung ihn in der Sackgasse des Golfs von Nicoya schiebt.

Wenige Strände der Halbinsel Nicoya (wie hier bei Montezuma) werden vom Müll verschont. Ein paar Ausflugsboote mit ihren rot-weiß-roten Flaggen signalisieren allem Müll zum Trotz, dass hier auch eine prima Gegend zum Tauchen ist (Der Müll schwimmt ja meist an der Oberfläche). Weniger allerdings in der Regenzeit. Da geht man besser ins Aquarium! Aber lieber nicht in den Parque Marino von Puntarenas! Denn da stellen sich den tierlieben Besucher die Haare auf! Da müssen sich drei Krokodile (richtiger Kaimane) eine winzige Betonkuhle voll schmutzigem Wasser teilen, nebenan treten sich zwei Haie (Körperlänge um 5m) Viel hat der Kaiman im Parque Marino von Puntarenas nicht zu lachen. in einem Betonbecken von vielleicht 8 mal 5 Metern und einer Wassertiefe von weniger als einem Meter permanent auf die Flossen! Die Spitze aber ist das Becken für eine riesige Caret-Schildkröte, die mit Ihrem 1,2 Meter breiten Panzer in einem nackten, kreisrunden Becken von kaum 4 Metern Durchmesser ihre einsamen, wenig erbaulichen Runden drehen muss. Artgerechte Tierhaltung sieht anders aus! Trotzdem kassieren die Herrschaften gesalzene 10US-Dollar Eintritt!

Im zentralen Hochland

Im Hochtal der Hauptstadt San José leben über die Hälfte der Costaricaner. Erwischt man bei Barranca die richtige Abfahrt (die Wegweiser sind hoffnungslos überwuchert) darf man auf einer nagelneuen Autobahn ins Hochland rollen. Sieht dabei aber wenig von Bergen und Landschaft. Daher bin ich nicht böse, den Brummis hinterherzuzotteln (die dürfen die Autobahn nämlich nicht benutzen - vermutlich damit sie länger neu und 'schön' bleibt!) und mich auf einer kurvigen, aber passablen Straße ins Valle Central hochzuwinden. Wer es sich leisten kann, baut sich eine Hütte mit Blick auf das Hochtal von San José. Erreicht man nahe San Ramon das Hochtal, weicht die bisherige 'Einsamkeit' schlagartig dichter Bebauung. Ein Haus reiht sich ans andere, eine Ortschaft an die nächste und die Städte und Städtchen gehen grenzenlos ineinander über. Nicht weniger als die Hälfte der Costariceños leben hier oben und genießen die Kühle auf 1000m Seehöhe. Geschätzt die Hälfte davon wiederum leben von Zucht und Verkauf von Pflanzen jeder Art, denn oben reihen sich die Viveros (Gärtnereien) aneinander wie die Perlen auf der Gebetkette eines Rabbis.

Der farbenprächtige Tukan darf (?) sein Leben in einer Voliere der Tierauffangstation Las Pumas bei Caña verbringen. Dazwischen ein paar - besser Hunderte - von Einrichtungen, die nach des Touristen Liebstem trachten: seinem Geld. Egal ob Dollares oder Colones: bezahlen kann man in beiden Währungen, wobei es beide Mal gleich teuer ist! Dafür gibt's dann Touren durch Kaffee-Plantagen, in Naturreservate oder auf wilden Flüssen (Rafting). Oder aber Hotels und Lodges, die sich allesamt mit dem Namen "Eco" schmücken. Wobei an einer 5-Stern-Lodge mitten im Regenwald, für die Dutzende Hektar Wald gefällt und jedes Gramm Essen und Ausrüstung für die Gäste von weither transportiert werden muss, wenig ökologisches zu erkennen ist. Aber der Gast fühlt sich "mitten in der Natur" - dafür legt er gern ein paar Dollares mehr auf den Tisch!

Neben Orchideen ist im Botanical Orchid Garden nahe La Garita auch ein einsamer, aber farbenprächtiger Ara zu finden. Den weiten Weg von Bayern bis hierher hab ich allerdings nicht gemacht, um nun mit jedem Colon zu geizen. Trotzdem sollte die Leistung dem geforderten Preis auch halbwegs wert sein! Doch daran scheint es hier gelegentlich zu mangeln - was der geneigte Besucher allerdings erst hinterher beurteilen kann!

Wenigstens halten sich - jetzt in der Regenzeit - die Besucherströme in Grenzen; meistens kann ich ihre Anzahl an einem einzelnen Finger abzählen! So kann ich die Ruhe nutzen, um wenigstens ein paar Fotos auf die Speicherkarte zu bannen.

Wie hier im Botanical Orchid Garden nahe La Garita: ein Besuch in der Gärtnerei deines Vertrauen zeigt allerdings weit mehr Vielfalt und Farbenpracht, als hier für zehn Dollares Eintritt zu finden sind. Dafür passt der Hauptkassierer aber gerne auf's Auto auf, das direkt vor der Türe steht smile.

Farbenprächtige Orchideen kann der Besucher im winzigen Botanical Orchid Garden nahe La Garita (gegen ungleich größeren Eintritt) bewundern. Farbenprächtige Orchideen kann der Besucher im winzigen Botanical Orchid Garden nahe La Garita bewundern. Farbenprächtige Orchideen kann der Besucher im winzigen Botanical Orchid Garden nahe La Garita bewundern. Farbenprächtige Orchideen kann der Besucher im winzigen Botanical Orchid Garden nahe La Garita bewundern.

Noch eine Warteschleife

Carretera Resbalosa (Rutschige Straße): nette Umschreibung für saumäßige Straße. Wenn es tagsüber über eine der vielen holprigen Straßen und Pisten des Landes geht, muss ich abends im Fahrerhauses den Boden aufwischen: der Vorratsbehälter für die Kupplung ist leck. Nach jeder Bodenwelle hängt ein weiterer Tropfen der agressiven Bremsflüssigkeit an Behälter und versaut den Bodenbelag - oder die Schuhe. Das kann so nicht bleiben ... auch wenn der Flüssigkeitsverlust zu verschmerzen ist. Also flugs in der Hauptstadt San José die MAN-Vertretung gesucht (dauert einen halben Tag, da sie am just entgegengesetzten Ende der Stadt ist als im MAN-Portal angegeben) und das Ersatzteil bestellt. Geht natürlich auch nicht von heute auf morgen, also darf ich noch einmal eine Warteschleife einlegen.

Schmale Straßen und noch schmalere Brücken führen durch das Valle Azul, das blaue Tal. In der Zeit kann ich vielleicht auch die Verschiffung von Panama nach Kolumbien vorbereiten. Dazu allerdings brauche ich WiFi! Was in der Hauptstadt an jeder Straßenecke zu finden ist - auf annehmbaren (sprich halbwegs ruhigen und sicheren) Nachtplätzen allerdings weniger. Nachtplätze sind rund um San José - ja im ganzen Valle Central - sowieso rar gesäht! Dann doch lieber zurück an den Lago Arenal, wo ich nicht nur kostenlos nächtigen, sondern auch schwimmen, Boot fahren oder die Webseite volltippen kann. Vom Tom's Apfelstrudel ganz zu schweigen.

Die Fahrt auf der neuen Route führt durch's Valle Azul, durch 'blaue Tal', eine landschaftlich recht ansprechende, wenn auch zeitaufwändige Route. Meist geht's bergauf oder bergab - fast immer quer durch den Regenwald. Morgens gibt noch der 'Wald' den Ton an, nachmittags allerdings mehr und mehr der 'Regen'. Und das nicht zu knapp! Zwischendrin laden ein paar 'Attraktionen' zur Kaffeepause. Einer der interessanteren davon ist der kleine und überschaubare Schmetterlings- und Kolibrigarten des Bosque Nubosa El Cocora, in dem die winzigen Piepmätze zu Dutzenden herumschwirren und sich am leckeren Zuckerwasser laben.

Bunter Besucher im Kolibri Garten im Regenwald Bosque Nuboso El Cocora. Bunter Besucher im Kolibri Garten im Regenwald Bosque Nuboso El Cocora. Bunter Besucher im Kolibri Garten im Regenwald Bosque Nuboso El Cocora. Bunter Besucher im Kolibri Garten im Regenwald Bosque Nuboso El Cocora.

Bunter Besucher im Kolibri Garten im Regenwald Bosque Nuboso El Cocora. Bunter Besucher im Kolibri Garten im Regenwald Bosque Nuboso El Cocora. Bunter Besucher im Kolibri Garten im Regenwald Bosque Nuboso El Cocora. Bunter Besucher im Kolibri Garten im Regenwald Bosque Nuboso El Cocora.

Nachmittags dann - schon ein wenig müde vom Kurbeln auf der schmalen Straße - am netten Nachtplatz des Lago Arenal angekommen, wartet die nächste Attraktion: das im rutschigen Gras versenkte Wohnmobil von Nachi und Mauro, einem jungen argentinischen Pärchen. Seit 24 Stunden versuchen sie inzwischen, ihr 8-Tonnen-Gefährt wieder auf festen Boden zu bugsieren. Sie haben allerdings weder Schaufel, Sandbleche noch andere hilfreiche Kleinigkeiten an Bord. Lady Grey und die namenlose Wohnkiste von Nachi und Mauro nach geglückter Bergung.
Dem ist schnell abgeholfen und nach einer Stunde steht ihre Wohnkiste - ganz aus eigener Kraft - wieder auf dem betonierten Fahrweg. Nebenbei werden meine Sandbleche wieder halbwegs gerade (das Schlammassel auf der Fika Ixchobel hatte sie ein wenig gekrümmt) und die Schaufel ist so sauber wie damals, als sie aus dem Laden kam - Danke fürs Schrubben, Nachi!)
Interessant dabei: die US-Mobile scheinen serienmäßig Hubeinrichtungen an der Hinterachse (links und rechts) und eine ganz vorne zu haben, um das Mobil waagerecht parken zu können. Beim Befreien aus dem Schlamm spart das viel Arbeit, hebt man doch 'einfach' die Achse an und legt Bleche o.ä. drunter (so man hat). So war das Problem viel schneller als erwartet und ohne viel Graben gelöst.

Die nächsten Tage sind vollgepackt mit Schwimmen, Ratschen, Emailen, Klönen und Apfelstrudel. Em Ende kenne ich all ihre Lebensgeschichten ... und die Verschiffung von Panama bzw. Colón nach Cartagena ist fix gebucht (bei SC-Lines; Details dazu gibt's weiter unten).

Nebel umhüllt die Gipfel am höchsten Punkte der Panamerikana in Mittelamerika auf 3354m Seehöhe. Die Kollegen von MAN in San Jose haben weniger gute Nachrichten. Als ich das bestellte Ersatzteil am Freitag in Empfang nehmen möchte, meinen sie, das Teil hätte zwei Monate Lieferzeit. Zwei Monate anstatt zwei Tage! Dabei bin ich mir sicher, dass ich ein ähnliches bei jedem besseren Ersatzteilhändler hier im Regal finden könnte. Mit der gebuchten Überfahrt aber habe ich nun eine gute Entschuldigung, dass ich soooo lange nun wirklich nicht warten kann.

Nicht warten will! Ein kurzes mail in die Heimat bestätigt meine Vermutung: das Teil ist in Deutschland lagernd ... mit einem Kurier hätte es wie abgesprochen in drei Tagen hier sein können! Well, soviel zum Thema Kundenservice in Costa Rica ... Gleichzeitig teilt mir die Schiffsagentur mit, dass mein Schiff leider eine ganze Woche Verspätung hat, dem Tropensturm 'Erika' sei's gedankt. Bleibt also noch viel Zeit, gemütlich zum höchsten Punkt der Panamerikana (in Mittelamerika) auf über 3300 Metern Seehöhe zu klettern, die einsamen Strände im Süden zu erkunden und dort dem einen oder anderen Regenschauer zu trotzen.

Seltener Sonnenuntergang am Playa Matapolo. Strandidylle am Playa Matapolo. Regendidylle, auch am Playa Matapolo. Was gibt's denn da Interessantes zu sehen? Affiger Besucher (Makakke) am Playa Matapolo.

Regenzeit

Der Regen trommelt gegen die Scheiben. Die Fenster sind nur einen winzigen Spalt geöffnet, sonst muss ich morgen wieder Wasserlachen aufwischen und Polster trocknen. Langsam wird es dunkel, nicht nur wegen der schwarzen Wolken. Nur in der Badehose husche ich hinaus in den strömenden Regen: Zeit für eine Open-Air-Dusche! Die riesigen Tropfen prasseln auf die Haut und spülen den Schweiß der letzten Tage ab. Einfach herrlich! Schöner als jede Wellness-Oase! Obendrein spart's zwanzig, dreißig Liter wertvolles Trinkwasser!

Wohl behütet tropft die Lady Grey unter'm Ceiba-Baum. Eine halbe Stunde später zucken Blitze durch das abendliche Dunkel. Keinen Kilometer entfernt schlägt einer am Strand ein. Der Donner ist ohrenbetäubend. Ich stehe gut gefeit vor den himmlischen Gefahren unter einem riesigen Ceibabaum, der seine Äste schützend über die Lady und mich breitet.

Zeit, mal ein paar Gedanken zur Regenzeit, die mich seit drei Monaten begleitet, zu Laptop zu bringen.

Neben der Sprache bildete die Regenzeit den größten gemeinsamen Nenner zwischen den Ländern Mittelamerikas. So etwa von Mai bis Oktober bzw. November. Je nach Region. Einerseits dadurch, dass es in Mexiko so viel Interessantes zu sehen und bestaunen gab und ich mir andererseits bewußt mehr Zeit zum Reisen ließ als vorher in Canada und den USA, rutschte ich voll in die tropische Regenperiode hinein! Eine Nord-Südquerung Amerikas (oder Afrikas) geht aber nun einmal nicht ganz ohne Regenzeit ab: das war von vornherein klar! Die Frage lautete nur: wo soll ich die Regenzeit am besten aussitzen? Einfach - wie bei der letzten großen Tour durch Afrika - irgendwo parken und warten, bis die Zeit vorübergeht? Nein, danke! Vielleicht kann man in der von vielen Reisenden so geschmähten Zeit ja doch noch etwas unternehmen?

Ein Blick aus dem Fenster ... Und wie viel man hier unternehmen kann - trotz des Regens! Rückblickend betrachtet erscheint Mittelamerika nicht unbedingt als die schlechteste Region, um der Regenzeit zu trotzen! Dass ihr in in dieser Zeit ein paar Abstriche machen müsst, liegt auf der Hand. Andererseits eröffnen sich aber auch Eindrücke, die ein "Trockenzeit-Reisender" nie erleben darf!

Kurz ein paar Nach- und Vorteile des Reisens in der Regenzeit:

  • Es regnet öfters (daher vermutlich auch der Name smile);
    → regional fällt der Regen sehr unterschiedlich (am meisten an den nordöstlichen Hanglagen der Gebirge);
    → selten regnet es längere Zeit durchgehend; Sonne am Morgen und Schauer am Nachmittag/Abend sind eher die Regel als die Ausnahme;
    → trotz des Regens bleibt es angenehm warm; ja, die zwei, drei Grad Abkühlung, die die Wolken bringen, sind hoch willkommen;
    → mehrere Regionen im Windschatten der Kordilliere erhalten oft jahrelang gar keinen Regen - trotz Regenzeit!
  • Manche der landschaftlichen Attraktionen werden durch Wolken verdeckt. Insbesondere die sehenswerten Vulkane der zentralen Kordilliere sind davon betroffen. Mit etwas Glück könnt ihr an einem sonnigen Vormittag die Berge trotzdem in voller Pracht bewundern.
  • Manche touristische Angebote (Ausflüge, Bootstouren, Berg-/Vulkantouren u.ä.) in seltener besuchten Regionen werden häufig nur für die Hauptsaison (=Trockenzeit) offeriert;
  • Flüsse führen z.T. durch die weggeschwemmte Erde braunes Wasser; andere führen dagegen überhaupt nur in der Regenzeit Wasser; viele der Wasserfälle sind 'in Betrieb' und zeigen nicht nur müdes Getröpfel;
  • Das Meer ist häufiger aufgewühlt (Brandung!); Die Sichweite unter Wasser ist deutlich reduziert; Tauchtouren sind nur bedingt sinnvoll!
  • Sandstrände können durch Tang und angeschwemmten Unrat ein wenig "unappetitlich" wirken;
  • Wege und Straßen abseits der Hauptrouten können schlammig, rutschig und z.T. unpassierbar sein;
  • Die ganze Natur leuchtet in sattem Grün; um "Regenwald" oder "Nebelwald" zu sehen, müsst ihr keine langen/teuren Ausflüge machen; eine Fahrt mit offenen Augen durch die Hangregionen der Berge reicht völlig aus.
  • Es sind erheblich weniger Reisende unterwegs sind, Tourimassen sind - selbst bei den Hauptattraktionen - ein Fremdwort. Einsame Strände sind ... einsam.

Auf der Panamericana

Nebel umhüllt die Gipfel am höchsten Punkte der Panamerikana in Mittelamerika auf 3354m Seehöhe. Inzwischen habe ich auch den roten Faden wiedergefunden: die Panamericana. Ihn loslassen geht nun gar nicht mehr. Dort wo Amerika richtig schmal wird, dort wo sich pazifischer und atlantischer Ozean fast die Hand schütteln, im Süden Costa Ricas und in Panama, da ist diese große Nord-Süd-Achse die einzige gangbare Verbindung. Leider ist es nicht nur die einzige Straße, sondern auch die am meisten befahrene (welch Wunder smile) Der größte Teil des Warenverkehrs zwischen den mittelamerikanischen Ländern wird über sie abgewickelt: Riesige Trucks zotteln auf der meist zweispurigen Straße hintereinander her. Dazwischen Busse, die bei allen unpassenden Gelegenheiten überholen ... und ein einzelner Reisender. Dazu kommt das regenreiche Klima und eine ... ääh ... sagen wir ... gewisse Großzügigkeit bei den Bauarbeiten. Jedenfalls ist die Trasse in einem miserablen Zustand!

Nicht immer der optimale Weg von 'A' nach 'B': die Panamericana (hier in Panama). Auf meiner bisherigen Route habe ich mich immer gefragt, was so schlimm daran ist. Warum die Fahrt von Alaska nach Feuerland auf der Panamericana als eine der letzten großen autotechnischen Herausforderungen angesehen wird? Die Strecke hier öffnet mir die Augen: nicht die Route von Alaska nach Feuerland ist die Challenge, sondern die Straße. Die Panamericana selbst ist die Herausforderung! Vermutlich aus reinem Instinkt habe ich ja bisher immer einen großen Bogen um sie gemacht und lieber ein paar hundert Kilometer Umweg in Kauf genommen, um dabei andere Sehenswürdigkeiten zu sehen. Und diese Straße zu meiden! Mein siebter Sinn hat mich offensichtlich nicht getäuscht!

Auf 300 Kilometern eine einzige Baustelle: die Panamericana (in Panama). Die Panamericana ist - zumindest auf der Strecke von San José (Costa Rica) nach Santiago (Panama) - Entfernung ca. 500km, die schlimmste Hauptstraße, die mir unter die Räder gekommen ist! Bei kleinen Nebenpisten akzeptiere ich ja (fast) jeden Zustand, aber die große Hauptachse sollte sich davon doch ein wenig abheben! Wieder einmal bestätigt sich die alte Weisheit der Afrikafahrer: "Lieber eine gute Piste als eine schlechte Straße!" Besagte Strecke zählt definitiv zu den schlechteren Straßen!

OK, Panama hat das Problem erkannt und ist seit Jahren dabei, die Straße durchgehend 4-spurig auszubauen. Oft werden dabei aber nur zwei neue Spuren neben die alte Fahrbahn gesetzt. Der alte Beton - vor allem aber der Unterbau - ist den täglichen Anforderungen der schweren Trucks nicht gewachsen: Löcher, Risse, Absätze, Wellen sind die Folge. Weite Teile der Route kann ich nur mit 30 bis 40 Stundenkilometern abreiten, auch wenn die dicken Brummis hinter mir ärgerlich hupen und drängeln! Die Unversehrtheit der Lady ist mir da wichtiger!

Warten auf's Schiff

Da, wo die Panamericana in Meeresnähe verläuft, reihen sich Hotels, Apartmentblöcke und die Wochenendvillen der Panameños nahtlos aneinander. Die Enttäuschungen nehmen hinter Santiago nicht merklich ab. Die Straße wird zwar mit jedem Kilometer besser, den man sich der alles beherrschenden Hauptstadt nähert, dafür zeigen sich die Küstenorte - allesamt beliebte Badeorte der Städter - so gar nicht von ihrer einladenende Seite. Wenn Sie denn eine hätten! Am hellen Strand mit seinen tiefblauen Wassern reihen sich riesige Hotelburgen, Appartmentsilos und weiträumige Villen der reichen Hauptstädter so nahtlos aneinander, dass für einen öffentlichen Strand kein Platz mehr bleibt! Die früheren Fischerdörfer sind so gut wie ausgestorben, schon deshalb, weil die Einwohner kaum mehr zu ihren Booten kommen!

So rückt die Hauptstadt immer näher ... und damit sinkt die Chance, einen netten, ruhigen - und sicheren - Standplätz zu finden. Einen Platz, wo ich warten kann, bis der Verschiffungstermin in greifbare Nähe rückt. Gestern noch hat mit die Reederei mitgeteilt, das sich der Termin um eine Woche verzögert - dem Tropensturm Erika sei Dank! Aber der Anreiz, eine zusätzliche Woche in der heißen, wenig einladenden und unsicheren Hauptstadt zu verbringen, ist eher überschaubar!

Wenn schon nicht am Meer, dann sollte sich doch wenigstens in den letzten Bergen vor'm Isthmus von Panama ein annehmbares Plätzchen finden lassen! Also runterschalten und hinauf nach El Valle del Anton. Auch hier tummeln sich wegen der kühleren Temperaturen zahlreiche Flüchtlinge aus der Hauptstadt. Aber der uralte Vulkankessel bietet nicht nur ausreichend Platz für die Einheimischen, sondern auch eine überbordende Natur. Das Städtchen, ja der ganze Talkessel gleicht einem riesigen Gewächshaus. Ein nettes, ruhiges Fleckchen panamaischer (Vulkan-)Erde.

Auf der Suche nach einem sicheren Nachtplatz lande ich rein zufällig bei Fred und Cynthia, einem Künstlerehepaar aus den Staaten, die sich hier einen Lebenstraum erfüllt haben und mir ohne große Umstände anbieten, auf Ihrem Gartenweg zu übernachten. Mich später sogar zum Essen einladen und mir voller Stolz ihr Zuhause zeigen. Eines, auf das sie zu Recht stolz sein können! In acht langen Jahren bauten sich die Beiden aus alten Seecontainern ein stattliches - und höchst individuelles Zuhause, das sich hinter Bauten von Norman Foster, Mies von der Rohe oder Frank Gehry nicht zu verstecken braucht!

Ideenreiches Haus voller Charme: das Heim von Cynthia und Fred in El Valle (Panama).

Nicht nur deshalb, weil viele Bauelemente in Panama kaum zu bekommen sind, haben Sie jedes einzelne Element mit eigenen Händen geschaffen: von Containerfundament über die Wände, die gesamte Küchen- und Badeinrichtung bis hin zu den Essmöbeln aus afrikanischem Mahagoni. Selbst die Bilderrahmen für die selbstgeschossenen Fotos sind handgefertigt: aus Beton wiegen sie an die 50 Kilo - pro Stück!

Wie aus Seecontainern ein gemütliches Haus wird: erste Arbeiten an den Containern Wie aus Seecontainern ein gemütliches Haus wird: selbst bei Nacht ein gemütliches Unikat! Wie aus Seecontainern ein gemütliches Haus wird: großzügiger Essplatz an der riesigen Glasfront. Wie aus Seecontainern ein gemütliches Haus wird: der Garten ist mindestens so wichtig wie das Haus, um sich wohlzufühlen!

Ein wenig beneide ich die beiden um Ihren Traum aus Stahl, Beton und Glas ... es ist so ganz nach meinem Geschmack: kühl, sachlich ... und voller toller Ideen! Aber die Lady Grey ist ja auch nicht ganz ohne! Vor allem fährt sie freiwillig von 'A' nach 'B'! Was bei dem Haus schon etwas schwieger ist - trotz Containern! Dabei denken Fred und Cynthia schon wieder über einen Umzug nach: Kolumbien, vor allem Medellin haben es ihnen arg angetan. Sie sind nicht die ersten, die von der außerordentlichen Freundlichkeit der Kolumbianer schwärmen!

Wenn ihr Näheres zu dem interessanten Projekt wissen möchtet, Fred hat auch einen netten Blog darüber erstellt. Zu finden unter www.PanamaShippingContainerHouse.com. Auch die rechte Adresse, wenn Ihr ein erschwingliches Ferienhäuschen im Warmen sucht ...

An dieser Stelle noch einmal "Many Thanks for your warm Hospitality and the pleasant Talks, Cynthia and Fred!"

Die einzig andere Sehenswürdigkeit, die El Valle zu bieten hat, sind Felszeichnungen aus vorkolumbianischer Zeit. Wer die Künstler waren und was die Liniengruppen darstellen sollen, liegt noch völlig im Dunkeln! Mit Felszeichnungen der Maya, Inka oder gar denen von Altamira oder Lasceaux in Europa können sie nicht ganz mithalten, aber für einen kurzen Ausflug an einem regenfreien Vormittag sind sie allemal gut!

Vom steilen Weg oberhalb der Steinzeichnungen bieten sich nette Ausblicke über den uralten Vulkankraters des Valle. Das beschauliche Städtchen El Valle de Antón gleicht einem riesigen Gewächshaus mit Tausenden tropischer Pflanzen. Im Grün der Blätter kaum auszumachen: der grüne Baumwaran. Die Steinritzungen von El Valle aus vorkolumbianischer Zeit können mit denen der Maya und Inka nicht ansatzweise konkurrieren ...

So verkriecht die Zeit auf dem einladenden Windmill-Camp mehr, als dass sie verfliegt. Neben ein paar Vorbereitungen an der Lady Grey gibt's lange Gespräche mit netten Reisekollegen. Vor allem Konny und Harald, zwei Motorradfahrer aus Eisenach auf ihrer Worldtour 2015 haben viel zu berichten und manch heißen Tipp aus Südamerika parat.

Auf zur Südsee - Panama City

Südsee: das klingt nach türkisblauem Wasser, einsamen Inseln, Palmen, Traumstränden, Blumengirlanden und Hula-schwingenden, dunkelhäutigen Schönheiten. Aber woher kommt der Name? Klar, gemeint ist der Pazifische Ozean. Aber aus Sicht der Amerikaner liegt der Pazifik im Westen ... und der Atlantik im Osten? Woher also hat das große Meer seinen verlockenden Namen?

Verlauf des Panamakanals In Spanien schreibt man das Jahr 1513, als Vasco Núñez de Balboa, ein Seegefährte von Cristobal Colon ("Kolumbus"), charismatischer Abenteurer und Taugenichts von der ersten spanischen Siedlung an der Karibikküste Panamas aufbricht, um das sagenumwobene "Land voll Gold" im Süden (das heutige Peru) zu finden. Nach drei Wochen Machetenschwingen durch den panamaischen Dschungel steht Balboa als erster Weißer an der Küste des "Mar del Sur", der "Südsee". Das Meer liegt tatsächlich im Süden, denn Panama bzw. das Rückgrat des amerikanischen Kontinents beschreiben hier ein großes 'S': Costa Rica liegt - von Panama City aus gesehen - im Westen ... und Kolumbien im Osten. Und der Panamakanal verläuft eben nicht von Osten nach Westen, sondern von Norden nach Süden (genauer sogar von Nordwesten nach Südosten). Wobei Panama City am südlichen Ende liegt. Am Ufer der Südsee, eben. Zu den Hulaschwingenden Schönheiten sind's trotzdem noch ein paar Tausend Seemeilen!

So kann man in Panama City das ungewohnte Schauspiel genießen, dass die Sonne morgens über dem Pazifik (im "Westen") aufgeht. Daneben hat Panama aber auch noch ein paar weitere Bonbons zu bieten.

Das Museo de Biodiversidad ist eine der größten Attraktionen Panamas. Nicht nur wegen seiner Architektur! Da wäre zum Beispiel das sehenswerte Museo de Biodiversidad (Museum zur Biodiversität). Es macht nicht nur durch seine auffällige Architektur (Design by Frank Gehry) auf sich aufmerksam, vor allem sein Innenleben hat schon hochrangige Auszeichnungen eingeheimst. Neben einer kurzen Geschichte der Besiedelung Mittelamerikas, beginnend während der letzten Eiszeit, als die ersten Menschen von Zentralasien nach Amerika einwanderten und sich nach und nach nach Süden aufmachten ... bis hin zu deren Ausrottung nach 15.000 (mehr oder weniger) friedvollen Jahren durch die Spanier (und ihre eingeschleppten Seuchen und Gewehrkugeln). Auch die Exponate und Erläuterungen zur Vielfalt im Pflanzen- und Tierreich - wie man sie heute nur noch hier, d.h. im Dschungel des Darien sowie am Amazonas findet - sind sehr eindrücklich und aufrüttelnd. Schade dass hier eher Schulklassen, aber kaum Politiker vorbeischauen!

In der Albrook Mall reihen sich auf der Länge einer Flughafen-Startbahn die Einkaufsläden dicht an dicht. Nach Bio-Diversidad nun Shopping-Diversidad: die Albrook Mall: das größte Einkaufszentrum des Landes. Manche sagen sogar, das größte Amerikas. Das will was heißen! Die Dimensionen sind beachtlich, reihen sich doch auf der Länge der Start- und Landebahn das nationalen Flughafens die Geschäfte dicht an dicht. Auf zwei Stockwerken, links und rechts aufgefädelt wie die Perlen der berühmten Schnur. Dazu Dutzende von Seitenarmen, in denen man sich ohne viel Mühe verläuft. Was immer in der Welt hergestellt werden mag: hier soll es zu finden sein (so der Werbeslogan): Modegeschäft neben Schuhladen, Kinderspielzeug neben Computerspielen, Juwelen neben Plastikkram, Baumarkt neben Dessous! Dazwischen noch mehr Mode und noch mehr Schuhe! Alles schön nach Marken sortiert, damit der Besucher ja nicht vergleichen kann. Im wohl größten Einkaufszentrum (Latein-)Amerikas reihen sich nicht nur die Einkaufsläden dicht an dicht.  Obwohl ich nun schon ein paar dieser amerikanischen Konsumtempel von innen gesehen habe: diese Größe ist mir noch nicht untergekommen! Und immer wieder stellt sich so ein tolles, prickelndes Gefühl in der Magengegend ein: von all dem hier Angebotenen brauche ich: Nichts! Da können die Preise noch so verlockend und die Mehrwertsteuer noch so gering (1,5 Prozent) sein!

Damit die Besucher/-innen beim Shoppen ja nicht schwächeln, unterbrechen riesige Food Courts die Ladenfluchten. Fast habe ich den Eindruck, dass die Leute heute eher um des Essens willens hergekommen sind. Obwohl sich jeder Stand mit dem Label 'Fast Food' schmückt, werden sämtliche Speisen knackfrisch zubereitet, neben den allgegenwärtigen Burgern gibt"s frische Salate, leckere Steaks, natürlich Pollo Asado (Gegrilltes Hühnchen) und Spezialitäten aus Fernost und Mexiko. Das meiste ziemlich lecker und appetitlich sauber!

Auch hier glänzten die Architekten nicht gerade mit Einfallsreichtum. Abgesehen von zwei Dutzend weiterer Shoppingcenter ähnlicher Couleur, ein paar unscheinbarer Kirchen und den etwas weniger unscheinbaren Palästen der großen Weltbanken hat Panama City nur eines zu bieten: häßliche Hochhäuser! Während andernorts die Stadtplaner und Architekten versuchen, sich gegenseitig zu überbieten, um eine noch attraktivere, einfallsreichere und lebenswertere Stadtkulisse zu schaffen, scheint hier nur ein einziger Grundsatz zu gelten: "Möglichst viel Wohnraum auf möglichst wenig Boden zu möglichst hohen Preisen!" Schön jedenfalls ist anders! Nun kann ich auch die Panameños verstehen, die sich jeden Freitag in kilometerlangen Staus aus der Stadt hinauswinden, um am Strand oder in den Bergen Platz zum Schnaufen zu finden.

Mit viel Liebe (und Geld von der Stadt) wurde die früher arg heruntergekommene Altstadt Casco Viejo mit seinen prächtigen Villen wieder zum Anziehungspukt für Touristen! Auch in der Altstadt Casco Viejo wohnten früher nicht nur reiche Spanier, sondern auch viele, denen es nicht so gut ging ... Grundsatz 'Möglichst viel Wohnraum auf möglichst kleinem Raum zu möglichst hohen Preisen!' Einige der häßlichen Wohnblocks entlang der Küste wurden wenigstens mit etwas Farbe aufgehübscht!

Die Metro von Panama City wird gut angenommen. Kein Wunder, sind die Alternativen doch eher mau ... Wer von den inzwischen 4,8 Millionen Einwohnern es sich leisten kann, wohnt in einer der weit verstreuten Vorstädte. Und pendelt morgens und abends ein bis zwei Stunden zur Arbeit. Mit dem Bus oder - viel lieber - mit dem eigenen Auto! Ganz Clevere dagegen nehmen die ultramoderne Metro, die seit Anfang des Jahres die Innenstadt entlasten soll. Die von Alsthom gelieferte (und von Brasilien finanzierte) Bahn ist ultraschnell (23 Minuten von einem Ende zum andern), ultrahäufig (alle vier bis fünf Minuten verkehrt ein Zug) und ultrabillig (jede Fahrt kostet 35 Eurocent (!!!)). Kein Wunder, dass sie von den Bewohnern gerne angenommen wird und damit auch schon ultravoll ist (zumindest während der Rush-hour). Pläne zum Aufbau dreier weiterer Linien gibt's schon, Pläne, wo man aussteigen muss, um zu einer bestimmten Adresse zu kommen, hingegen nicht!

Ein paar Daten und Fakten zur Geschichte und zum Kanal. Am Panamakanal

Wenn alles glatt läuft können die großen Pötte im 10-Minuten-Takt die Schleusen verlassen. Wenn ihr eh schon mal in Panama seid, dürft ihr euch eine Besichtigung des Kanals natürlich nicht entgehen lassen. Der Weg von Panama City zu den Miraflores-Schleusen ist nicht weit. Dort gibt's einen frisch gestrichenen Aussichtsturm, von dem aus man den Schiffen beim Ein- und Ausschleusen zusehen kann. Keine Aktivität, bei der einem der Atem stockt: das Füllen bzw. Leeren einer Schleusenkammer - damit das Heben bzw. Senken des Schiffs - dauert zwar nur ca. acht Minuten, das Rein- und Rausbugsieren der großen Pötte kann aber schon mal eine Stunde und mehr in Anspruch nehmen!

In der Zwischenzeit kann sich der geneigte Besucher ein Video zur Geschichte des Kanals ansehen, das in meinen Augen eher unter Propaganda fällt: Panama war und ist darin der große Strippenzieher und Macher in Sachen 'größte Schifffahrtsstraße der Welt'! Andere Staaten - wie Frankreich oder die USA - leisteten allenfalls kleinere Hilfsarbeiten. Wenn Ihr den Artikel auf Wikipedia lest, seid ihr weit besser informiert!

Kreuzfahrer hinter'm Stacheldraht-Zaun: Näher kommt man an den Miraflores-Schleusen nicht heran; außer man kann sich eine Luxuskabine hinter'm Stacheldraht leisten. Oder ihr bummelt durch das vierstöckige Museum mit verrosteten (historischen?) Schaufeln, zwei wenig anschaulichen Modellen von Schwimmbaggern und einem antiquierten Schiffsleitstand vor dem Videosimulator. An dem werden sicher auch die Lotsen trainiert, die erst nach acht Jahren (!) Ausbildung auf die Schiffe dürfen, um sie durch die mit Hunderten Tonnen mehr als deutlich markierte Fahrrinne zu leiten.

Für diesen Pflichttermin dürfen Ausländer satte 15 US-Dollar berappen, den fünffachen Preis der Einheimischen! Dafür gibt's - auf hartnäckige Nachfrage - ein dünnes, wenig informatives Faltblättchen. Für das Spektakel an den Gatun-Schleusen (am atlantischen Ende des Kanals) sind weitere 5 US-Dollar fällig, und will man auch noch die neuen Gatun-Schleusen (eine riesige Baustelle) sehen, darf man noch einmal 15 US-Dollar abdrücken: alles in allem ein teures Vergnügen! Vergleichsweise billig nehmen sich dagegen die Gebühren aus, die beispielsweise ein Kreuzfahrtschiff überweisen muss: das sind sage und schreibe knapp 2000 US-Dollar. Pro Passagier! Bei 500 Passagieren ist das eine Million US-Dollar! Zuzüglich einer schier endlosen Liste an Service Gebühren. Dafür bekommt der werte Fahrgast aber auch acht Stunden Kanal pur geboten! Landschaft, Inseln und Seen inclusive!

Sehenswerte Hinterlassenschaft der Spanier: das malerische Fort San Lorenzo, das einst die Bucht von Colon auf der Atlantikseite vor Piraten schützen sollte. Sehenswerte Hinterlassenschaft der Spanier: das malerische Fort San Lorenzo, das einst die Bucht von Colon auf der Atlantikseite vor Piraten schützen sollte. Im Norden mündet der Kanal in eine malerische Karibik-Bucht, in der schon zu spanischen Zeiten die Schiffe ankerten. Dabei natürlich ein gefundenes Fressen für die Piraten waren, die versuchten, den Spaniern ihre Schätze abzujagen. Also befestigten die Spanier die gesamte Bucht mit Fuerzas, mit waffenstarrenden Befestigungsanlagen, um wenigstens von Land aus den Piraten Paroli bieten zu können, solange die Schiffe vor Anker lagen und manövrierunfähig waren. Das eindrucksvollste davon ist San Lorenzo, das man nach einer einstündigen Fahrt mitten durch urwüchsigen Dschungel erreicht. Da ist allein schon der Weg eine Sehenswürdigkeit!

Das kann man von meinem nächsten Ziel nicht gerade sagen. Auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht von San Lorenzo liegt Colon, der nördliche Hafen am Panamakanal. Hafenstädten in aller Welt haftet neben dem Flair der großen weiten Welt oft etwas Verruchtes an! Colon ist da keine Ausnahme - eher einer der Spitzenreiter - und es gibt keinen Reiseführer, der nicht vor den Gefahren der Stadt warnt und handfeste Sicherheitstipps gibt: tagsüber allenfalls ins selbst gerufenen Funktaxi steigen. Abends oder nachts auf gar keinen Fall auf die Straße gehen! Nicht mal mit bewaffneter Begleitung!

Wenig einladende Wohngegend in Colon am Nordende des Panamakanals. title_alt title_alt title_alt

Trotzdem muss ich mich hier ein paar Tage aufhalten! Schon der erste kurze Ausflug in die 'besseren' Wohngegenden unterstreicht die zweite Aussage aller Führer: Colon ist wenig sehenswert. Dem kann ich beim besten Willen Nichts hinzufügen! Der Unterschied zur Welt der Kreuzfahrtschiffe, die hier - trotz aller 'Sehenswürdigkeiten' - regelmäßig anlegen, um ihre Passagiere zum zollfreien Einkauf in die von meterhohen Mauern und Stacheldraht umgebene Zona Libre (Freihandelszone) auszuspucken, könnte größer kaum sein! Nicht umsonst gärt es in Colon seit Jahrzehnten und es ist nur eine Frage der Zeit, wann dieses Pulverfass explodieren wird!

Auf nach Südamerika

In Colon tausche ich die Lady Grey gegen ein Blatt Papier und bin schnell durch einen Zaun von ihr getrennt. Die Verschiffung vom Hafen dieser Mitleid erregenden Stadt läuft weit weniger chaotisch als befürchtet. Mehrere Reisende, die ebenfalls von hier aus nach Südamerika verschifft haben, bieten sehr detaillierte Beschreibungen über das etwas komplizierte Procedere zum Download an (z.B hier, hier oder hier). Mit deren Hilfe kann man die verschiedenen Stationen ganz gut finden und die Leute wissen meist auch gleich Bescheid, wenn man ihnen die B/L (Bill of Lading) unter die Nase hält. Da muss man gar nicht mal viel Spanisch mitbringen - nur ein wenig Geduld! Besser ein bißchen mehr vom letzteren! Da ich gleich morgens - noch vor 8 Uhr - angefangen hatte, bin ich schon kurz vor 11 Uhr fertig. Gar nicht schlecht!

Und nun hilft nur noch eines: Hoffen! Hoffen, dass alles gut geht und ich die Lady Grey bald und vor allem heil und komplett in Cartagena, in Südamerika in Empfang nehmen kann.

Was war auf Panama-Seite alles zu tun?

  • Kontrolle der Fahrgestellnummer und Ausstellung einer "Ausfuhrerlaubnis" (D.I.J., Panama City)
  • Ausstellen der vorläufigen B/L und Bezahlung der Überfahrt (SC-Lines, Panama City)
  • Anfertigen von je 1/2 Dutzend Kopien aller Dokumente (Pass, Fahrzeugschein, Einfuhrbescheinigung, Ausfuhrerlaubnis, KFZ-Versicherung, vorläufige B/L)
  • Abstempeln der vorläufigen B/L bei der Verschiffungsagentur (PanamaAgengies, Hafen, Colon)
  • Erstellen "Ausfuhrdokument" und Löschen des Fahrzeugstempels im Pass (Adouana, Zona Libre, Colon)
  • Erstellen "Restdokumentation" (Adouana, Hafen, Colon)
  • Entrichten der Sicherheitsgebühren (Almacenaje, Hafen, Colon)
  • Fahrzeuginspektion Zoll, sogar mit Drogenhund (Adouana, RoRo-Terminal, Colon)
  • Fahrzeugübergabe und -dokumentation, Fotos (RoRo-Terminal, Colon)
  • Übernahme der "Abgabebescheinigung" (RoRo-Terminal, Colon)

Und was hat der Spass nun gekostet?

  • Fracht (bis 58m3): 960 USD
  • Handling Hafen Colon: 150 USD
  • Dokumentation (Erstellung B/L): 50 USD
  • Seefrachtversicherung (optional): 396 USD
  • Sicherheitsgebühren Hafen Colon: 97 USD
  • Kopien, Taxifahrten Panama City und Colon: 3 + 10 + 10 USD
  • Hotelkosten Colon: 225 USD (3 Nächte)
  • Handling Hafen Cartagena: 275 USD
  • Agentur für Papierkrieg in Cartagena (optional): 200 USD
  • Überfahrt (Passagier auf RoRo-Schiff): 750 USD (!!!)

Unterm Strich also nicht wirklich ein Schnäppchen - im Hinblick auf die vergleichsweise kurze Transportstrecke -, aber eben auch nicht umgehbar. "Wat mutt datt mutt!" sagen wohl unsere Hafenanwohner im Norden. Nur der letzte Punkt tut schon weh: 750 USD für eine bzw. zwei Nächte auf See! Da sollte die Kabine schon die Kapitänskajüte sein und Essen unter 5-Gänge-Menü geht gar nicht!

Tief im Bauch der M/V Caroline Russ steht die Lady Grey eingezwängt zwischen schweren Baumaschinen. Die Kajüte ist dann eine (recht geräumige und ruhige) 2-Bett Kabine mit eigenem Bad und Bullauge. Das 5-Gänge-Menü muss deftiger, aber schmackhafter deutsch-polnischer Küche weichen: die 10-köpfige Crew besteht ausschließlich aus Polen. Dazu bietet das Schiff weder WiFi noch anderen Ablenkungen - selbst der bordeigene Fernseher bleibt dunkel. Alles in Allem scheint mir die Passage erheblich überteuert, SC-Lines sollte da noch gewaltig nachbessern! Trotzdem ist es ein seltenes Erlebnis, als einziger Passagier auf einem Frachter unterwegs zu sein - vom recht chaotischen 'Einchecken' gestern abend mal ganz abgesehen! Abenteuer haben eben ihren Preis! Aber es gibt auch ein gutes Gefühl, die Lady Grey nicht zu lange aus den Augen lassen zu müssen.

Nun bin ich definitiv auf dem Weg nach Südamerika. Und schon gespannt wie der berühmte Flitzebogen, was mich dort wohl erwarten mag. Ausnahmslos alle, die ich getroffen habe und die Südamerika schon bereist haben, schwärmen in höchsten Tönen davon. Für mich allgemein eher ein Warnsignal (man kann ja nur enttäuscht werden, wenn man mit (zu) hohen Erwartungen irgendwo hinkommt), will ich ihnen diesmal Glauben schenken.

'Alle' können sich ja kaum irren! Also "Auf nach Südamerika!"

Resümee und Statistik Die bekannte Statistik und ein paar persönliche Anmerkungen zu Zentralamerika
gibt's natürlich wieder rechts ...