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ARG CHI


OCT 31 2017

Los Chorros - bei Coquimbo (Chile) (GPS: 29°21,393'S; 071°09,397'W)

Foto Chile

Warten ist nicht mein Ding! Eures vermutlich auch nicht. Ist man seinem (witterungsbedingten) 'Fahrplan' aber um Wochen voraus, bleibt nichts anderes übrig! Dabei tue ich die letzten Wochen schon arg langsam. Ganz nach dem allgegenwärtigen Motto Südamerikas "Tranquillo!" Bleibe mehrere Tage an Orten, wo es nichts zu sehen gibt - außer hübscher Landschaft und bunten Blumen. Fahre allenfalls ein oder zwei Stunden pro Tag, um ja nicht zu schnell vorwärtszukommen. Um ja nicht in scheußliches Wetter zu geraten! Der letzte Blick auf die Wetterkarte zeigt zwei ausgedehnte Tiefdruckgebiete. Eins nördlich, eins südlich von mir. Dort regnet es wie aus Kübeln! Warum soll ich mich also sputen, von diesem netten Fleckchen Erde wegzukommen?

Doch was tun in dieser Zeit? Drei, vier Tage lang kann ich mich mit Arbeiten an der Lady Grey prima vergnügen. Dann noch zwei, drei Tage Fotos, Webseite und Logbuch pflegen. Danach bleibt nur eins: Lesen!

Im großen Schlenker rund um Santiago [ARG] Im großen Schlenker rund um Santiago

Dass ich Städte nicht sonderlich mag, wisst ihr inzwischen. Santiago, die Hauptstadt Chiles ist da keine Ausnahme. Also einen großen Bogen schlagen und die gesamte Region auf der anderen Seite der Berge umfahren: in Argentinien.

Foto Argentinien

Der höchste Andenpass zwischen Chile und Argentinien, der Paso Aqua Negra mit seinen 4779m steht schon lange auf meinem Wunschzettel. Von La Serena nach Osten, durch das attraktive Weintal des Valle Elquí sollte mich die Piste über den Pass und auf direktem Weg zum argentinischen Dinosaurierpark bei Ischigualasto bringen, dessen Urtümlichkeit mir schon bei der letzten Runde imponiert hatte. Also wieder einmal: auf in die Berge!

Foto Chile Die Fahrt durchs Valle Elquí führt mitten hindurch zwischen ulkigen, von endlosen schwarzen oder weißen Netzen überdachten Weinfeldern. Von den in jedem Führer erwähnten UFO's ist allerdings weit und breit nichts zu sehen - vermutlich kommen die auch nur nachts. Dagegen wird das Tal zunehmend felsiger, enger und steiler. Dort wo nach einer engen Schlucht zwei Flüsse in den steinigen Rio Elqio münden, dort steht auch die Grenzstation: hundert Kilometer vor der eigentlichen Grenze. Doch die ist geschlossen! Der nette Gendarm erklärt mir, dass der Pass voraussichtlich erst in einem Monat geöffnet wird, wenn der Schnee weggeräumt und die weggespülten Straßenabschnitte neu gebaut sind. Dabei ist schon Anfang November und alle anderen Pässe sind längst befahrbar!

Foto Chile Also wieder zurück zur Ruta 5, der schnellen, aber wenig eindrücklichen Nord-Süd-Achse. Doch Halt! Sagte der Führer nicht etwas von einem alten Inkapfad durch die Berge? Der Blick auf die Karte bringt Gewissheit: ab La Serena soll tatsächlich eine Straße - oder Piste - durch die Andenausläufer führen. Vorbei an Ovalle, Illapel und Cabildo führt sie direkt nach Los Andes und damit zum Fuß des wichtigsten Passes über die Berge: den Paso Christo Redentor.

Die Route - die einzige Alternative zur Ruta 5 - führt auf Schotterstraßen und in stetem Auf- und Ab von einem Quertal zum nächsten. Von einem Dorf zum nächsten. Von einem Stausee zum nächsten. Einer malerischer als der andere. Eine wahre Genusstour - sofern man sich genügend Zeit nimmt. Und seit sich der letzte Touri hier herauf verirrt hat, sind viele, viele Jahre vergangen.

Foto Chile Am erinnerungsträchtigsten sind die vier Tunnel, die zwar nicht mehr aus den Inkatagen stammen, dennoch eng, dunkel und wellblechhaltig sind. Nicht an den Wänden! Nein, unter den Rädern! In zweien von ihnen muss man sogar um die Kurve zirkeln - mitten im Tunnel: ein Art Kehre - bei zwanzig Zentimetern Abstand zur Tunnelwand sind da gutes Augenmaß und volle Konzentration gefragt!

Foto Chile Der Aufstieg zum nächsten Pass ist auch nicht ganz ohne. Vor allem nicht ohne Verkehr. Der Paso Christo Redentor verbindet Santiago de Chile mit der Region um Mendoza (Argentinien) und stellt die meistbefahrene Verbindung zwischen beiden Ländern dar. Auf sechzig Kilometern klettert die gut ausgebaute Straße von 1000m auf knapp 3200m und kurz vor dem Grenztunnel sind vierundzwanzig Kehren zu meistern. Trotz beginnendem Hochsommer liegt oben noch jede Menge Schnee und der Schneepflug schleudert der Lady Grey eine dicke Ladung Streusalz an's Unterkleid.

Er ist nur drei Kilometer lang. Aber er trennt Welten. Und Klimazonen. Und Länder. Der Gipfeltunnel. Vor seiner Einweihung durften die Brummis noch Tausend Meter höher klettern und sich auf schnee- und steinschlaggefährdeten Pisten über den Gipfelgrat quälen. Heute ist es um vieles einfacher, dennoch sind im Winter Schneeketten Pflicht (und sicherlich sinnvoll!).

Am Tunnelausgang grüßt die argentinische blau-weiß-blaue Fahne und ein ebensolcher Himmel. Wie weggewischt sind die schweren, schwarzen Schneewolken der chilenischen Seite, die Sonne lacht vom Himmel und die paar Grad unter Null sind schnell vergessen. Die Berglandschaft ist noch bizarrer und deutlich wüster als auf der Westseite des Tunnels. Bäume und Sträucher sind Mangelware. Würde der Himmel vollends aufreißen, könnte man am linken Straßenrand den Aconcagua erspähen, den mit 6959m höchsten Gipfel Südamerikas .

Foto Argentinien Schaut man nach rechts, taucht bald nach der Zollstation ein farbenfrohes Felsgebilde auf: die Puente del Inka. Mit den alten Peruanern hat sie allerdings rein gar nichts zu tun - es handelt sich um Mineralien, die seit Jahrtausenden aus dem Gestein gespült werden und unter denen sich der junge Fluss eine schmale Schlucht gegraben hat. In dem wie hineingegossen aussehenden Steingebäude konnten die Besucher früher ihr Rheuma kurieren oder im warmen Thermalwasser plantschen. Seit einem Felsrutsch ist es allerdings geschlossen.

Foto Argentinien Mit jedem Meter, den der Höhenmesser nun fällt, klettert das Thermometer. Wie von Geisterhand hingezaubert tun sich bei Uspallata mächtige Eukalyptus- und Pinienwälder auf, die der lebens­feindlichen Landschaft mit einem Streich die Bizarrheit nehmen. Doch Uspallata ist nur eine erste Oase, nach einer weiteren öden und abweisenden Schlucht rollt man in die schier endlosen, grünen Felder der Mendoza-Region hinein. Dank seines sonnenreichen Klimas - und dem ausreichenden Nass aus den Bergen zur Bewässerung - gedeiht hier einer der besten Weine Argentiniens. Weinstöcke, soweit das Auge reicht: ihr frisches Grün haucht der sonst kargen Landschaft wohltuendes Leben ein.

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Foto Argentinien Das Nass muss nicht immer aus den Bergen kommen. Auch der Himmel ist - gelegentlich - voll davon. Auf der schnurgeraden und sonst so öden Straße nach San Rafael kann ich gemütlich aus dem Fahrerhaus zusehen, wie sich ein Gewitter über der Wüstenei austobt, das sich gewaschen hat. Über zwei Stunden lang zucken grelle Blitze aus dem tiefschwarzen Himmel, erhellen einen düsteren Regenschlauch, der sich aus den Wolken zum Erdboden ergießt. Je näher ich komme, desto greller zucken die Blitze und desto größer werden die Pfützen auf der Straße. Nass werde ich trotzdem nicht, denn die Lady scheint die Wolkentürme vor sich herzuschieben. Foto Chile Später im abgelegenen Cañon de Atuel fließen die letzten Wasser­massen gerade ab ... und die karge Wüste erblüht in ungeahnten Farben.

Der Schlenker rund um Santiago ist damit fast komplett. Statt anonymer Wolkenkratzer, sechsspuriger Highways und atemberaubendem Verkehr durfte ich bizarre Berglandschaften, malerische Wüsteneien und ein sicher nicht alltägliches Gewitter bestaunen. Ein weiterer Pass, der Paso de Puelche - nur noch 2553m hoch - bringt mich zurück auf die chilenische Andenseite. Auch hier liegt oben noch unerwartet viel Schnee. Der speist nicht nur einen ausgedehnten, malerischen Stausee, sondern auch ein gutes Dutzend imposanter Wasserfälle, die sich im Tal des Rio Maule in die Tiefe stürzen - in einer Landschaft, in der der nächste Vulkan nicht weit sein kann.

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Umdenken im Land der Vulkane: rund um Osorno [CHL] Umdenken im Land der Vulkane: rund um Osorno

Wieder geht's ein paar hundert Kilometer auf der Ruta 5, der man einfach nicht entrinnen kann, nach Süden. Kaum sind Victoria und Curacautin passiert, gewinnt die Landschaft wieder an Abwechslung: wir sind in der Provinz 'Araucania', die ich ja schon auf der ersten Tour ausgiebig erkundet hatte (hier). Wenig später rollen wir auf schmalen Pisten in die Region 'Los Rios', in der nicht etwa die Flüsse das Aufsehenerregende sind, sondern die Seen, denen sie entspringen. Da ist einer schöner als der andere, alle leuchten in tiefem Blau und hinter ihnen erheben sich Bilderbuchvulkane mit ihren weißen Schneekrägen.

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Eine Region, die man ohne Übertreibung zu den schönsten ganz Chiles zählen kann. Selbst ich als ausgemachter Wüstling muss das eingestehen! Hier kann man jeden Tag an einem anderen Platz stehen, Wandern gehen, am Strand sitzen und die tolle Aussicht genießen. Ein Plätzchen herrlicher als das andere. Zwischendrin kann man Touris bestaunen, die auf dem Volcan Osorno ihre Schitouren ziehen (der Lift ist seit Wochen eingestellt) oder beim Rafting auf dem reißenden Rio Petrohue ihren Adrenalinspiegel aufbessern.

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"Wenn du die 'Carretera Austral' noch im Dezember fährst, hast du wahrscheinlich besseres Wetter als im Januar oder Februar!" So rät mir Sergio bei meiner Stippvisite in der Lodge Suizandina. Er hat viele Jahre unten gearbeitet und sollte wissen, was Sache ist. Also werde ich gleich durchstarten und die Tage in der herrlichen Landschaft zu Füßen der Vulkane für die letzten Vorbereitungen vor der Abenteuerroute nach Patagonien nutzen: Putzen, Einkaufen, Vorräte bunkern und bei der Lady nach dem Rechten sehen.

Das letztere hätte ich nicht tun sollen. Denn nun muss ich wieder umdenken. Umplanen. Das Abenteuer abschreiben. Kleinere Brötchen backen!

Foto Chile Warum denn das? Ein Blick an die Hinterachse der Lady Grey deckt ein Ölleck auf. Dort wo die Kardanwelle ins Differential mündet, ist ein Simmering undicht, das Öl rinnt heraus und die Welle schleudert es in alle Ecken. Mist, Mist, Mist! Es ist zwar Nichts, was jetzt sofort in die Werkstatt muss oder den Abbruch der Reise bedeuten würde. Aber eine tausend Kilometer lange Piste durch nahezu unbewohnte Regionen möchte ich mit diesem Leck nicht angehen. Dazu kommt, dass das nicht identifizierbare Klappern an der Vorder­achse, das mich seit Canada begleitet, in den letzten Wochen hörbar lauter wird. Zwei Dinge - zusammengenommen, die mich schließlich einlenken lassen: ich muss nicht jedes Mal mit dem Kopf durch die Wand!

Vielleicht sind es auch nur die Alternativen, die zu sehr locken: das Seenland auf der argentinischen Seite, die malerische Ruta de Siete Lagos, das alpenländische San Martin de los Andes, die erfrischende Region um den Vulkan Lanin? Dort drüben finde ich sicher die eine oder andere Gelegenheit, die Seele baumeln zu lassen, um den 'Verlust' der 'Carretera Austral' zu überwinden.

Foto Chile Eigentlich hatte ich mir diese Abenteuerroute - landschaftlich wie fahrerisch höchst interessant und abwechslungsreich - quasi als Krönung der Süd­amerikaetappe bis ganz zum Schluss aufgehoben. Danach hätte ich guten Gewissens verschiffen können - in der Überzeugung, 'alles Sehenswerte' in Südamerika gesehen zu haben. So muss ich nun halb verrichteter Dinge wieder abziehen! Andererseits ist es auch ein mehr als guter Grund, noch einmal herzukommen. Denn außer der 'Carretera' hat Südamerika noch einiges zu bieten, was ich mir ansehen - oder noch einmal ansehen - möchte. Vor allem oben im Norden: in Peru, Bolivien und Kolumbien habe ich sicherlich längst nicht 'Alles' gesehen!

Foto Chile Noch aber schmerzt die selbsterteilte Absage! Ob aus Sympathie oder aus anderen Gründen: jedenfalls schlägt das Wetter rapide um. Drei Tage lang kann ich von meinem exponierten Parkplatz am Fuße des Vulkans Osorno den Wolken beim Ziehen zusehen. Dann packt mich endgültig der Frust und ich wechsle auf die argentinische Seite, flüchte unter den großen Regenschirm der Anden. Noch mehr Grau hält mein seelisches Gleichgewicht nicht aus. Auch wenn es erst in zwei Monaten oder so fährt: nun bin ich endgültig auf dem Weg zum Schiff!

Das Ende hat einen Anfang genommen.

Autokultureller Höhepunkt: Moncopulli [CHL] Autokultureller Höhepunkt: Moncopulli

Der Weg in schöneres Wetter - und hoffentlich positivere Stimmungen - führt von Osorno direkt nach Osten, durch den Nationalpark Puquehue hinüber nach Villa La Angostura und San Carlos de Bariloche in der argentinischen Seenregion.

Vorbei an einem kleinen Hinweistaferl, das in völlig untypischer, altdeutscher Schrift auf ein Museum hinweist. Da gerade der Magen knurrt, setzte ich flugs den Blinker: dem Museum ist ein nettes Restaurant mit einheimischer Küche angeschlossen. Doch zunächst die 'Arbeit'!

Foto Chile Don Bernardo, der pommernstämmige Besitzer des Museums Moncopulli führt den Besucher höchstpersönlich durch seine Sammlung. Zu jedem Vehikel weiß er die eine oder andere Geschichte zu erzählen. In Spanisch/Chilenisch ebenso wie in Deutsch, Englisch oder Französisch. Wortreich erzählt er, wie er zu seinen vielen Autos gekommen ist. Und warum es keine europäischen sind, sondern (fast) ausschließlich amerikanische Studebakers: seine chilenische Frau hatte offenbar mächtig ihre Finger (und ihr Geld) im Spiel, um aus Bernd (er zählt knappe achtzig Lenze) in späten Jahren einen passionierten Autosammler zu machen. Über einhundert­fünfzig Fahrzeuge (alle stammen aus Chile und sind fahrbereit) glänzen inzwischen in den Hallen, in denen früher Traktoren, Pferde und Kühe standen.

Foto Chile Seine Sammlung an prächtig restaurierten und chromblitzenden Limousinen wird ergänzt durch ein halbes Dutzend deutscher Autos - allen voran ein prächtiger Opel Kapitän. Lustige und unvergessene Erinnerungen ruft bei mir die Hintergrundmusik aus den 50-ern und 60-ern wach. Mehr noch zwei Exponate, mit denen ich mein halbes Leben verbinde: ein 'Mini 850', dem ich mein Reisefieber zu verdanken habe und ein UNIMOG, mit dem ich ver­sucht hatte, dieses Reisefieber zu kurieren! Ohne großen Erfolg, wie ihr wisst! Jedenfalls ist es pure Sentimentalität, der ich den restlichen Nachmittag nachhänge. Irgendwie zur Stimmung passend.

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Zum dritten Mal: Weihnachten in Südamerika [ARG] Zum dritten Mal: Weihnachten in Südamerika

Schon zum zweiten Mal in den letzten drei Wochen spiegelt das Wetter getreulich meinen Stimmungszustand wider! Oder funktioniert das etwas andersherum? Jedenfalls herrscht strahlender Sonnenschein, als ich am Montag die Ruta de Siete Lagos unter die Räder nehme. Inzwischen zum dritten Mal rolle ich aus dem recht touristischen Villa La Angostura hinaus, muss aber schon nach fünf Kilometern, am Lago Correntoso den ersten Fotostopp einlegen.

Recht viel weiter komme ich auch den Rest der Woche nicht! Ein See nach dem anderen gleitet vor die Kameralinse, einer idyllischer als der andere. Schon am Rio Traful ist Schluss mit Fahren, zu sehr lockt der See und der idyllische Camp am Ufer. Der rechte Ort, die restlichen Vorbereitungen zum Fest zu erledigen. Vorbereitungen wie Plätzchen essen, Stollen anschneiden und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

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Foto Argentinien Mit dem schönen Wetter ist allerdings pünktlich zum vierten Advent Schluss. Ein ausgedehntes Tief schiebt sich aus Chile herüber und weckt die Frage, wer bitteschön den großen Regenschirm, den der Andenhauptkamm für den Osten eigentlich darstellen sollte, so schnell zugeklappt hat: Regen, Regen, Regen. Regen, dass man morgens gar nicht die Vorhänge öffnen will, um nicht schon wieder die bekannten, dicken Rinnsale an den Scheiben zu sehen.

Und offenbar bringen finstere Wolken auch finstere Gedanken mit sich EMOTICON ...

Ketzerische Erleuchtung zum Fest [ARG] Ketzerische Erleuchtung zum Fest

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Gut, dass wir im Jahr 2017 leben - respektive 2018. Nicht im Jahr 1617. Damals hätte ich mir auf dem Scheiterhaufen sicher ein paar deftige Brandblasen geholt! Wir schreiben den 24.Dezember. Weihnachten, für die Christen gemeinhin ein Fest der Freude, der Geschenke und der Besinnung.

Gedanken mache auch ich mir. Allerdings ziemlich ketzerische - nach dem Maßstab von 1617. Ein großer Freund von 'Glauben' - vom Akzeptieren unbelegter Behaup­tungen - war ich mein Lebtag nicht gewesen, aber just am 'Heiligen Morgen' habe ich eine Vision, die mich zunächst nur nachdenklich stimmt, später aber - nach dem Studium einiger aufschlussreicher Bücher - vollends vom Glauben abrücken lässt.

Vor allem von diesem Glauben.

Nein, ein 'Christ' möchte ich nicht mehr sein! Zu groß wäre meine Scham, kein 'gutes Leben' zu führen, wie Bertrand RusselINFO sich ausdrückt. Schließlich bleiben mir nur noch ein paar Jahre bis zum 'Jüngsten Gericht', wo ich - ganz zum Schluss - der Gesellschaft, mehr jedoch mir selber gegenüber Rechenschaft ablegen muss über mein Leben. Das möchte ich - eigentlich - mit erhobenem Haupt tun können!

Ich möchte nicht zu sehr in die Details gehen - diese Seite handelt schließlich vom Reisen! Doch wie sagte schon Hermann Keysering: "Der kürzeste Weg zu sich selbst führt um die Welt herum." Bin ja gerade mal auf halber Strecke ... In diesem Sinne möchte ich euch auch an diesem Stück des Weges teilhaben lassen (rechts) ... weiterlesen

WoMo-Treffen in San Martin [ARG] WoMo-Treffen in San Martin

Foto Argentinien San Martin de los Andes am Nordende der argentinischen Seenplatte ist ein nettes, vielleicht etwas touristisches Städtchen. Im Winter geben sich hier Schifahrer, Tourengeher und Snowboarder die Klinken der Sportläden und Tourenanbieter in die Hand. Im Sommer ist es augenscheinlich Treffpunkt der Camper und Wohnmobilfahrer. Der argentinischen, wohlbemerkt! Zu schön ist aber auch die Gegend, die man von hier aus erkunden kann! Erkunden könnte - sofern das Wetter mitspielt.

Foto Argentinien Bei dem unbeständigen, kaum vorhersehbaren Wetter - in Bayern würde man 'Aprilwetter' dazu sagen, aber wir schreiben Anfang Januar und befinden uns auf der Südhalbkugel - kann man eigentlich gar nichts unternehmen. Außer vielleicht durch den Ort watscheln, wo an jeder Straßenecke ein Café wartet, in dem man Unterschlupf vor dem nächsten Schauer findet. Um ein Haar hätte ich mich dabei noch verlaufen (nicht wegen des leckeren Irish-Coffee), schauen sich die parallelen Hauptstraßen und die holzverkleideten Häuschen doch alle furchtbar ähnlich. Eine Stadt aus der Retorte eben.

Was mir beim Rundgang ins Auge sticht, sind die ulkigen, aber hübsch anzusehenden argentinischen Wohnmobile. Die meisten sind schon etwas betagt, aber einfach und praktisch eingerichtet: die riesige Auswahl an Spezialteilen wie in Deutschland findet man hier natürlich nicht. Trotzdem taugen sie allesamt offenbar prima zum Reisen - vor allem, wenn man die südamerikanische Devise befolgt: "Tranquilo!"

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Geheimtipp: Villa Pehuenia [ARG] Geheimtipp: Villa Pehuenia

Für die Einheimischen ist er längst keiner mehr. Trotzdem sucht man die Touri-Massen vergebens - auch die argentinischen. Und in einem europäischen Reiseführer werdet ihr den Ort sowieso vergeblich suchen. Dabei ist er ein wahres Kleinod, etwas abseits gelegen, aber: landschaftlich allererste Sahne!

Das fängt schon bei der Anreise an: die führt durch wunderschöne lichte Araukarienwälder, an quirligen Bächen entlang und über sanft geschwungene Hügel. Kurz vorm Ziel öffnet sich dann der Blick auf den Lago Aluminé und seinen Zwillingsbruder, den Lago Moquehue. Welcher unterm Strich der schönere ist, müsst ihr selber entscheiden. Villa PehueniaINFO, der einzige Ort weit und breit, liegt im Lago Aluminé, auf einer malerischen Halbinsel nahe der Engstelle ('La Angostura'), die beide Seen verbindet.

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Was die Region so besonders macht, sind Hunderte von romantischen, unbewohnten Inseln, die verstreut in den kristallklaren Wassern der beiden Seen liegen. Zu erreichen sind sie am besten mit dem Boot, mit dem eigenen oder dem aus dem Kanuverleih am Strand. Rund um die Inselchen reiht sich eine malerische, sandige Bucht an die andere. Jede lädt ein zum Schwimmen, zum Abschalten, zum Relaxen, zum Nichtstun. Zum Leben eben!

Die Buchten des 'Festlands' sind nicht weniger malerisch. Auf ihren Felsen kleben wie überdimensionale Schwalbennester oft ebenso malerische wie aussichtsreiche Ferienhäuschen der Besser-Betuchten. In den lichten Wäldchen dazwischen aber kann man getrost sein Zelt aufschlagen oder das WoMo parken - ganz wie es beliebt. Nur Feuer machen ist nicht gern gesehen - zu schnell ist der junge Wald zu Asche gemacht.

Foto Argentinien Den besten Überblick über all die Schönheit bietet der hauseigene Vulkan, der Volcano Batea Mahuida, den man entweder im 4WD oder besser bequem zu Fuß ersteigen kann. Von seinem Gipfel schweift der Blick nicht nur zu den malerischen Seen in der Tiefe sondern auch zu einem munteren Quintett noch heute tätiger Vulkane - fast alle in greifbarer Nähe: der Lanin (3776m), der Villarica (2840m), der Llaima (3125m), der Tolhuaca (2806m) und ganz im Norden der Capahue (2980m).

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Also: wenn ihr das nächste Mal am Weg seid: jetzt wisst ihr, wo's wirklich schön ist! Im Winter könnt ihr hier auch prima langlaufen, die Pisten mit hauseigenem Lift sind allerdings eher was für die Zwergerl.

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Button Die bekannte Statistik und ein paar persönliche Anmerkungen zum Süden Südamerikas
gibt's natürlich wieder rechts ...

Anmerkungen:

Fußnote 1: Der Aconcagua liegt eindeutig auf der argentinischen Seite des Andenhauptkamms, was die Chilenen ganz furchtbar wurmt. Auf der restlichen Andenkette war die Grenze praktisch von Gipfel zu Gipfel gelegt worden. Nur den Aconcagua hat man irgendwie 'übersehen'. Chile ließ den Gipfel schon zweimal neu vermessen in der Hoffnung, dass sich einer der chilenischen Berggipfel doch noch als höher erweist - vergeblich!

Fußnote 2: Ein Mini 850 war meine erstes 'Wohnmobil'! Mit ihm unternahm ich 1978 die erste Reise nach Afrika, auf der sich mein kurz vorher entflammtes Reisefieber zu einer dauerhaften Infektion auswuchs.