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TE PITO O TE HENUA

CHL CHL


Kleines Wörterbuch für Rapa Nui
Jun 30 2016

Hanga Roa (Osterinsel, Chile) (GPS: 27°08,961'S; 109°25,470'W)

Foto Rapa Nui (Chile) Osten oder Westen? Südamerika oder Ostasien? Peru oder Marquesas? Woher kamen die Insulaner? Wann? Welche Boote hatten sie? Was haben die riesigen Steinkolosse zu bedeuten? Wie wurden die ohne jedes Werkzeuge geschaffen? Wie konnten sie aufgestellt werden? Wie kommt der tonnenschwere Kopfputz auf die Statuen? Warum ist die Insel eine karge Wüste in den Tropen? Was hat es mit der Schrift auf sich, die mit keinen anderen Schriftsystem der Welt vergleichbar ist? Warum haben die Insulaner unverkennbar europäische Gesichtszüge?

Fragen über Fragen. Schon seit das abgelegene Eiland im 18. Jahrhundert entdeckt wurde. Für die alte, die europäische Welt entdeckt wurde, muss man sagen. Selbst angesehene Wissenschaftler streiten in schöner Regelmäßigkeit über die Antworten. Unser norwegischer Freund Thor Heyerdahl ist daran nicht ganz unschuldig. Osten oder Westen? Das ist die entscheidende Frage!

Einige der Antworten sind allerdings höchst alarmierend!

Der Nabel der Welt: Rapa Nui

Foto Rapa Nui (Chile) Weiter entfernt von anderen Menschen kann man auf diesem Globus kaum irgendwo sein. 3800 Kilometer Luftlinie trennen die Insel vom südamerikanischen Festland, knapp 2100 Kilometer von der nächsten bewohnten Insel Pitcairn. Der Flug von Santiago dauert fünfeinhalb Stunden, so lange wie vom Nordkapp bis Sizilien. Blickt man aus dem Fenster, sieht man nichts als Wasser, Wasser, Wasser. Die tiefblauen Fluten des pazifischen Ozeans erstrecken sich von Horizont zu Horizont. Ganz automatisch tastet die Hand nach der Schwimmweste unter dem Sitz. Unerwartet kommt ein winziges Eiland in Sicht, gerade mal 25 Kilometer lang und 13 Kilometer breit. Eine Stecknadel im nassen Heuhaufen des Pazifik. Die riesige Boeing 767 der LATAM setzt holpernd auf der ungewöhnlich langen Rollbahn  von Hanga Roa auf.

"Iorana a Rapa Nui! Willkommen auf der Osterinsel!" Junge Frauen mit einer Blume im Haar heißen die Neuankömmlinge mit bunten Blumengirlanden willkommen. Die Südsee läßt grüßen! Die Temperaturen sind jedoch alles andere als tropisch! Vermutlich tragen die Blumenmädchen deshalb mehr als ein kurzes Baströckchen emoticon03 ...

Foto Rapa Nui (Chile) Die einsame Insel bildet den östlichste Pfeiler des polynesischen Dreiecks, das sich von hier über Aotearoa (Neuseeland) bis Hawaii aufspannt und Regionen umfasst, von denen die meisten von uns nur träumen können: Samoa, Tonga, Fiji, Kiribati, Tahiti und die Marquesas. Wie die meisten Inseln des Archipels ist auch Rapa Nui vulkanischen Ursprungs und wie Hawaii oder die Galapagos-Inseln wird es mit der Tektonik acht Zentimeter pro Jahr über einen stationären Hot Spot der Erdkruste geschubst. Die vier längst erloschenen Vulkane Rano Kau, Rano Raraku, Pua Katiki und Maunga Terevaka ragen über 3000 Meter vom Meeresboden auf, der höchste Punkt der kargen, nahezu baumlosen Insel liegt noch einmal 511m über dem Blau des Ozeans. Neben den drei Hauptkratern sitzen noch ein Dutzend namenlose Nebenkrater auf der steinigen Lavaebene, deren trockenes Gras nur ein paar dürren Pferden und Kühen als Futter dient. Von einer tropischen Südseeinsel könnte Rapa Nui kaum weiter entfernt sein!

Foto Rapa Nui (Chile) Doch was macht das einsame Eiland so interessant? Zum einen gilt es nach wie vor, eine Reihe mysteriöser Rätsel zu lösen, angefangen von riesigen Steinkolossen über eine nicht zu entziffernde Schrift bis hin zum Verlust überlebenswichtiger Kenntnisse innerhalb von zwei Generationen. In erster Linie aber ist die abgeschiedene Insel ein alarmierendes Beispiel dafür, wie wir mit unserer gemeinsamen großen Insel, unserer Mutter Erde nicht umgehen dürfen! Durch Raubbau an der Natur haben sich die Bewohner vor knapp zwei Jahrhunderten fast selbst ihr Grab geschaufelt! Um das alles halbwegs zu verstehen, müssen wir allerdings einen längeren Blick in die Vergangenheit werfen ...

Eine Geschichte voller Fragezeichen

Foto Rapa Nui (Chile) Die Geschichte der abgelegenen Insel ist ebenso kontrovers wie wenig erfreulich. Die Frühgeschichte der Insel liegt völlig im Dunkel, da schriftliche Aufzeichnungen fehlen. Einig sind sich die Experten inzwischen, dass die Insel von Polynesien aus besiedelt wurde, vermutlich von Mangareva oder den Marquesas Inseln aus. Das dürfte zwischen 400AD und 1200AD gewesen sein, vermutlich in mehreren Schüben. Nix genaues weiß man nicht. Der Name des ersten Königs allerdings ist wohl bekannt: Hotu Matu'a. Er kommt auf Anraten seines Ratgebers und lässt sich am schönsten Ort der kleinen Insel nieder: in Anakena, dem einzigen Flecken der felsigen Insel, der mit weißem Sandstrand aufwarten kann. Herr König will wohl auch gerne mal am Strand liegen ...

Danach versteckt sich die Insel lange Jahrhunderte im Dunkel der Frühgeschichte. Der Pirat Edward Davis sichtet das Eiland vermutlich 1687, hält es aber für den sagenumwobenen Südkontinent und segelt eilig weiter. 35 Jahre später setzt dann der erste Europäer, ein gewisser Jakob Roggeveen aus den Niederlanden seinen Fuß tatsächlich auf die Insel. Da gerade Ostersonntag ist, verpasst er ihr den noch heute gebräuchlichen Namen: Paasch Eiland, Osterinsel oder eben Isla de Pascua. Foto Rapa Nui (Chile) Die Eingeborenen nennen sie weiterhin 'Te Pito o Te Henua', was soviel wie 'Nabel der Welt' bedeutet. Zwei Tage später segelt Roggeveen weiter und die Einheimischen haben für weitere fünfzig Jahre Ruhe vor den Weißen. Mitte November 1770 stellt Don Felipe Gonzales de Haedo ein paar Kreuze auf der Insel auf und nimmt sie für den spanischen König in Besitz. Doch weder er noch der spanische König haben wirklich Interesse an dem kargen, vulkanischen Eiland mit den eigentümlichen Steinmonumenten. Haedo bleibt nicht mal einen Tag!

Foto Rapa Nui (Chile) Der erste, der die eigentümliche Insel, die einem Geodreieck nicht unähnlich sieht, genauer unter die Lupe nimmt, ist James Cook, der 1774 ganze fünf Tage bleibt, um Vorräte zu bunkern. Seinen wissenschaftlichen Begleitern Reinhold und Adam Forster (beide Deutsche) verdanken wir die erste brauchbare Beschreibung der Insel, ihrer Bewohner und der rätselhaften Steinkolosse, die zu jener Zeit schon zum großen Teil auf der Nase liegen. Die genaueste Beschreibung der kulturellen Überlieferungen und ihrer Steinzeugen erstellt zwölf Jahre später der französische Graf Jean-François de La Pérouse, auf dessen Beschreibungen sich noch heute viele Ethnologen stützen (müssen).

Foto Rapa Nui (Chile) Danach geht es rapide abwärts mit der Insel und ihren Bewohnern: 1862 und 1863 verschleppen peru­anische Sklavenhändler einen Großteil der Bevölkerung zur Arbeit auf die Guanofelder am Festland. Die wenigen, die auf Betreiben des Bischofs von Tahiti zurückkehren, bringen Grippe, Syphilis und andere Zivilisationskrankheiten mit, die die Bevölkerung des winzigen Eilands weiter drastisch dezimieren. 1877 werden nur noch 36 Bewohner gezählt, die länger als eine Generation auf Rapa Nui gelebt hatten! Von Verschleppung und Krankheiten besonders betroffen sind die gebildeten Menschen, die »Aristokratie«, die Prieser und Clanführer. Mit ihnen stirbt die mündliche Überlieferung, das mündlich tradierte Wissen um die Vergangenheit. Gerade darum stochern wir bei der Inselgeschichte so sehr im Dunkeln.

Erste ansatzweise Ausgrabungen führten die deutschen Soldaten des Kanonenboots »Hyäne« durch, die 1882 Material für das kaiserliche Museum in Berlin sammelten. Ja, damals war Deutschland noch eine 'Weltmacht'! emoticon03

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdecken findige Geschäftsleute die Insel und richten eine riesige Schafzucht ein. Doch statt der Schafe werden hier die Menschen eingezäunt! Die wenigen Einheimischen müssen in einem ummauerten und streng bewachten Areal bei Hanga Roa vegetieren. Sie sind völlig rechtlos und den neuen Herren ihrer eigenen Insel auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Als sich Chile am 9. September 1888 die Insel einverleibt, bessert sich das Schicksal der Ureinwohner keinen Deut: die Insel ist nun Militärstützpunkt. Nach einem vergeblichen Aufstand 1918 wird die Insel zur Sperrzone. Bis 1967 (!!!) dürfen die Bewohner ihre Insel weder verlassen noch einen Großteil ihrer Heimat überhaupt betreten: auf dem grasen die Schafe, Rinder und Pferde des Militärs.

Foto Rapa Nui (Chile) Bis heute sind die Besitzverhältnisse der Insel ein ernster Streitpunkt zwischen den Insulanern, den chilenischen Verwaltern und neuen Siedlern vom Festland. Gerade die Einrichtung des Nationalparks, der die gesamte Insel umfasst und dessen Einnahmen zum größten Teil aufs Festland und die Hauptstadt Santiago fließen, findet bei den Ureinwohnern verständlicherweise wenig Anklang. Ein geplanter Marine-Nationalpark wird seit Jahren boykottiert. Das Verhältnis zu Festland-Chile kann nicht eben als entspannt bezeichnet werden. Eine unterschwellige Feindschaft, die selbst die zahlreichen chilenischen Touristen zu spüren bekommen.

In der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts beginnt die Wissenschaft, sich für die winzige, isolierte und mysteriöse Insel zu interessieren: die Engländerin Katherine Routledge, der Franzose Alfred Mètraux und der Deutsche Thomas Barthel: sie alle tragen ihren Teil zur Entschlüsselung der Geschichte und der rätselhaften Inselkultur bei. Auch unser Freund Thor Heyerdahl leistet 1955 bis 1956 wertvolle Detektivarbeit, lässt den ersten »Moai« wieder aufrichten und stellt zahlreiche praktische Versuche zur Bearbeitung wie zum Transport der riesigen »Moai« an. Foto Rapa Nui (Chile) Eindeutig belegen kann er wenige seiner Hypothesen zur Entwicklung des Eilands .

Inzwischen gelten seine Hypothesen als überholt und alle 'Beweise' seiner Theorie wurden glaubhaft widerlegt. Dennoch gibt sein Buch 'Aku-Aku' einen kurzweiligen, amüsanten Einblick in die damalige Forschungsarbeit vor Ort, über die Insulaner und ihre Gepflogenheiten. Heyerdahls Hauptverdienst allerdings besteht darin, (a) das Interesse an der Insel neu zu beleben und (b) einen jungen amerikanischen Archäologen - William Mulloy - für seine Expedition anzuwerben, der sein ganzes Leben der Erforschung der Insel widmen und praktisch alle weiteren Entdeckungen mit initiieren wird.

Foto Rapa Nui (Chile) Der 22.Mai 1960 bricht ein weiterer schwarzer Tag über die Insel herein: vor Valdivia ereignet sich eines der schwersten Seebeben der jüngeren Geschichte (Stärke 9,5) und schickt einen riesigen Tsunami quer über den Ozean. Als erstes wird Rapa Nui von den Wassermassen heimgesucht. Dutzende der tonnenschweren, kurz vorher restaurierten Moai werden hunderte Meter weit ins Land geschleudt. Mit Hilfe japanischer Geldgeber und ihrer Spezialkräne können die Steinkolosse des Ahu Tongariki wieder aufgestellt werden. Heute gehört der neuerlich restaurierte »Ahu« mit den fünfzehn »Moai« Schulter an Schulter zu den besterhaltenen und eindrucksvollsten Bauwerken der Insel.

Einmalig auf Rapa Nui: die Steinkolosse der »Moai«

Foto Rapa Nui (Chile)

Etwas vergleichbares gibt es nirgendwo sonst in der zivilisierten Welt: Steinkolosse mit Höhen zwischen fünf und zwanzig Metern. Gewicht zwischen zwei und einhundertsechzig Tonnen! Vormals standen über achthundert von ihnen rings um die Insel aufgereiht - fast schon Schulter an Schulter. Die meisten ganz nah an der Küste und alle mit Blick auf ein Dorf gerichtet, das ihnen quasi zu Füßen lag. Die Art und die Anzahl der Statuen sind einzigartig auf der Welt. In ganz Polynesien gibt es keinerlei Steinstatuen, von denen die Rapa Nui etwas hätten abschauen können. Auf der anderen Seite des großen Ozeans, in Peru und am Titicacasee , wo die ersten Hochkulturen Amerikas entstanden waren, gab es zwar Steinstatuen ähnlicher Größe, jedoch in einem völlig anderen Stil. Die Frage, ob die Schaffer dieser Steinkolosse nun aus Osten oder Westen kamen, bleibt weiter offen.

Wenig später legt Thor Heyerdahl einen weiteren Steinkoloss frei, der nicht nur aus unterschiedlichem Gestein besteht, sondern in Form, Proportionen, Gesichtsausdruck und Ausführung der Arme und Beine ein fast identisches Abbild der Statuen ist, die er Jahre vorher in Tiahuanaco am Ufer des Titicacasee ausgegraben hatte. Belegt das etwa seine Hypothese, dass Rapa Nui von Südamerika her besiedelt wurde? Oder waren da nur andere Steinmetze am Werk?

Foto Rapa Nui (Chile) Die genaue Entstehungszeit und die Bedeutung der Steinriesen liegen weitgehend im Dunkeln. Die aktuellen Erklärungen gehen dahin, dass die »Moai« ein Abbild verstorbener und hoch verehrter Mitglieder einer Sippe bzw. eines Clans sind. Ein Ahnenkult, der bis in die heutige Zeit hineinreicht. Hatte ein Clan ausreichend Mittel, die angesehenen Steinmetze (in Naturalien) zu entlohnen, wurde ein »Ahu«, eine steinerne Platform nahe des Dorfes aufgeschüttet, um den neuen Moai - besser noch mehrere von ihnen - darauf zu platzieren. Nachdem die Steinmetzte ein Jahr (oder mehr) fleißig gemeißelt und den Koloss an den Aufstellungsplatz gebracht hatten, wurde dem 'blinden' und daher noch 'wirkungslosen' Steinkoloss schließlich »Mana« eingehaucht, indem man ihm Augen aus weißem Korallenstein und schwarzem Obsidian einsetzte. Von diesem Augenblick an konnte er ein wachsames Auge auf seinen Clan haben und die Menschen vor allem Übel bewahren. Daher wandten die Moai dem Meer meist den Rücken zu, um 'ihr Dorf' besser im Blick zu haben.

Foto Rapa Nui (Chile) Abgesehen von der Größe sehen sich alle Moai ziemlich ähnlich: ein überproportional großer Kopf, die Lippen fest zusammengepresst, darüber eine lange Nase mit riesigen Nasenflügeln. Ohren, die bis zur Schulter reichen und die Arme dicht am Körper. Hände mit langen, grazilen Fingern liegen über einen wohl gerundeten Bauch. Darunterhalb ist Schluss, Beine oder die sonst allgegenwärtigen Phalli sucht man vergebens. Dennoch ist zu erkennen, dass fast nur Männern die Ehre zuteil wurde, in Stein gemeißelt zu werden (Es wurden lediglich sieben Statuen gefunden, die ansatzweise weibliche Merkmale aufweisen).

Foto Rapa Nui (Chile) Alle diese steinigen Ahnen stammen aus einem einzigen Steinbruch am Osthang des Rano Raraku, wo heute noch mehr als vierhundert unfertige Statuen darauf waren, abtransportiert und aufgestellt zu werden. Ein Zeichen, dass die antiken Steinmetzte entweder bei ihrer Arbeit gestört wurden oder von heute auf morgen das Feld räumen mussten. Heyerdahl fand über achthundert Steinbeile, die offenbar mitten in der Arbeit beiseite geworfen worden waren. Was war da passiert? Wurden die Steinmetze (die vermutlich der Sippe der 'Langohren' angehörten) von den 'Kurzohren' (Ihren Rivalen? Ihren Untertanen? Ihren Sklaven?) überfallen und verjagt? Wir werden es wohl nie erfahren. Die Steinkolosse halten ihre Lippen weiter fest geschlossen. Fest steht allerdings, dass es gehörige Spannungen zwischen den Clans bzw. zwischen der 'werktätigen Bevölkerung' und der Aristokratie (König, Ariki) gegeben haben muss. Wahrscheinlich ist, dass diese Kriege schließlich zum Ende der kolossalen Steinmonumente (und ihrer Schöpfer?) führte, und eine neue Weltanschauung (Religion?) Einzug hielt, der Vogelmannkult (s.u.)

Foto Rapa Nui (Chile) Foto Rapa Nui (Chile) Foto Rapa Nui (Chile) Foto Rapa Nui (Chile)

Auch der Transport vom zentralen Steinbruch quer über felsiges, steinübersähtes Gelände hin zu den bis zu zwanzig Kilometer entfernten Dörfern bzw. deren »Akus« war sicher eine Herausforderung sondergleichen. Die damaligen Bewohner kannten ja weder Metall in irgend einer Form, noch Rad, noch Wagen. Jedoch konnten die Einheimischen, die 1955/1956 mit Thor Heyerdahl zusammen­arbeiteten eine Methode vorführen, wie man mit einfachsten Foto Rapa Nui (Chile) Mitteln die tonnenschweren Kolosse aufrichten kann. Ein paar kräftige Männer, Seile, lange Hebel, ein Berg Steine und drei Wochen Zeit war das einzige, was von Nöten war. Von allem gab es damals mehr als genug.

Andere Forscher fanden andere Mittel und Wege, wie bzw. wo die Steinkolosse von 'A' nach 'B' gebracht worden sein könnten. Doch noch heute schwören die Einheimischen darauf, dass die Statuen von selbst zu ihrem Ziel gelaufen sind. Selbst diese auf den ersten Blick abwegige Möglichkeit konnte mittlerweile experimentell nachgewiesen werden (konkave Unterseite der Statuen, Seile um den Kopf, mit der der Koloss mal nach links, mal nach rechts geneigt und nach vorn gedreht werden konnte - die resultierende Bewegung sah tatsächlich aus wie 'Gehen'). Wie der Transport nun tatsächlich vonstatten ging, werden wir leider auch nie erfahren. Sicher könnten wir uns einiges davon abschauen!

Foto Rapa Nui (Chile) Foto Rapa Nui (Chile) Foto Rapa Nui (Chile) Foto Rapa Nui (Chile)

Vor Augen halten sollten wir uns den Zeitraum, in dem das alles vonstatten ging! Die Literatur spricht dabei meist von »prähistorischen« Zeiten, womit wir automatisch eine Zeit deutlich vor unserer Zeitenwende annehmen. Doch Vorgeschichte auf Rapa Nui heißt nur vor seiner Entdeckung und Erforschung durch europäische Wissenschaftler! Foto Rapa Nui (Chile) Die erste Besiedlung wird ja mit "irgendwann zwischen 800AD und 1200AD" angenommen und die Statuen wurden nach jüngsten Forschungen nicht vor dem 17. Jahrhundert geschaffen! Als Roggeveen die Insel besuchte - und viele Statuen noch intakt und aufrecht stehend vorfand, schreiben wir das Jahr 1722. Er schreibt auch von Einheimischen, die die Statuen tatsächlich anbeten (bzw. sich vor ihnen auf die Knie werfen).

Als de La Pérouse nur noch Trümmer und umgestürzte Statuen vorfindet, zeigt der Kalender 1786. In den 65 Jahren dazwischen muss wohl ein tiefgreifender Umbruch stattgefunden haben. Ein »Umsturz« im wahrsten Sinn des Wortes. Waren das die Jahres des Krieges, von dem in den mündlichen Überlieferungen immer wieder die Rede ist? Die Jahre der Auflehnung gegen die etablierten Clanführer und Könige? Reichte die französische Revolution etwa bis nach Polynesien?

Foto Rapa Nui (Chile) Als 1912 Katherine Routledge ihre Forschungen über Traditionen, Legenden und Sagen anstellt, ist von Ahnenkult und Verehrung übergroßer Steinkolosse schon lange keine Rede mehr. Vielmehr hatte inzwischen eine neue Religion Einzug gehalten: der Vogelmann-Kult.

Der Vogelmann-Kult ist so etwas wie Demokratie á la Rapanui: ein Dutzend junger Männer schwimmt - stellvertretend für ihre Clanchefs - unter Lebensgefahr zu der südlich vorgelageten, gischtumtosten Insel Moto Nui, auf der jedes Frühjahr ein heute ausgestorbener Zugvogel (»Manutara«) seine Eier legt und die Jungen großzieht. Wer das allererste Ei findet und unbeschädigt nach Orongo (hoch oben auf den Klippen gelegen) bringt, wird Vogelmann des Jahres und darf sich eine der Jungfrauen aussuchen, die speziell für diesen Moment ein halbes Jahr oder länger vorbereitet wurden.

Sein Clanchef aber wird kahl rasiert und in einer großen Prozession in eine abgelegene Höhle geführt, wo er als Eremit ein Jahr lang weder gesehen noch berührt werden darf und ein einsames, enthaltsames Leben führen muss. Der einzige Kontakt zur Außenwelt besteht über einen 'Berater', der ihm auch das Essen reichen darf. Im Gegenzug ist er der 'heilige Mann' des Jahres und für das Wohl und Wehe der ganzen Insel verantwortlich. (Wer da irgendwelche Parallelen zu aktuellen Demokratien sieht ... liegt m.E. völlig richtig! emoticon12)

Wenig später kommen auch die ersten Missionare und bringen den Insulanern den 'rechten' Glauben bei. Ende mit Vogelmann, Moai und alten Traditionen! Pater Sebastian (auch ein Deutscher) kommt Anfang des 20.Jahrhunderts auf die Insel und bringt unerwartet viel Verständnis für die Insulaner sowie großes Interesse für ihre Kultur mit. Ihm haben wir es in erster Linie zu verdanken, dass trotz des neuen Glaubens (den die Insulaner begierig angenommen hatten) viele der alten Bräuche, Überlieferungen und Traditionen zumindest aufgezeichnet wurden. Teile seiner persönlichen Sammlung kann man heute im kleinen Museum von Hanga Roa bewundern.

Gar nicht Südsee-like: die Menschen der Osterinsel

Zeichnung Rapa Nui In Hamburg oder Kopenhagen würden die Menschen ebenso wenig auffallen wie in Rom oder Madrid. Die beiden im Bild rechts natürlich schon, aber inzwischen haben sie sich etwas übergezogen, bei dem Wetter ... Bei genauerem Hinsehen kann man bei einigen Menschen auf der Straße oder im Supermarkt noch eine flachere Gesichtspartie ausmachen, die entfernt an Malaysia oder Japan erinnert. Bei anderen hingegen überwiegen höchst europäische Gesichtszüge, blonde Haare, blaue Augen und struppige Bärte. Die Südsee ist den Menschen nicht wie anderswo ins Gesicht geschrieben! Warum?

Foto Rapa Nui (Chile) Wieder müssen wir im Geschichtsbuch etwas zurückblättern. Viele, viele Jahre vor dem Spanier Haedo, der im November 1770 seine Holzkreuze aufstellte, erleiden Spanier aus dem Baskenland mit Ihrer Caravelle San Lesmes vor Tahiti Schiffbruch. Sie sind den Frauen auf Tahiti sehr zugetan und ihre Kinder, Enkel oder Urenkel wandern aus - wie viele andere auch. Unter anderem auf die Osterinsel . 'Wandern' ist vielleicht das falsche Wort. Schwimmen wäre wohl richtiger. Bekannt ist, dass die Polynesier seit Urzeiten begnadete Seefahrer sind. Sie wagten sich schon in die Weiten des Pazifik hinaus als die Europäer noch eine heidnische Angst hatten, vom Rand der Erde zu fallen! Sie segelten ohne GPS, aber mit erstaunlich genauen Sternkarten über das Meer. Sie steuerten Kanus, die es mit dem rauhen Pazifik durchaus aufnehmen konnten. Die sich nicht nur mit passenden Meeresströmungen treiben lassen konnten (wie z.B. Heyerdahls »Kon-Tiki«).

Foto Rapa Nui (Chile) So wird erklärt, dass nicht nur die Besiedelung der polynesischen Atolle als auch der abgelegenen Insel 'Te Pito o Te Henua' von Westen, ausgehend von Malysia oder den Philippinen erfolgte. Und auch, dass ein paar sehr spezifische spanische Gene (»Basque Haplotype«) noch heute im Erbmaterial der Rapanui zu finden sind. Verdanken wir den gestrandeten Basken etwa auch das unerwartet europäische Aussehen vieler Menschen hier? Heutzutage ist die Bevölkerung eh ein buntes Völkergemisch. Wohl von jedem Seemann, der im Lauf der Jahrhunderte festmachte sind ein paar Gene hiergeblieben. Von den zahlreichen gemischten Chilenisch-Rapanui-Familien ganz zu schweigen. Liebenswert sind die Rapanui allesamt!

Foto Rapa Nui (Chile) Interessant erscheint mir in diesem Zusammenhang auch, dass die Eingeborenen überhaupt nicht erstaunt waren, als Roggeveen 1722 mit seinem europäischen Schiff an der Insel Halt machte. Offensichtlich hatten sie derartige Schiffe - vielleicht auch weiße Männer - schon viel früher gesehen und kennengelernt. Sind einige der Seefahrer etwa gleich hier geblieben? Zu verdenken wäre es ihnen nicht: trotz seiner abweisenden Küste ist die Insel doch ein recht einladendes Eiland! Selbst völlig Fremde werden von den Menschen hier herzlich willkommen geheißen. Darin wiederum sind sie doch ganz südsee-like!

Noch ein ungelöstes Rätsel: Rongo-Rongo

Rongo Rongo Schrift Ein weiteres Rätsel umgibt die Insel: anders als auf den restlichen Eilanden Polynesiens hatte sich auf Rapa Nui eine eigenständige Schrift entwickelt, die mit keinem anderen Schriftsystem der Erde vergleichbar ist. Geschrieben wurde vorwiegend mit spitzen Haifischzähnen (man fand jeweils einige zusammen mit den Schrifttafeln) oder Obsidiansplittern. Das 'Papier' waren dünne Holztafeln. Geschrieben wurde im 'Zickzack', die erste Zeile von links unten nach rechts unten. Dann drehte man die Tafel und schrieb wieder von links nach rechts auf der nächsthöheren Linie. Das Wissen um die Schrift - und die Geschichten dahinter - ging mit der Verschleppung der 'Wissensträger' auf die peruanischen Guanofelder (1862/63) weitestgehend verloren. Ein übriges haben wir den Missionaren zu verdanken, die alle Tafeln, derer sie habhaft werden konnten, als Teufelszeug verbrannten.

Rongo Rongo Schrift Von ursprünglich ein paar hundert Tafeln (jede bessere Familie besaß ein paar Dutzend) existieren heute nur noch 25 authentische - oder Bruckstücke davon. Keine einzige ist auf der Insel verblieben, jedes große Museum der Welt hingegen schmückt sich mit einigen Exemplaren. Sie alle sind natürlich von hohem Interesse für die Wissenschaft. Trotz großer Anstrengungen hat es noch keiner geschafft, eine brauchbare Übersetzung zu erstellen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den Zeichen nicht um Silben oder Buchstaben in unserem Sinn, sondern um Sinnbilder für Dinge und Geschehnisse, die zusammengenommen eine Geschichte ergeben. Lesen kann sie also nur jemand, der die Geschichte zumindest im Ansatz kennt und die Tafel eigentlich nur als Gedankenstütze braucht. Keine guten Voraussetzungen für eine Entzifferung durch die Schriftgelehrten.

Heute findet man auf der Insel wieder Dutzende von Schnitzereien, die wie Rongo-Rongo aussehen, jedoch nur eine zusammenhanglose Aneinanderreihung der bekannten Einzelzeichen sind. Wenn ihr also heute nachmittag Nichts zu tun - und Interesse an einem Nobelpreis habt ... frisch ans Werk!

Ein fast himmlisches Erlebnis: ein Gottesdienst in Rapa Nui

Foto Rapa Nui (Chile) Ein Erlebnis der ganz besonderen Art ist der Besuch eines Gottesdienstes in der alten Kirche von Hanga Roa. Trotz katholischer Lithurgie unterscheidet er sich von Messen in Europa wie der Himmel von der Hölle. Vermutlich ist das der Grund, warum das halb baufällige Gotteshaus bis zum letzten Platz besetzt ist. Wer zu spät kommt, muss stehen! Kaum sind die ersten Glocken  verklungen, ertönt ein inbrünstiger Gesang aus hundert Kehlen. Dazu Gitarre und Akkordeon, Trommel und Banjo. Keine Südsee-Romantik, sondern gelebte Rapa-Nui-Kultur. Zwischendurch richtet eine Handvoll einheimischer Prediger - überwiegend Frauen (!) das Wort an die Gemeinde. Kurz und knapp - voller Überzeugung und Hingabe. Wieder Gesang. Foto Rapa Nui (Chile)

Sound Rapa Nui Die Predigt hält der Pastor - gekleidet in einen einfachen grünen Umhang - in freier Rede - teils in Rapa Nui Sprache, teils in Spanisch. Schaut kaum einmal auf sein Papier. Wenn ich auch kein Wort verstehe, kann ich erkennen, mit welcher Empathie der Gottesmann spricht. Das Abendmahl ist - trotz heftigem Andrang - in zehn Minuten gefeiert, begleitet von Klang der Trommel, von Banjo, Gitarre und rhythmischem Gesang. Gegen Ende fassen sich alle bei den Händen, bilden eine endlose Menschenkette quer durch alle Sitzreihen und singen aus voller Kehle. Und bevor man die heilige Hütte verlässt, drückt man dem Sitznachbarn, dem Bekannten, ja Wildfremden die Hand und wünscht ihm/ihr 'Frieden'. Ein ergreifendes, aufrüttelndes Erlebnis!

Impressionen einer einsamen Insel

Ihr kennt das ja schon: dauernd bleiben Bilder übrig, die ich euch nicht ganz vorenthalten will, die aber nirgends wirklich zum Text passen. An Stelle einer Fotoshow findet ihr sie diesmal gleich im Anschluss, da oft mehr dazu zu sagen ist als gewöhnlich ...

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Krönender Abschluss: polynesische Tanzshow

Zum Abschuß des Besuchs auf Rapa Nui geht's noch für einen Abend ins Theater. Ins Tanztheater der Gruppe 'Kari Kari'. Die legen allabendlich ein ziemlich flotte Sohle aufs Parkett ... seht selbst!

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So viel könnte ich euch noch erzählen über die Insel, über ihre Menschen und die offenen Fragen zu ihrer Kultur. Doch das haben alles schon andere zusammengetragen und veröffentlicht. Deshalb gebe ich euch hier ein paar Tipps zu weiteren Infos zur Osterinsel:

Noch eine Anmerkung zum Schluss:
die Osterinsel ist kein billiges Pflaster! Ist Festland-Chile schon arg teuer im Vergleich zu Peru, Bolivien oder Kolumbien, so muss man für die Osterinsel richtig tief in die Tasche greifen! Zum einen schlägt der Flug mit zirka 1000 Euro schon mal gewaltig zu Buche, zum anderen muss ja Alles und Jedes auf die Insel transportiert werden. Entsprechend hoch sind die Preise für Hotels, für Ausflüge und Restaurants. Und ja, die Rapanui sind auch recht geschäftstüchtig. Sie wissen ganz genau, dass die Touris, die hier herkommen (die meisten sind Chilenen und Brasilianer), nicht jeden Peso zweimal umdrehen müssen ...