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Südamerika ist kulturell wie reisetechnisch in zwei Regionen aufzuteilen: der Norden mit Kolumbien, (Venezuela), Equador, Peru und Bolivien ist eine Welt für sich, abgegrenzt - um nicht zu sagen abgeschottet - vom Süden des Kontinents mit Chile, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien.

Hier geht's um den Süden. [Hier um den NORDEN]

ARG BRA CHL PAR URG

Absolut easy Reisen:

Foto Argentinien Das Reisen in den genannten Staaten ist wirklich einfach. Auf keinem anderen (Teil-)Kontinent habt ihr als Reisende mit dem eigenen Fahrzeug weniger Komplikationen zu erwarten. Das fängt bei der Aufenthaltsdauer an und hört bei der Grenzabfertigung noch lange nicht auf. In jedem der Länder dürft ihr für drei Monate einreisen. Soll's länger werden, reist ihr eben kurz aus und am nächsten Tag oder in der nächsten Woche wieder ein. Offenbar geht das endlos. Ich traf Reisende, die seit vielen, vielen Jahren ausschließlich in Südamerika unter­wegs sind! Eine Ausnahme macht Brasilien: drei Monate pro Kalenderjahr (mit einmaliger Verlängerungsmöglichkeit) sind dort das Limit.

Ähnlich reisefreundlich sind die Bestimmungen für's Fahrzeug. In Argentinien dürft ihr das Fahrzeug acht Monate (temporär) einführen, in Uruguay sogar zwölf Monate. Die restlichen Länder orientieren sich an der Aufenthaltsdauer des Fahrers (i.d.R. drei Monate). Die Regelung für Argentinien wird regional unterschiedlich gehandhabt: im Norden bekommt ihr meist nur drei Monate, im Süden durchwegs acht.

Die Abfertigung an den Grenzen erfolgt in der Regel einfach, schnell und unkompliziert. Beachten solltet ihr, dass keinerlei (frische) Lebensmittel eingeführt werden dürfen. Das wird praktisch immer kontrolliert! Ansonsten ist die Grenzinspektion eher lasch - verbindlich ist die Abfertigung bei Migracion (Pass) und Adouana (Zoll). Beide sind meist nur an den Papieren interessiert. Der Lebensmittelkontrolleur schaut dann (fast immer) ins Auto. Unterm Strich ist die Grenzabfertigung meist in ½ bis 1 Stunde überstanden und selten Ursache für erhöhten Blutdruck.

Für das Fahrzeug muss eine Haftplichtversicherung vorliegen, die ihr für alle Länder gemeinsam (sogenannte MERCOSUR-Staaten) abschließen könnt (z.B. bei Claudia und Klaus von www.abgefahren.info). Kostet für die Lady Grey pro Quartal um die 110€. Die Versicherung wird gelegentlich kontrolliert.

Die argentinische (Verkehrs-)Polizei steht - noch immer - im Ruf, korrupt zu sein und Reisende anzuhalten, um die eigenen Taschen zu füllen, die Region 'Entre Rios' [Ruta #14] soll dabei unrühmlicher Spitzenreiter sein. In knapp zwei Jahren in diesen Ländern und weit über drei Dutzend 'Kontakten' kann ich allerdings keine diesbezüglichen Erfahrungen vermelden. (Die Lady Grey ist ja auch in gutem Zustand und ich halte mich 'immer' an die Verkehrsregeln EMOTICON). Tatsächlich befinden sich an den Zufahrten praktisch jeder argentinischen Stadt bzw. Kommune Polizeiposten (die regelmäßig besetzt sind). In Chile liegen diese Stationen oft auf freier Strecke zwischen den Städten, sind zwar besetzt, aber keiner kontrolliert den fließenden Verkehr. Meist werdet ihr (freundlich) durchgewunken. Das Einschalten des Abblendlichts - wie in Argentinien und Chile zu allen Tages- und Nachtzeiten vorgeschrieben - hilft, 'Multas' und das Überhaupt-erst-angehalten-werden zu vermeiden.

Campt ihr - wie ich - irgendwo in der Pampa, werdet ihr gelegentlich abends oder nachts von der örtlichen 'Gendarmeria' überprüft. Geht meist - nach Klärung des Herkunftslandes ('Alemania' wirkt wie ein Zauberwort) - sehr freundlich ab.

Das Reisen in den genannten Ländern - gerade mit dem eigenen Fahrzeug - ist also ausgesprochen 'hasslefree'.

Straßenverhältnisse:

Foto Chile Die Staßenverhältnisse sind - welch Wunder - äußerst unterschiedlich! Von sechspurigen Auto­bahnen bis zu extrem holprigen Gebirgspisten ist alles zu finden! Die Straßen abseits der Hauptrouten sind durchwegs nicht asphaltiert, die Hauptrouten hingegen in meist gutem bis passablem Zustand. In Brasilien und der argentinischen Pampa sind es hingegen gerade die Hauptstrecken, die auf Grund des hohen (LKW-)Verkehrs­aufkommens in merklich schlechterem Zustand sind als so mancher Schleichweg.

Was ihr euch bei der Routen- und Zeitplanung stets vor Augen halten solltet, sind die riesigen Entfernungen. Die berühmte 'Ruta Quarenta', die Argentinien von Norden nach Süden durchzieht, ist an die 5200 Kilometer lang, die 'Ruta 5' auf der chilenischen Andenseite bringt es auf gute 3500 Kilometer (sie hört in Puerto Natales auf und hat ihre Fortsetzung in der 'Carretera Austral' mit weiteren 1200 Kilometern Länge). "Schnell mal eben" irgendwohin fahren kann dabei schon mal zwei, drei Tage in Anspruch nehmen!

Auf gut ausgebauten Hauptstrecken wird in allen Ländern Straßenmaut fällig - egal, ob vierspurige Autobahn oder zweispurige Straße. Abgesehen von Santiago de Chile (dort läuft das über ein Mautkästchen ähnlich der Go-Box in Österreich) wird überall an kleinen und größeren Mautstationen kassiert. Fahrt ihr ein etwas größeres Reisemobil, werdet ihr routinemäßig als LKW eingestuft, was mächtig ins Geld geht. Mit ein wenig Hartnäckigkeit (die Chefin kommen lassen!) kommt ihr als Lieferwagen ('Camionetta') durch, was einen Bruchteil kostet (und den offiziellen Mautregelungen entspricht). Voraussetzung offenbar, dass ihr hinten keine Zwillingsreifen fahrt EMOTICON. Je mehr ihr euch Santiago de Chile nähert bzw. je mehr Reisemobile durchkommen, desto besser wissen die Kassiererinnen Bescheid und verlangen von Haus aus nur den Camionetta-Preis. Bei zweimal 'rauf und 'runter auf der 'Ruta 5' haben sich die Mautkosten so auf 'nur' 180 Euronen summiert - durchaus angemessen!

Die Tatsache, dass für eine Strecke Maut kassiert wird, ist allerdings noch lange keine Garantie dafür, dass die Straße (meist ist sie 4-spurig) auch mit hoher Geschwindigkeit oder reduzierter Aufmerksamkeit befahren werden kann! Traktoren, Radfahrer, Fußgänger, Kühe, Ziegen, Bodenwellen mitten auf der Fahrbahn: auch auf Mautstrecken ganz und gäbe!

Vor allem auf den Nebenstrecken, allerdings auch auf den Hauptrouten (da ist es wegen der höheren Geschwindigkeiten folgenschwerer!!) müsst ihr - überall und zu jeder Zeit - mit zum Teil eklatanten Bodenwellen rechnen. Da werdet ihr schon mal aus dem Sitz katapultiert und müsst anschließend das Wohnzimmer neu einzuräumen! EMOTICON. Zu erkennen sind sie oft am schwarzen Reifenabrieb quer über die Fahrbahn. Gleiches gilt für das Gros der Brücken, die durchweg nicht auf Höhe der restlichen Fahrbahn liegen. Das holpert gewaltig - Schrittgeschwindigkeit ist da oft noch zu schnell!

Die in ganz Südamerika üblichen Bodenschwellen zur Reduzierung der Geschwindigkeit ('Topes', 'Lomo de Burros' o.ä.) kennen wir ja schon. Häufig sind sie ausgeschildert (oft allerdings kaum erkennbar), gelegentlich auch bewußt nicht gekennzeichnet und auf der Fahrbahn kaum auszumachen. Also bei Ortsein- und -ausfahrten immer vollste Konzentration! Und: "Tranquilo!" Zwei besonders hinterhältige Exemplare findet ihr auf der nördlichen Zufahrt nach San Martin de los Andes.

Ganz ähnliches gilt für das Gegenstück der 'Topes', nämlich die 'Baches', die an den Ausläufern der Berge zu finden sind. Es sind betonierte 'Kuhlen' quer über die Fahrbahn - zwischen zehn Zentimeter und zwei Metern tief - und sollen bei den seltenen Regenfällen Bäche und Flüsse in die rechte Bahn leiten - mithin Ersatz für teure Brücken. Nimmt man sie etwas zügig, schlägt auch hier schon mal die Federung durch und im Wohnzimmer ist Aufräumen angesagt!

Dass wir des Nachts nicht unterwegs sind, versteht sich von selbst. Für die Einheimischen gilt das hingegen in keiner Weise! Besonders ärgerlich, wenn ihr an einer scheinbar unbefahrenen und absolut ruhigen Nebenpiste nächtigt! Ihr könnt sicher sein, dass des Nachts jemand entlang­kommt, euch freundlich zuhupt und aus den Träumen reißt. Mir mindestens ein Dutzend Mal passiert!

Reparaturwerkstätten:

Foto Chile Die Marke des fahrbaren Untersatzes hat immensen Einfluss auf die Dichte des Werkstattnetzes. Soll ja vorkommen, dass auf 25 Tausend Kilometern über teils abenteuerliche Pisten das eine oder andere am Fahrzeug zu tun ist. Trägt euer Mobil den Stern auf der Kühlerhaube, findet ihr praktisch an jeder Straßenecke Hilfe; bei IVECO, SCANIA, MAN sieht das anders aus. MAN (Porsche) unterhält in Chile ganze drei Werkstätten, in Argentinien null, in Uruguay eine, in Brasilien dagegen eine ganze Reihe (dort werden die Brummis mit dem Löwen für Südamerika gefertigt). Über meine Erfahrungen mit der MAN-Werkstatt in Santiago de Chile muss ich mich nicht noch einmal auslassen (sh. hier).

Generell ist es Usus, dass der Kunde bzw. Fahrer die Ersatzteile besorgt und die Werkstatt des Vertrauens diese dann einbaut - wenn nicht der Fahrer selber. Läden für Repuestos gibt es ausreichend, doch Teile für ein europäisches Fahrzeug sind auch dort nur in Ausnahmefällen vorrätig und praktisch nicht zu beschaffen. Selbst für die Vertretungen der Marke MAN gilt das teilweise - unabhängig davon, ob ihr ein exotisches Ersatzteil braucht oder alltägliches Verbrauchsmaterial wie etwa Öl- oder Treibstofffilter. Dem Ersatzteilversand durch den ADAC werde ich künfig jedenfalls den Vorzug geben: das geht schneller und ihr erhaltet die richtigen Teile.

Allgemein - unabhängig von Marke und durchzuführenden Arbeiten - muss man sagen, dass es eine gute Idee ist, das eigene Gefährt in die Werkstatt zu begleiten und sich auch mit dem Mechaniker darunter zu legen. Erstens geben sich die 'Manager' oft ein wenig mehr Mühe, wenn ihr permanent auf der Matte steht und zweitens ist es durchaus ratsam, den Mechanikern auf die Finger zu gucken! Ein paar Wochen Ausbildung in der heimischen Werkstatt und am eigenen Fahreug wären hier Gold wert! Im Großen und Ganzen empfand ich die Betreuung im Norden (Equador, Peru) weit kundenfreundlicher als im 'straff organisierten' Süden!

Lärm:

Foto Argentinien An Lärm stört sich in ganz Südamerika keiner! Außer Euch vielleicht. Egal, ob schreiende Kinder, bellende Hunde, ohrenbetäubende Musik oder das auspuffbefreite Auto: ohne Lärm (in unseren Ohren) geht es nirgendwo ab. Ausnahme vielleicht die Atacama oder die menschenleere Pampa Patagoniens. Lärm gehört hier einfach dazu. Ohne Lärm kein Leben - oder so ähnlich.

Besonders ausgeprägt könnt ihr das auf den offiziellen oder inoffiziellen Campgrounds erleben. Argentinier und Chilenen drängt es in jeder freien Minute hinaus in die Natur - was ich bei dem engen Aufeinanderhocken in den Städten durchaus verstehen kann. Das passiert naturgemäß mit der ganzen (Groß-)Familie, mit Hund und Katz und Grill. Und mit Auto, bei dem man die Türen weit aufreißen und das Radio auf Anschlag drehen kann. Klingt irgendwie böse, ist aber so! EMOTICON

Hunde!

Eng verwandt mit dem letzten Thema. Hunde sind auch im Süden des Kontinents allgegenwärtig! Es dürfte kaum eine Familie geben, die nicht mindestens zwei oder drei davon ihr eigen nennt. Dazu kommt eine wahre Heerschar wilder Exemplare - nicht wirklich wild, nur eben ohne Eigentümer. Egal, ob wild oder mit Halsband - erzogen ist keiner von ihnen. Heißt, er bellt, wann, so laut und so lange er es eben für angemessen betrachtet. Mit besonderer Vorliebe nachts, wenn er die Schafherde vor hungrigen Wölfen schützen muss. Klar, vor allem mitten in der Stadt!

Die Hundeliebe der Chilenen geht soweit, dass in manchen Städten die Anwohner Hundehütten für die streunenden Vierbeiner zimmern. Auf dass die armen ihre Siesta nicht in der prallen Sonne halten müssen und nachts fit sind für das Hüten der Herde ... Die Häufchen der Vierbeiner allerdings liegen weiterhin mitten auf dem Gehweg und scheinen die Anwohner ungefähr soviel zu stören wie das Gekläffe ...

Camping:

Foto Argentinien Einen guten Teil der Zeit verbringen Reisende auf Camping- oder Stellplätzen. Ganz nebensächlich ist das Thema also nicht. Komfort und Standards wie auf einem (mittel-)europäischen Campingplatz dürft ihr hier allerdings nicht erwarten! Eine Toilette, ein Waschbecken, eine Dusche für fünfzig Gäste rangiert schon unter 5-Sterne-Camping! Zwingend hingegen sind eine Feuerstelle und ein Grill für jeden Stellplatz. Das nur vorab.

In Chile hat Camping ein eher schlechtes Renommee: die besseren Leute mieten sich für den Urlaub in Cabañas ein oder gehen gleich ins Hotel. Die restlichen eben zum Campen. In Argentinien ist Camping dagegen deutlich weiter verbreitet, vor allem in der Andenregion und an den wenigen Seen in der Pampa.

Das A und O beim Camping ist - da gibt es null Diskussion - der Grill. Die Parilla für's Asado. Gern mit Holzkohle, kostensparender jedoch mit Ästen und Bäumen aus der Nachbarschaft befeuert. Auf's Feuer kommen dann die halben Rinder, sprich riesige Steaks. Und die in Massen. Zutaten gibt's eher selten, allenfalls ein paar Kartoffeln vom Grill. Über all dem dröhnt das Autoradio in voller Lautstärke und alles findet - ganz natürlich - erst nach Sonnenuntergang statt. Kurz und gut: Campen = Grillen + Musik.

Was die Lage der Camps angeht, gibt es solche und solche. In den Ferienregionen gibt es einige ganz passabel gelegene Plätze (praktisch immer am Wasser), in den anderen Regionen liegen sie ausnahmslos an der Hauptverkerkehrsstraße. Heißt: unmittelbar neben der Straße, da trennt allenfalls der Maschendrahtzaun die Luftmatratze vom vorbeirauschenden Verkehr. Aber gegen Lärm scheinen die Südamerikaner absolut immun zu sein, das Thema hatten wir ja schon ... EMOTICON.

Foto Argentinien Für Reisende mit größeren Fahrzeugen kommt erschwerend hinzu, dass die Äste auf den Camps generell so tief hängen, dass wir nicht oder nur mit Kratzern drunterdurch kommen. Denn zu einem 'richtigen' Campground gehören schattenspendende Bäume! Und: "Je tiefer die Äste hängen, desto kühler ist der Schatten!"

Nicht verschwiegen werden soll, dass es auch andere Campingplätze gibt - richtig schöne! Abseits der Hauptstraße gelegen, mit nur einer Hand voll Stellplätze auf grünen Wiesen, mit toller Aussicht und tip-top gepflegtem Ambiente. Sind aber die absolute Ausnahme. Häufig sind sie von Europäern eingerichtet und betrieben - oder von ihnen übernommen worden. Die Gäste sind vorwiegend andere Europäer, die im großen Reisemobil oder im kleinen Leihwagen unterwegs sind. Dass diese Plätze nicht eben zu den Schnäppchen zählen, muss ich nicht extra sagen - aber zur Abwechslung sind sie mal höchst angenehm.

Im Großen und Ganzen kommt ihr in den genannten Ländern aber ganz gut ohne jeden Camp über die Runden. Mit ein bißchen Intuition und Kartenkunde findet ihr praktisch überall ein nettes Plätzchen für die Nacht - oder auch mal für den kleinen Urlaub zwischendruch. Nicht die Kosten sind es, die mich immer nach Plätzen in der freien Natur - oder auch mal mitten in der Stadt - suchen lassen, sondern die oben genannten Gründe. Autark zu sein bietet eben eine Menge Vorteile!

Obendrein hat mir ein netter Chilene mal gesteckt, dass wir Reisende in unseren Mobilen ja gar nicht campen, sondern nur unsere Fahrzeuge parken. Insofern sind wir bei den Einheimischen viel eher willkommen - oder geduldet? - als die Camper aus dem eigenen Land. Schön zu wissen! D'rum: lasst uns gemeinsam alles dafür tun, damit es auch so bleibt!

Das wohl aktuellste und umfassendse Verzeichnis von etablierten wie 'wilden' Adressen zum Nächtigen - aber auch Allem, was irgendwie mit Reisen zu tun hat (Gasfüllstationen, Wasserhähne, Supermärkte, ATM's, etc.) findet ihr unter www.ioverlader.com. Auch zum Download und Finden ohne WLAN.

Sprache:

Foto Argentinien Ich muss nicht extra erwähnen, dass in Argentinien, Chile und Uruguay Spanisch gesprochen wird. Oder so etwas ähnliches! Die Unterschiede zum Catalán, wie es drüben in Spanien, aber auch im Peru, Bolivien und den Ländern weiter nördlich fast akzentfrei und 'sauber' gesprochen wird, sind eklatant. In Chile und Argentinien gibt es Hunderte Wörter, die in keinem Spanisch-Lexikon zu finden sind. Von der Aussprache mal ganz zu schweigen. Zudem herrschen große regionale Unterschiede. Ich frage mich, wie sich jemand aus der Atacama mit einem aus Feuerland verständigen kann. Aber das soll es auch in gewissen Ländern Europas geben ... Jedenfalls ist es schon eine Herausforderung, sich auf immer neue Vokabeln und Aussprachen einzustellen.

Mit Englisch kommt ihr übrigens nicht sonderlich weit! Allenfalls in modernen Touristenzentren. Oder in Brasilien, wo von Haus aus eher Portugiesisch, respektive Brasilianisch gesprochen wird. Die gebildeteren Leute dort beherrschen aber oft auch Englisch. Oder Deutsch, wie im 'Valle Europeu' bei Blumenau.

Klima, Wetter, Wind:

Foto Chile Ein wahrhaft endloses Thema im Süden. Besonders im südlichsten Teil, in Patagonien. Das Wetter dort ist - mit einem Wort - äußerst durchwachsen. Vier Jahreszeiten an einem Tag sind eher die Regel. Dazu ein unablässiger, böiger - und meist kühler - Wind. Morgens, mittags, abends, nachts: es vergeht kaum eine Minute, ohne dass es draußen stürmt. Fahrer anderer Mobile berichten, dass sie vom Wind schon mal auf die andere Straßenseite geweht werden. Meine eigenen Sturmschäden sind auch nicht ganz ohne (sh. hier). Die Ursachen für den permanenten Wind könnt ihr hier nachlesen. Dass die Temperaturen dabei auch bei Sonnenschein nicht aus dem Keller kommen, muss ich nicht extra hervorheben.

Ein weiteres Klimaphänomen ist der Humboldtstrom, der - aus der Antarktis kommend - an der gesamten Westküste Chiles entlang gen Norden fließt. Der beschert Chile nicht nur das patagonische Eisfeld, das größe zusammenhängende Eisfeld außerhalb der Antarktis, sondern auch klirrend kaltes Wasser an den Badestränden und den gefürchteten Küstennebel der Atacama. Die Bewohner von Antofagasta und Iquique sind dort die Hauptleidtragenden, sie sehen die Sonne mit viel Glück mal für ein bis zwei Stunden am Nachmittag.

Foto Argentinien Der Gebirgszug der Anden ist die große Klimascheide des Kontinents. An der Westflanke (Chile) gibt's Regen in Hülle und Fülle, - zumindest südlich des 32.Breitengrads (Valparaiso) -, an der Ostflanke und der anschließenden Pampa (Argentinien) hingegen eher selten. Die Grenze ist dabei natürlich nicht mit dem Lineal gezogen, vielmehr schwappen jede Menge Wolken (mit Inhalt) über den Grenzkamm und 'beglücken' auch den östlichen Andenabhang. Besonders wichtig für die Reiseplanung ist das in der landschaftlich so reizvollen Seenregion rund um Osorno (Chile) bzw. San Carlos de Bariloche (Argentinien). Erst wenn ihr die Berge im Osten wirklich verlasst, könnt ihr von halbwegs stabilem, trockenem Wetter ausgehen.

An der Ostküste bringen eher die typischen Atlantiktiefs das Nass. Wechselhaft und unvorher­sehbar wie in unseren Breiten. Nicht umsonst fühlen sich hier so viele Europäer wie zu Hause. Eine übersichiche Zusammenfassung der langjährigen Klima- und Wetterdaten gibt u.a. www.weatherspark.com

Müll:

Foto Chile Müll, Abfall und Sauberkeit sind auch im südlichen Südamerika ein mächtiges Ärgernis. Ist zwar nicht ganz so schlimm wie in den nördlicheren Ländern, aber eben - leider - auch nicht zu übersehen. Zwar gibt es in den meisten Kommunen inzwischen so etwas wie eine Müllabfuhr, aber die kostet und das wollen sich viele sparen. So findet man immer wieder - vorwiegend an schlecht einsehbaren Stellen (wo die Sünder nicht entdeckt werden) - Abfallhaufen jeder Couleur. Besonders augenfällig sind die Hinterlassenschaften der Ausflügler, die die Reste ihrer Mahlzeiten - und Essen gehört zwingend zu jedem Ausflug - just dort 'ent­sorgen', wo sie anfallen: am Strand, am Camp oder am Parkplatz.

In vielen Kommunen erfolgt die Müllsammlung über Plastiksäcke, die am Straßenrand bereitgelegt werden müssen. Die sind natürlich - im wahrsten Sinne des Wortes - gefundenes Fressen für die streunenden Hunde! Der Plastiksack ist schnell zerfetzt, die zwei leckeren Knochen rausgezerrt und der Rest des Abfalls verteilt sich danach im weiten Umkreis. Der Müllmann sammelt nur noch die leeren Plastiktüten auf. Clevere Bewohner bauen eine Art Drahtkorb, einen Meter über dem Boden und mit Deckel versehen. Dort kommen die Hunde und Vögel nicht mehr so leicht an den Inhalt der schwarzen Tüten. Gute Idee und zur Nachahmung sehr empfohlen!

Foto Argentinien In den Nationalparks wird generell eine Politik des "Müll wieder nach Hause nehmens" betrieben. Gut gemeint aber von den Besuchern längst nicht überall praktiziert! Und: 'Ein Verbot erlassen' und 'Ein Verbot durchsetzen' sind in Südamerika zwei völlig getrennte Paar Stiefel. Nicht nur, was den Müll angeht!

Generell muss in all diesen Ländern noch sehr viel Umweltbewußtsein, noch sehr viel Müllbewußtsein geschaffen werden. Schule und Elternhaus sollten da mit gutem Beispiel vorangehen. Und selbstverständlich auch wir Reisenden!

Geld:

Grafik Argentinien Ein anderes Ärgernis sind - in Argentinien - die hohen Bankgebühren bei Abhebungen an Geldautomaten (VISA)! Pro Geschäfts­vorfall könnt ihr (Stand 02/2018) maximal 2000ARP (knapp 90EUR) an Bargeld abheben. Das könnt ihr dann beliebig wiederholen - bis zur Auschöpfung eures Kreditkartenlimits. Ärgerlich sind die Gebühren, die zwischen 100ARP und 200ARP (ca. 4,50EUR bis 9,00EUR; knapp zehn Prozent) betragen - unabhängig davon, wieviel ihr tatsächlich abhebt. In Argentinien scheint das bei jeder Bank fällig zu werden, in Chile erhebt zumindest die Banco Nacional de Chile derzeit keine derartigen Aufschläge (was sich aber jeden Moment ändern kann).

Zu beachten ist in Argentinien ferner der stark schwankende Wechselkurs respektive die hohe Inflation. Ratsam daher: nicht zu viel Bargeld bunkern!

Foto Chile Foto Chile Foto Argentinien Foto Brasilien Foto Argentinien

Soweit meine ganz persönlichen, diesmal etwas ausführlicheren Anmerkungen zum südlichen Teil Südamerikas. Einige Punkte mögen sich vermutlich ganz furchtbar und gräßlich abschreckend anhören. Dabei sollten wir die zahllosen Positiva Südamerikas aber nicht aus dem Auge verlieren! Denn die überwiegen jede noch so lästige Begebenheit um Längen!

Da möchte ich an erster Stelle die angerissene Reisefreiheit nennen, dicht gefolgt von der Freundlichkeit der Menschen. Daneben finden wir im Süden Südamerikas - regional etwas unterschiedlich verteilt - eine Weit­räumigkeit, eine landschaftliche Schönheit und eine weitgehend unberührte - wenn auch manchmal etwas rauhere Natur. Dinge, die wir gerade in Europa - wenn überhaupt - nur noch schwer finden können. Zudem wird hier ein Lebensstil gelebt, von dem wir Mitteleuropäer uns eine dicke Scheibe abschneiden könnten: "Leben und Leben lassen!" Gerade das macht in meinen Augen den gewaltigen Reiz der Region aus! Auch wenn sich die genannten Länder nicht mehr so sehr wie 'Südamerika', sondern eher wie 'Europa 2.0' anfühlen ...

Die reisetechnisch größeren Herausforderung hingegen findet ihr weiter im Norden!

Foto Uruguay Foto Argentinien Foto Argentinien Foto Chile Foto Argentinien

Grafik Rechts geht' weiter zum Resümee über den NORDEN: Kolumbien, Equador, Peru, Bolivien ...


Fußnoten:
(die Nummern führen zurück zur jeweiligen Textpassage ...)

Die Angaben gelten für Touristen aus D, A, CH und erfolgen ohne Gewähr. Aktuelle Einreise- und Einfuhrbestimmungen könnt ihr bei Botschaften und Konsulaten erfragen. Deren Webseiten dazu decken sich allerdings nicht immer mit den praktizierten Regelungen.

Südamerikaner scheinen generell keine Freunde der Sonne zu sein: breit­krempiger Hut oder Käppi mit Nackenschutz sind oberste Bürgerpflicht; das Auto im Schatten parken und den Grill unter dem schattenspendenden Baum entfachen ist mindestend ebenso wichtig!

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich (a) kein Sprachgenie bin und (b) seit der Spachschule in Cadíz dem Catalán gegenüber gewisse Vorbehalte mitbringe.

Wobei die Menschen im Norden doch noch um eine Nuance interessanter, freund­licher, offenherziger und hilfsbereiter sind.


Die geliebte Statistik

(Zahlen beziehen sich auf beide Runden: (1) Argentinien - Chile - Ushuaia - Montevideo; (2) Brasilien - Chile - Argentinien - Montevideo; incl. Exkursion nach Rapa Nui; incl. Fixkosten Heimat; excl. Intermediate 2017)

Plus Aufenthaltsdauer
676 Tage (1 Jahr, 10 Monate, 8 Tage)
Plus Gefahrene Kilometer: ca. 44.355 km
Plus Spritkosten: ca. 7.416 Euro
Plus Lebenshaltungskosten: ca. 7.078 Euro
Plus Übernachtungskosten: ca. 2.944 Euro
Plus Durchschnittliche Kosten pro Tag:
(Fixkosten Heimat eingeschlossen!)
ca. 105,61 Euro



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