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Nach recht genau drei Monaten in den USA (und inzwischen mit ein wenig Abstand) ist es wieder höchste Zeit für ein paar allgemeine Anmerkungen. Dinge, die in den Detailberichten nirgends reinpassten oder zu allgemein waren.

Vieles von dem, was ich schon über Canada geschrieben habe, trifft auch auf seinen südlichen Nachbarn zu. Wobei ich annehme, dass die USA eher Canada geprägt haben als anders herum.

Reiseland USA (Westen)

Weit verbreitetes Campingidyll ... Auch die USA, zumindest der Westen (nur den kann ich hier beurteilen) sind ein Reiseland par excellance. Das wissen allerdings auch die Einheimischen. Ein im Vergleich zu Europa viel größerer Prozentsatz der Bevölkerung lebt ganzjährig im Caravan bzw. Wohnmobil und zieht - den Temperaturen folgend - von einem Bundesstaat zum nächsten. Im Herbst nach Süden, im Frühjahr nach Norden.

Auch deswegen sind die meisten US-Wohnmobile wahre Monster in den Abmessungen. Den Touristen - speziell den aus Europa - erkennt man schon von weitem an der Winzigkeit seines Reisegefährts.

Eines der interessanteren Wohnmobile der US-Amerikaner Die Infrastruktur zum Reisen ist ideal. Es gibt mehr als genug Campgrounds. Eine unrühmliche Ausnahme bilden leider gerade die interessanten Nationalparks: da sind die Plätze oft mittags schon proppevoll. Abhilfe schafft nur die vorzeitige Reservierung übers Internet, allerdings ist man dann terminlich arg gebunden. Auch hier sind die besten Plätze schon Monate im Voraus vergeben! Der Individualreisende hat da immer das Nachsehen!

Die Preise der Camps in den Nationalparks sind kulant (8 bis 25 Euro pro Nacht, je nach Ausstattung) und die meisten Campgrounds sind landschaftlich toll gelegen (meist an Seen oder Flüssen) sowie prima ausgestattet. Picknickbank, Feuerstelle und Sichtschutz zum Nachbarn sind das Minimum. Ab und zu gibt's gratis Feuerholz und manchmal sogar Besuch vom tierischen Nachbarn: vom Streifenhörnchen bis zur Wapiti-Hirsch-Familie kannst Du alles erleben.

Ausnahmen gibt's allerdings auch hier: die Campgrounds in den großen Städten. Zum einen sind die wenigsten Plätze nahe an den interessanten Stadtvierteln gelegen, sodass man nur per Bus oder Bahn - oder noch öfters nur mit dem eigenen Vehikel - zu den Sehenswürdigkeiten kommt. Zum anderen sind die Preise meist gesalzen (40 bis 120 Euro pro Nacht) und die Stellplätze klein und wenig attraktiv - um nicht zu sagen: abstoßend. Im besten Fall ist der Nachbar durch einen Sichtschutz getrennt, oft auch nur durch eine Linie auf dem blanken Beton!

Schilder, Schilder, Schilder

Was darf man hier eigentlich außer Atmen und Staunen? Gibt's denn hier keine tierlieben Menschen? Auch in den USA sind Schilder allgegenwärtig! Soll noch mal einer über den deutschen Schilderwald jammern! Dabei kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass auch dem US-Amerikaner (wie dem Canadier) alles und jedes - per Schild - gesagt werden muss. Manchmal kommt man sich tatsächlich vor wie ein kleines Kind! Oder hätte etwa auch ich an der Grenze mein bißchen Verstand abgeben müssen?


Strassenverkehr

Einer der Hautvorteile, hier zu reisen, ist ... der Straßenverkehr. Es herrscht viel Verkehr! Die Zahl der Autos pro Haushalt ist wohl in keinem Land der Welt größer! Doch alles läuft easy! Die Straßen sind breit, zwei oder drei Fahrspuren pro Richtung schon fast das Minimum. Es gibt kein Gehupe, kein Gedrängel, kein Vorfahrt nehmen, kein riskantes Überholen! Man hat Zeit - besonders im Auto, wie's scheint! Gerade andersrum wie in Deutschland! Fährt man 'schnell mal' ins Nachbardorf, ist man nicht selten zwei, drei Stunden unterwegs. Da fallen die fünf Minuten an der Kreuzung - bis auch der allerletzte Querverkehr vorbei ist - nicht ins Gewicht! Und Fussgänger haben immer Vorfahrt! Steht einer meilenweit voraus am Bürgersteig, steigt man schon auf die Bremse. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig - besonders für den europäischen Fussgänger!

Dass hier viele Schilder stehen, habt ihr oben schon gelesen. Manche davon stehen ja auch an den Straßen und erleichtern die Orientierung. Auf dem neun Tausend Kilometern gab's keine Ortsdurchfahrt, keine Abzweigung, an der es irgend welche Zweifel gab, wo's langgeht. Ein Navi ist - sogar in den Städten - absolut überflüssig. Woran man sich gewöhnen muss, ist, dass auf den Wegweisern meist nur Straßennummern stehen, kaum mal das Ziel, wo die Straße hinführt. Hat man seine Landkarte vorher gut studiert, ist das nur von Vorteil!

Interesse oder ungezügelte Neugierde?

Welch ein komisches Gefährt steht denn da im Herbstwald? Dass die Lady Grey etwas Aufsehen erregt, ist mir seit Anfang an klar. Trotzdem wird mir die Neugierde der Amerikaner manchmal zu viel. Es vergeht kein Stopp - sei es an der Tankstelle, am Shoppingcenter oder auf dem Camp - ohne dass ich auf die Lady angesprochen werde.

Im Prinzip habe ich gar nichts dagegen - im Gegenteil! Aber auch hier macht der Ton die Musik. Fragten die Canadier höflich und freundlich, fragten nach dem 'Woher' und 'Wohin', höre ich hier einfach nur blanke Neugierde - nicht wirkliches Interesse. Natürlich gibt's auch ein paar Interessierte, doch in neun von zehn Fällen geht das Gespräch über "What kind of rig is this?"  oder "Is this a camper?"  nicht hinaus. Kein "How interesting!" , kein "Have a safe journey!" , kein "Good luck!"  zum Abschied. Nichts! Ja, manche Zeitgenossen laden sich gleich ungeniert ins Wohnzimmer ein und wollen die Lady Grey von innen besichtigen - ohne vorher auch nur zwei Worte mit dem Bewohner gewechselt zu haben! Nein Danke!

Supermärkte und Shopping Malls

Shopping Center vor den Toren des Joshua Tree Nationalpark Genauso easy wie der Straßenverkehr ist das Einkaufen. In den ganz abgelegenen Orten gibt's manchmal nur einen General Store, in dem man einen bestimmten Artikel vielleicht vergeblich sucht. In allen anderen Ortschaften gibt's mindestens einen der ganz großen Supermarktketten. Neben Hunderte Meter langen Tiefkühlschränken für alle denkbaren Fertiggerichte, für Pizzas, für Burgers und für Speiseeis gibt's auch eine schier grenzenlose Auswahl an frischen Sachen: Obst und Gemüse in einer in Europa unbekannten Vielfalt, frisches Fleisch, frischen Fisch (auch weitab vom Meer), frisch gebackenes Brot (meist aber nur Weißbrot; selbst das 'Vollkornbrot' ist pappig), Milcherzeignisse und Obstsäfte jeder Sorte. Daneben gibt's überall Theken mit warmen Gerichten oder Salatbars, an dem man sein Mittagessen ganz nach Vorliebe selber zusammenstellen kann.

Es gibt nichts, was man dort nicht erstehen kann! Außer Tee ohne Teebeutel ... haltbare Kuhmilch ... und wirklich schmackhaftes Brot: drei Dinge, die ich im ganzen Land vergeblich gesucht habe!

Das alles ist vergleichsweise preiswert - wenn auch nicht immer so schmackhaft, wie wir das aus Europa gewohnt sind.

Was immer wieder auf Verwunderung stieß, war meine strikte Ablehnung von Plastiktüten. Meist nahm ich ja meine eigene Stofftasche mit, beim größeren Einkauf schon mal den Einkaufwagen. Trotzdem sollte an der Kasse jedes Teil meines Einkaufs in eine Plastiktüte wandern - erst danach in meine Tasche bzw. den Einkaufswagen. Als ich dankend ablehnte, schaute man mich oft verwundert an und fragte - etwas verständnislos - nach dem Grund. Einmal wurde ich sogar vom Sicherheitsdienst aufgehalten, weil meine Einkäufe ohne Plastiktüten im Wagen lagen. Da müssen die Amerikaner noch gewaltig dazulernen! Californien will dieses Jahr einen kleinen Schritt in die richtige Richtung unternehmen: Wegwerftüten sollen innerhalb von fünf Jahren verboten werden - und an jeder Kasse müssen wiederverwendbare Taschen angeboten werden. Noch aber habe ich niemanden gesehen, der auch nur nach einer wiederverwendbaren Tasche gefragt hätte ...

Einen riesigen Vorteil bieten die meisten Supermärkte oder Shopping Malls für den Reisenden: auf den riesigen Parkplätzen - schließlich fährt ja jeder mit dem Auto zum Einkaufen - ist ausreichend Platz für Wohn- und Reisemobile. Oft wird sogar erlaubt, dass man über Nacht dort stehen kann. WALMART hat dazu sogar eine eigene App eingerichtet. Das nenn ich mal Kundenorientierung!

Sauberkeit

Die Vereingten Staaten und vor allem Californien sind sauber. Allerdings liegt das weniger an ihren Bewohnern, die die leere Coladose, die Schachtel des Hamburgers, den abgefahrenen Reifen oder das Autowrack 'ordnungsgemäß' entsorgen würden. Nein, zu verdanken ist die Sauberkeit zum einen natürlich der Müllabfahr, die auch um die Müllplätze herum sauber machen. In erster Linie verantwortlich aber sind Tausende ehrenamtlicher Helfer, die die Straßenränder von einfach und achtlos weggeworfenen Unrat säubern! Die 'Wohltäter' dürfen dann auch - über ein kleines Schildchen - am Straßenrand auf sich aufmerksam machen. Ohne sie würde das ganze Land buchstäblich im Schmutz versinken! Viele - um nicht zu sagen, die meisten - US-Amerikaner werfen ihren Müll einfach weg, wo er gerade anfällt. Irgend jemand wird's schon richten! Tolle Einstellung!

Sehenswertes

Tropische Idylle auf 2500 Metern Seehöhe: Heiße Quellen am Westufer des Yellowstone Lake. Neben Shopping Malls und Campgrounds gibt's natürlich eine Menge zu sehen. Eine ganze Menge! Vorwiegend in den Weststaaten - allen voran in Utah und Arizona - ist die Landschaft einfach faszinierend. Eine derartige Ballung von landschaftlichen und geologischen highlights findet man sonst wohl nirgends sonst auf der Welt!

Womit die Amerikaner das allerdings verdient haben, wird mir zeitlebens ein Rätsel bleiben! Sehenswert ist es allemal!

Resümee

Alles in allem kann ich sagen, dass sowohl die USA als auch Canada ganz tolle Reiseländer sind. Es gibt wenige andere Staaten, in denen sich die Vielzahl von Sehenswürdigkeiten - kultureller wie landschaftlicher Art - mit einer derartigen Einfachheit des Reisens paaren. Solltet ihr also euren Finger auf dem Globus wandern lassen in der Suche nach einem Reiseziel fürs nächste Jahr: USA (Westen) und Canada (Osten und Westen) sind definitiv eine Reise wert!

Well, soweit meine ganz persönlichen Anmerkungen zu den Weststaaten der USA.

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Die geliebte Statistik:

Plus Aufenthaltsdauer: 96 Tage
Plus Gefahrene Kilometer: ca. 9000 km
Plus Spritkosten: ca. 2100 Euro
Plus Lebenshaltungskosten (incl. kleinerer Neuanschaffungen): ca. 2300 Euro
Plus Übernachtungskosten: ca. 800 Euro
Plus Durchschnittliche Kosten pro Tag:
(Fixkosten Heimat nicht eingeschlossen)
ca. 64 Euro

Highlights (und Lowlights) der Etappe durch die Weststaaten der USA:

Plus Yellowstone Nationalpark kurz vor Toreschluss (Wyoming): Geysire, heiße Quellen, zwei Wasserfälle; an eindrucksvollsten die heißen Pools am Südufer des Yellowstone Lake Button
Plus Deutsches Brot in einer Bäckerei im Star Valley (Wyoming): nach wochenlangem matschigen Weißbrot wieder etwas Handfestes zwischen den Zähnen -
Plus Colorado Valley nahe Cisco (Utah): Landschaft wie im Grand Canyon bzw. Monument Valley, nur ganz ohne Touris. Button
Plus Grand Staircase - Escalante National Monument (Utah): der farbenfrohe Bryce Canyon und atemberaubende Felsformationen. Button
Plus Grand Canyon Southrim East (Arizona): Schlichtweg DAS HIGHLIGHT schlechthin; geologisch und landschaftlich hoch imposant; faszinierende Geschichte; ohne allzuviel Nepp. Button
Plus Grand Canyon Southrim West (Arizona): DER NEPP schlechthin für alle, die's nicht anders verdienen (oder mögen) Button
Plus Titus Canyon des Death Valley (California): geschichtsträchtige Piste zwischen senkrechten Felswänden Button
Plus San Andreas Verwerfung (California): furchteinflößende Risse in der Landschaft zeugen von den gewaltigen Kräften der Erde Button
Plus Joshua Tree National Park (California): pittoreske Felsen, Raum für lange Wüstenwanderungen und tolle Campsites Button
Plus Im Vergleich zu Canada fällt vor allem das fehlende Wildlife auf. Selbst in Montana (nahe der Grenze zu Canada) war keinerlei Wild entdecken. Dafür ein Menge Schilder mit Einschusslöchern! Das gleiche gilt übrigens auch für den Vergleich zwischen Alaska und Canada. Was es allerdings in Hülle und Fülle gibt sind (Schoß-)Hündchen bei Campern und Städtern. -


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