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München - Sydney, zum zweiten

Anlauf nehmen zur großen Nord - Süd - Querung

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Aug 22 1996

McDonald a la Russland Lacu Rosu (Rumänien)

Das mit der Besteigung des Mt. Elbrus wird dann leider doch Nichts. Als ich am Morgen nach dem letzten Tagebucheintrag in alle Herrgottsfrühe den östlichen der markanten Doppelgipfel per Fernglas und Tele heranholen kann, er sich kurze Zeit nicht in Wolken hüllt, beschließe ich, den Aufstieg zumindest bis zur Hütte Prijut 11 zu erkunden. Rasch ist der kleine Rucksack gepackt und eine der ersten Gondeln bringt mich nach oben. Glücklicherweise schaut der deutsche TÜV hier nicht vorbei, sonst wären die altersschwachen Bahnen mitsamt ihren verrosteten Gondeln hier längst stillgelegt. Doch sie verkehren nach wie vor und bringen mich in knapp einer Stunde von 2300 m hinauf auf 3900 m.

Der Abhang, an dem die morschen Seile hinauf führen, sieht katastrophal aus. Nur dunkelbraune Lavabrocken jeder Größe, Kies, Geröll, Schutt. Kein Grün dazwischen, kein erkennbarer Weg. Wirklich trostlos! Wie gut, dass ich da nicht zu Fuß hochsteigen muss!

Nach dem letzten Sessellift (die ersten 2 Sektionen waren Gondeln) stehe ich endlich am Südrand des Schneefeldes (oder Gletschers), der die gesamte Gipfelregion des Mt. Elbrus bedeckt. Riesig! Endlos! Und ebenso trostlos wie der Hang weiter unten. Hier oben nur noch grauer, schmutziger Schnee, Kein Fels weit und breit, kein Punkt, an dem man sich orientieren könnte. Auf acht bis zehn Stunden schätze ich den Aufstieg auf einen der beiden Gipfel, dann wieder den gleichen Weg zurück.

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Aug 08 1996

Viertausender im Kaukasus Terskol (Russland)

So, nachdem der Rechner nun komplett den Geist (Akku) aufgegeben hat, bricht meine ganze computergestützte Schreiberei und Buchhaltung zusammen. Wie gut, dass es noch das gute alte Papier gibt. Doch damit ist das Schreiben anstrengend. So werden meine künftigen Berichte wohl etwas knapper und kürzer ausfallen müssen.

Der letzte Eintrag im Rechner stammt noch von Moskau und seither hat sich wieder einiges ereignet. Wenig Interessantes, aber doch Aufregendes.

Problemlos rolle ich damals aus Moskau hinaus - die Prachtstraßen sind gut ausgebaut, nur die Baustelle am südlichen Autobahnring kostet wieder viel Zeit. Mit Glück und mit Hilfe eines kleinen Schildchens finde ich doch die richtige Ausfahrt, die mich über die autobahnähnliche M2 weiter nach Süden bringt. Kurz darauf findet sich dann auch eine Tankstelle mit Diesel, ich kann aufbunkern (210 l für 75 DM) und guten Mutes weiter rollen.

Die Autobahn wird schmäler und bei Tula zur Landstraße, Zeit, zur M4 hinüber zu wechseln, die etwas weiter östlich nach Voronez und Rostov-na-Donu führt. Die 20 km Querverbindung sind wieder gut u fahren, nur durch Tula hindurch reiht sich ein Schlagloch an das andere.

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Aug 03 1996

Sankt Basilius Kathedrale am Roten Platz Jevremov (Russland)

Der August fängt ja prächtig an: gerade muss ich eine halbe Stunde probieren, bis der Rechner wieder mag. Offenbar ist die Batterie nun ganz leer! Auch mit Hilfe des Netzteils ist sie kaum zu überreden, den Bildschirm hell zu schalten obwohl es im Dienstprogramm ja geht. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt.

Was die Fahrerei angeht, habe ich nun Moskau glücklich hinter mir und stehe "in the middle of nowhere", etwas abseits der Autobahn M4, an einem kleinen Fluss durch das sanft geschwungenen Gebiet südlich von Tula, 200 Kilometer südlich von Moskau.

Gestern war ein mieser Tag - wettermäßig - schon am frühen Morgen, als ich in Moskau die letzten Vorbereitungen zur Weiterfahrt treffe, ist es schwül und trotz nicht mal 25 Grad quillt mir der Schweiß aus allen Poren. Dazu eine Luft zum Schneiden, was meinem Asthma nicht gerade gut tut. Also nichts wie wieder hinaus aufs Land.

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July 27 1996

Zwiebelkuppeln bei Yaroslavl Bei Pereslavl (Russland)

Das mit dem Rauskommen aufs Land, das klappt recht gut.

Doch vor die gute Landluft haben die Götter die Durchquerung ganz Petersburgs gesetzt! Und ich Schlaumeier richte mich nicht nach der Ausschilderung (Moskau), sondern will mir meinen eigenen Weg suchen, fast schnurstracks durch die Stadt, ja nirgends abbiegen (die Wegweiser kann ich noch immer nur mühsam entziffern). Prompt lande ich mitten in einer riesigen Baustelle und muss mich durch ein Gewirr von Einbahnstraßen doch auf die zunächst verschmähte, aber nun ausgeschilderte Straße schlängeln.

Gut dass keine GAY - die sonst allgegenwärtige Polizei - in der Nähe ist. Nun geht's halbwegs flüssig - auch auf einer besseren Straße - nach Pushkin im Süden Petersburgs. Dort glänzt schon von weitem sichtbar das Liebesschloss, das Katharina die Große zwischen 1744 und 1796 ihren Liebhaber Pushkin bauen ließ. Tja, eine Geliebte, die ganze Schlösser für mich bauen lässt, hätte ich auch gern!

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July 23 1996

Trautes Heim, Glück allein Sankt Petersburg (Russland)

So, die ersten 24 Stunden im "Wilden Osten" habe ich hinter mir. Noch kann ich wenig sagen, aber Russland ist schon eine Welt für sich. Andersartig und irgendwie faszinierend. Wobei das Faszinierendste bisher nicht das Land an sich ist, sondern seine Andersartigkeit. Sicher hat Russland auch viel, viel Interessantes zu bieten, doch derzeit hält mich noch die Andersartigkeit gefangen.

Angefangen hat es schon drüben in Lapeenrata (Finnland), wo ich noch ein paar Tage die Ruhe (und das kühle Wetter) "genießen" musste. Da spricht mich abends am Sandfloh ein deutsches Paar an und ist bass erstaunt, dass ich tatsächlich nach Russland will. Dazu noch allein ... Da passiert doch so viel ... und der Ruge berichtet im Fernsehen doch immer von der Mafia und den vielen armen Menschen dort. Also, sie würden sich das nicht trauen. Dann sollen sie doch daheim bleiben! Ich jedenfalls will mir selbst ein Bild von diesem riesigen Land machen, das Europa um mehrere Potenzen in den Schatten stellt ³ zumindest von der Fläche her. Der Eindruck kann ruhig sehr subjektiv sein kann, doch nur die eigenen Eindrücke zählen für mich. Das, was ich mit eigenen Augen gesehen habe ...

Doch dem Unterbewusstsein geben diese Horrorgeschichten wieder mächtig Nahrung, so daß ich die letzte Nacht alles andere als ruhig verbringe. Wiederholt male ich mir aus, was ich tue, wenn ...

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July 18 1996

Burg Olavinlinna Puumala (Finnland)

Puumala am Saimaa Järvi ( Finnland), direkt am See, dem größten See Finnlands.

Das Schreiben der Fantasystory über Cindys Abenteuer hielt mich dann auch den ganzen Tag gefesselt, oben in Ruuna, dem nettesten Platz, den ich in Finnland gefunden habe - trotz des wenigen Wildwassers und des vielen Wassers von oben (Regen, Regen, Regen). Sogar aus dem Russisch lernen wurde noch etwas, doch ohne praktische Übung bleibt einfach nicht allzu viel hängen. Kyrillische Buchstaben hin oder her. Mit fremden Sprachen stehe ich ja schon seit den frühen Schulzeiten auf Kriegsfuß.

Von Süden her ist Wetterbesserung angesagt, so rolle ich tags darauf weiter, in der Hoffnung, dort unten doch wieder ein paar Strahlen Sonne zu finden. Durch Hunderte Kilometer lange Wälder, die der umfangreichen und allgegenwärtigen Holzindustrie ihren Rohstoff liefern, rolle ich in Richtung Sonne, die sich aber noch hartnäckig hinter dicken Regenwolken verborgen hält.

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July 06 1996

Nordische Idylle Ruunaan Joki (Finnland

Ruunaan Joki ( Finnland), direkt am See bzw. Fluss (Joki), nach ruhiger Nacht mit Nachbarn.

Ruunaa, kaum fünf Kilometer vor der russischen Grenze entfernt. Mein Herz pocht schon bis zum Hals wenn ich an die Grenze denke und was dahinter liegt. Aber noch ist es nicht so weit, dass ich das erste wahre Abenteuer dieser Reise beginnen könnte. Noch liegt mein Pass irgendwo in Deutschland auf irgend einem Schreibtisch und wartet darauf, ein weiteres Visum hinein gedrückt zu bekommen. Das wievielte eigentlich? Oder ist der Pass etwa schon auf dem Weg nach Helsinki?

Ruunaa, das Wildwassereldorado Finnlands. Was für eine Enttäuschung! Nun ja, ein bisschen weißes Wasser gibt's schon hier, aber dazwischen kilometerweise stille friedliche Seen, auf denen man paddeln muss wie ein Weltmeister, um überhaupt vom Fleck zu kommen. Wenn einen nicht der Wind viel schneller in die entgegengesetzte Richtung treibt. Deshalb habe ich mir auch die Tour geschenkt, die ich hier eigentlich vorhatte: 31 km schönstes Wildwasser stand im Prospekt, doch die Seen dazwischen hatten sie nicht erwähnt. Mit den Kajak oder in meinem Raft zu zweit würde es schon Spaß machen. Warum sind D. oder S. nicht da, wenn man sie braucht?

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June 28 1996

Mitternacht bei Narvik Inari Järvi (Finnland)

Inari Järvi ( Finnland), direkt am See, nach regnerischer Nacht.

Der Regen trommelt aufs Dach und an die Scheiben. Überall rings herum sehe ich nur trübe, dunkle Wolken, die an eine Wetterbesserung in absehbarer Zeit nicht denken lassen. Zum Fahren habe ich nicht viel Lust bei diesem Wetter. Und das, was man hier anschauen könnte liegt alles im Freien. Also will ich die Zeit nutzen, um wieder einmal Tagebuch zu schreiben.

Aber nach dem ersten Anlauf ist der Rechner abgeschmiert (eigene Dummheit, leerer Akku) und die Arbeit der letzten drei Stunden ist beim Teufel. Und Lust zu einem zweiten Anlauf habe ich auch nicht so recht ...

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June 18 1996

Fjordküste Norwegens Mayavatnet (Norwegen)

Direkt am See, nach ruhiger Nacht

Grandios, herrlich, überwältigend, Natur pur.

Nichts anderes fällt mir ein, wenn ich an die vergangenen Tage zurückdenke, die mich nach einer langen, ja langweiligen Anfahrt über deutsche und dänische Autobahnen bis kurz vor den nördlichen Polarkreis gebracht haben.

Nun sitze ich am Ufer des idyllischen Majavatnet-Sees, genieße die Aussicht über die stillen Wasser, den tiefgrünen Wald an seinen Ufern und auf schneebedeckte Hügel dahinter. Die sind gar nicht so hoch, ca. 1100 m sagt die Karte, aber auf fast 70 Grad nördlicher Breite ist es kein Wunder, wenn der Schnee auch Mitte Juni noch bis ins Tal liegt. So genieße ich die herrliche Natur, die Stille, nachdem die letzten Wohnmobilisten den Camping verlassen haben. Nur hinter mir dröhnt ab und an ein LKW oder eine WoMo über die belebte E6 von Trondheim zum Nordkapp. Im Grunde herrscht aber recht wenig Verkehr. Das meiste, was ich sehe sind WoMos, auf dem Weg von oder zum Nordkapp.

Das soll in den nächsten Tagen auch mein Ziel sein. weiterlesen


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