Lady Grey | Sandfloh 1+2 | Gästebuch | Impressum | History | Der Autor | Suche+Sitemap |

München - Sydney, zum zweiten

Südafrika

MAL MOZ ZIM BOT ZA NAM ZWA LES


Nov 22 1997

Idylle im Namib Naukluft N.P. Midmar Dam bei Durban (Südafrika)

Inzwischen ist das Schlimmste ausgestanden, die Warterei nämlich! Morgen, am Sonntag werde ich von diesem idyllischen Stausee bei Midmar wieder hinunter an die Küste rollen, um endgültig die Verschiffung nach Australien anzugehen. Es wird allerhöchste Zeit, Afrika den Rücken zu kehren. Viel zu lange - schon über ein ganzes Jahr - treibe ich mich auf dem schwarzen Kontinent herum, der viel von seiner ursprünglichen Faszination verloren hat. Zumindest der Süden. So fiebere ich den neuen und hoffentlich nachhaltigeren Eindrücken in Australien entgegen.

Inzwischen ist auch die Reiselaune wiedergekehrt und ich freue mich schon mächtig, endlich mehr vom fünften Kontinent, vom land down under kennen zu lernen! Vorbei die triesten Gedanken der Morokoto Lodge, vorbei die Zweifel am Allein Reisen, vorbei die Tage, an denen ich zu nichts Lust habe. Vorbei, du erster Anflug dr Midlife Crisis!

weiterlesen

Oct 22 1997

Köcherbaum Morokoto Lodge (Namibia)

Noch immer habe ich den Kopf voller g'spinnerter Ideen, obwohl ich ein paar von ihnen in den letzten Wochen Wirklichkeit habe werden lassen. Bei strahlenden Sonnenschein sitze ich oben im langgestreckten Caprivi-Zipfel und ich lasse meine Blicke über den Cuando-Fluss mit seinen schilfbestandenen Ufern und die angrenzenden Felder streifen. Heute früh war schon Waschen angesagt, mein roter Overall hängt zum Trocknen in der Sonne, gestern früh war er beim Abschmieren des Sandfloh gehörig schmutzig geworden.

Das Campen hier ist einfach ein Traum. Mein Platz ist abgeschieden und so einsam, so daß ich hier tun und lassen kann, was ich will. So stiefle ich seit zwei Tagen hier herum, wie Gott mich erschaffen hat, habe vorgestern lustlos meine bisherigen Tagebucheinträge überarbeitet und gestern den Sandfloh auf Vordermann gebracht. Doch so recht will die Arbeit nicht schmecken! Wie schon die vergangenen Tage habe ich zu nichts Lust. Nichts kann mich aus der plötzlichen Lethargie reißen, die seit zwei Wochen auf mir lastet. Nur mit Gewalt kann ich mich zu den allerwichtigsten Arbeiten zwingen.

weiterlesen

Sep 18 1997

Kirche von Windhoek Windhoek (Namibia)

Wieder allein! Vor zwei Stunden klettert Sylvia ins Flugzeug, um zurück nach München zu fliegen, wo neue Arbeit auf sie wartet, auf die sie sich mächtig freut. Der Abschied fällt beiden schwer, doch Tränen stehen uns nicht in den Augen. Vielleicht ist ihr Rezept gar nicht so schlecht: um keinen Preis emotionale Nähe aufkommen lassen! So ist der Abschied zwar nicht leicht, wenigstens bleiben keine gebrochenen Herzen zurück.

Zu Beginn macht mir diese emotionale Kälte ganz schön zu schaffen. Menschlich kühl, abweisend, Eisklotz schrieb ich vor zwei Wochen in mein Notizbuch. Von da an ging's dann doch ein wenig bergauf mit unserer "Beziehung": nicht, dass wir verliebt wären, doch je mehr wir voneinander wissen, desto mehr können wir kleine und größere Macken des anderen verstehen und tolerieren. Toleranz verlangt eben das Wissen um das Warum. Und miteinander reden ist der Schlüssel dazu!

weiterlesen

Aug 25 1997

Wrack am Cape Agulhas Cape Town (Südafrika)

Aus den Trails in Tsitsikamma wird dann leider nichts. Außer einem kurzen Ausflug zur Hängebrücke über den Storm River, genau dort, wo er ins Meer mündet. Die Sonnenstrahlen, die zwischen zwei dunklen Wolken das wogende Meer erhellen, nutze ich für ein paar Fotos, bevor es am Nachmittag - nach einem ausgiebigen Abspritzen des Sandflohs wegen des Salznebels - weitergeht durch zwei malerische und wenig befahrene Talpässe nach Plettenberg. Die Feriensiedlung der oberen Zehntausend schmiegt sich nett auf eine Landzunge und bietet malerische Ausblicke auf die vorgelagerte Lagune.

weiterlesen

Aug 04 1997

Protea: die Nationalblume Südafrikas Tsitsikamma Nationalpark (Südafrika)

Schäumende Gischt wirbelt durch die salzschwangere Luft. Türkisgrüne Brecher tosen an die felsige Küste. Hinter mir steigen die Tsitsikamma Berge steil an und nur eine schmale, gewundene Straße führt herunter an den schmalen Felsstrand. Noch immer tröpfeln vereinzelt Schauer aus dem dunkelgrauen Himmel, die Luft ist kühl und feucht. Trotzdem werde ich wohl drei Tage lang hier bleiben, und dem Spektakel der nicht enden wollenden Dünung zusehen. Vielleicht ergibt sich ja auch noch eine Gelegenheit, den Unterwassertrail zu besuchen, obwohl das Wasser mit sechzehn Grad ungewohnt kalt ist. Doch der Trail ist der Einzige weltweit und so möchte ich ihn nicht missen.

Die letzten Tage verlaufen nicht ganz so aufregend, eher gleicht es einem gemächlichen Humpeln Richtung Cape Town und viel lieber würde ich diese Strecke in einem Viertel der Zeit fahren. So hüpfe ich von "Sehenswürdigkeit" zu "Sehenswürdigkeit" und versuche, bei jeder so lange wie möglich zu bleiben. Wenig fahren, viel faulenzen und dabei die grauen Zellen nicht gänzlich verkümmern lassen. Das ist mein Motto nun schon seit vielen Wochen, doch das Ende der einsamen Zeit will einfach nicht näher rücken. Nicht, dass ich mich drastisch nach Gesellschaft sehne, doch ich kann S. und die Eltern schlecht ausladen, um ungehindert und frei von der Verpflichtung zu fahren, am Tag x in Stadt y zu sein. Das ist das letzte Mal, dass ich mir so einen Klotz ans Bein binde!

weiterlesen

Jul 19 1997

Blyde River Canyon Aliwal North (Südafrika)

Spektakuläres wie den Blyde-River-Canyon hat meine letzte Etappe nicht zu bieten. Oder bin ich inzwischen schon wieder so übersättigt an "Sehenswertem", dass ich die Schönheit der Natur gar nicht mehr wahrnehmen kann? Oder geh's mir wie damals in Australien, wo sich die Sehenswürdigkeiten auch schwer tun, die Versprechungen und vollblumigen Beschreibungen des Reiseführer zu erfüllen?

Ich denke, es ist eher letzteres. Denn gestern rolle ich durch eine recht malerische Landschaft, über den Barkley-Pass nördlich von Elliot, und der ist in keinem Reiseführer beschrieben. Zwischen schneebedeckten, bizarren Bergen hindurch klettert der Sandfloh auf ca. 2200 m Seehöhe hinauf und ich überlege schon, wo ich hier noch eine Bergtour unternehmen kann. Doch nirgends findet sich auch nur ein Parkplatz und die Bergflanken sind viel zu steil und zu vereist zum Klettern. Viel zu schnell bin ich aus dieser herrlichen Gegend wieder draußen und rolle hügelauf - hügelab durch eintöniges Grasland mit vereinzelten Farmen und noch weiter auseinander liegenden Ortschaften wie Elliot, Barkley East und Lady Grey nach Nordwesten. Selbst Aliwal North, hier am Orange-River hat außer seinen schwefeligen Quellen und den etwas stinkenden Swimmingpools nicht viel zu bieten. Doch der Camp ist preislich akzeptabel (35 Rd = 13 DM), ich kann Wasser bunkern, ausgiebig duschen und schwimmen gehen, obwohl mir das Wasser im Pool nicht sonderlich behagt. Doch auch das hier ist nur ein One-night-stand.

weiterlesen

Jun 30 1997

Farbenfrohes Ensemble im Great Karoo St. Lucia Wetlands Park (Südafrika)

The Greater St. Lucia Wetlands Park. Einen passenderen Namen für dieses Fleckchen Erde kann man sich kaum vorstellen. Vor der Türe kräuseln sich die seichten Wasser der Lagune im kalten Südwestwind, umgeben von Mongroven und seltenen, subtropischen Bäumen. Ab und zu plätschert ein Krokodil am Ufer. Fische, Möwen und Angler gibt es bis zum Abwinken. Doch was dem Namen alle Ehre macht, ist die Nässe von oben: seit ich gestern hier ankam, regnet es! Seit Monaten, seit Abfahrt aus dem regenzeitlichen Malawi der erste richtige Regen, bei dem nicht nur vereinzelte Tropfen vom Himmel fallen. Der Himmel ist grau in grau, dazwischen ein paar noch schwärzere Wolken, aus denen kräftige Schauer fallen. Die nächsten drei bis vier Tage soll es so bleiben, sagt der Wetterbericht. Zeit, mal wieder auszuspannen und ein paar Tage Fahrpause einlegen. Denn unten im Süden ist das Wetter noch weit miserabler, letzte Nacht fiel bis in die Mittellagen westlich von Durban Schnee und zwei Städte (Kokstad und Underberg) sind völlig von der Außenwelt abgeschnitten - vermutlich fehlt ja nur ein gescheiter Schneepflug! Doch genau diese Gegend ist mein nächstes Ziel nach Durban: die schneebedeckten Gipfel der Drakensberge versprechen eindrucksvolle Bilder.

weiterlesen

Jun 18 1997

Hütten in den Drakensbergen Pilgrim's Rest (Südafrika)

Die Sonne klettert über die niederen Hügel der Umgebung und die Eiskristalle auf dem Rucksack funkeln in ihren ersten Strahlen. Vor dem Fenster plätschert der Blyde-River entlang der Campingwiese, bevor er ein paar Kilometer später in den Canyon stürzt, der mich hierher gelockt hat. Unerwartet schön ist es hier: die grüne Wiese direkt neben dem Fluss, etwas oberhalb am Hang die frühere Goldgräbersiedlung Pilgrim's Rest, deren einstöckige, wellblechgedeckte Häuser renoviert wurden und einen guten Eindruck vom Leben hier vor 150 Jahren geben. Außer einem Digger, der das ganze Jahr hier steht, bin ich der einzige Camper auf dem Platz, nachdem gestern auch die letzten drei Familien in ihre warmen Häuser zurückgekehrt sind.

Dabei ist es nur morgens kalt. Das Quecksilber zeigt 3 bis 4 Grad unter Null und die ganze Wiese schimmert im Reif des frühen Morgens. Kaum klettert die Sonne über die Hügel, wird es schnell warm und dann sind kurze Hose und T-Shirt angesagt. Dabei ist der Himmel tiefblau und kein Wölkchen ist zu sehen. So lässt sich der Winter aushalten - welch ein Unterschied zu dem nasskalten Wetter, das bei uns meist im Winter herrscht.

weiterlesen

Jun 01 1997

Regierungspalast in Gabarone Livingstone Memorial bei Gabarone (Botswana)

Botswana liegt nun fast komplett hinter mir und die Eindrücke waren nicht gerade eindrücklich. Obwohl - die Weiten der Kalahari, die guten Straßen bzw. Pisten und die Überraschung in Maun werde ich nicht so schnell vergessen.

Doch wieder mal von Anfang an: Stuhl und Tisch sind in Binga, meinem letzten Camp, schnell wieder verstaut und ich rolle die nun gut geteerte Straße durch welliges Hügelland am Ufer des Zambezi gen Westen. Der Fluss bzw. der Stausee Lake Kariba versteckt sich hinter niedrigen Hügeln und die Landschaft links und rechts der Straße ist nicht gerade aufregend. Doch es soll ja noch viel besser kommen - drüben in Botswana! Bei Mlibizi wage ich noch einen Versuch, nahe des Sees zu campen, doch das Restcamp bzw. Hotel ist sündhaft teuer und so verkrieche ich mich bald wieder in den Busch, wobei ihr das ruhig wörtlich nehmen dürft. Die Aussicht ist nicht berauschend, grüne Bäume und hohes Gras ringsum, kein weiter Ausblick auf die blaue, glitzernde Oberfläche des Lake Kariba. Dafür ist der Platz kostenlos.

weiterlesen

May 06 1997

Sumpfgras Binga Rest Camp (Zimbabwe)

Zimbabwe ist ein wahrlich interessantes Land. Und das meiste funktioniert hier sogar. Welch ein Unterschied zu den nördlichen Nachbarn. Aber das habe ich, glaube ich, schon mal geschrieben.

Es gibt auch eine Menge zu besichtigen, zu erkunden und zu besteigen. Berge wie den Mount Binga im Chimanimani Nationalpark beispielsweise. Wo ich mir einen bösen Sonnenbrand eingehandelt habe. Doch wieder der Reihe nach.

Am Eagle's View genieße ich noch zwei herrliche Tage in der Einsamkeit mit der irren Aussicht. Ab und an schauen die Nachbarn auf ihrem Abendspaziergang vorbei, ansonsten bin ich allein in majestätischer Natur. Am 20. April muss ich mich wieder trollen, denn morgen muss ich Vati zum Geburtstag anrufen, und das geht hier draußen schlecht. Also noch an den kärglichen Ruinen einer alten Festung im Rhodes-Inyanga N.P. (Fort Nyangwe) vorbei, dann die anderen "Sehenswürdigkeiten" am Weg abklappern (die Pungwe Gorge und den Honde View, beides wenig spektakulär), dann bringt mich die gute Teerstraße hinunter nach Mutare, bzw. zum Drifter's Camp, zwanzig Kilometer westlich der City.

weiterlesen

Apr 19 1997

Im Chimanimani Nationalpark Eagle's View (Zimbabwe)

Das Leben kann so schön sein, so einfach und so befriedigend! Keine Spur mehr von wegen "Ich wollt, ich wär ein Hund ..." Die Dinge ändern sich schlagartig, als ich von Lilongwe aufbreche, vom Safari-Camp, auf dem ich die weitere Reise planen und meine Leute zu Hause informieren konnte, was hier weiter abgeht. Zum einen wollen mich ja meine Eltern in Namibia besuchen.

Zum anderen - und da freue ich mich viel mehr drauf - will mich nun auch S. besuchen kommen, um ein Stückchen mit mir zu reisen: vermutlich von Cape Town nach Windhoek. Wenn alles glatt geht. Wegen zusammen schlafen oder so soll ich mir keine Hoffnungen machen, hatte sie mir in ihren Briefen Recht deutlich zu verstehen gegeben. Aber das Zusammensein mit einer Frau - 24 Stunden am Tag - kann zu allerhand Unerwartetem führen. Doch worauf ich mich besonders freue, sind die Gespräche mit ihr, denn S. ist ein kluges Köpfchen und sie hält mit ihrer Meinung selten hinterm Berg.

weiterlesen


Save as PDF