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Reisepraxis

Auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Lesers möchte ich hier ein paar Anmerkungen zur Reisepraxis geben. Ich sehe mich dabei weder als typischer noch als Vorzeige-Reisender. Im Gegenteil! Dennoch will ich euch einen kleinen Einblick in meinen Reisealltag geben. Sei es, dass ihr doch Anregungen herauslesen könnt, sei es als abschreckendes Beispiel.

Die Antwort auf jede der gestellten Fragen kann man kurz und bündig formulieren: "Es kommt ganz darauf an!". Die Situationen und Gegebenheiten unterscheiden sich von Land zu Land, ja von Region zu Region so stark, dass man allgemein­verbindliche Antworten nicht gegeben kann! Gerade das macht einen der (zahllosen) Reize des Reisens aus, dass sich alles vielleicht nicht täglich ändert, zumindest aber wöchentlich. Reisealltag kommt, wenn ihr es richtig anstellt, gar nicht auf! Also heißt es unterwegs immer wieder, von neuem nachzudenken, von neuem eine Lösung zu finden. Und die Lösungen schauen in Canada eben anders aus als in Nicaragua!


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Nach welchen Kriterien suchst du Nachtplätze aus?

Mexico, Mai 2015

In der Statistik könnt ihr nachlesen, dass ich allenfalls ein Drittel meiner Nächte auf Campingplätzen oder ähnlichem verbringe. Das ist natürlich von Land zu Land völlig unterschiedlich. Gerade in den 'zivilisierten' und übervölkerten Ländern Mitteleuropas erscheint es mir zunehmend schwieriger, taugliche Orte für eine Übernachtung zu finden, die nicht 'Campingplatz' - oder zumindest 'Wohn­mobil-Stellplatz' - heißen. Schließlich wollen ja die Gemeinden von deinem Dasein profitieren! Allerdings gibt es auch rühmliche Ausnahmen, vor allem in touristisch häufig frequentierten Regionen mit aufgeschlossenen Bürgermeistern.

Im außereuropäischen Ausland sieht das anders aus: manchmal schlechter, meistens aber wesentlich besser!

Foto Canada Nordamerika - inklusive Canada - gehen da mit gutem Beispiel voran. Camping - und Reisen mit dem RV - ist dort eine Art Lebensgefühl und hat einen ganz anderen Stellenwert als in Europa (siehe auch Resümee USA bzw. Resümee Canada). Neben den zahllosen offiziellen Campgrounds gibt es unzählige Plätze zum boondocking, wie das dort heißt. Zum wild - und kostenlos - Campen also. Dazu gibts eine ganze Reihe von Führern und das Internet ist voll von Boondocking-Vorschlägen. So kann man nicht nur eine Menge Geld sparen, sondern auch allein und meist ausgesprochen ruhig in Gottes herrlicher Natur stehen. Weit idyllischer als auf irgendeinem offiziellen Campground. Ein weiterer Quell der Freude sind die Stellplätze der 'NF', der staatlichen Waldbehörde ('National Forest Bureau'), die zahlreiche kostenfreie Stellplätze im/am Wald unterhalten.

Und im Rest der Welt?

Tja, im Rest der Welt kommt es sehr stark auf das Land an. Und auf eure Art zu reisen, sprich eure fahrbare Unterkunft. Wenn ihr abends das Dachzelt (oder ein normales Bodenzelt) aufschlagt, schaut die Stellplatzwahl anders aus, als wenn ihr euer weitgehend autarkes Gefährt nur 'irgendwo' abstellen müsst. Zudem hat jeder Reisende seine ganz persönlichen Vorlieben, wo und wie er übernachten möchte. Schließlich heißt das ganze ja Individualtourismus! Ihr seht: "Es kommt ganz darauf an."

Dennoch möchte ich versuchen, euch meine Stellplatzwahl etwas zu erläutern. Mein persönlicher Tenor ist ganz einfach: "Je weniger Menschen von deinem Stellplatz wissen, desto weniger können auf die Idee kommen, daraus irgendwelche (für dich negative) Vorteile zu ziehen!". Mir ist klar, dass ich mir mit dieser Philosophie ganz, ganz viele furchtbar nette Begegnungen mit vielen freundlichen Einheimischen entgehen lasse! Aber eben auch die eine unschöne Erfahrung, die den Rest der Reise zunichtemachen könnte. Daher praktiziere ich meine Philosophie auch nicht ausnahmslos. Wie gesagt: Es kommt immer darauf an!

Foto Mexiko Wenn ihr mal eine Weile unterwegs seid, werdet ihr ein Gespür dafür entwickeln, ob ein Stellplatz 'halbwegs sicher' ist. Denn Sicherheit steht an alleroberster Stelle! Oder ihr fragt die Einheimischen, ob und wo ihr stehen bleiben könnt. Gelegentlich - abhängig von Land und 'Leuten' - werdet ihr dann schon mal eingeladen und gebeten, auf dem eigenen Hof, direkt am eigenen Haus zu parken. Wenn nicht gleich im Schlafzimmer des Hausherrn zu nächtigen. Dass man in solchen Fällen erst einmal freundlich ablehnt und erst bei wiederholter Einladung diese annimmt, versteht sich wohl von selbst. Und hinterher ein kleines Gastgeschenk parat hat, versteht sich auch!

Nach welchen Kriterien suchst du denn nun deine Nachtplätze aus?

Meine persönlichen Kriterien - die sich auf drei Langzeitreisen bewährt haben - lauten:

  1. Stellplatz muss ruhig sein (so ruhig wie irgend möglich): ein Platz direkt an der Hauptstraße ist wenig verlockend; in manchen Ländern bieten 24h-Tankstellen einen 'sicheren' Stellplatz an, dort muss die ganze Nacht über mit dem Kommen und Gehen von Brummis gerechnet werden!
  2. Stellplatz soll von der Hauptstraße her nicht einsehbar sein (besser: von nirgendwoher): Je weiter ihr von der Hauptstraße wegkommt, desto besser. 1km bis 2km sind in meinen Augen das Minimum! An besten eine schmale Seitenstraße rein, dann nochmals abbiegen! Waldgebiete machen die Suche einfacher, weite, offene Landschaften eher schwieriger.
  3. Stellplatz muss halbwegs eben sein: Schlafen in einem abschüssigen Bett garantiert eine unruhige Nacht; bei abschüssigem Stellplatz Kopf nach oben betten, sonst gibt's Kopfweh; absolut waagerechtes Stehen ist nicht zwingend notwendig; ein Bettrost mit anhebbarem Kopfteil (zu Hause die Norm) ist bei abschüssigen Stellplätzen von Vorteil!
  4. Stellplatz soll ein schnelles Verlassen im Notfall ermöglichen: So parken, dass ihr ohne großes Rangieren wegfahren könnt; schmale Ausfahrten vermeiden, denn die sind leicht zu blockieren;
  5. Nette Landschaft außenherum wäre das i-Tüpfelchen: Wer frühstückt nicht gerne in einer netten Umgebung?
  6. Ausrichtung nach Sonne und Wind beachten! Wenn ihr vor lauter Auswahl gar nicht wisst, wohin am besten, schaut mal nach der Sonne, bzw. woher der Wind weht. Die Eingangstüre im Windschatten zu haben ist immer gut, manchmal stellt man sich aber lieber so, dass die Windgeräusche minimal sind (gilt u.a. für Patagonien und ebene Wüstenregionen). Abends noch eine Runde in der Sonne sitzen ist auch toll. Morgens von der aufgehenden Sonne geweckt zu werden, nicht weniger. Je nachdem, wie ihr es gerne habt.
  7. Bei Stellplatz in der Stadt: dunkle Gegenden meiden, lieber mitten auf dem Hauptplatz stehen! Ja, das liegt wohl auf der Hand, auch wenn 'mittendrin' der Lärmpegel deutlich höher liegt. Aber Sicherheit geht nun 'mal vor!

Foto Kolumbien Natürlich wird nicht jeder Stellplatz alle Kriterien erfüllen. Das wäre doch zu schön! Da muss man zum Teil schon ein paar Abstriche machen, manchmal sogar sämtliche Augen zudrücken. Und nehmen, was sich anbietet. Ja, und dann macht es auch einen Riesen Unterschied, ob ihr wirklich nur über Nacht dort stehen und gleich am nächsten Morgen weiterfahren - oder mal zwei, drei Nächte/Wochen an einem Fleck bleiben wollt. Klar ist: je länger ihr bleiben wollt, desto mehr Kriterien sollten erfüllt sein!

Erwähnenswert erscheint mir vor allem, nicht erst bei Einbruch der Dämmerung anzufangen, nach einem geeigneten Platz Ausschau zu halten! Es gibt tatsächlich Gegenden, da ist auf Hunderte von Kilometern kein einziger, auch nur annähernd akzeptabler Stellplatz zu finden. Bricht dann 'ganz plötzlich' die Nacht herein, wird die Stellplatzsuche noch viel schwieriger! Also frühzeitig anfangen, die Augen offen zu halten! Ab Mittag, spätestens ab drei, vier Uhr am Nachmittag.

Wenn ihr lieber nicht ganz so ins Blaue hineinfahren wollt (was für mich einen der Hauptreize des Reisens ausmacht), gibt es eine nette App, in der Tausende möglicher Stellplätze aus aller Herren Länder (luxuriöse Campingplätze bis hin zu gerade noch akzeptablen Stellplätzen) aufgelistet sind: iOverlander. Ihr könnt das Gesamtverzeichnis oder Listen bestimmter Länder runterladen und somit auch offline arbeiten. Da das Verzeichnis von einer Menge Leute gefüttert wird - die alle ganz unterschiedliche Vorstellungen von einem 'tollen' Stellplatz haben - schwankt die Qualität der Angaben erheblich. Unter'm Strich eine praktische Hilfe unterwegs!

Aber es gibt noch Millionen wirklich netter Stellplätze, die nirgendwo verzeichnet sind! Selber suchen macht Spaß! Und vielleicht denkt ihr daran, dass das auch so bleiben soll! Oder wollt ihr euren Super-Trooper-Spitzen-Stellplatz beim nächsten Besuch mit fünf anderen Leuten teilen? Und die Gegend mit Flaschen, Dosen und weißen Papierfetzen übersäht vorfinden?


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Wie sieht dein Reisealltag, wie sieht dein Leben im Fahrzeug aus?

Chile, Juni 2016

Ja, wie sieht mein Reisealltag eigentlich aus? Ziemlich alltäglich! Das Leben in einer 'Mobilie' unterscheidet sich erschreckend wenig von dem Leben in einer 'Immobilie'. Die Lady Grey ist ja ein 'Casa Rodante' wie man hier sagt, ein Haus auf Rädern!

Foto USA Natürlich müssen wir unterscheiden zwischen sogenannten 'Fahrtagen' und 'Ruhetagen'. Was nicht heißen soll, dass an Fahrtagen nur gefahren und an Ruhetagen auch nur irgendwie geruht wird. Für die Statistik hab' ich einfach mal bei 20km Fahrleistung die Grenze gesetzt: alles darüber ist ein Fahrtag, darunter ein Ruhetag. Beide halten sich zahlenmäßig in etwa die Waage. Wobei es Zeiten gibt, das steht die Fahrerei im Vordergrund und andere, da stehen Besichtigungen, Touren oder Hobbies im Vordergrund.

Das ist ja gerade einer der Hauptvorzüge des Reisens, dass ich mir meine Zeit frei einteilen kann. Je nach Lust und Laune klemme ich mich hinters Steuer, schreibe Reiseberichte, sortiere Fotos oder fröne Hobbies, die mit Reisen gar nichts zu tun hat. Ja, auch so etwas gibts! Ganz wie 'zu Hause' - wenn man durch den täglichen Broterwerb nicht mehr von den wichtigen Dingen des Lebens abgelenkt wird. Ach ja, die Nachbarn bzw. die Umgebung sind jedes Mal anders! Auch das in meinen Augen einer der Hauptvorteile des Reisens: Abwechslung. Abwechslung, die ich bewusst suche. Oder aber Abwechslung, die ich ganz gezielt abschalte. Dann nämlich, wenn es mir zu viel wird und ich mich für zwei, drei Wochen an einem festen Platz einniste - was aber nicht sehr häufig vorkommt! Beides ist möglich und beides gehört zum Reisen - zumindest zum Langzeitreisen.

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Foto USA Nach Canada habe ich sehr deutlich gespürt, dass das permanente, tägliche Reisen auch so etwas wie 'Burn-Out' verursachen kann. Dort musste ich auf Grund des engen Zeitrahmens (6-Monatsvisum) und der riesigen Distanzen nahezu jeden Tag (lange Stunden) fahren oder etwas unternehmen. Die wenigen 'Ruhetage' dazwischen waren angefüllt mit Berichte schreiben, Fotos sortieren und die Route für die kommenden Tage planen. Raum für 'Nicht-Reise-Aktivitäten' war einfach nicht gegeben. Das wurde tatsächlich zu einem Stressfaktor. Klar, selber auferlegt, aber eben doch ein gewisser Druck. Daher wurde schon frühzeitig klar, dass ich in den USA und mehr noch in Mexiko - als der Zeitdruck infolge der Visa nicht mehr gegeben war - ein bis zwei Gänge zurückschalten musste. Langsamer Reisen. Mir Zeit für andere Aktivitäten nehmen. Was dann ganz schnell auch die Freude am Reisen zurückbrachte. Ähnliche Erfahrungen wurden mir übrigens auch von anderen Langzeitreisenden bestätigt.

Inzwischen hat sich eine gewisse Gelassenheit eingestellt. Mehr noch: eine gewollte Langsamkeit! Fahrtage mit mehr als sechs Stunden am Steuer sind die absolute Ausnahme. Meist halte ich schon kurz nach Mittag nach einem netten Nachtplatz Ausschau und verbringe den Nachmittag mit kleineren Arbeiten an der Lady Grey - was glücklicherweise selten vorkommt -, mit Ausflügen in die nähere Nachbarschaft (zu Fuß, per Fahrrad oder auch mal im Kanu), mit Lesen, Programmieren oder auch mal mit 'Gute-Musik-Hören'. Auch die Fotodatenbank will gepflegt werden, haben sich doch mittlerweile an die 30.000 Bilder angesammelt. Die nicht nur geknipst, sondern auch wiedergefunden und angeschaut werden wollen!

Foto Marokko Mein Zeit- und Routenplanungstool (auf EXCEL-Basis) ist inzwischen dahingehend angepasst, dass es die Besuchsdauer der Länder maximal ausnutzt. Soll heißen, dass ich die drei Monate Aufenthaltsdauer, die die meisten Länder (für Touristen) problemlos gewähren, auch wirklich ausnutze. Große Länder und solche Länder, in denen es besonders viel zu sehen bzw. unternehmen gibt (wie z.B. Brasilien, Argentinien oder Chile) werden so eingeplant, dass ich mehrfach in den Genuss der 3-Monats-Besuchsdauer kommen kann. Es steht also nicht mehr die Route im Vordergrund - und in wie vielen Tagen sie minimal zu bereisen ist - sondern die maximale Reisedauer, die ich bestmöglich ausschöpfen möchte. Ein völlig neuer Ansatz der Planung!

Gerade hier auf der Panamericana treffe ich immer wieder Leute, die die Strecke von Alaska nach Feuerland in möglichst kurzer Zeit bewerkstelligen möchten. Zeiten von einem Monat bis zu drei Monaten werden da genannt - für die gesamte Strecke! Tagesetappen von 600km bis 800km sind eher die Regel als die Ausnahme. Meist mit dem Motorrad. "Und was hast du vom Land gesehen?" frage ich meist zurück. "Nicht viel, aber ich habe eben nicht mehr Zeit!" bekomme ich regelmäßig als Antwort. Klar, nicht jedem ist der Luxus gewährt, 'Open End' unterwegs sein zu dürfen, sprich ohne zeitliche Begrenzung. Aber man könnte eine Tour auf mehrere Etappen aufteilen.

In der Kürze liegt - gerade beim Reisen - eben nicht die Würze!

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"Aha, und wie sehen dann deine Ruhetage aus?"

Ganz einfach, da gibt's keine Fahrerei! Allenfalls zum Einkaufen - sofern mit dem Radl nicht machbar. Ansonsten hat sich meist schon eine ganze Liste von Dingen angesammelt, die zu erledigen sind. Dinge, für die die paar Stunden am Nachmittag einfach zu kurz sind - oder Dinge, die einen gewissen - zeitlichen wie mentalen - Abstand brauchen. Eine neue Stadt erkunden zum Beispiel, Sightseeing, eine längere Wanderung oder einen Ausflug mit dem Radl unternehmen, Gedanken über das Leben anstellen. Reiseberichte schreiben gehört ebenfalls dazu - oder ausgefallene Fantasiegeschichten. Daneben führe ich einen privaten Blog über Dinge, die mit Reisen wenig zu tun haben. Wichtig ist mr bei all dem, dass ich es ohne zeitlichen Stress erledigen kann. Zu kurz gesetzte Termine und saftige Pönalen bei Nichteinhaltung hatte ich im Job schon genug!

Foto Bolivien Tage allerdings, an denen ich gar Nichts tue, sind die absolute Ausnahme. Ich weiß aus Erfahrung, dass ich an solchen Tagen 'unausstehlich' bin - das möchte ich keinem zumuten, mir selbst am allerwenigsten. Also gibts im Hinterstübchen immer eine Liste von Dingen, die ich beim nächsten Mal gerne tun würde. Nicht tun muss - das ist der feine Unterschied! Aus dieser Liste suche ich mir dann Etwas aus, was gerade zur Stimmung passt! Garnichts tun geht einfach nicht! Die im Urlaub so beliebten Zeitvergeuder wie Sonnenbaden, am Strand liegen, in die Disko gehen sind für mich absolute No-Go's. emoticon

Im Übrigen achte ich penibel darauf, dass die Abwechslung erhalten bleibt. Drei, vier Tage hintereinander das Gleiche tun - das geht gar nicht! Es sei denn, es gibt etwas Interessantes zu schreiben - da kann ich mich auch schon mal zwei Wochen festbeißen! Aber das ist Hobby und mit viel Endorphin verbunden, wenn das Problem geknackt, die Story endlich rund ist! Und danach gibt's wieder etwas ganz anderes!

Well, soweit der Alltag an Bord! Natürlich gibt's zwischendrin meist eine Mütze voll Schlaf und ab und zu etwas zwischen die Zähne (s.u.). Daneben die ganz alltäglichen Verrichtungen, die eben sein müssen: von Aufstehen bis Zubettgehen, von Abwaschen bis Zusammenfegen, von Abfallwegtragen bis Zähneputzen. Wenig Unterschied gegenüber 'zu Hause', außer dass die Wege kürzer sind.

Einen Unterschied hätte ich fast vergessen: die Pendelei. Viele von uns sind bzw. waren doch Berufspendler: morgens eine Stunde (oder mehr) im Stau oder der überfüllten S-Bahn. Abends das gleiche in Gegenrichtung. Zwei Stunden des Tags verloren. Zwei Stunden zwischen griesgrämigen, müden bzw. erschöpften Mitmenschen, denen es nicht besser geht. Das zumindest liegt hinter mir!


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Kochst du? Backst du Brot? Wie ernährst du dich? Wo ergänzt du Vorräte?

Mexiko, Mai 2015

Foto Ausbau Wenn ihr Bilder meiner Küche anschaut werdet ihr sicher denken "Whoooow, da muss ja ein Meisterkoch am Werk sein!" Um der Wahrheit den Vortritt zu lassen: ein großer Sternekoch ist an mir nicht verloren gegangen! Manchmal habe ich sogar Probleme, das Teewasser nicht anbrennen zu lassen! Und mal ganz ehrlich: warum soll ich mich eine Stunde lang in die Küche stellen, etwas zubereiten und hinterher eine halbe Stunde abspülen? Wenn es draußen die leckersten Gerichte zu erstehen gibt? Frisch zubereitet. Köstlich. Für ein paar Centavos. Das ist doch viel ökonomischer! Schmeckt, ist abwechslungsreich und mindestens genauso nahrhaft wie das selbstgekochte!

Zwei Ausnahmen gibt es dabei: Frühstück und Brot!

"Frühstücke wie ein König, Esse zu Mittag wie ein Bürger und zu Abend wie ein Bettelmann!" Dieses Sprichwort kennt ihr vielleicht - ich halte mich jedenfalls daran. Das Frühstück ist für mich die wichtigste Mahlzeit. Ohne Frühstück bin ich den ganzen Tag schlecht drauf! Also gibt es (meistens):

Foto Marokko

Frühstück gibt's meist direkt nach dem Aufstehen und dem morgendlichen Badbesuch. Hetze ist mir besonders dabei ein Gräuel - wie bei anderen Dingen auch! Also wird das Frühstück genossen, dazu läuft gute Musik oder gelegentlich das 'Frühstücksfernsehen': ein schönes Filmchen auf dem Tablet. Ist die landschaftliche Umgebung nicht wirklich einladend, kommt es auch vor, dass ich mich erst 'ne Stunde hinters Steuer klemme und einen ansprechenderen Frühstücksplatz suche. Das Leben ist zu kurz für ein Frühstück in hässlicher Umgebung!

Foto Peru Die weiteren Mahlzeiten fallen meist mickriger aus. Es gibt Tage, an denen ich nach einem guten Frühstück gar nichts weiter brauche! Allenfalls eine Tasse Kaffee und einen Snack am Nachmittag. Häufig sehe ich unterwegs ein Restaurant oder einen netten Imbiss am Straßenrand, an dem ich kurzerhand einkehre. Wie gesagt, das Essen 'am Straßenrand' ist meist billig, schmackhaft, lecker und clean. So bleibt die Küche sauber und mehr Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens.

Das Essengehen vor Ort ist zudem ein - wenn auch winziger - Beitrag zum nachhaltigen Reisen!

Shoppen und Vorräte beschaffen ist ein anderes Thema. In Nordamerika fährt der Reisende eben in den Supermarkt und holt sich dort, was er braucht. Das Angebot ist riesig - um nicht zu sagen übergroß. Man findet alles, was das Herz begehrt - bis auf zwei Dinge: Brot und Tee. Ich meine richtiges Brot, nicht die weiße Pampe, die ihr vom 'großen M' kennt. Leckeres Brot, wie wir es aus Deutschland oder Frankreich kennen, ist in den Staaten nicht erhältlich. Nicht mal beim deutschen Bäcker! In Mexiko und Canada ist die Brotsituation geringfügig besser, aber nicht großartig! Die Auswahl einer deutschen Dorfbäckerei sucht ihr in allen Supermärkten Amerikas zusammengenommen vergeblich!

Was man in weiten Teilen Amerikas ebenfalls erfolglos sucht, ist Tee. Richtiger Tee, nicht der gräßliche Verschnitt aus den Teebeuteln. Der Osten Canadas bildet eine rühmliche Ausnahme: hier gibt es eine reichhaltige Tee-Auswahl für die eingewanderten Briten. Sogar Lady Grey! Auf dem Rest des Kontinents jedoch Fehlanzeige! Die Situation bessert sich erst in Peru, wo es argentinischen Maté gibt, der auch recht lecker schmeckt - aber ganz anders zubereitet wird.

Foto Ecuador Shoppen in den restlichen Ländern ist wieder ein ganz anderes Thema. Frische Sachen, Obst, Gemüse findet ihr gewöhnlich auf den lokalen Märkten. Vielleicht nicht ganz so ansehnlich aufgemacht wie im heimischen Supermarkt, dafür billig, frisch und weit schmackhafter als das Zeug aus dem Regal! Haltbare Dinge, Konserven, und Dinge, die Touris (oder EXPATs) suchen, findet ihr hingegen nur im Supermarkt! In den großen Städten sind sie meist zu finden, allerdings mitten in der Stadt - und oft genug völlig ohne Parkmöglichkeit (die Locals fahren mangels eigenen Fahrzeug mit dem Taxi oder Tuk-Tuk zum Einkaufen)! Auch das Sortiment ist dort eher bescheiden und die Preise eher von der gehobenen Sorte.

Wenn ihr also auf irgendeinen Teil eures Menüplans partout nicht verzichten wollt: packt ausreichend Vorräte ein oder bunkert dort gehörig auf, wo ihr das Leckerli finden könnt.

Foto Spanien Da die Brotsituation in vielen Teilen der Welt ähnlich bescheiden ist wie in den USA, backe ich mein Brot oft selber. Rezepte gibt's genug, Mehl (zumindest Weizenmehl) ist an vielen Orten erhältlich und Hefe- oder Sauerteig kann man über Monate aufheben (sprich als Vorrat mitnehmen) oder vor Ort bekommen. Und der Duft, wenn das frisch gebackene Brot aus dem Ofen kommt, ist einfach unbeschreiblich! Hmmmmmh.

Ach ja, wenn ihr gerade in Ecuador unterwegs seid, schaut bei Patricia auf der Finca Sommerwind vorbei, sie backt das beste Brot der ganzen Region!


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Woher beziehst du Wasser und Gas?

Mexiko, Mai 2015

Lasst uns mit dem einfachsten beginnen: Propangas. Ich habe zwei graue 11-kg-Flaschen an Bord. Und die reichen ... und reichen ... und reichen. Da ich damit nur koche und backe (keine Heizung), reicht eine Flasche ein gutes Jahr (!) lang. Mehr als genug Zeit, sich nach einer Nachfüllmöglichkeit umzutun. In Nord- und Südamerika ist Propangas ein ganz normaler Brennstoff, der an 'jeder Straßenecke' zu bekommen ist, meist in Form von 5kg-Flaschen. An denen natürlich die Anschlüsse nicht passen. Aber die gibt's im lokalen Fachhandel und mit ein bisschen Geschick kann man sich schnell einen Adapter bauen! Kein Problem also, hier Nachschub zu bekommen.

Etwas anders schaut's beim Auffüllen der europäischen Gasflaschen aus. Für die USA gibt's im Fachhandel fertige Adaptersets, mit denen die Flaschen an jeder Tankstelle (die Propangas führt, aber das sind 80%) nachgefüllt werden können. Nicht immer bis zur maximalen (europäischen) Füllgrenze, denn die Füllstationen schalten bei einen gewissen Innendruck ab. Das entspricht dann meist einer ¾-vollen Flasche.

In Canada und Südamerika musste ich (nach den Verschiffungen, auf denen die Gasflaschen leer sein mussten!) die kompletten Flaschen auffüllen lassen. In Canada wurde dazu direkt aus einem Hochtank umgefüllt (ähnlich wie an den US-Tankstellen; mit US-Adaptern; gefunden über die 'gelben Seiten'), in Kolumbien wurde das ganze direkt in der Gasraffinerie von Cartagena bewerkstelligt (die sich wohl ihre eigenen Adapter gebastelt haben; gefunden durch 'Rumfragen' und 'iOverlander' (s.o.)). Beide Male völlig problemlos und bis zum Maximalgewicht gefüllt. Und beide Male saubillig - legt man die horrenden Nachfüllkosten in Deutschland zu Grunde.

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Foto Canada Sauberes Wasser zu bunkern, ist auch kein größeres Problem. In Canada und Nordamerika an jedem Wasserhahn (z.B. auf Campgrounds oder an Tankstellen) zu bewerkstelligen. In den übrigen Ländern sollte man eben fragen, wo es Trinkwasser gibt bzw. ob das Wasser aus dem Wasserhahn trinkbar ist. Dort, wo das Wasser aus dem Hahn definitiv nicht trinkbar ist, bieten sich zwei Alternativen an: entweder ihr findet in der Nähe eine 'Trinkwasserfabrik', in der sauberes, trinkbares Wasser verkauft wird (z.B. Mexiko, Honduras, Peru). Meist sind die Betreiber so freundlich und füllen auch direkt in euren Tank ab - gegen eine kleine Gebühr, versteht sich.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, im Supermarkt 5- oder 10-Gallonen Plastikgefäße voll trinkbarem Nass (kennt ihr vielleicht aus den Trinkwasserspendern; Preis erschwinglich) zu erstehen und den Inhalt in euren Tank umzufüllen (bzw. direkt zu benutzen). Dabei solltet ihr darauf achten, dass die Gefäße im Pfandsystem zurückgenommen werden! Die kleineren zwei- oder Fünf-Literflaschen verbieten sich inzwischen, da die leeren Flaschen nicht zurückgenommen werden und früher oder später nur den Plastikteppich in den Weltmeeren vergrößern!

Generell hilft natürlich ein großer Vorratstank dabei, Regionen zu überbrücken, in denen die Wasserversorgung eher mau ist. Andererseits habe ich gelegentlich auch solches Wasser gebunkert, das die Einheimischen als 'nicht trinkbar' bezeichnet hatten. Die Lokals sind, was Trinkwasser anbetrifft sehr viel vorsichtiger als unsereins. Gerade dem Touristen gegenüber wird so manches als nicht trinkbar bezeichnet, was bei einem intakten Magen durchaus genießbar ist. Eine gute Filteranlage tut ein Übriges.

In der Lady Grey ist ein 2-Stufen-Filter mit 100-μm und 10-μm verbaut (der aber bei Viren- oder Bakterienbefall wenig Wirkung hat). Dieses Wasser trinke ich meist ohne weiter Aufbereitung, da mir (a) die Schlepperei mit den Getränkekisten/-kartons zu lästig ist und (b) die meisten alkoholfreien Getränke so pappsüß sind, dass man davon nur noch mehr Durst bekommt.

Ein Spritzer Zitronensaft ins 'Leitungswasser' wirkt nicht nur desinfizierend, sondern auch geschmacksfördernd! emoticon Falls ihr intensiveren Geschmack bevorzugt, möchte ich auf sogenanntes 'Getränkepulver' hinweisen: normales Leitungswasser plus dieses Pülverchen ergibt ein schmackhaftes Getränk, ohne dass ihr schwere Getränkepackungen schleppen müsst! Manche kennen Tang aus dem Supermarkt, was jedoch pappsüß und gewaltig nach BASF schmeckt. Die Pülverchen von Bolero bilden eine praktische, schmackhafte, obendrein zuckerfreie Alternative.


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Wie entsorgst du Schwarz-/Grauwasser?

Spanien, April 2019

Nun, auch hier kommt es wieder ganz darauf an. Zunächst habe ich - dank einer genialen Toilette - keinerlei Schwarzwasser zu entsorgen. Die eingeschrumpften Fäkalabfälle mitsamt Toilettenpapier gebe ich in den regulären Restmüll. Der Beutelinhalt schaut etwas unappetitlich aus, ist aber chemisch und biologisch neutral. Somit im Restmüll gut aufgehoben, ganz gleich, ob dieser später verbrannt (wie in Europa) oder irgendwo deponiert wird (wie im Rest der Welt). Außerdem muss ich nur zirka alle drei Monate (!) einen 20l-Sack entsorgen. Ein gewaltiger Unterschied zu den zwei- bis dreitägigen Entleerungsintervallen der chemiebelasteten Porta Potis!

Der zugehörige 50l-Urintank muss ungefähr alle zwei Wochen entleert werden. Das erledige ist meist zusammen mit dem 'Grauwasser' (s.u.), da beide Tanks ungefähr gleiche Entleerungsintervalle haben. Ist keine Entsorgungsstationen zu finden, suche ich mir ein Fleckchen in der Wildnis oder einen Gully in der Stadt. Die Flüssigkeit müffelt zwar anfangs ein wenig (stark verdünnter Urin), ist aber biologisch wie chemisch absolut einwandfrei! In vielen Ländern Europas wird dieser Mix sogar gesammelt und als Dünger für Pflanzen ausgebracht. Also auch bei dieser Zweite-Wahl-Entsorgung kein schlechtes Gewissen!

Bleibt das reguläre Abwasser, auch als 'Grauwasser' bezeichnet. Das, was beim Abspülen, aus dem Waschbecken oder der Dusche abrinnt. Das wird zunächst gesammelt (150l-Tank). Danach kommt es wieder ganz darauf an:

In Europa oder Nordamerika - überall dort, wo es Entsorgungsstationen für Reisemobile gibt, entsorge ich selbstredend an diesen Entsorgungsstationen. Die findet man inzwischen fast flächendeckend und die Benutzung ist fast immer kostenfrei! Kein Grund mehr, irgendwelche Abwässer in der Natur zu entsorgen. Allein die Menge an Wohnmobilisten, die ihre 'Gülle' zu entsorgen haben, machen dieses Verhalten unverzichtbar. Egal, welch umweltfreundliche Seifen und Spülmittel verwendet werden. Häufig kann man an diesen Stationen auch gleich seine Frischwasservorräte ergänzen, gelegentlich gegen eine kleine Gebühr.

Sollten keine Entsorgungsstationen zu finden sein, entsorge ich das Grauwasser gelegentlich gemeinsam mit dem Urin. Auch hier ist die Entsorgung in der Natur nur zweite Wahl, manchmal jedoch nicht zu umgehen. Da ich durchweg biologisch abbaubare Seifen bzw. Spülmittel verwende, habe ich dabei kein allzu schlechtes Gewissen. Dennoch achte ich darauf, dass das Abwasser nicht direkt in oberirdische Wasserläufe gelangt, vielmehr durch einen Sand- oder Erdfilter vorgesäubert wird. Also Entsorgung vorrangig in Kiesgruben, an Wäldern oder - weit weg vom nächsten Bachlauf - ins Erdreich. Obendrein weit weg von der nächsten Ansiedlung - auch das ist klar.


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Wie beschaffst du Ersatz- und Verschleißteile?

Mexiko, Mai 2015

Wie, welche Ersatz- und Verschleißteile? Ich fahr doch MAN! Spaß beiseite. Auch ein MAN braucht ab und zu etwas Wartung und Pflege! Die Lady Grey erst recht, schließlich ist sie eine Lady!

Foto Peru Was Ersatzteile anbetrifft, geht erfahrungsgemäß immer das kaputt, was du nicht mitgenommen hast. Trotzdem habe ich in enger Zusammenarbeit mit dem Ersatzteilservice der MAN in Karlsfeld ein Ersatzteilpaket geschnürt, dass zumindest ein Fortkommen im schlimmsten Fall sicherstellen soll. Ob wirklich die richtigen Teile drin sind, musste ich bislang glücklicherweise noch nicht austesten!

Wenn unterwegs Ersatzteile notwendig werden, gibt's vier Möglichkeiten. Je nach Ersatzteil, Wichtigkeit, Zeit- und Kostenrahmen könnt ihr wählen:

  1. Besorgung auf dem lokalen Kleinteilemarkt:
    Es ist immer wieder erstaunlich, was die lokalen Autoschrauber auf dem Kleinteilemarkt so auftreiben können. Insbesondre Motorenteile und Teile von Fahrzeugen, die auch vor Ort gefahren werden (VW-Bus, 'Rundhauber', Brummis mit dem 'Stern')
  2. Besorgung durch deine Markenwerkstatt:
    Meist kostenintensiver ist die Besorgung durch deine Markenwerkstatt vor Ort. Wenn das Teil aus Deutschland eingeflogen werden muss, kostet es zusätzlich - und dauert! 3 bis 4 Wochen Minimum! Oft sind die lokalen Markenwerkstätten auch nicht willig - oder fähig - das richtige Teil aus Deutschland kommen zu lassen. Ein Gespräch mit dem Niederlassungsleiter und der Hinweis auf die Wichtigkeit hilft gelegentlich. Werkstatt-Adressen vor Abreise besorgen!
  3. Ersatzteilversand durch den ADAC:
    Der berühmte Automobilclub kann dir Ersatzteile in Deutschland besorgen und in jedes Land (nicht nur Mittelmeeranrainer) zuschicken. Hast du die 'Mitgliedschaft plus' zahlst du nur die Ersatzteile! Am besten vor Reiseantritt über Ansprechpartner und Ablauf erkundigen!
  4. Ersatzteilversand durch Angehörige:
    Auch Angehörige können dir natürlich Ersatzteile nachsenden. Je nach Größe können dabei DHL, FedEx oder die anderen Kurierdienste von Vorteil sein. Vorher erkundigen, welcher Kurierdienst vor Ort vertreten ist! Kritisch kann dabei die Zollabwicklung im Zielland werden (50% bis 200% Zoll sind keine Seltenheit!) Vor dem Versand per Fotoaustausch (email) prüfen, ob es die richtigen Ersatzteile sind!

ALT Meine Windschutzscheibe habe ich - nach Rücksprache mit dem lokalen Niederlassungsleiter in Queretaro (Mexiko) - relativ problemlos per Luftfracht erhalten (700USD Fracht). In Costa Rica, Equador und Peru, sogar im ach so modernen Chile hat man - angeblich - keine Antwort auf diesbezügliche Anfragen bei MAN in Deutschland bekommen, als ich ein weniger wichtiges Ersatzteil gebraucht hätte.

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Verschleißteile? Auch da kommt es wieder darauf an! Ist es ein fahrzeugspezifisches Teil, kann euch am ehesten eine Markenwerkstatt vor Ort weiterhelfen. Fahrt ihr ein Gefährt, das auch lokal vertreten ist, ist die Chance groß, dass man euch dort weiterhelfen kann (Verschleißteile für die lokal gängigen Fahrzeuge sind bei den meisten Markenwerkstätten auf Lager). Ist es ein eher unspezifisches Teil (Keilriemen, Ölfilter, Kraftstofffilter o.ä.) werden gegebenenfalls auch die Markenwerkstätten weiterhelfen können. Haben sie es nicht selber am Lager, wissen sie, wie sie es zeitnah besorgen können. Auch bei den Verschleißteilen hilft es, einen kleinen Vorrat selber dabei zu haben! So kann man Routinearbeiten auch mal bei einer kleinen (billigeren) Werkstatt durchführen lassen.

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Ein besonderer Hinweis zum Motoröl. In dieser Hinsicht sind wir Mitteleuropäer sehr verwöhnt. Ölwechselintervalle von 20.000 bis 60.000km sind hier ja eher die Regel. Nicht so in vielen außereuropäischen Ländern, z.B. solchen Lateinamerikas! In Ecuador wird beispielsweise ein Wechselintervall von 5.000km angegeben (!!!), in Peru von 10.000km. Das ganze bei Markenölen! Und bitteschön auch immer gleich den Filter mitwechseln! Begründet wird das
(a) mit der schlechten Langzeitstabilität des Öls, da es sich durchweg nicht um Synthetiköle handelt! und
(b) mit dem hohen Schwefelgehalt des Diesel-Treibstoffs.
In diesen Ländern also entsprechend vorbauen! Dass man von jeder Ölsorte, die im Fahrzeug enthalten ist, einen kleinen Vorrat dabei hat, versteht sich wohl von selbst. Dabei Getriebeöl und evtl. Spezialöl (Hypoidöl) für Achsen oder Vorgelege sowie Hydrauliköl (falls ihr irgendetwas Hydraulisches an Bord habt) nicht vergessen! Je exotischer das Öl ist, desto mehr Vorrat solltet ihr einplanen.

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Die Beschaffung vom Ersatz- und Verschleißteilen sollte übrigens schon ganz zu Anfang eurer Reiseplanung eine Rolle spielen: bei der Auswahl eures Basisfahrzeugs nämlich! Entscheidet ihr euch für einen ganz tolles, aber völlig exotisches Basisfahrzeug, werdet ihr unterwegs größere Schwierigkeiten haben, Ersatz- und Verschleißteile aufzutreiben, als wenn ihr ein gängiges Fahrzeug fahrt. Leider ist die 'Gängigkeit' derartiger Basisfahrzeuge weltweit sehr unterschiedlich! Mag für eine Sibirien-Reise ein URAL durchaus die richtige Wahl sein, so würde man mit dem gleichen Fahrzeug in Afrika oder den Amerikas nur unverständiges Kopfschütteln ernten! Unabhängig von Marke oder Typ gilt weiterhin die alte Fernreiseweisheit: "Je einfacher das Fahrzeug, desto besser!"


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Was packst du zum Trekking in den Rucksack?

München, Sommer 1996

ALT Möglichst wenig!
Das ist das oberste Gebot (das ich selber auch gern mal übertrete emoticon09). Daneben richtet sich der Inhalt natürlich nach Ziel, Jahres­zeit, Dauer und Ansprüchen. Die Auflistung (aus 1996) ist daher eher ein Anhaltspunkt, möglichst wenig zu vergessen.

Packliste Rucksack rechts: (weniger ist mehr!):

  1. ALLGEMEINES:
    1. Rucksack (je nach nötigem Volumen)
    2. Zelt (Außenzelt, Innenzelt, -stangen, Heringe, Spannleinen)
    3. Schlafsack (je nach erwartetem Temperaturbereich Daune oder Holophil®)
    4. Liegematte Thermarest
    5. Biwaksack (Schutz vor Nässe, wenn Zeltaufbau nicht möglich)
    6. Außentaschen zum Rucksack (falls notwendig)
    7. Regenschutzhülle für Rucksack
    8. Rucksack klein (für Tagestouren)
    9. Nierentasche, Geldkatze
    10. Sitzkissen Alu
  2. BERGAUSRÜSTUNG:
    1. Kompass, Höhenmesser, Kartenmaterials, GPS-Gerät
    2. Taschenmesser
    3. Trillerpfeife, Spiegel
    4. Erste-Hilfe-Box (Inhalt s.u.)
    5. Taschenlampe, Stirnlampe, Reservebatterien
    6. Wäscheleine, dünne Reepschnur
    7. Waschmittel (Rei in der Tube)
    8. Fotoapparat, Teleobjektiv, Makroobjektiv, Polfilter
    9. Ersatzkarten (SD-), Ersatzbatterien
    10. Steigeisen, Skistöcke
    11. Eispickel, Eishammer
    12. Schneeschaufel
  3. PERSÖNLICHE AUSRÜSTUNG:
    1. Trekkingjacke, Trekkinghose(n)
    2. Trekking-, Bergschuhe
    3. Gamaschen oder Goretex-Überhose
    4. Gymnastikhose, lange Unterhose(n)
    5. Socken, Strümpfe, dicke Socken
    6. Polarfleece, Sweatshirt(s)
    7. Hemd langärmlig
    8. T-Shirt kurzärmlig
    9. Unterhose(n), Unterhemd(en)
    10. Handschuhe, Mütze, Stirnband, Halstuch
    11. Regenschutz, (Jacke, Hose, Poncho/Mantel)
    12. Brille, Sonnenbrille, Gletscherbrille
    13. Ausweis, Geld, (Kreditkarte)
    14. Handy (für Notfälle)
  4. HYGIENE AUSRÜSTUNG:
    1. Seife, Waschlotion, Handtuch klein
    2. Kontaktlinsen, -pflegemittel
    3. Haarbürste/Kamm
    4. Zahnbürste, -paste
    5. Sonnenschutzmittel fettfrei
    6. Insektenschutzmittel
    7. Taschentücher (Tempo®)
    8. Lippenschutz (Labello®)
  5. SONSTIGES:
    1. Schweizer Messer
    2. Klopapier (wasserdicht verpackt)
    3. Plastiktüten für Müll und zum Verpacken/Sortieren des Rucksackinhalts
    4. Schreibzeug (Kugel-, Filzschreiber, Bleistift)
    5. Schuhfett/ -putzzeug
  6. KÜCHEN AUSRÜSTUNG:
    1. Kocher (Gas, Spiritus o.ä.) mit Windschutz
    2. Benzin, Firestar, Ersatzgenerator für Kocher
    3. Feuerzeug, Streichhölzer
    4. Essnapf, Trinkgefäß
    5. Wasserflasche, Thermosflasche
    6. Besteck (Messer, Gabel, Löffel)
    7. Spüli, Putzschwamm, Geschirrtuch
  7. FRESSALIEN:
    1. Trekkingmahlzeiten
    2. evtl. Kartoffelpüree + Milchpulver
    3. evtl. Eipulver
    4. Müsli gemischt (5 - 6 Löffel pro Tag)
    5. Vollmilchpulver, Nesquick
    6. Getränkepulver (div. Geschmacksrichtungen)
    7. Pulver Mineraldrink
    8. Vitamintabletten
    9. Salz, Salztabletten
    10. Fertigsuppen (Erbsen-, Tomaten-, Ochsenschwanz-, etc.)
    11. Teebeutel (min. 4 pro Tag)
    12. Süßstoff, Zitronensäure
    13. Studentenfutter mit Trockenfrüchten
    14. Brot haltbar, Knäckebrot
    15. Salami, haltbarer Käse
    16. Traubenzucker
    17. Müsliriegel, Knabbereien
    18. WASSER
  8. ERSTE HILFE BOX
    1. Alurettungsdecke (Unterkühlung)
    2. Aspirin® o.ä. (Kopfschmerzen)
    3. Immodium®, Metifex® (Durchfall)
    4. Systral® (Allergien, Stiche, Juckreiz)
    5. Bepanthen® (Wunden)
    6. Bepanthen®-Augensalbe (Bindehautentzündung)
    7. Otriven® (Schnupfen)
    8. Frubienzym® (Halsschmerzen)
    9. Mobilat® (Verstauchungen)
    10. Codipront® (Husten)
    11. Antigrippalin® (Gripp.Infekt)
    12. Mullbinden, Pflaster, Leukoplast® (Wundversorgung)
    13. Merfen® Orange (Wunddesinfektion)
    14. Schere, Sicherheitsnadeln, Pinzette, Nähzeug

Fußnoten:
(die Nummern führen zurück zur jeweiligen Textpassage ...)

Ich habe festgestellt, dass ich Emotionen - ganz gleich, ob positive oder negative - sehr viel besser in den Griff bekommen kann, wenn ich sie mitteilen ... in Wort fassen ... und dadurch verarbeiten kann. Da ich allein unterwegs bin, ist der Laptop der einzige, dem ich auch alles Persönliche anvertrauen kann! Ein grenzenlos geduldiger Zuhörer!

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