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Gleich noch ein Höhepunkt: Ecuador (1)

ECU GAL


Dec. 15 2015

Ibarra (Ecuador) (GPS: 00°22,868'N; 078°05,381'W)

Foto Weihnachten ist nicht mehr weit! Schon brennen zwei Kerzen auf dem Bananenblatt, das uns als Adventskranz dient. Ein Dutzend Traveller aus allen Erdteilen sitzt am Lagerfeuer und erzählt Geschichten aus der Heimat. Ihre Rucksäcke liegen in den schmucken Cabañas, ihre Zelte und Reisekutschen stehen auf dem gepflegten Rasen. Und Reisekutschen gibt's in allen Größen: das 200-er Moped (mit einem schwer bepackten deutschen Pärchen) auf dem Weg nach Patagonien, das einheimische Tuk-Tuk auf dem Weg nach Alaska, der betagte VW-Bus auf dem Weg um die Welt, die Lady Grey oder das 40-Fuß-US-Reisemonster auf dem Weg nach Brasilien: kein Reisender lässt die schmucke Finca links liegen! Patrizia und Hans, die deutschen Eigentümer tischen leckere Lasagne, selbstgebackene Kekse und heimischen Christstollen auf.

Viele nennen diese Zeit ja die 'staade Zeit' und stürzen sich umso intensiver in den Einkaufstrubel der Städte. Das ist in Quito und Ibarra nicht anders als in München oder Hamburg. Der 24. Dezember kommt ja jedes Jahr so völlig überraschend ... vom Stress aber lässt sich hier am See keiner anstecken. Im Gegenteil! Nach den herrlichen Tagen in Kolumbien und dem interessanten Abstecher nach Galapagos schalte auch ich einen weiteren Gang zurück und genieße die Zeit auf der herrlichen Finka Sommerwind [ECU] Finca Sommerwind nahe am Äquator. Lasse die Seele baumeln, gehe wandern in den umliegenden Bergen ... und schreibe ein paar Zeilen fürs Tagebuch ...

Auf der Südhalbkugel

"Wie oft war'st du denn schon am Äquator?" fragt mich José, der Führer am Mitad del Mundo. Er will mir eine sündhaft teure Äquatortaufe aufschwatzen, mit Sekt, Urkunde und allem Klimbim. Nicht unfreundlich, aber mit Nachdruck. "Schon vier Mal bin ich über den komischen Strich gerollt! Auf jedem Kontinent ist er irgendwie markiert!" antworte ich. Er staunt nicht wenig. "Wo war denn das?" will er natürlich prompt wissen. "Zum ersten Mal 1987 in Afrika, in Kenia , dann im gleichen Jahr noch zweimal in Indonesien ... und genau zehn Jahre später, 1997, wieder in Kenia ... zufällig auf der gleichen Straße wie beim ersten Mal!" "Aber noch nie in Südamerika!" probiert er es ein allerletztes Mal ...

Foto Trotz ausgeschlagener Taufe erzählt mir José noch eine Menge über die weiße Linie, die quer über die Straße verläuft. Über die Stätte, die etwas missverständlich Mitad del Mundo (Zentrum der Erde) heißt. So stand genau hier, auf der wahren Äquatorlinie schon in den Zeiten vor den Inkas eine riesige Sonnenuhr. Nicht unähnlich dem heutigen Monument: ein langer Stab in der Mitte und am Boden Steinreihen, die den Schatten des Stabs zu verschiedenen Zeitpunkten des Jahres markieren. Zudem - so erklärt er nicht ohne Stolz - habe man in jüngster Zeit weitere Steinsetzungen aus der Vor-Inka-Zeit gefunden, Foto die zusammen mit dem zentralen Monument die wichtigen Zeitpunkte wie die Sonnwenden (Frühling und Herbst) und die Zeiten des höchsten und niedrigsten Sonnenstandes markieren. Bis zu 40 Kilometer liegen die restlichen Bauwerke entfernt und ergeben eine hochgenaue Peilmöglichkeit. Erst auf diesem Umweg hatte man die arg verfallenen Bauten überhaupt entdeckt. Die Präzision, mit der diese gigantischen Sonnenuhren gebaut worden waren, verblüfft noch heute jeden Astronomen. Die Marke der internationalen Vermessungsgesellschaft, die 2013 die Position mit hoch­genauen Gerätschaften vermessen hat, liegt keine zwanzig Zentimeter neben der Marke der Vor-Inkas! Welch sagenhafte Leistung! Wer diese intelligenten Vor-Inkas allerdings genau waren, kann mir auch José nicht sagen.

Wie zum Hohn liegen die 'modernen' Markierungen des Äquators aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die die Spanier und Franzosen vermessen hatten, über zweihundert Meter zu weit im Süden. Irgend jemand muss sich da gehörig verrechnet haben! Peinlich, peinlich!

Ein bedrohtes Paradies: Galapagos

Galapagos [ECU] Foto Neunzehn Inseln, fünf davon bewohnt, Tausend Kilometer vom Festland Ecuadors entfernt. Irgendwo in der endlosen Weite des Pazifischen Ozeans. Viele nur ein paar Seemeilen südlich des Äquators, zwei nördlich davon. Dazu noch an die Hundert Eilande, kleiner als ein Quadratkilometer, blanke Felsen und Vulkankegel. Das sind die Galapagos Inseln. Wer hier am Äquator tropische Vegetation, Dschungel, dampfende Wälder oder wassertriefende Wiesen erwartet, der wird gleich nach der Ankunft auf der Hauptinsel Baltra mächtig enttäuscht. Selbst die Temperaturen sind alles andere als tropisch!

Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - herrscht eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die man anderswo vergeblich sucht. Viele der Arten sind endemisch, man findet sie nur hier. Das macht die Inseln zu einer herausragenden Stätte für Vogelkundler und Naturforscher. Und natürlich für Touristen! Mehr als 200.000 Touris aus aller Welt geben sich jährlich die Klinken der schmucken Hotels und noblen Yachten in die Hand. Trotz 120 US-Dollar Eintritt für den Nationalpark (pro Anreise), die in 2016 auf über 200 US-Dollar steigen sollen.

Foto Dabei kann man auf den Inseln nicht nur die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt bestaunen. Auch ein paar Stunden Nachhilfe in Geografie, Erdgeschichte, Plattentektonik und Vulkanismus sind angesagt! Denn dem Vulkanismus und der Tektonik verdanken die Inseln überhaupt ihr Dasein. Und ihren ständigen Wandel. Die Inseln liegen - ähnlich wie Hawaii - direkt über einem sogenannten Hot Spot, wo die Magma des Erdinneren in einem Schlot bis direkt unter die Erdkruste aufsteigt - und sich in regelmäßigen  Eruptionen 'Luft verschafft'. An der Erdoberfläche entstehen daraus Vulkane, unter Wasser neue Inseln. Und so bildete sich über ein paar Jahrmillionen hinweg der ganze Galapagos Archipel. Und bildet sich weiterhin. Erst im Jahr 2009 gibt's den letzten größeren Vulkanausbruch (auf Fernandina) - ganz im Westen - die Insel wächst um einige Quadratkilometer.

Foto Auch das belegt die Theorie der Entstehung: die Inseln liegen allesamt auf der sogenannten Nasca-Platte, einer tektonischen Scholle vor Südamerika. Und dieses Stückchen Erdkruste bewegt sich - angetrieben durch die vulkanischen Aktivitäten - mit ziemlich genau sieben Zentimeter pro Jahr nach Südosten, wo sie unter die südamerikanische Platte abtaucht. So kann man an Hand der Positionen der Vulkane recht genau bestimmen, wie alt die jeweiligen Inseln sind: die ganz alten liegen im Südosten und je weiter man nach Nordwesten kommt, desto jünger werden die Inseln (resp. die Vulkane darauf). Ein aufgeschlagenes Buch der Erdgeschichte!

Foto So präsentieren sich die meisten Inseln eher als 'Geschichtsbuch' denn als tropische Inselparadiese. Zudem gibt's auf den größeren ein ganz ausgeprägtes Wetter­phönomen: im Süden Wolken, Nebel und Regen, im Norden Sonnenschein und blauer Himmel. Warum? Nun, der Wind weht - jahrein, jahraus - aus Süd bis Südost und bläst die Wolken über dem kalten Humbold-Strom vor sich her. An den Südflanken der Berge - wenn man sie denn 'Berge' nennen darf, die höchsten sind an die 900m hoch - regnen sich die Wolken ab und schaffen ein feuchtwarmes Klima mit entsprechender Vegetation: saftige Viehweiden, Bananenplantagen, ja sogar eine Art Nebelwald. Hinter'm Berg ist vom vielen Nass aber nichts mehr übrig und mit einem Schlag wird die Vegetation aride, steppenartig, oft wüstenähnlich! Ein Kontrast, der seinen ganz speziellen Reiz hat!

Foto Und wie kommt der Mensch hierher? Nachdem sich die Vulkane ein paar Jahrmillionen lang ausgetobt hatten, segelt 1535 zufällig der damalige Bischof von Panama ( Thomás de Berlanga) des Wegs (er war auf dem Weg nach Peru vom Kurs abgekommen) und nimmt die Inseln kurzerhand für Spanien in Besitz. Das aber hat - trotz des verlok­kenden Namens Islas Encantadas (verzauberte Inseln) - kein rechtes Interesse an dem Archipel, vermutlich, weil es (bis heute) kaum Trinkwasser gibt. 1832 schließlich verleibt General José María Villmil die Inseln - inzwischen nach den Riesenschildkröten (spanisch 'Galapagos') umbenannt - dem neuen Staat Ecuador ein.

Foto So richtig bekannt werden die Inseln 1835 mit Charles Darwin, der auch hier Flora und Fauna intensiv studiert und auf ihrer Grundlage seine berühmte Evolutionstheorie erstellt. Noch heute ist er ein gefeierter Mann: die Tierforschungs- und Aufzuchtstation in Puerto Ayora sowie eine ganze Gruppe der hier beheimateten Finken tragen seinen Namen. Daneben erinnern nicht weniger als vier Büsten auf der Strandpromenade an den berühmten Forscher. 120 Jahre später machen die Inseln wieder von sich reden, als Thor Heyerdahl Überreste von Ansiedlungen aus der Vor-Inka-Zeit entdeckt (möglicherweise von Bewohnern europäischer Herkunft). Seit 1959 ist der ganze Archipel (mit ganz wenigen Ausnahmen) Nationalpark und steht seit 2001 unter dem Schutz der UNESCO - eingestuft als 'gefährdet' bzw. auf der 'Roten Liste' geführt.

Foto Was aber macht das Klima des Archipels so attraktiv für die Tierwelt? Nun, hier gibt's das beste aus beiden Welten! Kalt genauso wie warm! Will heißen, der kalte Humbold-Strom führt während neun Monaten des Jahres kaltes, nährstoffreiches Wasser aus der Antarktis heran. So fühlen sich sich hier Grau- und Buckelwale wohl, ja sogar Pinguine, die doch eher im Kühlen zu Hause sind. Die Wassertemperaturen liegen dann allenfalls bei 20°C. In den übrigen Monaten aber herrscht der Panamastrom aus Norden vor und führt warmes, tropisches Wasser heran, was wieder andere Tiere ganz toll finden.

Allerdings sind Tier- und Pflanzenwelt nicht ohne Grund als 'gefährdet' eingestuft. Zum einen gibt's da das El-Niño-Phänomen, das alle paar Jahre Klima und Strömungen durcheinanderwirbelt und für eine deutliche Reduzierung mehrerer Tier- und Pflanzenarten verantwortlich gemacht wird (u.a. Korallensterben und 60%-ige Reduktion der Pinguin-Population in El-Niño-Jahr 1999).

Foto. Daneben bedrohen die Inselbewohner - vor allen ihre mitgebrachten Nutztiere - viele Populationen seltener Tier- und Pflanzenarten. Sei es, weil die Nutztiere die einheimischen Tiere bzw. Pflanzen direkt fressen oder mit anderen Tieren im Nahrungswettstreit stehen, bei dem die einheimischen Arten meist den Kürzeren ziehen. Als augenfälligstes Beispiel werden die Ziegen angeführt, die die ersten Siedler nach Española mitgebracht hatten. Bald verwilderten sie und futterten den dortigen Riesenschildkröten die Opuntien (eine endemische Kaktusart) weg, die für die Schildkröten eine wichtige Quelle für Futter, Wasser und Schatten darstellten! Foto Vor allem kleine Schildkröten hatten plötzlich auch keinen Schutz mehr vor Raubtieren. Von den anfangs über 3000 Schildkröten auf Española waren bald nur noch drei(!) Exemplare übrig! Erst nach Keulung sämtlicher Ziegen auf der Insel können nun die in mehreren Stationen aufgezogenen Jung-Schildkröten ausge­wildert werden. Mit guten Chancen auf ein Überleben. Wissenschaftler behaupten, dass vor der menschlichen Ansiedlung über 250.000 Exemplare auf den Inseln lebten. Heute liegt die Population bei einem Zehntel davon!

Ähnliches könnte man über eine Handvoll anderer Tiere berichten. Inzwischen beschränkt sich die bäuerliche Bewirtschaftung auf gerade mal drei Prozent des Gesamtgebiets und die Bauern müssen strenge Auflagen einhalten. Ebenso wie die Fischer, die ausschließlich zum Eigenbedarf fischen dürfen!

Foto Mit Sicherheit hat auch der Tourismus starke Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt! Auch wenn die Touris praktisch auf Schritt und Tritt überwacht werden. Zum einen sind nur ganz wenige der Inseln für Besuche überhaupt freigegeben. Jeder Veranstalter von Ausflügen benötigt eine Genehmigung der Nationalparkverwaltung und darf nur an den ihm zugewiesen Inseln anlanden bzw. in den zugewiesenen Revieren tauchen. Zum zweiten sind die Anzahl der Boote sowie ihre Kapazitäten streng limitiert. Zum Dritten muss jede Tour von einem Ranger begleitet werden, der penibel darauf achtet, dass die Touris auf den Wegen bleiben, keine Tiere anfassen, keine Souvenirs mit nach Hause nehmen ... und die restlichen 100 Regeln des Nationalparks befolgen.

Foto Obwohl ich im ersten Moment davon nicht sonderlich erbaut bin, finde ich die Regularien im Nachhinein richtig und hilfreich! Nur so kann die Natur vor den zweibeinigen, kamerabehängten Bestien geschützt werden! Nur so können nach und nach auch die wilden Tiere die Scheu vor dem Menschen verlieren ... Foto und der hat damit die Möglichkeit, wirklich nahe (aber bitte nicht zu nahe!) an die Tiere heranzukommen. So braucht man gar kein langes Teleobjektiv, um auch die Kleinen formatfüllend auf SD-Karte zu bannen. Wie heißt das auf Neudeutsch: eine Win-Win-Situation - für Natur und Besucher! Auch wenn - nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Ranger - nicht alle Touris so ver­ständnis­voll wie Deutsche, Österreicher oder Schweizer reagieren!

Und was hast du jetzt alles an Tieren gesehen? Bevor ich die alle aufzähle, schaut ihr euch am besten das Fotoalbum an. Dort findet ihr alles, was ich wirklich "gesehen" habe.

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Unterm Strich war der Ausflug auf die Galapagos Inseln einer der interessantesten Abstecher der bisherigen Reise. Wenn auch nicht eben der preiswerteste! Aber wo sonst auf der Welt findet man eine solche Ansammlung von Tieren, Pflanzen und Naturphänomenen auf einem Fleck? Das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! Dafür muss ich nun eben den Gürtel ein paar Monate lang etwas enger schnallen!

more Rechts findet ihr noch eine kurze, stichworthafte Zusammenfassung ...

Die Hauptstadt Quito

Foto Trotz enger geschnalltem Gürtel ist eine kurze Stadtrundfahrt durch Quito gerade noch drin. Die Stadt liegt auf einem langgezogenen Hochplateau zu Füßen des Vulkans Pichincha (4794m). Von den Hochhhäusern der östlichen Stadtteilen schweift der Blick auf die Vororte des El Valle, das fast Tausend Meter tiefer liegt. Zum Bau des neuen internationalen Flughafen wurde das ganze Valle umgepflügt und gleicht heute einer makabren, von 6- und 8-spurigen Autobahnen durchzogenen Mondlandschaft. In der langgezogenen Oberstadt geht's vergleichsweise gemütlich zu, da die schmalen Straßen der Altstadt gar keine schnelles Fahren erlauben. Eher ein flottes Stehen.

Foto Über all die verstopften Straßen wacht die Virgen de Quito, hoch oben auf einem erloschenen Vulkankegel. Von dort streift auch der Blick des Besuchers über die schmale, mit ein- und zweistöckigen Häusern übersähte Hochebene, auf der 1535 die spanischen Gründer eine ihrer schachbrettartigen Städte hingestellt hatten. Karree an Karree. Ohne großartige Bauten, die die Kulisse auflockern. Dazwischen ein paar rechtwinklige, steingepflasterte, von Kirche und Verwaltungsgebäuden umringte 'Plazas'. Für mich eine Stadt wie so viele aus spanischen Tagen. Die 'moderne' Kathedrale mit ihren Renaissance-Türmchen und der filigranen Dachkonstraktion im Stil der Notre-Dame in Paris sticht zwischen den niedrigen, einfachen Häusern direkt ins Auge. Ein arger Fremdkörper in der sonst so einheitlichen Stadt! Ein krasser Stilbruch! Trotzdem das mit Abstand größte Kirchenschiff weit und breit! Außen herum zeigt sich die Stadt eher 'featureless', vielleicht ein Grund, warum viele Postkarten und Werbebildchen sie vornehmlich bei Nacht zeigen.

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Foto Darum am nächsten Tag gleich zum zweiten Mitad del Mundo (Wieviele Mittelpunkte kann eine Kugel eigentlich haben?). Das riesige Areal um die Weltkugel, die den Verlauf des Äquators im Norden Quitos markiert, gleicht eher einer Souvenir-Mall mit zwei Dutzend Andenkenläden und mindestens ebenso vielen Restaurants. Mit leicht erhöhten Preisen, versteht sich - schließlich sind wir an der meistbesuchten Sehenswürdigkeit Ecuadors!

Körpergewicht am Äquator [ECU] Lecker Essen kann man auf jeden Fall. Sogar ganz ohne schlechtes Gewissen: zeigt die Waage doch ein, zwei Kilogramm weniger als in unseren Breiten. Der Grund ist der Ausbauchung der Erdkugel am Äquator und damit der größere Abstand zum Erdmittelpunkt, sprich die größere Fliehkraft, die die Pfunde purzeln lässt.

Foto Nur eines der angegliederten sechs winzigen Museen kann mit interessanten Neuigkeiten aufwarten. Das, was mir schon José am anderen Mitad del Mundo (Quitsato, nahe Cayambe) über seine Sonnenuhr und die im weiten Umkreis verteilten 'Peilstationen' erzählt hatte, wird hier bestätigt. Das sagenumwobene Volk der Quitu-Cara hatte schon in Vor-Inka-Zeiten (bis um 1000AD) hochgenaue Sonnenuhren gebaut und wusste offenbar eine Menge über die Bahnen von Sonne, Mond und Sternen am Firmament. Trotz ihrer ganz offensichtlich hohen Intelligenz kannten die Quito-Cara keine Schrift und hinterließen ihr Wissen der Nachwelt nur auf Tonkrügen und -scherben mit Darstellungen der Himmelskörper. Auch die Peilstationen, von denen José erzählt hatte, zeugen vom hohen Wissensstand des unbekannten Kriegervolks.

Foto Nach San Agustin (Kolumbien) treffe ich hier zum zweiten Mal auf Spuren eines sagenhaften Vor-Inka-Volks, das beeindruckende Ingenieursleistungen vollbracht hatte, aber mit dem Eintreffen der Inka spurlos verschwand. Schon Thor Heyerdahl hatte in den 40-er und 50-er Jahren von einem derartigen Volk gesprochen, u.a. im Zusammenhang mit der Besiedelung Polynesiens und der Osterinsel (was inzwischen weitgehend widerlegt wurde). Damals war er dafür in Wissenschaftskreisen verlacht worden, heute verdichten sich mit modernen archäologischen Methoden gefundene Hinweise auf ein solches Volk. Jedenfalls liegen einige der antiken Stätten, die er damals untersucht hatte, direkt an meiner Reiseroute. Foto Auch Orte, die in seinen Abenteuern, wie etwa der legendären Fahrt mit der Kon-Tiki oder der Ra I und Ra II von Peru nach Polynesien, eine wichtige Rolle spielten. So werde ich in den nächsten Wochen ein wenig auf den Spuren des norwegischen Forschers und Abenteurers wandeln und versuchen, etwas mehr über diese Vor-Inka-Zeit zu erfahren. Ob das sagenumwoben Volk allerdings groß und breitschultrig war, helle Haut und blonde Haare hatte, wie die Legenden der Polynesier über ihre Vorfahren berichten, werde vermutlich auch ich nicht klären können!

Foto Also wälze ich zusammen mit Patrizia und Hans die Landkarten Equadors und Perus und versuche eine interessante Route zusammenzustellen, die zu möglichst vielen Fundstätten der Inkakultur, aber auch ihrer Vorgänger führt. Die wettertechnisch optimale Zeit für diese Region allerdings fängt erst im März an, sodaß wir auch bei der Routenplanung keine übertriebene Eile an den Tag legen müssen! Schließlich sind wir mitten in der 'staaden Zeit'!

Tatsächlich gibt es wenige Flecken Erde, an denen man die Seele so gut baumeln lassen kann wie hier in der Finca Sommerwind.

Also wünsche ich euch auf diesem Weg Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch!